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RV14 – Abschlussreflexion

1.     Bennen Sie die für Sie zentralsten (mindestens zwei verschiedene) theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich als besonders prägnant mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret sowohl Bezug auf:
a)     Die unterschiedlichen, fachdidaktischen Aspekte und übertragen Sie diese in der Ringvorlesung gewonnenen Erkenntnisse auf die Didaktiken der von Ihnen studierten Fächer. Beziehen Sie sich hierbei auch auf die didaktischen Erkenntnisse mindestens eines Faches, das Sie nicht selbst studieren.
b)    Generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht. Bitte benennen Sie für diesen Aufgabenteil dabei konkret mindestens zwei relevante Literaturquellen (Autor*innen, Jahr, Titel)

Die für mich zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die ich aus den Vorträgen der Ringvorlesung als besonders prägnant mitgenommen habe, sind zum einem die der Inklusion und zum anderen die der Migration. Speziell das Ressourcen- Etikettierungs-Dilemma (vgl. Flüssel/Kretschmann, 1993, Gemeinsamer Unterricht für behinderte und nicht-behinderte Kinder) ist mir dabei aus der siebten Ringvorlesung in Erinnerung geblieben. Schüler*innen mit Förderbedarf werden in Kategorien eingeteilt, dass Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma betrifft jedoch besonders die Förderbedarfskategorien „Wahrnehmung und Entwicklung“, „Lernen“ und „Emotional-soziale Entwicklung“. Durch diese Kategorisierung der Schüler*innen in die verschiedenen Hilfebedarfsgruppen werden die Schüler*innen stigmatisiert. Zuschreibungen, wie Schüler*innen mit dem Förderbedarf emotionale-soziale Entwicklung sind depressiv oder aggressiv, können entstehen und so die eigene Wahrnehmung und das eigene Handeln negativ beeinflussen.
Rückblickend auf die Vorlesung zu dem Thema Migration habe ich als besonders prägnant mitgenommen, dass Schüler*innen mit Migrationshintergrund breitgefächerte Nachteile in dem deutschen Bildungssystem erfahren. Migration gilt an Schulen noch nicht als Normalfall, Neu-Zugewanderte werden durch Selektion in Sondermaßnahmen oder Parallelstrukturen gegliedert. Besonders in Hinblick auf den Lehrberuf finde ich prägnant, dass Schüler*innen mit Migrationshintergrund im Durschnitt seltener auf dem Gymnasium und häufiger in niedriger qualifizierten Schulformen zu finden sind, als Schüler*innen ohne Migrationshintergrund, jedoch mit gleichem sozialen Status und dass dieser Aspekt vor allem auf dem Effekt von Lehrer*innenempfehlungen beruht ( vgl. SVR, 2017, Vielfalt im Klassenzimmer).

Die von mir studierenden Fächer sind Germanistik und Geographie. Bei beiden Fächern, als auch bei allen anderen, empfinde ich es als sehr wichtig, Schüler*innen nicht aufgrund ihrer Hilfebedarfsgruppe zu stigmatisieren, sondern als Individuen anzunehmen und sich durch eigene Erfahrungen ein Bild von den Ressourcen der Schüler*innen zu machen. Gerade im Deutschunterricht kann beispielsweise ein*e Schüler*in von der Heterogenität der Klasse profitieren. Beispielsweise können eher leistungsschwächere Schüler*innen im Deutschunterricht von leistungsstärkeren Schüler*innen profitieren. Sie können von den anderen Schüler*innen lernen und sie als Vorbilder nutzen, um so ihre Leistung zu verbessern.

Ähnlich wie bei Schüler*innen mit unterschiedlichen Hilfebedarfsgruppen, profitieren auch Schüler*innen mit Migrationshintergrund von einer heterogenen Klassen. Dabei möchte ich mich speziell auf das Erlernen der deutschen Sprache beziehen. Durch Selektion und Parallelstrukturen wird ihnen eben dieses Erlernen erschwert, Grammatik und Vokabeln gelehrt, jedoch das tatsächliche Sprechen der Sprache wenig ermöglicht. Vor allem das Erlernen der Bildungssprache wird somit erschwert, welche oftmals bereits für Schüler*innen schwierig erscheint, welche die deutsche Sprache als ihre Muttersprache definieren. Eine inklusive und heterogene Klasse kann somit unterstützen, die deutsche Sprache zu erlernen. Zudem kann Mehrsprachigkeit besonders fachübergreifend genutzt werden, indem Herleitungen aus den verschiedenen Sprachen genutzt werden, um so Fachbegriffe zu verstehen und sich selbst zu erklären.

Im Geographieunterricht kann vor allem Migration gut erfasst und thematisiert werden. Humangeographische Aspekte können zu einem besseren Verständnis der unterschiedlichen Kulturen führen und somit mehr für Aufklärung und Gleichberechtigung sorgen. Vor allem die positiven Seiten von Migration sollten dabei aufgefasst werden, wie dass durch Migration der Mangel an Fachkräften eingedämmt wird und somit einen sehr wichtigen Aspekt darstellt, sowohl für die Gesellschaft als auch für die Wirtschaft.

