{"id":22,"date":"2006-12-08T15:19:17","date_gmt":"2006-12-08T13:19:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.didactalab.de\/wp-main\/?p=22"},"modified":"2006-12-08T15:19:17","modified_gmt":"2006-12-08T13:19:17","slug":"interview-in-der-wecker-zu-killerspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/wolf\/2006\/12\/08\/interview-in-der-wecker-zu-killerspielen\/","title":{"rendered":"Interview in &#8220;Der Wecker&#8221; zu Killerspielen"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche bin ich von Herrn Timo Sager f\u00fcr die Sonntagsbeilage &#8220;Der Wecker&#8221; im &#8220;General-Anzeiger&#8221; interviewt worden.  Nicht wirklich ein Blatt mit nationaler Verbreitung, aber immerhin eine Auflage von 100.000 Exemplaren.<\/p>\n<p>Hier das Interview<\/p>\n<blockquote><p>Interview<\/p>\n<p>Frage 1: Herr Wolf, nach den Amokl\u00e4ufen in Erfurt und in Emsdetten wurden sofort Rufe nach einem Verbot von so genannten Killerspielen laut. Blanker Aktionismus oder sinnvolle Forderung?<\/p>\n<p>Das ist eher Aktionismus: einige Politiker glauben, eine einfache L\u00f6sung f\u00fcr ein sehr vielschichtiges Problem gefunden zu haben. So \u00e4u\u00dferst sich auch die Bundesregierung zu einem Verbot zur\u00fcckhaltend, will jedoch die Umsetzung des Schutzes von Heranwachsenden vor gef\u00e4hrdenden Medieninhalten besser umgesetzt wissen. Insofern besteht sicherlich ein Problem, dass Kinder und Jugendliche zu leicht an nicht f\u00fcr sie geeignete Spiele und Filme gelangen \u2013 zumeist \u00fcber das Internet oder den Pausenhof. Hier sind eher die Eltern gefragt, sich mit der Mediennutzung ihrer Kinder auseinanderzusetzen. Schwierig dabei ist, das Eltern zumeist kleinerlei Kenntnisse von Spielen haben. Sie sind sozusagen &#8220;Digitale Immigranten&#8221;, w\u00e4hrend ihre Kinder &#8220;Digitale Einheimische&#8221; sind. Die Website www.schauhin.info hilft Eltern dabei. Angesichts der Brutalit\u00e4t mancher Spiele und Filme w\u00fcrde ich mir jedoch eine ehrliche und tiefgehende Diskussion \u00fcber das Wieviel an Gewalt in den Medien. Und \u00fcber das Ausma\u00df (oder eher das Fehlen) von intelligenter Unterhaltung insbesondere im Fernsehen, da sind die meisten Videospiele besser.<\/p>\n<p>Frage 2: Ist erforscht, ob Ego-Shooter Einfluss auf die Psyche oder das Handeln von Jugendlichen haben?<\/p>\n<p>In der Forschung besteht weitgehend Konsens, dass Mediengewalt negative Effekte haben kann, wenn bestimmte Randbedingungen vorliegen, wie z.B. ein Gewaltklima in der Familie, eine emotionale Vernachl\u00e4ssigung durch die Eltern oder ung\u00fcnstige Peergruppen (Freundeskreise). Das entspricht dem gesunden Menschenverstand: es ist nicht gut, wenn Kinder ihre Schularbeiten und anderen kreativen oder sozialen T\u00e4tigkeiten vernachl\u00e4ssigen, um den ganzen Nachmittag Shooter zu spielen, die auch als das &#8220;Fast Food&#8221; der Computerspiele bezeichnet werden, da ihr Spielprinzip so einfach ist. Und Fast Food ist ja auch nicht gut f\u00fcr den K\u00f6rper. Die tats\u00e4chlichen Wirkzusammenh\u00e4nge auf aggressives Verhalten werden jedoch erst in den n\u00e4chsten Jahrzehnten durch intensive Forschung beantwortet werden k\u00f6nnen. Wahrscheinlich sind auch die Effekte der Videospiele deutlich geringer als andere Faktoren. Detailliert kann man das bei der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung nachlesen, die online (http:\/\/tinyurl.com\/y3eojr)  ein hervorragendes Dossier zu dem Thema Computerspiele bereitstellt.<\/p>\n<p>Frage 3: Worin liegt denn der Reiz dieser Spiele f\u00fcr Kinder und Jugendliche?