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RV10 – Dr. Sabine Horn & Clara Suchodolski: Über jüdisches Leben reden – (k)ein Tabu? Zum Umgang mit Antisemitismus in Bildungsinstitutionen

1. Welche Berührungspunkte hatten Sie bereits mit dem Thema Antisemitismus? Beschreiben Sie für Sie wichtig erscheinende Situationen und wie Sie diese vor dem Hintergrund dieser Vorlesung bewerten würden.

Vor einigen Jahren war ich für ein Wochenende in Berlin und bin mit Freunden durch die Straßen der Stadt gegangen. In einer der Straßen befand sich ein sehr großes Haus, vor dem zwei Männer standen, die mit Waffen gerüstet waren. Sie standen vor dem Hauseingang und ihr Anblick verwirrte mich. Auf Nachfrage beantwortete mir einer meiner Freunde, dass dies eine Synagoge sei und die Männer davor zum Schutz der Menschen diene, die die Synagoge besuchen wollen, da Juden teilweise noch immer Ziel rassistischer Taten sind. Dies war für mich eine sehr wichtige Situation, da mir diese Realität zuvor nicht so richtig im Bewusstsein war. Gerade verbunden mit dem Anblick der bewaffneten Männer hat mir bewusst werden lassen, dass Antisemitismus nicht nur irgendwo beschrieben und nur darüber gesprochen wird, sondern tatsächlich passiert.

2. Welche Fragen haben sich für Sie durch den Vortrag ergeben? In welchen Bereichen fühlen Sie sich noch unzureichend informiert oder vorbereitet, um sich mit Antisemitismus in der Schule als Lehrkraft zu befassen?

Für mich hat sich vor allem die Frage ergeben, wie ich konkret mit antisemitischen Vorfällen umgehen kann (als Lehrkraft). Die zuletzt genannten Handlungsoptionen für einen besseren Umgang mit Antisemitismus wirkten auf mich eher als Präventivmaßnahmen, welche jedoch nicht Handlungsmöglichkeiten im konkreten Fall beschreiben. Was sind die nächsten Ebenen, an wen kann ich mich wenden, wen kann ich mir mit ins Boot holen? Wie kann ich Schüler*innen schützen, wie kann ich mir helfen und mich schützen, was kann ich machen, wenn es beispielsweise von einer Lehrkraft ausgeht oder einer höhergestellten Person? Natürlich ist zu berücksichtigen, dass es keine „Pauschallösung“ gibt, jedoch hätte ich es hilfreich gefunden, Anregungen zu erfahren.

3. Beschäftigen Sie sich mit folgendem Szenario: Ein Elternteil spricht Sie persönlich als Lehrkraft darauf an, dass ein Schüler Ihrer Klasse von verbalen antisemitischen Übergriffen betroffen war. Überlegen Sie, wie ein konstruktiver Umgang mit dieser Situation aussehen könnte.

Zunächst einmal würde ich den Eltern zeigen, dass ich sie und die Situation ihres Kindes sehr ernst nehme. Ich würde erfragen, ob der/die Schüler/in für ein Gespräch bereit wäre, um die Situation genauer aufschlüsseln zu können. Zusammen mit dem/der Schüler/in und den Eltern würde ich versuchen, einen Lösungsweg zu finden, mit dem sich vor allem aber der/die Schüler/in wohl fühlt. Eventuell würde ich noch zusätzlich weitere Lehrkräfte informieren, damit auch diese aufmerksamer agieren können, um so die Situation weiter regulieren und entgegenwirken zu können.

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RV09 – Dr. Christoph Fantini: Heterogenitätskategorie Gender – Ansätze zur Entwicklung einer interkulturelle gendersensiblen Pädagogik

1. Erläutern Sie das in der Vorlesung thematisierte Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Zuschreibungen in Bezug auf Genderdynamiken und -Pädagogik in der Schule. Nehmen Sie dafür Bezug auf die in der Vorlesung genannten theoretischen Ansätze.

