{"id":40,"date":"2023-11-13T18:28:21","date_gmt":"2023-11-13T17:28:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/zimtschnecken\/?p=40"},"modified":"2024-01-14T18:13:13","modified_gmt":"2024-01-14T17:13:13","slug":"teilnehmende-beobachtung-netto-parkplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/zimtschnecken\/2023\/11\/13\/teilnehmende-beobachtung-netto-parkplatz\/","title":{"rendered":"Teilnehmende Beobachtung &#8211; Netto-Parkplatz SL"},"content":{"rendered":"<p>Datum: 13.11.2023<\/p>\n<p>Zeitraum: 10:10-10:35<\/p>\n<p>Ort: Vorplatz vom Netto, Admiralstra\u00dfe 54 in Findorff<\/p>\n<p>Um kurz nach 10 treffe ich auf dem Parkplatz zwischen Netto und Aleco an der Admiralstra\u00dfe in Findorff ein. Ich stelle mein Fahrrad in den daf\u00fcr vorgesehenen St\u00e4nder auf der Mitte zwischen den zwei Gesch\u00e4ften, an den schon eine Handvoll R\u00e4der angeschlossen sind. Gerade bin ich die einzige Person auf dem Platz. Die anliegende Stra\u00dfe ist normal befahren und auf dem B\u00fcrgersteig gehen Passant*innen vor\u00fcber, meist alleine, manchmal zu zweit. Vom nahegelegenen Schulhof klingt Kinderlachen und -geschrei her\u00fcber und von einer Baustelle an der Stra\u00dfe kommen Bohrger\u00e4usche hinzu. Ansonsten ist es ziemlich ruhig hier, daf\u00fcr aber umso k\u00e4lter. Auf dem Parkplatz stehen ungef\u00e4hr 20 Autos, darunter 3 Firmenwagen, mit gr\u00f6\u00dftenteils Bremer Kennzeichen. Ich stelle mich vor den Eingangsbereich vom Netto. Rechts von der T\u00fcre gibt es eine \u00fcberdachte Ausgabe von Einkaufswagen und unmittelbar hinter dem Eingang befindet sich eine Leergutabgabe, an der eine kleine Gruppe von Menschen ansteht. Die Leute, die den Parkplatz betreten, kommen entweder auf dem Fahrrad, zu Fu\u00df oder mit dem Auto an, wobei die Radfahrer*innen die kleinste Gruppe bilden, was an der K\u00e4lte liegen mag. Die meisten Menschen sind alleine unterwegs. Es gibt immer wieder Momente, in denen der Platz leer ist und dann wieder solche, in denen sich gleichzeitig mehrere Personen hier aufhalten. Dennoch beobachte ich keine einzige verbale Interaktion zwischen Fremden &#8211; weder Gru\u00df, noch Hinweise oder Kommentare. Lediglich die Leute, die zu zweit ankommen, f\u00fchren Gespr\u00e4che. Au\u00dferdem sind sie meistens langsamer und gem\u00fctlicher unterwegs, w\u00e4hrend die Personen, die alleine ankommen, zielstrebiger und durchgetakteter wirken. Vor allem von denjenigen, die mit dem Auto ankommen, holen sich viele einen Einkaufswagen, andere packen im Gehen eine mitgebrachte Einkaufstasche aus und wieder andere betreten den Laden ohne dergleichen. Die Radfahrer*innen haben oft Rucks\u00e4cke auf und schlie\u00dfen ihr Rad an den Fahrradst\u00e4nder oder lehnen es gegen die Hauswand. Beim Verlassen des Gesch\u00e4fts transportieren die Leute ihre Eink\u00e4ufe entweder per Hand, in einer Tragtasche oder im Einkaufswagen. Letzterer wird dann zum Auto geschoben und anschlie\u00dfend leer wieder zur\u00fcckgebracht. Die Menge an eingekauftem ist meist gro\u00df und scheint den Wocheneinkauf darzustellen, einige wenige haben blo\u00df Verpflegung oder Getr\u00e4nke f\u00fcr den direkten Verzehr in der Hand. Das sind ausnahmslos j\u00fcngere Personen und\/oder solche in Arbeitskleidung. Mir f\u00e4llt auf, dass die Leute mich viel eher in dem Moment registrieren zu scheinen, in dem sie den Einkaufswagen zur\u00fcckbringen, w\u00e4hrend mich viele beim Betreten des Gesch\u00e4fts gar nicht anschauen. Die Personen, die sich am l\u00e4ngsten auf dem Platz aufhalten, sind Senior*innen, Radfahrer*innen und Eltern mit jungen Kindern. Letztere bilden die einzige Gruppe, die aus dem eingespielt wirkenden Ablauf herausstechen, da sie die n\u00f6tigen Handlungen wie beispielsweise die Nutzung eines Einkaufswagens kommentieren, erkl\u00e4ren und begr\u00fcnden. Ansonsten wirkt das Geschehen vor dem Netto geschmeidig und routiniert &#8211; die Leute kommen an, betreten das Gesch\u00e4ft, verlassen es mitsamt ihren Eink\u00e4ufen und verschwinden dann auch wieder vom Parkplatz. Seitens der Menschen kommte es zu keinen Zwischenf\u00e4llen; ein bellender Hund, der vor dem Eingang mit seinem Herrchen auf dessen Begleitung wartet, und ein klemmender Einkaufswagen stellen die einzigen Abweichungen dar. M\u00f6glicherweise hat die zielstrebige und fokussierte Stimmung etwas mit der K\u00e4lte zu tun; insofern, dass niemand in Erw\u00e4gung zieht, sich bei dem Wetter zu verquatschen. Au\u00dferdem mag Montagmorgen eine Zeit sein, zu der viele einiges zu erledigen haben und sich daher weniger ablenken lassen wollen. In jedem Fall ist hier ein Ort, an dem Routine stattfindet und an dem viele unterschiedliche Routinen aufeinander treffen und parallel funktionieren. Und der Ort wirkt beinahe autonom; durch den st\u00e4ndigen Personenwechsel und aufgrunddessen, dass sich niemand konstant hier aufh\u00e4lt, entsteht keine Hierarchie, zu der sich die anwesenden Personen verhalten m\u00fcssten. Nat\u00fcrlich basieren sowohl der gesamte Ablauf als auch die R\u00e4umlichkeiten auf Regelungen und Gesetz, dennoch findet das Geschehen gewisserma\u00dfen unabh\u00e4nig davon statt und entwickelt sich immer neu &#8211; einhergehend mit der aktuellen Konstellation von Menschen.<\/p>\n<p>Tabea H.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Datum: 13.11.2023 Zeitraum: 10:10-10:35 Ort: Vorplatz vom Netto, Admiralstra\u00dfe 54 in Findorff Um kurz nach 10 treffe ich auf dem Parkplatz zwischen Netto und Aleco an der Admiralstra\u00dfe in Findorff ein. 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