{"id":10,"date":"2019-05-23T17:39:40","date_gmt":"2019-05-23T15:39:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/viviwillswissen\/?p=10"},"modified":"2019-05-23T23:01:29","modified_gmt":"2019-05-23T21:01:29","slug":"10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/viviwillswissen\/2019\/05\/23\/10\/","title":{"rendered":"Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in der Primarstufe"},"content":{"rendered":"<p>1. In der Lehrerkonferenz diskutieren Sie die Empfehlungen f\u00fcr die\u00a0jeweilige weiterf\u00fchrende Schule der einzelnen Sch\u00fcler*innen. F\u00fcr\u00a0einen Sch\u00fcler, der vor zwei Jahren nach Deutschland und nach einiger\u00a0Zeit in der Vorklasse in Ihre Klasse gekommen ist, soll \u2013 lediglich\u00a0aufgrund seiner Deutschkenntnisse \u2013 von einer Empfehlung f\u00fcr das\u00a0Gymnasium abgesehen werden. Nehmen Sie auf Basis der Inhalte der\u00a0Vorlesung Stellung dazu.<\/p>\n<p>Einerseits ist zu beachten, dass der Sch\u00fcler mit seinen Deutschkenntnissen nicht das Leistungsniveau erf\u00fcllen k\u00f6nnte, welches auf dem Gymnasium erwartet wird.<br \/>\nEr k\u00f6nnte, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, Schwierigkeiten haben und wenn man ihn ohne Bedenken mit Empfehlung auf das Gymnasium schicken w\u00fcrde, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Realschule besuchen m\u00fcssen, sofern er in dieser Zeit seine Sprachkenntnisse nicht ausbauen konnte.<br \/>\nDennoch gilt es, auch etwas anders zu beachten:<br \/>\nAlle Kinder, ob mit Mirgationshintergrund oder ohne, m\u00fcssen in ihrer Sprachentwicklung eine<br \/>\nRegisterdifferenzierung durchlaufen und das in der Schule<br \/>\nverlangte formelle Register erwerben.<br \/>\nKinder mit Erstsprache Deutsch haben hier nat\u00fcrlich einen entscheidenden Vorteil.<br \/>\nSie profitieren dabei von Entsprechungen zwischen den Variet\u00e4ten des Deutschen und<br \/>\ndem formellen Register, das diese als Standardsprache \u00fcberdacht.<br \/>\nKinder mit Zweitsprache Deutsch haben oft nicht die M\u00f6glichkeit das formelle Register aus Entsprechungen zu ihrer<br \/>\nErstsprache abzuleiten, was es f\u00fcr sie schwieriger macht. Daraus ergibt sich nat\u00fcrlich ein h\u00f6herer<br \/>\nLernaufwand.<br \/>\nMeiner Meinung nach ist jeder Sch\u00fcler und jede Sch\u00fclerin mehr als nur eine Note und jemanden lediglich wegen mangelhafter Sprachkenntnisse auf die Realschule zu schicken, finde ich zu eindimensional betrachtet.<br \/>\nSollte der Sch\u00fcler seine Sprachkenntnisse mit anderen Talenten ausgleichen k\u00f6nnen, w\u00fcrde ich ihm mit einer Gymnasialempfehlung und einer guten Sprachentwicklung sogar das Abitur zutrauen.<br \/>\nTrotzdem muss hier auch den Eltern ans Herz gelegt werden, das Kind beispielsweise zum Lesen oder Schreiben zu animieren, um an dem sprachlichen Defizit zu arbeiten.<\/p>\n<p>2. Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit \u2013 in der hier verstandenen\u00a0breiten Sicht \u2013 in Schule und Unterricht (selbst als Sch\u00fcler*in\u00a0und oder Praxiserfahrungen) haben Sie bislang gemacht? Diskutieren\u00a0Sie die Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung<\/p>\n<p>In der ersten Klasse durfte ich einen Sch\u00fcler beobachten, dessen erste gelernte Sprache T\u00fcrkisch war.<br \/>\nDer Junge hat beide Sprachen beherrscht, hatte manchmal ein paar Verst\u00e4ndnisfragen zu Worten und war sich auch in der Grammatik des Deutschen nie zu 100% sicher, aber es war toll zu erleben, wie er seinen Freunden, die nicht alle T\u00fcrkisch sprachen, ein paar t\u00fcrkische Worte und sogar Lieder beibrachte und dies auch positiv in den Unterricht mit einflie\u00dfen lie\u00df, was die Lehrerin nur gut hei\u00dfen konnte.<\/p>\n<p>3. Was m\u00f6chten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer\u00a0zuk\u00fcnftigen Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und\u00a0welche F\u00e4higkeiten fehlen Ihnen daf\u00fcr noch?<\/p>\n<p>Ich habe den Balance-Akt zwischen &#8222;Ein Kind mit seinen sprachlichen Kenntnissen tolerieren und f\u00f6rdern&#8220; und &#8222;Es m\u00fcssen Mindestleistungsstandards erreicht und Kompetenzen erworben werden&#8220; erkannt, was die Sache nicht gerade einfacher macht.<br \/>\nZu beachten gilt es auf jeden Fall, dass alle Kinder auf einem anderen Sprachniveau sind und das Kinder mit DaZ gef\u00f6rdert werden m\u00fcssen, sowohl im allegemein- als auch im bildungssprachlichen Kontext.<\/p>\n<p>4. Wie muss Schule unserer mehrsprachigen Gesellschaft gestaltet sein.\u00a0Welche Rahmenbedingungen m\u00fcssen gegeben sein, damit Sie die\u00a0Mehrsprachigkeit ihrer Sch\u00fcler*innen einbeziehen und einen\u00a0registersensiblen Fachunterricht gestalten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Eine mehrsprachige Schule muss jedes einzelne Kind auf unterschiedliche Weisen f\u00f6rdern und fordern k\u00f6nnen, egal auf welchem Leistungsstand sie sind. Wichtig ist, nicht das Fehlende der deutschen Sprachkenntnisse, sondern das Vorhandensein von Mehrsprachigkeit zu tolerieren und auch zu f\u00f6rdern, denn Mehrsprachigkeit ist eine St\u00e4rke und kann beim Lernen einer neuen Sprache helfen. Daf\u00fcr ist meiner Meinung nach auch die Mehrsprachigkeit der Lehrkraft ein deutlicher Vorteil, weil man mit dieser F\u00e4higkeit mehrsprachige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler besser verstehen und f\u00f6rdern kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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