In der Gender-Debatte geht es um verschiedene Ebenen. Zum einen um Thesen zur Geschlechterdynamik bei Schüler*innen. Bei dieser These geht es um den Umgang von Schüler*innen untereinander, was man ihnen zuschreibt und welche Inszenierung bei ihnen beobachtet werden können. Dabei bilden Zuschreibungen und Inszenierungen ein Spannungsfeld. Die Zuschreibungen beziehen sich auf die geschlechtstypischen Merkmale, wie die provokative und zugespitzte Zuschreibung, Jungen seien sozialinkompetent, Mädchen ruhiger, disziplinierter, aufmerksamer…
Inszenierung meint die Darstellung des Geschlechts. Dabei werden verschiedene Ansätze unterschieden, nämlich ob die geschlechtspezifische Inszenierung biologisch/ von der Natur her gegeben ist, oder ob die Erziehung während des Aufwachsens ebenfalls einen Einfluss auf die geschlechtsspezifische Inszenierung hat. Zwei Thesen wurden aufgestellt, die eine beschreibt, dass das Geschlecht kulturell bedingt ist und nicht biologisch. Die andere These bezieht sich auf beide Aspekte, dass das Geschlecht sowohl kulturell bedingt, jedoch auch von biologischen Faktoren beeinflusst wird.
Das Spannungsfeld besteht nun darin, dass Schüler*innen ihr Geschlecht inszenieren, es als eine Rolle annehmen und nach außen tragen und aufgrund dessen Zuschreibungen passieren. So werden beispielsweise Mädchen in MINT-Fächern benachteiligt, Jungen dafür in sprachlichen Fächern.

2. Reflektieren Sie ihre bisherigen Praxiserfahrungen aus der eigenen Schulzeit und ersten Praktika zum schulischen „Genderplay”, möglichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenitätsfeld der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, Inklusion.

Aus meiner eigenen Schulzeit sind mir sehr stark die Gruppenarbeiten in Gedächtnis geblieben. Meine Erfahrungen bezüglich dessen war, dass die Jungen mit denen ich in einer Gruppe zusammengearbeitet habe, sich meistens eher zurückgenommen haben, sich weniger beteiligt haben und auch weniger daran Interesse zu haben schienen, wie die Bewertung der Gruppenarbeit später ausfiel. Sie schienen generell gelassener. Wohingegen die Mädchen meist gewissenhafter die Aufgaben bearbeiteten, eher „gestresster“ waren in dem Bestreben, eine gute Note zu erhalten. Dies konnte ich nicht nur in den Gruppen beobachten, in denen ich aktiv mitgewirkt habe, sondern auch bei Vorträgen anderer Gruppen. Während der Präsentationen schienen die Jungen eher gelassen, hatten zwischendurch auch mal einen lockeren Spruch eingeworfen und lachten auch mal zwischendurch. Die Mädchen hingegen wirkten ernster.
Das unterschiedliche Verhalten spiegelte sich teilweise auch in den Noten wieder. Die Mädchen wurden meistens besser benotet als die Jungen, was seitens der Jungen als ungerecht betitelt worden ist. Oftmals zeigten sie auch wenig Verständnis.

3. Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe für kommende Praktika zum Thema „gendersensible Pädagogik“, auch hier möglichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenitätsfeld der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, Inklusion, um deutlich zu machen, dass Kategorie Gender nicht für sich steht, sondern andere Dimensionen von Heterogenität oftmals wesentlich mit beeinflusst wird.

Wie wirkt sich geschlechtsspezifische Inszenierung seitens der Lehrer*innen auf das Verhalten der Schüler*innen aus? Zeigen sich unterschiede und wenn ja, welche?

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RV07: Prof.Dr. Frank J. Müller – Doing it wrong, doesn’t make it wrong. Inklusive Pädagogik und ihre Umsetzung

1) Reflektieren Sie die Konsequenzen der Aussonderung von Schüler_innen mit Förderbedarf?

