Abschlussreflexion

Juli 18, 2019 |  Tagged | Schreibe einen Kommentar

Nr. 1

Die Ringvorlesung zum Thema Heterogenität in Bezug auf mein Deutschstudium bzw. meine spätere Profession als Deutschlehrerin, hat mir vor allem noch einmal verdeutlicht, sich die Heterogenität nicht nur schlicht z.B. auf die unterschiedlichen Sprachen beziehen lässt, sondern auch versteckt ist. Wie bei der Wahl der Literatur. Dass diese Wahl einen großen Einfluss hat auf die Persönlichkeitsentwicklung der SuS, war mir nicht in diesem Umfang bewusst. Somit ziehe ich vor allem den Schluss, dass man nicht leichtfertig seine Lektüre und Literatur auswählen darf. Vielmehr gilt es die individuellen Interessen und Wünsche der Kinder zu berücksichtigen und sie in solche Prozesse und Entscheidungen mit einzubeziehen, sodass sich alte sowie neue Klischees nicht vervielfältigen.

Des Weiteren sind mir die Lesevorbilder im Gedächtnis geblieben. Diese sind oft Frauen. Somit wird den Jungen suggeriert, dass das Lesen eventuell nur eine „Mädchensache“ ist. Es sollten auch Männer mehr ermutigt werden, ihren Kindern oder den SuS zu zeigen, dass auch sie lesen, um somit Rollenbilder gezielt zu verhindern.

Durch diese gendersensible Auswahl der Lektüre und der gendervielfältigen Vorbilder, können die Kinder ihre Vorstellungen gegenüber Genderbildern stetig erweitern (vgl. Müller et. al., 2016, S. 28).

In Bezug auf mein ISSU-Studium lässt sich ebenfalls sagen, dass dort die Entwicklung von vielfältigen Genderbildern ein zentraler Aspekt ist. Wie Frau Murmann in ihrem Vortrag eindrucksvoll gezeigt hat, verstecken sich auch dort oft klare Genderrollen. Dies geschieht durch eine Sprache, die diese Rollen verstärkt. Somit ist es einerseits wichtig, auf dies zu achten. Die Mädchen und Jungen sollen gleichermaßen angesprochen werden. Andererseits gilt es jedoch auch z.B. in einem gendergeprägten Technikunterricht, der meist mit dem männlichen Geschlecht gleichgesetzt wird, den Mädchen zu zeigen, dass sie dies genauso können und sie zu ermutigen. Der Sachunterricht trägt durch lebensweltliche Bezüge stark zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bei. Die Persönlichkeitsentwicklung greift vor allem, wenn es darum geht, ob man seinen persönlichen Vorlieben nachgeht oder sich lieber der Masse anpasst.

Im Hinblick auf die fächerübergreifende Erziehungswissenschaft war für mich besonders der Aspekt der Leistungsorientierung zentral. Die Schule ist eine auf Leistung ausgerichtete Institution, die dementsprechend ihre SuS bewertet. Dies zeigt seine klaren Nachteile vor allem in der Bewertung der DaZ- oder DaF-Schüler. Diese haben oft, vor allem am Anfang, Probleme mit der deutschen Sprache. Jene nach gleichen Maßstäben wie die anderen Kinder zu bewerten ist schlichtweg unfair. Somit gilt es als Lehrperson, die in der Verantwortung der Bewertung steht, nicht nur schlichtweg auf Leistungen zu achten, die beispielweise in einem Test erbracht werden, sondern genauso den Arbeitswillen und den Fortschritt zu beurteilen. Nach Haug und Helmerich soll die Beobachtung der Lernsituation eben nicht allgemeingültig sein, sondern soll Informationen über die individuellen Lernstände geben (vgl. Haug/Helmerich, 2017, S.18).

Ein weiterer zentraler Aspekt leitet sich ebenfalls aus dem Vortrag von Herrn Trostmann ab: Der Einfluss auf die schulischen Leistungen ist vielfältig. Nicht nur die Lehrperson mit dem jeweiligen Unterricht (39%) ist verantwortlich für gute Leistungen, sondern auch das Elternhaus (14%) sowie die Schule als Institution (10%). Der Lernende/die Lernende hingegen hat nur zu 17% selbst einen Einfluss. Diese Aufteilung leitet sich unteranderem aus einer internationalen Studie von 2015 ab (vgl. Hattie (2009) nach Zierer 2014).

Gleichzeitig zeigt mir diese Studie, dass ich als Lehrerin zu 39% Einfluss auf die Leistungen meiner SchülerInnen habe. Dies verdeutlicht mir die große Verantwortung die ich mit diesem Job eingehe.

