{"id":160,"date":"2024-01-29T17:09:18","date_gmt":"2024-01-29T16:09:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/wipsy\/?p=160"},"modified":"2024-01-30T22:30:25","modified_gmt":"2024-01-30T21:30:25","slug":"konfliktkompass-im-bueroalltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/wipsy\/2024\/01\/29\/konfliktkompass-im-bueroalltag\/","title":{"rendered":"Konfliktkompass im B\u00fcroalltag: Mit Kooperation  statt Chaos zum Erfolg"},"content":{"rendered":"<p><em>von <span style=\"font-weight: 400\">Madleen Geisler, <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Filiz Y\u00fcz\u00fcc\u00fc &amp; <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Maleen Schubert<\/span><\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-217 alignright\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/wipsy\/files\/kooperation-1.jpg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/wipsy\/files\/kooperation-1.jpg 1000w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/wipsy\/files\/kooperation-1-300x239.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/wipsy\/files\/kooperation-1-768x611.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/>In der hektischen Welt des 9-to-5-Jobs ger\u00e4t jede:r von uns fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zwischen privaten Krisen und stressigen Deadlines in einen Konflikt \u2012 kleine Dramen lauern hinter jeder Ecke, ob in kollegialen Besprechungen oder beim t\u00e4glichen Plausch an der Kaffeemaschine. Doch bevor du dich in einem Netz aus Missverst\u00e4ndnissen und erhitzten Gem\u00fctern verf\u00e4ngst, wollen wir gemeinsam einen Blick auf m\u00f6gliche Herausforderungen werfen. Herausforderungen, die uns das Miteinander manchmal schwerer machen, als es n\u00f6tig w\u00e4re und wie wir einen konstruktiven Umgang mit ihnen finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wir begeben uns in folgende Situation: du pr\u00e4sentierst gerade deine <\/span><span style=\"font-weight: 400\">\u2012<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> wohlgemerkt ziemlich durchdachte <\/span><span style=\"font-weight: 400\">\u2012<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> Idee deinen Kolleg:innen sowie der Chefin im Meeting, als ein Kollege dir ins Wort f\u00e4llt, er habe eine noch bessere. Das nervt dich, schlie\u00dflich bist du ziemlich stolz auf deine Idee und solche egozentrischen Typen, die keine anderen L\u00f6sungen als ihre eigenen akzeptieren, kannst du generell nicht ausstehen. Eigentlich kennst du deinen Kollegen gar nicht gut genug, um ihn als egozentrischen Menschen zu bezeichnen <\/span><span style=\"font-weight: 400\">\u2012<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> diese Zuschreibung nennt sich <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Attribution<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\"> und ist eine Erkl\u00e4rung, die du dir f\u00fcr das Verhalten deines Kollegen oftmals unbewusst zurechtlegst.\u202f\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Hierf\u00fcr kann die Attributionstheorie<\/b><span style=\"font-weight: 400\"> nach Heider (1958) einen Erkl\u00e4rungsansatz liefern. Die Theorie erkl\u00e4rt, wie Menschen zu Schlussfolgerungen \u00fcber die Ursachen f\u00fcr das Verhalten anderer Menschen oder des eigenen Verhaltens gelangen. Diese k\u00f6nnen z. B. durch das Zuschreiben bestimmter Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften und Motive oder auch durch situative Faktoren erfolgen. In diesem konkreten Fall bedeutet das, dass du deinem Kollegen zuschreibst, ein egozentrischer Mensch zu sein und dass er dir deswegen ins Wort gefallen sei. Deine Annahme in dieser Situation k\u00f6nnte sein, dass dein Kollege dir ins Wort f\u00e4llt, da die Chefin anwesend ist und er im Hinblick auf die baldigen Gehaltsverhandlungen im guten Licht dastehen m\u00f6chte. Diese Annahme l\u00e4sst dich nicht unber\u00fchrt: dadurch, dass du eine schlechte Absicht deines Kollegen vermutest, gehst du nicht mehr so empathisch auf seine Idee ein, wie du es ohne Vorannahmen tun w\u00fcrdest. So sinkt deine Kooperationsbereitschaft ihm gegen\u00fcber, was nun wiederum negative Auswirkungen auf den weiteren Verlauf eures sich formenden Konflikts hat. \u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><b>Einen \u00e4hnlichen Prozess<\/b><span style=\"font-weight: 400\"> konnten Cohen-Chen et al. (2023) in ihrer Forschungsarbeit von sechs einzelnen Studien belegen. Sie untersuchten, wie sich die Gleichg\u00fcltigkeit des Gegen\u00fcbers im Konflikt auf die eigene Bereitschaft auswirkt, mit diesem zusammenzuarbeiten, wenn das Gegen\u00fcber keine enge Bezugsperson ist. Gleichg\u00fcltigkeit bedeutet hierbei, dass auf eine emotionale Situation \u00fcberraschend unemotional reagiert wird. Die Forschung zeigt, dass Personen weniger bereit sind, mit ihrem Gegen\u00fcber zu kooperieren, wenn dieses im Konflikt gleichg\u00fcltig wirkt. F\u00fcr diesen Prozess nennen die Forscher:innen mehrere Gr\u00fcnde: zum einen macht es schlechtere Laune, wenn dem Gegen\u00fcber der Konflikt egal zu sein scheint. Zum anderen vermutet man bei einem Gegen\u00fcber mit \u201cMir-doch-egal-Haltung\u201d vielleicht, dass dieses im Konflikt nicht mit einem kooperieren wird <\/span><span style=\"font-weight: 400\">\u2012<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> warum sollte man da schlie\u00dflich selbst noch kooperationsbereit bleiben?