Konsequenzen wurden beschrieben in Form von Negierung von Schüler*innen mit Förderbedarf. Werden Schüler*innen mit Förderbedarf ausgesondert und in eine homogene Gruppe gegliedert, so fehlen ihnen weitestgehend die Vorbilder zur sprachlichen, motorischen, emotionalen, sowie zur Lernentwicklung. Das beschriebene Beispiel in der Vorlesung mit dem Schüler, der die Worte eines anderen Schülers echolalierte (“Und dann?”), verdeutlicht meiner Meinung nach sehr gut, wie sich Konsequenzen des fehlenden Vorbildes in der Praxis auswirken können. Statt sich im Bereich der Sprache/ Kommunikation weiterzuentwickeln, stagniert der Schüler in dem Entwicklungsbereich, da ihm das Vorbild fehlt, welches ihm vorführt, wie vielfältig Kommunikation sein kann.

2) Welche Informationen sind in der Diagnose „Förderschwerpunkt Wahrnehmung&Entwicklung“ bzw. „Förderschwerpunkt Lernen“ enthalten? Welche Informationen benötigen Sie von einer Schüler_in um Ihren Unterricht ggf. anzupassen?

Schüler*innen mit dem Förderbedarf Wahrnehmung und Entwicklung, sowie mit dem Förderbedarf Lernen werden zieldifferent unterrichtet. Dies bedeutet, dass sie nach einem separaten Lehrplan unterrichtet werden.
Benötigte Informationen sind vor allem die Zielsetzungen des Kindes, der Eltern, was bisher gut gelingt oder auch welche Unterstützungssysteme sich bewährt haben.

3) Wie können Sie in Ihrem Unterricht die Zugänglichkeit und Anschaulichkeit von Medien/Materialien verbessern? Welche Verbündeten können sie dazu gewinnen?

Die Zugänglichkeit und die Anschaulichkeit der genutzten Medien/Materialien kann dadurch verbessert werden, möglichst viele verschiedene Sinne anzusprechen. Der Wissenserwerb kann dabei handelnd, bildhaft oder sprachlich stattfinden oder aber auch durch Videos unterstützt werden, da dieses Medium sowohl das Handeln, als auch das Bildhafte und Sprachliche beinhaltet. Die Nutzung von technischen Hilfen kann außerdem weiter dabei helfen, die Anschaulichkeit von Medien/ Materialien zu verbessern. Ein Time-Timer beispielsweise könnte dafür genutzt werden, um die Zeit für eine Aufgabe zu verbildlichen und ein Zeitgefühl zu entwickeln.
Zudem kann ich mit Hilfe von Kommiliton*innen oder Lehrer*innen anderer Schulen in den Austausch gehen und somit neue Verbündete dazu gewinnen. Auch das gemeinsame Entwickeln von Materialien im Jahrgangsteam kann zur Verbesserung beitragen.

4) Wählen Sie eines der Lernvideos auf path2in.uni-bremen.de aus, schauen Sie es sich an und schreiben Sie kurz eine begründete Empfehlung für Ihre Kommiliton_innen, warum es sich ggf. lohnt sich das Video anzusehen.

Das Video „Carina Kühne – Sichtweisen von Menschen mit Beeinträchtigung“ handelt von einem Interview mit Carina Kühne, einer Frau mit Trisomie 21. Ich finde es sehr schön mit anzusehen und zu hören, wie sie von ihren Erfahrungen spricht. Es lohnt sich, das Interview mit Frau Kühne anzusehen, da sie als Betroffene von ihren Erfahrungen erzählt und ihre Meinung zu den gestellten Fragen äußert, anstatt dass Dritte (nicht betroffenen Personen) über die bestehenden Probleme und Vorurteile gegenüber von Menschen mit Behinderungen berichten. Frau Kühnes Erzählungen sind sehr bewegend und regen zum Nachdenken an, vor allem als sie von ihren Erfahrungen in ihrer Ausbildung und in einem Praktikum erzählt. Sie erzählt unter anderem von Mobbing am Arbeitsplatz, Diskriminierung und von starken Vorurteilen. Frau Kühnes Erzählungen Verdeutlichen, wie sehr noch die gesellschaftlichen Sichtweisen geändert werden müssen. Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Frau Kühne aus dem Interview, welches mich besonders zum Nachdenken bewegt hat: „Eigentlich fühle ich mich gar nicht behindert“.

