Was ist Kunst?

Letzte Woche war ich zum ersten Mal im Seminar „Einführung in die Kunstwissenschaft“ in der Weserburg.
Schön hier. Mit all den verstörenden Bildern von Cindy Sherman. Um 11 Uhr morgens. Nach drei Zigaretten trotz Erkältung. Weil das Seminar ja doch erst um 11.30 Uhr beginnt. Hätte man ja riechen können. …Trotz Erkältung.

Naja, ich will mich mal nicht beschweren, immerhin habe ich den ersten Termin verpasst.

Irgendwann geht es dann auch los bzw. weiter mit dem Stoff der Kunstwissenschaft.
Zum Einstieg eine kleine Analyse eines völlig überladenen, aber wahnsinnig guten Musikvideos von Beyonce und ihrem rappenden Mann. Danach dann zu etwas komplexeren Fragestellungen. Anstatt der Frage, was Wissenschaft bzw. wissenschaftliches Arbeiten ist (welche bisher in so ziemlich jeder Veranstaltung für uns unwissende Erstis aufkam, ohne jedoch wirklich geklärt zu werden) packt man in der Kunstwissenschaft wohl gleich zu Anfang so richtig aus und fragt:

„Was ist Kunst?“

Ja…. Was ist eigentlich Kunst? Gugte Frage.
Ob man, wenn man Philosophie studiert, auch gleich beim ersten Termin nach dem Sinn des Lebens gefragt wird?

Klar – auf Wikipedia gibt es bestimmt eine kurze, präzise Definition von Kunst.
Aber der Sinn des Lebens ist ja auch nicht wirklich 42.

Nach kurzer gedanklicher Überforderung finde ich Gefallen an der Frage und stellte mich auf eine wilde Diskussion mit 30 Leuten und 130 Meinungen ein.
Ach schade.Wir bleiben doch auf dem Boden der Tatsachen und bilden Zweiergruppen.
Und anstatt unserer eigenen Gedanken bekommen wir Texte ausgeteilt und sollen die Essenz des Kunstbegriffes, wie ihn andere einst definierten, auf einem Plakat zusammenfassen. Nice.
Am Ende stellt sich dann raus, dass die Antwort auf die gemeine Frage in der Geschichte der Kunst immer wieder überholt und neu definiert wurde. Ergibt Sinn. Cindy Sherman’s Fotografien wären im Mittelalter sicherlich auch keine Kunst gewesen….

Aber was ist denn jetzt Kunst?

Erst fällt mir überhaupt nichts ein.

Dann viel zu viel.

Wo fange ich an? Vielleicht damit, dass Kunst immer im Auge des Betrachters liegt? Und, dass damit eine allgemeine Definition unmöglich ist? Nein, dass wäre irgendwie kontraproduktiv.

Versuchen wir es so:
Kunst muss ja nicht zwingend ein Objekt sein. Es kann zum Beispiel auch ein Text, ein Klang oder eine Performance sein. Jedenfalls muss das Kunstwerk auf irgendeine Art erschaffen oder erdacht werden. Und um etwas zu erschaffen oder zu erdenken braucht jemand (später dann vielleicht der oder die Künstlerin) einen Impuls. Vielleicht ist dieser Impuls das entscheidende?

Angenommen ich will Wasser kochen und der Topf ist noch nicht erfunden.
Ich gehe also in die Werkstatt und versuche etwas zu konstruieren was sich möglichst gut zum kochen von Wasser eignet. Dann ist mein Impuls eher funktional und überhaupt nicht künstlerisch, egal wie ästhetisch der Topf am Ende aussieht und egal wie viel handwerkliches Geschick in ihm steckt.

Ein Impuls, der ein Kunstwerk hervorruft darf also nicht praktischer, funktionaler Natur sein. Er sollte vielmehr der Anregung, des Ausdrucks, der Verarbeitung von Gedanken oder Emotionen dienen.
Oder dem verbildlichen von Worten die nicht gefunden werden können.
Oder dem verwörtlichen von Bildern die nicht gesehen werden können. Ihr wisst was ich meine…

Selbst wenn man aus dem Impuls der Langeweile Farbe auf eine Leinwand klatscht, entsteht meiner Meinung nach Kunst.

Vielleicht liegt Kunst also doch nicht nur im Auge des Betrachters sondern vor allem im Auge – im Impuls – des Schaffenden?

Hoffentlich werden wir beim nächsten Termin von „Einführung in die Kunstwissenschart“ gefragt was gute Kunst ausmacht.
Ich glaube dann wird’s so richtig Interessant.

Peace out, Yannic.

2 Gedanken zu „Was ist Kunst?“

  1. Hallo Yannic, hier spricht Janik,
    schöner Einblick in die Kunstwissenschaft, fast so als wäre ich selber dabei gewesen. Mach dir nicht allzu große Sorgen über die Grundsatzdiskussionen, die sind am Anfang immer etwas schwierig, aber mit jedem Semester kommt mehr Diskussionsfreude auf und auch mehr Wissen um diese anzufeuern.
    Ich glaube dir wird es gefallen.
    Und wenn du mal willst, dass ein/e Dozierende/r eine andere Frage in den Raum stellt, dann sag der Person das! Die Uni ist zum diskutieren da!!
    Machs gut und bis später,
    Janik

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