{"id":25,"date":"2025-08-31T21:29:23","date_gmt":"2025-08-31T19:29:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/?p=25"},"modified":"2025-08-31T21:39:48","modified_gmt":"2025-08-31T19:39:48","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/2025\/08\/31\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p>1. Theoretische Erkenntnisse<\/p>\n<p>Ein wichtiges Konzept aus der Vorlesung war f\u00fcr mich der Begriff <span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Klassismus.<\/span> Ich habe verstanden, wie sehr die soziale Herkunft den schulischen Alltag beeinflusst und wie schnell Kinder dadurch ausgegrenzt werden k\u00f6nnen. Das deckt sich mit Kemper (2016), der Klassismus als Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder Position beschreibt. Es ist mir deshalb wichtig, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unabh\u00e4ngig von ihrer sozialen Situation ermutigt werden, sich einzubringen. Auch Unsicherheiten oder fehlende Unterst\u00fctzung zu Hause d\u00fcrfen nicht dazu f\u00fchren, dass sie sich weniger wert f\u00fchlen. Besonders deutlich wurde f\u00fcr mich, dass es nicht um die individuelle Leistung alleine geht, sondern dass gesellschaftliche Strukturen wie Armut, Bildungsn\u00e4he oder Zugang zu kulturellem Kapital einen gro\u00dfen Einfluss haben. Wie Bourdieu (1983) mit seiner Kapitaltheorie zeigt, wirken sich ungleiche Verteilungen von \u00f6konomischem, kulturellem und symbolischem Kapital direkt auf die Bildungschancen von Kindern aus.<\/p>\n<p>Ein zweiter zentraler Punkt war die Bedeutung von Beziehungsarbeit im Unterricht. Respekt ist die Grundlage, aber auch Vertrauen und Humor spielen eine gro\u00dfe Rolle. Besonders im Fach P\u00e4dagogik wird deutlich, dass eine gute Lehrer-Sch\u00fcler-Beziehung entscheidend ist, um \u00fcber schwierige Themen wie Diskriminierung oder Mobbing offen sprechen zu k\u00f6nnen. Mir ist wichtig, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sich bei mir wohlf\u00fchlen und das Gef\u00fchl haben, mir auch pers\u00f6nliche Dinge anvertrauen zu k\u00f6nnen. Dabei geht es f\u00fcr mich um ein Gleichgewicht. Einerseits m\u00f6chte ich eine klare Rolle als Lehrerin mit Autorit\u00e4t einnehmen, andererseits sollen die Kinder merken, dass ich sie ernst nehme und wir auch gemeinsam lachen d\u00fcrfen. Diese Mischung aus Respekt und Menschlichkeit sehe ich als Grundlage f\u00fcr gelingenden Unterricht.<\/p>\n<p>2. Faktoren im Umgang mit Heterogenit\u00e4t<\/p>\n<p>In meiner eigenen Schulzeit habe ich stark gesp\u00fcrt, wie soziale Unterschiede sichtbar gemacht wurden. Kleidung oder Marken waren sehr wichtig, und wer nicht mithalten konnte, wurde schnell ausgegrenzt. Diese Form von symbolischem Kapital, also die Anerkennung, die man durch Statussymbole wie bestimmte Marken erh\u00e4lt, hatte im Klassenalltag eine gro\u00dfe Bedeutung. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war das ein Kulturschock, da ich aus Ghana kam, wo durch Schuluniformen solche Unterschiede kaum sichtbar sind. Man k\u00f6nnte sagen, dass ich dadurch einen Habitus-Struktur-Konflikt erlebt habe: Mein gewohnter Habitus passte nicht zu den Strukturen und Erwartungen in Deutschland, wo Kleidung viel st\u00e4rker mit sozialem Status verbunden war. Das machte mich unsicher und schw\u00e4chte mein Selbstbewusstsein.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel war der sogenannte Bremen Pass, ein Ausweis f\u00fcr Kinder aus Familien mit wenig Geld, den ich manchmal in der Schule vorzeigen musste. Besonders diese Situation hat mir gezeigt, wie besch\u00e4mend es sein kann, wenn finanzielle Hintergr\u00fcnde \u00f6ffentlich sichtbar werden. Noch heute erinnere ich mich daran, wie unangenehm es war, die Karte vor der ganzen Klasse zu zeigen und dabei die Blicke der anderen zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Es gab aber auch positive Erfahrungen. Eine Lehrerin achtete zum Beispiel sehr darauf, dass alle Kinder gleich viel Aufmerksamkeit bekamen. Das hat mir gezeigt, wie viel eine faire Haltung ausmacht und wie sehr sie das Selbstwertgef\u00fchl st\u00e4rken kann. Solche Momente haben mir deutlich gemacht, dass P\u00e4dagogik mehr ist als nur Wissensvermittlung, sondern