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RV06: Dr. Eileen Schwarzenberg – Meint Inklusion wirklich alle? Aktuelle Diskussionslinien und praktische Umsetzung

1. Benennen Sie bitte die für Sie zentralen theoretischen Aspekte aus der Vorlesung und begründen Sie die Auswahl.

Ein zentraler theoretischer Aspekte aus der Vorlesung ist zum einem der Weg zur Inklusion, welcher durch Exklusion, Seperation oder Segregation und Integration unterteilt ist. Besonders dabei hervorzuheben ist die Entwicklung der gesellschaftlichen Ansicht, Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind bildungsunfähig hin zu Kinder und Jugendliche mit Behinderung haben ein Recht auf Bildung und sind lernfähig. Ohne diesen Wandel wäre Inklusion überhaupt nicht möglich, Kinder und Jugendliche mit Behinderung wären weiterhin exkludiert, hätten keine Möglichkeit eine Schule zu besuchen, da sie weiterhin als nicht bildungs- und lernfähig erachtet werden. Ihnen diese Fähigkeiten anzuerkennen, ihnen Kompetenzen und Ressourcen zuzuschreiben, ist also die Grundvoraussetzung.

Des Weiteren finde ich von zentraler Bedeutung, dass in der UN-Behindertenrechtskonvention anerkannt wird, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf Bildung haben (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Belange von Menschen mit Behinderungen, UN-Behindertenrechtskonvention 2017, Artikel 24 Absatz (1)), sowie nicht von dem allgemeinem Bildungssystem aufgrund ihrer Behinderung ausgeschlossen werden dürfen (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, UN-Behindertenrechtskonvention 2017, Artikel 24 Absatz (2) a)). Dies ist ebenfalls eine Grundvoraussetzung für Inklusion, Menschen mit Behinderungen werden Rechte anerkannt, sie können sich darauf berufen und am allgemeinem Bildungssystem teilnehmen. Dadurch, dass sie durch Gesetze u.ä. unterstützt werden, erfahren sie mehr Gleichberechtigung, ebenfalls wird ihnen mehr Teilhabe am Leben ermöglicht. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt, um Inklusion zu ermöglichen.

Ich möchte noch einen weiteren theoretischen Aspekt aufführen, nämlich den der genannten „inkludierenden Exklusion“. Dieser Begriff umfasst das bereits vorher genannte Recht auf Teilhabe an Bildung und Erziehung in Institutionen, also das Recht auf Inklusion. Der Begriff umfasst aber auch die Exklusion von Menschen mit Behinderungen, denn weiterhin bestehen Sonder- oder Förderinstitutionen, fernab vom allgemeinem Bildungssystem, in denen Menschen mit Behinderungen unterrichtet, beziehungsweise gefördert werden. Diesen Aspekt finde ich besonders wichtig, denn er verdeutlicht, dass zwar bereits ein großer und sehr positiv zu bewertender Wandel in Hinsicht Inklusion geschehen ist, dieser Wandel jedoch bei weitem nicht abgeschlossen ist.

2. Lesen Sie bitte die Fallbeispiele (unten als Datei angehängt; auch auf StudIP im Dateienordner RV06 zugänglich) und beantworten die Fragen.

Finn: Spontan ging mir durch den Kopf, dass Finn eine feste und gleichbleibende Struktur in seinem Alltag benötigt, um auch in der Schule gut zurecht kommen zu können. Die Rahmenbedingungen müssten an seine Bedürfnisse angepasst werden. Er scheint sich selber nicht gut strukturieren zu können (Ungeduld in Freiarbeitsphasen) und fühlt sich durch Unruhen seitens der Mitschüler gestört. Daher vermute ich, dass Finn eine vorgegebene Struktur benötigt, an die er sich orientieren kann und einen separaten Arbeitsplatz, an den er sich nicht von seinen Mitschülern gestört fühlt. Didaktisch-methodisch würde ich im Unterricht berücksichtigen, dass Finn vor allem Ruhe benötigt, um seine Aufgaben konzentriert zu bearbeiten. Daher würde ich ihm vor allem die Möglichkeit geben, sich einen ruhigen Platz, wenn möglich im Klassenraum oder in der Nähe von diesem, aufzusuchen. Auch auf seine Ungeduld würde ich didaktisch-methodisch wirken, um mögliche Eskalationen zu vermeiden. Demnach würde ich eventuell verbalisieren, dass ich seine Meldung gesehen habe und mir bewusst bin, dass er die Aufgabe wahrscheinlich sehr gut bearbeitet hat. Dabei würde ich abwägen, ob er dabei eine zu gesonderte Stellung gegenüber seinen Mitschülern erhält oder dies tatsächlich benötigt, um sich in seiner Person angenommen zu fühlen. Wichtig vor allem bei Finn finde ich, seine Verhaltensauffälligkeiten als Ausdruck eines bestehendes Problems und nicht die Auffälligkeit an sich als Problem zu sehen. Seine körperlichen und verbalen Attacken sind hier als Ausdruck anzusehen, als Hinweis auf ein bestehendes Problem. Auch seine Ungeduld ist eine Art Symptom für tiefgreifendere Problematiken, die herauszufinden und interpretieren zu sind, um gegebenfalls daran didaktisch-methodisch anzusetzen.

