{"id":18,"date":"2019-06-22T11:42:22","date_gmt":"2019-06-22T09:42:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/viviwillswissen\/?p=18"},"modified":"2019-06-22T11:42:22","modified_gmt":"2019-06-22T09:42:22","slug":"welche-heterogenitaetsdimensionen-spielen-im-naturwissenschaftlich-technischen-unterricht-eine-besondere-rolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/viviwillswissen\/2019\/06\/22\/welche-heterogenitaetsdimensionen-spielen-im-naturwissenschaftlich-technischen-unterricht-eine-besondere-rolle\/","title":{"rendered":"\u201eWelche Heterogenit\u00e4tsdimensionen spielen im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht eine besondere Rolle?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen eines Projekttages d\u00fcrfen die Sch\u00fcler*innen der 3b w\u00e4hlen, ob sie lieber Naturgegenst\u00e4nde sammeln und damit ein Wald-Mandala gestalten oder aber in B\u00e4umen aufgeh\u00e4ngte Nistk\u00e4sten abh\u00e4ngen und reparieren m\u00f6chten. Sandra interessiert sich mehr f\u00fcr die Nistk\u00e4stenaufgabe, w\u00e4hlt aber wie die meisten anderen M\u00e4dchen der Klasse das Mandala-Vorhaben. Finden Sie m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen f\u00fcr diese Entscheidung vor dem Hintergrund der \u201egrundlegenden psychologischen Bed\u00fcrfnisse\u201c nach Deci und Ryan (1993).<\/p>\n<p>Ich gehe davon aus, dass Sandra das Bed\u00fcrfnis hat, sich in die Gruppe der Klasse zu integrieren, um keine Au\u00dfenseiterin zu werden. In Bezug auf Gender spielen hier Interessenentwicklung, Identit\u00e4tsentwicklung \/ Selbstkonzept eine gro\u00dfe Rolle. M\u00e4dchen der Klasse 3B assoziieren das handwerkliche Arbeiten im Kontrast zum k\u00fcnstlerischen Arbeiten wahrscheinlich eher mit der m\u00e4nnlichen Geschlechterrolle, doch es ist wichtig, dieses Denken brechen zu k\u00f6nnen, um ein positives, f\u00e4higkeitsbezogenes Technik-Selbstkonzept zu entwickeln. Deswegen ist es wichtig, dass Kinder im Grundschulunterricht Gender-Bender Vorbilder vorfinden (k\u00f6nnen) um sich nicht auf Vorurteile hinsichtlich dessen zu versteifen. Aus diesem Grund kann auch gesagt werden, dass Grundschulen vielleicht weibliche Hausmeisterinnen einstellen sollten, um klischeehafte Rollenvorbilder nicht zu stabilisieren.<br \/>\nEventuell hat Sandra keine Erfahrung mit technik-kompetenten weiblichen Vorbildern.<\/p>\n<p>Welche didaktischen Entscheidungen konterkarieren in dieser Situation (paradoxer Weise?) f\u00fcr den Gro\u00dfteil der 3b die F\u00f6rderung vielf\u00e4ltiger Interessen?<\/p>\n<p>Deci und Ryan gehen davon aus, dass das Kompetenzerleben wichtig f\u00fcr die kindliche Entwicklung ist, da sich ein Schulkind nur dann als handlungsf\u00e4hig erlebt und Aufgaben aus eigener Kraft bew\u00e4ltigen kann.<br \/>\nAu\u00dferdem spielt die die Selbstbestimmung \/ Autonomie eine gro\u00dfe Rolle, so dass das Schulkind seine Ziele und Vorgehensweisen selbst bestimmen kann.\u00a0 Dies kann allerdings in der Umsetzung schwierig werden, denn auch die soziale Eingebundenheit ist f\u00fcr Kinder wichtig.<br \/>\nIm Fallbeispiel ist Sandra sie soziale Eingebundenheit wichtiger als die Selbstbestimmung &#8211; beides spielt aber eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr die Entwicklung des Kindes.<br \/>\nF\u00fcr Sandra besteht die Gefahr, dass sie auf der einen Seite riskiert, nicht sozial eingebunden zu sein (mit den anderen M\u00e4dchen) und auf der einen Seite sich der Gruppe zu f\u00fcgen, daf\u00fcr aber eine Aufgabe machen muss, an der sie eher weniger gro\u00dfes Interesse hat.<\/p>\n<p>Eine Kollegin berichtet im Lehrer*innenzimmer, dass sie im Werkunterricht bei Partnerarbeiten meist Junge\/M\u00e4dchen kombiniert, um Kompetenzunterschiede auszugleichen. Kommentieren Sie diesen Ansatz mit Blick auf verschiedene denkbare Auspr\u00e4gungen technikbezogener Selbstkonzepte der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Einerseits ist es gut, Jungen und M\u00e4dchen miteinander arbeiten zu lassen, weil dann die dadurch entstehenden Gruppen zumindest geschlechter-heterogen sind. Andererseits: Das Geschlecht hat in keinem Fall etwas mit der Kompetenz zu tun, zumindest sollte man davon niemals ausgehen, denn auch M\u00e4dchen k\u00f6nnen handwerklich durchaus begabt sein. Der Ansatz der Kollegin ist gut, die Begr\u00fcndung nicht ganz so. Denn das w\u00fcrde bedeuten, dass die Lehrerin die Auspr\u00e4gungen technikbezogener Selbstkonzepte bei Jungen eher vermutet als bei M\u00e4dchen. Durch diese Sicht der Dinge k\u00f6nnte eine \u00e4hnliche Ansicht an die Kinder weitergegeben werden und dies ist unter allen Umst\u00e4nden zu vermeiden.<\/p>\n<p>Sie m\u00f6chten eine Bachelorarbeit zu gendersensiblem Sachunterricht schreiben. Formulieren Sie eine m\u00f6gliche Forschungsfrage hierzu und erl\u00e4utern Sie, inwiefern Unterrichtsbeobachtungen oder Befragungen von Sch\u00fcler*innen bzw. Lehrer*innen f\u00fcr Ihre Bearbeitung der Forschungsfrage hilfreich sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Inwieweit arbeiten geschlechtergemischte Gruppen im Sachunterricht anders als Gruppen gleichgeschlechtlicher Sch\u00fcler oder Sch\u00fclerinnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen eines Projekttages d\u00fcrfen die Sch\u00fcler*innen der 3b w\u00e4hlen, ob sie lieber Naturgegenst\u00e4nde sammeln und damit ein Wald-Mandala gestalten oder aber in B\u00e4umen aufgeh\u00e4ngte Nistk\u00e4sten abh\u00e4ngen und reparieren m\u00f6chten. Sandra interessiert sich mehr f\u00fcr die Nistk\u00e4stenaufgabe, w\u00e4hlt aber wie die meisten anderen M\u00e4dchen der Klasse das Mandala-Vorhaben. 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