Geographie und Inklusion kann besonders mit den Repräsentationseben (vgl. Bruner, 1974, Entwurf einer Unterrichtstheorie) verknüpft werden. Die Repräsentationsebenen sind die enekative, ikonische und symbolische Ebene. Beispielsweise können Exkursionen alle drei Ebenen umfassen. Schüler*innen haben die Möglichkeit durch eigenes Handeln ihre Umwelt zu erfahren und Zusammenhänge zu erlenen. Die ikonische Ebene könnten die tatsächlichen Gegenstände sein, in etwa Blätter und Äste und die symbolische Ebene könnte die sprachliche Benennung eben dieser sein.


2.     Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenität (z.B. Unterrichtsformen, Schulformen, schulstrukturelle Fragen, schulkulturelle Aspekte, Lehrer*innenhandeln), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, prägen im Rückblick auf ihre eigenen Praxiserfahrungen (eigene Schulzeit, Berichte aus der Praxis, ggf. auch schon eigene Praxiserfahrungen) den Schulalltag besonders stark – und warum? Hier können Sie aus Ihrer Sicht besonders gelungene oder auch weniger gelungene Beispiele geben. Inwiefern helfen Ihnen die Inhalte der Vorlesung, eine solche Einschätzung vorzunehmen? Nehmen Sie konkret Bezug auf entsprechende Begriffe, Theorien, Konzepte, die Sie kennengelernt haben.

Im Rückblick auf meine eigene Schulzeit, sowie auf meine Erfahrungen an einer Tagesbildungsstätte für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, an welcher ich ein freiwilliges soziale Jahr absolviert habe, ist mir besonders der Aspekt der Inklusion in Erinnerung geblieben. Ich habe verschiedene Schulen in einer Kleinstadt in Niedersachsen besucht. Während meiner gesamten Schulzeit war der Unterricht alles andere als inklusiv, das Schulsystem noch in Sonder-, Haupt-, Realschule und Gymnasium gegliedert. Schüler*innen mit Behinderungen oder Hilfebedarfen besuchten somit entweder die Sonderschule oder eine Einrichtung wie die Tagesbildungsstätte, in der ich später gearbeitet habe. Besonders die Vorlesungen bezüglich des Themas Inklusion haben mir weitergeholfen, nochmals einen anderen Blickwinkel einzunehmen, haben mir nochmals neue Denkanstöße gegeben, wie sie ermöglicht werden könnte. Zuvor stand ich dem tatsächlichen Gelingen eher skeptisch gegenüber, da ich mir schwer vorstellen konnte, wie Schüler*innen mit schweren und mehrfach Behinderungen in das allgemeine Bildungssystem inkludiert werden können, so dass auch ihre Bedürfnisse weiterhin berücksichtigt werden. Dass auch inklusive Kleingruppen inklusiv gestaltet werden können, hat mich ein Stück weit von meinen vorigen Gedanken gelöst – jedoch nicht gänzlich -, da ich eine ganz andere Vorstellung der Umsetzung von Inklusion an Schulen des allgemeinen Bildungssystems hatte.

Zudem ist mir generell das System der Oberschule neu. Wie bereits geschrieben, bin ich noch in dem dreigliedrigen, beziehungsweise viergliedrigen – unter Berücksichtigung der Sonderschule – zur Schule gegangen. Dass es dieses System so hier in Bremen nicht mehr zu geben scheint, interessiert mich sehr, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass so die Heterogenität der Schüler*innen besser berücksichtigt werden kann.

 

3.     Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium in Bezug auf das Modulthema UMHET? Welche haben Sie vermisst? Bitte begründen Sie.

Besonders die Frage „Meint Inklusion wirklich alle?“ hat mich sehr nachdenklich gestimmt und hat sich für mich nicht im Verlauf des Semesters beantwortet. Wie bereits in der zweiten Aufgabe geschildert, hat sich meine Sichtweise ein Stück geändert, jedoch nicht gänzlich. Aus meiner Arbeit als Heilerziehungspflegerin habe ich Menschen mit Behinderungen kennengelernt und mit ihnen gearbeitet, die aus den unterschiedlichsten Gründen in kein System zu passen schienen. Resultat waren unter anderem regelmäßig wechselnde Einrichtungen. Daher stellt sich mir weiterhin die Frage – meint Inklusion wirklich alle? Und was passiert mit dem „Rest“?

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, bezieht sich auf das Thema Diskriminierung, vor allem in Hinblick auf Migration und Religion, sowie auf genderspezifische Diskriminierung. Bereits in der Vorlesung zu Antisemitismus wurde unter anderem Diskriminierung in Bezug auf jüdische Schüler*innen thematisiert, jedoch fehlten mir in der Vorlesung konkrete Maßnahmen und Handlungsoptionen, wie ich als Lehrperson in der Situation handeln und dazu beitragen kann, die Situation zu entschärfen und vor allem aufzuklären.

Eine Antwort auf „RV14 – Abschlussreflexion“

Liebe Vanessa,
Sie haben die gestellte Aufgabe zur Abschlussreflexion vollumfänglich erfüllt. Die Schwerpunkte, die Sie bei Ihren Ausführungen setzen, Inklusion, Migration und Antisemitismus setzen Sie in einen sinnvollen Zusammenhang mit ihren beiden FÄchern Geographie und Germanistik, ihre eigenen Praxiserfahrungen verdeutlichen, dass in der Verknüpfung von Praxis und Theorie (theoretisch basierte Reflexion der Praxis) gute Relexionsprozesse entstehen können.
Bestanden.
Yasemin Karakasoglu

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