Hanna: Hanna wird als ehrgeizig beschrieben und kommt für mich sehr gewissenhaft rüber (arbeitet bei allen Aufgaben mit, erledigt sie gewissenhaft). Allerdings scheint sie auch sehr schnell abgelenkt zu werden (sauberes Ausradieren der Fehler, Putzen und Aufräumen des Platzes). Demnach würde ich die Rahmenbedingungen daran anpassen und nicht auf weitere und intensivere Förderungsgruppen setzen, da sie diese bereits zwei Mal wöchentlich besucht. Angepasste Rahmenbedingungen wären also für Hanna ein möglichst reizloses Arbeitsumfeld. Nur die nötigsten Sachen auf ihrem Platz zu haben, könnte sie weniger ablenken. Arbeitsheft und Stift könnten für sie ausreichend sein, so dass sie nicht nach dem Radiergummi greifen muss, sondern Fehler durchstreichen kann und auch nicht in die Versuchung kommt, ihren Platz aufzuräumen, da nicht viel aufzuräumen ist. Didaktisch-methodisch würde ich genau daran ansetzen und sie verbal daran erinnern, welche Arbeitsmaterialien sie genau benötigt. So könnte ihre Aufmerksamkeit länger aufrechterhalten werden und sie könnte sich besser auf die Aufgaben konzentrieren, so dass sie diese auch besser und schneller versteht.

Malik: Malik wirkt auf mich wie ein Schüler, der viele Kompetenzen besitzt an denen man anknüpfen kann. Er versteht das meiste in leichter Sprache, er erkennt seinen Namen und kann diesen schreiben. Auch die Namen der anderen Schüler kennt er und erkennt sie am Schriftbild. Er kennt alle Buchstaben, die Ziffern 1-9 und die Lagebeziehungen (Oben, unten, links, rechts). Er hat ein gutes Gedächtnis, spielt gerne Memory und merkt sich aktuelle Liedtexte aus den Charts. Daran würde ich auch die Rahmenbedingungen und das didaktisch-methodischen Vorgehen ansetzen. Um seine Kompetenzen zu erweitern, sich beispielsweise die Buchstaben zu merken, sowie ein Mengenverständnis zu entwickeln und die Bedeutung von Lagebeziehungen zu erwerben, würde ich seine beschriebenen Vorlieben nutzen. Gerne Memory zu spielen und sich aktuelle Liedtexte aus den Charts zu merken würde ich also dafür nutzen, um einen Kompetenzerwerb zu erreichen. So könnte er beispielsweise anhand eines Memory-Spiels sich die Buchstaben merken. Groß- und Kleinbuchstaben sind getrennt auf Karten abgebildet und das Ziel ist es, den passenden Kleinbuchstaben zum Großbuchstaben zu finden. Der Spaß am Spiel könnte dazu beitragen, sich die Buchstaben besser merken zu können. Dazu kann die Aussprache des aufgedeckten Buchstaben Teil des Spiels sein, um auch diese zu Verbessern und sich die Buchstaben besser merken zu können.