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Konflikte am Arbeitsplatz sind unvermeidlich, doch wie wir mit ihnen umgehen, kann den entscheidenden Unterschied machen. Anstelle von Konfrontation und Abwehr sollten wir auf Anerkennung, Verst\u00e4ndnis, gemeinsame L\u00f6sungen und somit auf <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Kooperation<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\"> setzen. Deutsch (2011) hat einige Strategien benannt, um Konflikte konstruktiv anzugehen und eine positive Entwicklung f\u00fcr alle Beteiligten zu f\u00f6rdern. Zun\u00e4chst betont er die Relevanz der passenden Haltung: es ist essenziell, sich als Team zu begreifen und Gemeinsamkeiten in Einstellung, Werten und Ideen zu identifizieren, um so eine Grundlage f\u00fcr die L\u00f6sung des Konflikts zu schaffen. Interessenkonflikte betrachtet er dabei als gemeinsame Probleme, die in Zusammenarbeit gel\u00f6st werden sollten. Die Kooperationsbereitschaft f\u00f6rdert nicht nur das Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander, sondern f\u00fchrt auch zu nachhaltigen L\u00f6sungen, von denen alle profitieren k\u00f6nnen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Wenn du den Konflikt<\/b><span style=\"font-weight: 400\"> mit deinem Kollegen also l\u00f6sen oder gar vermeiden m\u00f6chtest, ist es entscheidend, dich auf seine positiven Eigenschaften zu konzentrieren. Auch wenn dir dies zuerst schwerfallen mag, kann sich so die Atmosph\u00e4re zum Positiven \u00e4ndern und eure gemeinsame L\u00f6sungssuche st\u00fctzen. Zudem kann eine empathische Herangehensweise, die auch auf die Perspektive deines Kollegen R\u00fccksicht nimmt, euren Prozess hin zu einer positiven L\u00f6sung eures Konflikts beeinflussen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ein weiterer Schl\u00fcssel ist die offene Kommunikation <\/span><span style=\"font-weight: 400\">\u2012<\/span><span style=\"font-weight: 400\"> f\u00f6rdere daher einen Dialog, der erm\u00f6glicht, dass du und dein Kollege an der Situation wachsen k\u00f6nnt. Nutze dabei auch die Unterst\u00fctzung von anderen Kolleg:innen, um euer Teamgef\u00fchl weiter zu st\u00e4rken und sorge dabei immer f\u00fcr Ausgewogenheit, damit sich alle Beteiligten fair behandelt und geh\u00f6rt f\u00fchlen. M\u00f6chtest du das Problem direkt ansprechen, ist es dabei wichtig, pers\u00f6nliche Angriffe zu vermeiden und stattdessen auf eine respektvolle Kommunikation zu setzen.\u202f Gemeinsame Fortschritte schaffen eine positive Dynamik, von der alle profitieren und legen so die Grundlage f\u00fcr eine angenehme und produktive weitere Zusammenarbeit. Selbstreflexion und der Abstand von der Situation k\u00f6nnen in deinem Team Schl\u00fcsselaspekte f\u00fcr eine dauerhaft gelingende Konfliktl\u00f6sung sein. \u00a0 \u00a0 <\/span> <span style=\"font-weight: 400\">\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Also: versuch doch, deine Attributionen beim n\u00e4chsten Meeting aktiv zu reflektieren und m\u00f6gliche Konflikte als Chancen f\u00fcr Wachstum und Entwicklung f\u00fcr alle Beteiligten zu betrachten. Mit einer kooperativen und win-win-orientierten Einstellung kannst du positive Ver\u00e4nderungen bewirken und die Arbeitsatmosph\u00e4re nachhaltig verbessern.\u202f\u00a0<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\"><strong>Cohen-Chen, S., Brady, G. L., Massaro, S., &amp; van Kleef, G. A. (2022)<\/strong>. Meh, whatever: The effects of indifference expressions on cooperation in social conflict. <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Journal of Personality and Social Psychology, 123(6)<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">, 1336\u20131361. https:\/\/doi.org\/10.1037\/pspi0000392<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\"><strong>Deutsch, M. (2011).<\/strong> Cooperation and competition. In P. T. Coleman (Ed.), <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Conflict, interdependence, and justice: The intellectual legacy of Morton Deutsch<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">, 23\u201340. Springer Science + Business Media.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-1-4419-9994-8_2<\/span><\/p>\n<p><strong>Heider, F. (1958). <\/strong><i><span style=\"font-weight: 400\">The psychology of interpersonal relations<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">. Wile<span style=\"color: #000000\">y. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><a style=\"color: #000000\" href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1037\/10628-000\"><span style=\"font-weight: 400\">http:\/\/dx.doi.org\/10.1037\/10628-000<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p><strong>Bildquellen:<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-weight: 400\"><strong>Unsplash (2020).<\/strong> Menschen sitzen auf St\u00fchlen mit braunen St\u00fchlen, abgerufen am 28.01.2024. <\/span><a style=\"color: #000000\" href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/menschen-sitzen-auf-stuhlen-mit-braunem-holztisch-mlVbMbxfWI4\"><span style=\"font-weight: 400\">https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/menschen-sitzen-auf-stuhlen-mit-braunem-holztisch-mlVbMbxfWI4<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Madleen Geisler, Filiz Y\u00fcz\u00fcc\u00fc &amp; Maleen Schubert In der hektischen Welt des 9-to-5-Jobs ger\u00e4t jede:r von uns fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zwischen privaten Krisen und stressigen Deadlines in einen Konflikt \u2012 kleine Dramen lauern hinter jeder Ecke, ob in kollegialen Besprechungen oder beim t\u00e4glichen Plausch an der Kaffeemaschine. 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