 

Nr.2

Die Schule ist weiterhin eine leistungsorientierte Institution. Mit dieser Orientierung geht unweigerlich eine gewisse Selektion in „gut“ und „schlecht“ einher. Sprich, Schülerinnen und Schüler werden nach festgelegten Maßstäben bewertet, die sich meist nicht auf ihre individuelle Leistungssteigerung anpassen lassen. Dies führt einerseits zu einer teils ungerechten Bewertung aber andererseits hauptsächlich zu einem Leistungsdruck und einem Vergleichen innerhalb der Klasse oder Jahrgangstufe. In meinem FSJ konnte ich diesen Sachverhalt gut erkennen. Die Kinder einer ersten Klasse wurden mithilfe von Sonnen- und Wolken-Stempeln bewertet.  Nach der Rückgabe eines Tests kam immer die Frage auf: „Was hast du? Ich hab’ nur eine Wolke…“ und damit einhergehend die Enttäuschung, wenn der oder die MitschülerIn eine bessere Bewertung bekommen hat. Trotz der Bemühung des Lehrers die Bewertung so intransparent (zum Schutz der Kinder) wie möglich zu machen und kindgerecht zu gestalten, konnten die SuS diese Einteilung in „gut“ und „schlecht“ bzw. „schlechter“ nicht übersehen. Dies sehe ich noch als sehr problematisch an.

Des Weiteren konnte ich gut beobachten, wie die Motivation der SuS sich teils stark bei verschiedenen Lehrkräften unterschied. Hatte die Lehrperson ein freundliches und selbstbewusstes Auftreten, waren die Kinder oft mit mehr Freude und Elan bei der Sache, als bei Lehrkräften die ein strengeres und unfreundlicheres Auftreten besaßen. Dies zeigt mir, wie wichtig das Auftreten in einer Klasse ist und dass sich der Arbeitswille von Lehrperson zu Lehrperson stark unterscheiden kann. Diese Erkenntnis hat sich in dem Vortrag von Herrn Trostmann wiedergespiegelt.

Nr3.

Mich würde, im Bezug auch auf Nr.2, vor allem eine Vertiefung im Bereich der Leistungsbewertung interessieren. Da ich dort Schwierigkeiten darin sehe, die angesprochenen Probleme zu umgehen. Konkret bedeutet das, wie kann ich die Leistung bewerten ohne einen Leistungsdruck bei den Kindern zu erzeugen? Oder geht Schule auch ohne Bewertung? Das sind Punkte, an denen ich gerne erneut ansetzen möchte.

Ganz allgemein betrachtet, habe ich mich bei vielen Vorträgen im Nachhinein fragen müssen, wie ich als alleinige Lehrkraft in einer Klasse mit der Heterogenität konkret umgehen kann, um alle individuell zu fördern.

Nr4.

Auch hier lässt sich an die Leistungsbewertung anschließen. Ich finde dieses Thema, wie bereits gesagt, problematisch, da ich momentan keine andere Lösung sehe, die Kinder fair zu bewerten, ohne einen Druck auszulösen. Eine individuelle Bewertung ist zwar möglich, aber auch sehr zeitintensiv. Wenn man dann betrachtet, dass meist nicht nur eine Klasse bewertet werden muss, sehe ich da ein zeitliches Problem.

Weiter habe ich selbst noch Probleme mit der genderneutralen bzw. gendergerechten Sprache. Ich ertappe mich immer wieder dabei, nur die männliche Bezeichnung zu benutzen. Diese gendergerechte Sprache empfinde ich jedoch als wichtig, damit Kinder nicht erst mit den Genderrollen aufwachsen. Allerdings kann ich mich selbst da noch verbessern, indem ich in meinem Alltag mehr drauf achte.

Die Mehrsprachigkeit empfinde ich auch noch als eine große Herausforderung. Sie kann zwar in jedem Fall als eine Chance gesehen werden, aber wie ich konkret damit umgehen soll, ist mir noch nicht zu 100% klar. Jedoch bin ich mir auch da sicher, dass sich dies im Verlauf meines Studiums noch aufklären kann bzw. wird.

Abschließend möchte ich aber noch betonen, dass für mich die gesamte Heterogenität eine Herausforderung darstellt. Es gibt innerhalb dieser so viele Bereiche, die es als Lehrkraft zu beachten gilt.

 

Literatur:

Haug/Helmerich (2017): „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“ – Anregungen aus der Praxis für eine individuelle Lernbegleitung. In: Die Grundschulzeitschrift: , Nr. 305/Oktober 2017, S. 7-12

Müller, Karla / Decker, Jan-Oliver / Krah, Hans / Schlicher, Anita: „Genderkompetenzen mit Kinder- und Jugendliteratur entwickeln: Grundlagen – Analysen – Modelle, 2016, Hohengehren: Schneider

Zierer, K. (2015): Kernbotschaften aus John Hatties Visible Learning. In URL: http://www.kas.de/wf/doc/kas_38424-544-1-30.pdf?140728131534, letzter Zugriff: 14.07.2019


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