Lena: Bei Lena finde ich es schwierig herauszulesen, was ihr Wunsch oder Bedürfnis ist zu lernen. Auf Elternwunsch besucht sie ein Förderzentrum für körperlich-motorische Entwicklung. Daher gehe ich davon aus, dass Lena auf Wunsch der Eltern in ihre körperlich-motorischen Kompetenzen gefördert werden sollen. Da jedoch auch ihre kognitiven Fähigkeiten durch ihre Behinderungen eingeschränkt werden, könnte auch hier ein Kompetenzerwerb in Frage kommen. Ziel könnte sein, ihre Kommunikation auszubauen. Lena kommuniziert bisher über Mimik/Gestik und Symbole und Fotos. Daher scheint sie die Fähigkeit zu haben, Symbole zu erkennen, ebenso ihre Bedeutung zu wissen. Daran könnte angesetzt werden, Rahmenbedingungen und didaktisch-methodische Vorgehensweisen angelehnt werden. So könnte Lena mit Hilfe von technischen Mitteln, Talker oder Tobii Technologien oder ähnliches ihre Kommunikationsfähigkeiten ausbauen. Dabei ist besonders wichtig, dass alle Menschen in ihrem Umfeld mit den Geräten und den Umgangsweisen mit ihnen vertraut sind. Nur so hat Lena wirklich die Chance, mit Hilfe dieser Technologien zu kommunizieren. Auch eine enge Begleitung bei der Bedienung dieser Geräte ist wichtig. Mit Lena muss erarbeitet werden, was das Gerät macht, was das Ziel dahinter ist, wie Lena es bedienen kann, welches Symbol welche Bedeutung hat. Auch muss die Sortierung der Symbole an Lenas Bedürfnisse angepasst werden. So kann Lena auf lange Sicht selbstbestimmter werden, kann sich nicht nur auf Nachfrage äußern, sondern aktiv die Kommunikation einleiten.

Reflektieren Sie bitte anschließend Ihre bisherigen Erfahrungen an Schulen:
a) Wie würden Sie Ihre Erfahrungen im Hinblick auf die theoretischen Aspekte aus der Vorlesung einordnen? (U.a. Modelle von Behinderung, „inkludierende Exklusion“).
In meiner Schulzeit habe ich keinerlei Erfahrungen bezüglich Inklusion gemacht. Weder in der Grundschule, noch auf dem Gymnasium. In der Stadt, in der ich die Schulen besucht habe, gab es einen „Schulkomplex“. Gymnasium grenzte an die Realschule an, etwas weiter gab es die Sonderschule und gegenüber der Sonderschule befand sich die Bildungseinrichtung der dortigen Lebenshilfe, die Kinder und Jugendliche mit Behinderungen beschulen. Diese Konstellation zeigt deutlich, dass während meiner Schulzeit Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder mit Förderbedarf separiert worden sind. Diese deutliche Separation hatte auch erkennbare Auswirkungen der Schüler und Schülerinnen aller anderen Schulen, die dem allgemeinem Bildungssystem angehörten. Die Schüler und Schülerinnen der separierten Schulen wurden gemieden, Stereotypen ihnen gegenüber gebildet und ihnen gegenüber auch ausgesprochen. Erst viel später, ich schätze vier Jahre nach meinem Abschluss, habe ich mitbekommen, dass die Sonderschule geschlossen worden ist und die Schüler und Schülerinnen in das allgemeine Bildungssystem inkludiert worden sind. Jedoch nicht die Schüler und Schülerinnen der Einrichtung der Lebenshilfe. Diese Bildungseinrichtung besteht immer noch, ist immer noch separiert. Jedoch später in meinem freiwilligem sozialem Jahr, welches ich in dieser Einrichtung gemacht habe, habe ich erfahren, dass eine Schulklasse dieser Bildungseinrichtung jeden Vormittag in eine Grundschule des normalen Bildungssystem fährt, am Nachmittag jedoch zurück in die Einrichtung der Lebenshilfe fährt. Leider konnte ich keine Einblicke in die Gestaltung des Unterrichts machen, jedoch bewerte ich die Tatsache, dass die Klasse in eine Klasse des allgemeinen Bildungssystems „eingeführt“ wurde und im späteren Verlauf wieder von ihr getrennt wurde als inkludierende Exklusion. Die Schüler und Schülerinnen werden zwar an eine Schule des allgemeinen Bildungssystems empfangen, sind dennoch Schüler und Schülerinnen einer „geschützten“ und separierten Institution, sie sind kein „richtiger Teil“ des allgemeinem Bildungssystems.

b) Welche Meinungen sind Ihnen im Praktikum/ in Praxiserfahrungen insbesondere zu der Frage der Inklusion von SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Oberschulen und Gymnasien begegnet und welche Auffassungen vertreten Sie selbst?

