Individualisierung von Unterricht als schulpädagogische Antwort auf Leistungsheterogenität

6. Mai 2019

  1. Fassen Sie die für Sie wichtigsten Einsichten, die Ihnen diese
    Perspektive eröffnet hat, zusammen.
  2. Welchen Beitrag leistet Ihrer Meinung nach eine solche – auch
    kritische Sichtweise – auf die mit Individualisierung verbundenen
    Herausforderungen und Probleme für die Reflexion des Umgangs mit
    Leistungs-Heterogenität im Unterricht?
  3. Welche Fragestellungen könnten aus einer solchen Sicht in der Beobachtung von Unterricht in Praktika entwickelt werden.

Antwort:

  1. Auf dem ersten Blick scheint die Variante des Individualisierten Unterrichts eine gute Alternative zum Unterricht als Klassengespräch darzustellen, da hier auf die verschiedenen Bedürfnisse und Fähigkeiten der einzelnen SchülerInnen eingegangen werden kann. Wenn man näher hinsieht können jedoch schnell verschiedene Problemstellen gefunden werden. Besonders hervorgestochen hat für mich die erhöhte Arbeitsleistung für die Lehrenden, da diese erstmals eine gründliche und tiefengehende Einsicht in das Vorwissen und die schulischen Kompetenzen der SchülerInnen besitzen muss, und für diese auch einen ausführlichen Lehrplan entwickeln muss. Individualisierung auf Lehrpersonenebene ist also schon allein aufgrund der sich erhöhenden Anforderungen auf die Lehrenden und des bereits existierenden Mangels an qualifizierten Lehrpersonal nur auf kleiner Skala umzusetzen.
  2. Damit die SuS von dem individualisierten Unterricht profitieren, müssen zunächst einige Vorkehrungen getroffen werden. Nicht nur die individuelle Anpassung der Aufgaben und des Zeitfensters zur Bearbeitung dieser muss erfolgen, sondern auch beispielsweise der Einsatz mehrerer Lehrkräfte, die insbesondere auf SuS mit einer Leistungsschwäche eingehen können. Die individualisierte Unterrichtsform, von einer einzelnen Lehrkraft ausgehend, erweist sich als jedoch als Herausforderung, da diese Lehrkraft sich auf verschiedene parallele Prozesse konzentrieren muss. Das Beispiel mit Tarkan zeigt deutlich, dass die Lehrerin sich zu sehr auf Tarkan fixiert, in dem sie an einem Einzeltisch versucht, ihn individuell zu fördern. Diese räumliche Trennung von seinen Mitschüler*Innen führt bereits zu einer sozialen, internen Ausgrenzung. Der zusätzliche Tatbestand, dass die Lehrerin sich intensiv mit Tarkan beschäftigt, lässt ihn gegenüber den anderen Kindern als „Sonderfall“ da stehen. Dieses Beispiel hat also gezeigt, dass eine besondere Behandlung und individuelle Förderung zu einer klassen-internen Ausgrenzung führen kann.
  3. Wie wird mit der Leistungsheterogenität im Unterricht umgegangen?
    Wird der Unterricht auf Grund von Leistungs-Heterogenität mit differenzierten Aufgaben gestaltet?
    Wie reagieren die Lehrkräfte, aber auch die Schüler*innen darauf?
    Welche Leistungen liefert die jeweilige Schulform?
    Sind Probleme erkannt worden und gibt es schon Lösungsansätze?
    Sollte homogenisiertes Lernen der individualisierten Unterrichtsform vorgezogen werden, um Ausgrenzung zu vermeiden?
    Ist eher die Verbesserung der Leistungsdefizite sinnvoll, oder doch die Förderung der individuellen Stärken?
    Kann man individualisierten Unterricht anwenden, ohne die Schüler zu kategorisieren (beispielsweise zwischen „Leistungsstarke“ und „Leistungsschwache“)?
    Gibt es eine deutliche Unterscheidung zwischen den Leistungsstarken und den Leistungsschwachen?
    Zu welchem Extent geht der Dozent auf die einzelnen SchülerInnen ein?
    Wird auf der Unterrichtsebene bzw der Lehrpersonenebene distinguiert?
    Wie reagieren die verschiedenen SchülerInnen auf den Unterrichtsmaterialien, -methoden, -prozesse?
    Wie ist die zu observierende Atmosphäre zwischen der Lehrperson und den SchülerInnen? Werden bestimmte Gruppen bzw Einzelpersonen bevorzugt?
    Wie ist die zu observierende Atmosphäre zwischen den SchülerInnen? Werden bestimmte Gruppen bzw Einzelpersonen ausgegrenzt?

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