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RV10 – Dr. Sabine Horn & Clara Suchodolski: Über jüdisches Leben reden – (k)ein Tabu? Zum Umgang mit Antisemitismus in Bildungsinstitutionen

1. Welche Berührungspunkte hatten Sie bereits mit dem Thema Antisemitismus? Beschreiben Sie für Sie wichtig erscheinende Situationen und wie Sie diese vor dem Hintergrund dieser Vorlesung bewerten würden.

Vor einigen Jahren war ich für ein Wochenende in Berlin und bin mit Freunden durch die Straßen der Stadt gegangen. In einer der Straßen befand sich ein sehr großes Haus, vor dem zwei Männer standen, die mit Waffen gerüstet waren. Sie standen vor dem Hauseingang und ihr Anblick verwirrte mich. Auf Nachfrage beantwortete mir einer meiner Freunde, dass dies eine Synagoge sei und die Männer davor zum Schutz der Menschen diene, die die Synagoge besuchen wollen, da Juden teilweise noch immer Ziel rassistischer Taten sind. Dies war für mich eine sehr wichtige Situation, da mir diese Realität zuvor nicht so richtig im Bewusstsein war. Gerade verbunden mit dem Anblick der bewaffneten Männer hat mir bewusst werden lassen, dass Antisemitismus nicht nur irgendwo beschrieben und nur darüber gesprochen wird, sondern tatsächlich passiert.

2. Welche Fragen haben sich für Sie durch den Vortrag ergeben? In welchen Bereichen fühlen Sie sich noch unzureichend informiert oder vorbereitet, um sich mit Antisemitismus in der Schule als Lehrkraft zu befassen?

Für mich hat sich vor allem die Frage ergeben, wie ich konkret mit antisemitischen Vorfällen umgehen kann (als Lehrkraft). Die zuletzt genannten Handlungsoptionen für einen besseren Umgang mit Antisemitismus wirkten auf mich eher als Präventivmaßnahmen, welche jedoch nicht Handlungsmöglichkeiten im konkreten Fall beschreiben. Was sind die nächsten Ebenen, an wen kann ich mich wenden, wen kann ich mir mit ins Boot holen? Wie kann ich Schüler*innen schützen, wie kann ich mir helfen und mich schützen, was kann ich machen, wenn es beispielsweise von einer Lehrkraft ausgeht oder einer höhergestellten Person? Natürlich ist zu berücksichtigen, dass es keine „Pauschallösung“ gibt, jedoch hätte ich es hilfreich gefunden, Anregungen zu erfahren.

3. Beschäftigen Sie sich mit folgendem Szenario: Ein Elternteil spricht Sie persönlich als Lehrkraft darauf an, dass ein Schüler Ihrer Klasse von verbalen antisemitischen Übergriffen betroffen war. Überlegen Sie, wie ein konstruktiver Umgang mit dieser Situation aussehen könnte.

Zunächst einmal würde ich den Eltern zeigen, dass ich sie und die Situation ihres Kindes sehr ernst nehme. Ich würde erfragen, ob der/die Schüler/in für ein Gespräch bereit wäre, um die Situation genauer aufschlüsseln zu können. Zusammen mit dem/der Schüler/in und den Eltern würde ich versuchen, einen Lösungsweg zu finden, mit dem sich vor allem aber der/die Schüler/in wohl fühlt. Eventuell würde ich noch zusätzlich weitere Lehrkräfte informieren, damit auch diese aufmerksamer agieren können, um so die Situation weiter regulieren und entgegenwirken zu können.

Eine Antwort auf „RV10 – Dr. Sabine Horn & Clara Suchodolski: Über jüdisches Leben reden – (k)ein Tabu? Zum Umgang mit Antisemitismus in Bildungsinstitutionen“

Hallo Vanessa,
ich finde dein Blogbeitrag zu diesem schwierigen Thema ist dir gut gelungen und ich finde ihn interessant zu lesen.
Deine Erfahrung in Berlin mit Antisemitismus, bzw. den präventativen Maßnahmen zeigen deutlich, dass das leider immer noch ein großes Thema im Alltag vieler Juden ist. Das finde ich sehr erschreckend und ist mir durch dein Beispiel wieder bewusst geworden. Ich hatte persönlich noch keine solchen Erfahrungen, meine einzigen Berührungspunkte damit waren in meiner Schulzeit im Geschichtsunterricht durch Filme o.ä..
Zur 2. Frage: Deine genannten Beispiele finde ich sehr passend und sind tatsächlich auch die Fragen, die ich mir dazu gestellt habe. Denn eine Reaktion der Lehrkraft auf antisemitische Äußerungen im Unterricht muss sofort erfolgen und ich kann mir vorstellen, dass man als Lehrkraft damit so spontan etwas überfordert sein kann, bzw. nicht sofort weiß, welche Maßnahmen getroffen werden sollten, um auch im Denken und Handeln des Täters langfristig etwas zu verändern. Eine weitere Frage/wichtiger Punkt wäre, wie man die Schüler dazu bringt, selbst aufmerksam und sensibel zu werden, um Antisemitismus im Alltag zu erkennen.
Zur 3.Frage finde ich deinen Lösungsansatz gut, die Eltern und evtl. noch weitere Lehrkräfte mit in Boot zu holen, allerdings würde ich das noch weiter führen und das Thema allgemein in der ganzen Klasse aufgreifen. Beispielsweise durch generelle Aufklärung und der Besuch von Zeitzeugen. Auch würde ich das direkte Gespräch mit dem Täter und seinen/ihren ELtern suchen und ermitteln, wie es dazu kommen konnte und welche Auslöser es dafür geben könnte.

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