<\/p>\n<p>Auch dazu gibt es mittlerweile eine Menge an theoretischen Erkl\u00e4rungen in der Wissenschaft. Shooter sind ja eher einfach vom Spielprinzip und durch eine geschickte Kombination von Anforderungen und Belohnungen kommt man schnell in einen Zustand, den der Psychologe Csikzentmihalyi als Flow bezeichnet: ein Vergessen der Umwelt, ein Eintauchen in die T\u00e4tigkeit, das v\u00f6llige Aufgehen in einer T\u00e4tigkeit. Und da unsere Gesellschaft unseren Kindern leider wenig andere M\u00f6glichkeiten zum Flow-Erleben gibt, suchen sie diese in Computerspielen. Klettern in der freien Natur, das Spielen eines Musikinstrumentes, das Spielen eines Brettspiels mit den Gro\u00dfeltern: all das fehlt h\u00e4ufig in der Lebensumwelt einer heutigen Kindheit.<\/p>\n<p>Frage 4: Nun liegt diesen in der Regel Spielen Gewalt als Konfliktl\u00f6sungsmuster zugrunde. Erzieht das die Spieler dazu, dieses Muster auch in die reale Welt zu \u00fcbertragen?<\/p>\n<p>Unbestritten ist, das Lernen am Modell eine der wichtigsten und st\u00e4rksten Erziehungsmittel ist. Wir als Eltern wissen das nur zu gut: wie soll man den eigenen Kindern das Rauchen verbieten, wenn man es selbst macht? Nun spielen die meisten Eltern keine Videospiele, aber die Helden in den Spielen sind h\u00e4ufig sehr gewaltt\u00e4tig. Die ungekl\u00e4rte Frage in der Forschung ist nun, ob das interaktive Tun im Videospiel auf das tats\u00e4chliche Handeln im realen Umfeld \u00fcbertragen wird. Shooter Spieler verstehen sich h\u00e4ufig als E-Sportler und abstrahieren sehr stark von den Inhalten und konzentrieren sich auf Taktik und Reaktionsgeschwindigkeit. Bei sogenannten LAN-Parties geht es zumeist friedlicher zu als in der Gro\u00dfdisko. Eine weitere Frage ist, ob gegebenenfalls die Empathie, also das Mitgef\u00fchl der Kinder besch\u00e4digt wird. Da allerdings Millionen Menschen Computerspiele spielen,m\u00fcssen wir diese Fragen in Zukunft kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Frage 5: Weihnachten steht vor der T\u00fcr. Was raten Sie Eltern, d\u00fcrfen sie dem Wunsch ihrer Kinder nachgeben, auch wenn es sich dabei um ein so genanntes Killerspiel handelt?<\/p>\n<p>Falls sich die Eltern dazu entscheiden, dem Kind ein Videospiel zu schenken, gilt es zu pr\u00fcfen, ob das gew\u00fcnschte Spiel die f\u00fcr das Kind notwendige Altersfreigabekennzeichnung hat. Auch wenn die Kinder jammern: die Altersfreigabe ist ernst zu nehmen. In den neuen Bond darf man ab 12 gehen, sogenannte Killerspiele sind meistens erst ab 16 freigegeben. Zu ber\u00fccksichtigen ist dabei allerdings, das Kinder und Jugendliche h\u00e4ufig andere Wege finden, sich Spiele auch von Freunden oder im Internet zu besorgen. Ein Spiel, das man besitzt, spielt man auch mehr. Insofern k\u00f6nnen die Eltern durch einen gezielten Kauf Einfluss darauf nehmen, was das Kind spielt. Wenn man allerdings in die aktuellen Verkaufscharts schaut, findet man recht wenige Shooter. Eltern sollten sich auch mit dem Kind unterhalten, warum diese genau jenes Spiel haben wollen. Was macht die Spielqualit\u00e4t aus? Kann man es zusammen mit Freunden spielen? Lassen sie sich Alternativen aufzeigen?<\/p>\n<p>Wenn es etwas zum Schie\u00dfen sein muss, sollte man sich &#8220;Lego Star Wars II &#8211; Die klassische Trilogie&#8221; anschauen. Das Spiel ist ab 6 Jahren freigegeben, macht aber auch Erwachsenen Spa\u00df. Und die Eltern sollten mit den Kindern Spielzeiten vereinbaren (z.B. 1 Stunde), wobei man hier als Eltern fr\u00fchzeitig das Ende der Spielzeit ank\u00fcndigen sollte, sonst kann das Kind unter Umst\u00e4nden nicht einen Speicherort im Spiel erreichen, um den m\u00fchsam neu erreichten Spielstand zu sichern.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wie h\u00e4tten Sie geantwortet?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche bin ich von Herrn Timo Sager f\u00fcr die Sonntagsbeilage &#8220;Der Wecker&#8221; im &#8220;General-Anzeiger&#8221; interviewt worden. Nicht wirklich ein Blatt mit nationaler Verbreitung, aber immerhin eine Auflage von 100.000 Exemplaren. 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