Ich habe bereits in meinem freiwilligem sozialem Jahr in einer Schule für Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen gearbeitet und daran anschließend eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolviert. Aus dem freiwilligen sozialen Jahr habe noch die Meinung der Klassenleitung aus der Klasse, in der ich gearbeitet habe, in Erinnerung. Die Klassenleitung sah sich der Inklusion sehr zwiegespalten gegenüber. Auf der einen Seite wurde sie als sehr positiv empfunden, auf der anderen Seite aber auch kritisch in Frage gestellt. Der positive Aspekt beinhaltete mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, mehr Gleichberechtigung, mehr „Normalität“ und keine Sonderbehandlung. Der kritische Aspekt hingegen beinhaltete die Frage, wie Menschen mit komplexen Behinderungen an dem allgemeinem Bildungssystem teilnehmen können, ohne dass dabei ihre Bedürfnisse in den Hintergrund geraten. Es wurde hinterfragt, ob die Teilnahme an dem normalen Bildungssystem wirklich positive Auswirkungen, vor allem für Menschen mit komplexen Behinderungen, hat, wie der Unterricht gestalten werden müsste, ob nicht der Mensch mit der komplexen Behinderung dadurch noch weiter Exklusion erfährt, mehr Diskriminierung und dazu weniger Förderung, als in einer Schule, die ausschließlich Menschen mit Behinderungen unterrichtet. Auch in meiner Ausbildung wurde das Thema Inklusion breit diskutiert, Ergebnisse waren ähnliche wie bereits dargelegt. Vor allem wurde geäußert, damit Inklusion wirklich eine reelle Chance hat, Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen nicht in das bestehende System einzugliedern, sondern das System anzupassen. Dabei tauchte natürlich die Frage auf, wer die Schüler und Schülerinnen begleitet. Der weiterarbeitete Fachkräftemangel stand im Vordergrund. Zudem die Erzählung von unserer Berufsschullehrerin, die einen Sohn mit Diabetes hat, der zur Zeit eine Grundschulklasse besucht. Probleme wie Überforderung mit der Versorgung des Diabetes waren nicht unüblich, seitens der Lehrkräfte.
Erfahrungen mit Inklusion speziell bezogen auf Gymnasien/Oberschulen habe ich leider keine gemacht, daher habe ich meine 7allgemeine Erfahrungen beschrieben.
Abschließend meine eigene Meinung bezüglich des Themas: Ich teile viele kritische Auffassungen und Bedenken bezüglich Inklusion und Bildungssystem, jedoch finde ich das Ziel äußerst wünschenswert, wenn es auch das Ziel des Menschen mit Behinderung ist. Noch immer sind viele Menschen mit Behinderungen exkludiert oder integriert, werden in einem geschützten Rahmen, Institution, erlebt. Viele wünschen sich mehr Teilhabe am Leben, mehr „Normalität“ und kein „Sonderfall“ zu sein. Daher sehe ich Inklusion als gute Möglichkeit, bereits in der Kindheit „Normalität” zu erfahren, somit auch die Gesellschaft zu sensibilisieren, so dass spätere Generationen keinen Unterschied mehr machen zwischen Menschen mit oder Menschen ohne Behinderungen.

3. Formulieren Sie bitte eine Beobachtungsaufgabe für den inklusive Unterricht für zukünftige Praktika.

Welche Ressourcen und Kompetenzen bringt der/ die Schüler/in mit Unterstützungsbedarf mit und wie werden diese Ressourcen und Kompetenzen genutzt, um ihn/sie am Unterricht teilhaben zu lassen?