auch eine Form von Beziehungsarbeit, die das Lernen \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Auch beim Thema Mobbing habe ich unterschiedliche Situationen erlebt. Ich habe es nicht nur beobachtet, sondern auch manchmal selbst erfahren. Strohmeier (2019) definiert Mobbing als wiederholte, absichtliche Sch\u00e4digung in einem Machtungleichgewicht. Genau solche Situationen habe ich selbst erlebt. In diesen Momenten habe ich mich gewehrt und gesagt, dass ich das nicht akzeptiere. Wenn andere betroffen waren, habe ich versucht, sie zu unterst\u00fctzen. Es war nicht immer leicht, aber es hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen. Diese Erfahrungen haben mir auch klar gemacht, dass es als Lehrkraft notwendig ist, bei solchen Situationen nicht wegzuschauen. Das betonen auch Wachs und Schubarth (2021), die zeigen, dass Lehrkr\u00e4fte ihr Eingreifen oft \u00fcbersch\u00e4tzen, w\u00e4hrend Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler es viel seltener so wahrnehmen. Kinder brauchen Erwachsene, die eingreifen und deutlich machen, dass diskriminierendes Verhalten nicht akzeptiert wird.<\/p>\n<p>3. Offene Fragen und W\u00fcnsche<\/p>\n<p>F\u00fcr mein weiteres Studium w\u00fcnsche ich mir, mehr \u00fcber konkrete Strategien gegen Mobbing und Ausgrenzung zu erfahren. Mich interessiert vor allem, wie man als Lehrkraft schon fr\u00fchzeitig eingreifen kann, damit Konflikte gar nicht erst eskalieren. Hier w\u00fcrde ich mir auch mehr praktische Beispiele aus dem Schulalltag w\u00fcnschen, damit ich sp\u00e4ter besser vorbereitet bin.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem f\u00e4nde ich es spannend, noch tiefer in das Thema Mehrsprachigkeit einzusteigen. Viele Kinder wachsen mit verschiedenen Sprachen auf und bringen wertvolle Erfahrungen mit, die im Unterricht oft noch zu wenig ber\u00fccksichtigt werden. Gerade f\u00fcr mich ist das ein wichtiges Thema, da ich selbst mehrsprachig aufgewachsen bin und wei\u00df, wie schwierig, aber auch wie bereichernd das sein kann. Ich sehe darin eine gro\u00dfe Chance, Vielfalt nicht als Problem, sondern als Ressource zu begreifen.<\/p>\n<p>Insgesamt nehme ich aus der Vorlesung mit, dass der Umgang mit Heterogenit\u00e4t eine der gr\u00f6\u00dften Aufgaben f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte ist. Es geht nicht nur darum, Unterschiede zu akzeptieren, sondern sie aktiv in den Unterricht einzubeziehen und daf\u00fcr zu sorgen, dass sich alle Kinder wertgesch\u00e4tzt f\u00fchlen. Diese Erkenntnis m\u00f6chte ich auf meinem weiteren Weg immer im Hinterkopf behalten.<\/p>\n<p>Quellen<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (1983): \u00d6konomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Reinhard Kreckel (Hg.): Soziale Ungleichheiten. G\u00f6ttingen: Otto Schwartz &amp; Co., S. 183\u2013198.<\/p>\n<p>Kemper, Andreas (2016): Klassismus. Eine Bestandsaufnahme. Erfurt: Friedrich Ebert Stiftung Landesb\u00fcro Th\u00fcringen.<\/p>\n<p>Strohmeier, Dagmar (2019): Mobbing in multikulturellen Schulen. In: B. Kracke, P. Noack (Hg.), Handbuch Entwicklungs- und Erziehungspsychologie. Springer, Berlin, Heidelberg.<\/p>\n<p>Wachs, S.; Schubarth, W. (2021): Schule und Mobbing. In: T. Hascher, T. Idel, W. Helsper (Hg.), Handbuch Schulforschung. Wiesbaden: Springer VS.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Theoretische Erkenntnisse Ein wichtiges Konzept aus der Vorlesung war f\u00fcr mich der Begriff Klassismus. Ich habe verstanden, wie sehr die soziale Herkunft den schulischen Alltag beeinflusst und wie schnell Kinder dadurch ausgegrenzt werden k\u00f6nnen. Das deckt sich mit Kemper (2016), der Klassismus als Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder Position beschreibt. Es ist mir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":16361,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[8],"class_list":["post-25","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-abschlussreflexion"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16361"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25\/revisions\/29"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/yorke\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}