{"id":4,"date":"2019-04-16T21:07:58","date_gmt":"2019-04-16T19:07:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/unibremenviola\/?p=4"},"modified":"2019-04-16T21:07:58","modified_gmt":"2019-04-16T19:07:58","slug":"rv02-yasemin-karakasoglu-welt-gesellschaftliche-veraenderungen-und-die-reaktion-von-schule-ein-blick-auf-strukturen-und-konzepte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/unibremenviola\/2019\/04\/16\/rv02-yasemin-karakasoglu-welt-gesellschaftliche-veraenderungen-und-die-reaktion-von-schule-ein-blick-auf-strukturen-und-konzepte\/","title":{"rendered":"RV02 \u2013 Yasemin Karakasoglu \u2013 (Welt-) Gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen und die Reaktion von Schule \u2013 ein Blick auf Strukturen und Konzepte"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Was ist gemeint mit einer \u00b4nationalen Orientierung des Bildungssystems\u00b4? Woran kann das festgemacht werden im Hinblick auf seine Zielgruppen, Inhalte\/F\u00e4cher, Strukturen? (denken Sie hier auch an ihre eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit zur\u00fcck)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird immer eine Zeit geben, in der Menschen aufgrund verschiedenster Gr\u00fcnde aus ihrem Geburtsort auswandern m\u00fcssen oder wollen. Oft bleibt es nicht nur bei einer Binnenintegration sondern f\u00fchrt zu einer Migration in ein fremdes Land mit fremder Kultur und Sprache. Eine illegale Migration ist nie vorhanden, denn kein Mensch ist illegal. Aufgrund dessen steht auch jedem eine vern\u00fcnftige Bildung zu und besonders weil die Schulbildung im Kindesalter verpflichtend ist, sollte sie auch jedem gerecht werden. Chancengleichheit und somit Gerechtigkeit mit Aussicht auf Erfolg, sollten das Ziel eines jeden Bildungssystems sein.<\/p>\n<p>Die Schule ist sehr stark nationalstaatlich orientiert. Das System verfolgt dabei oft eine gradlinige Bildungsmethode, ohne dabei in erster Linie auf Sch\u00fcler*innen mit Migrationshintergrund einzugehen oder sie zu ber\u00fccksichtigen.\u00a0Ein eindeutiges Motiv daf\u00fcr ist, dass sie Unterrichtssprache auf fast allen Schulen in Deutsch erfolgt. Der Sexualkunde-Unterricht ist Standardprogramm und wird schon in den Grundschulen eingef\u00fchrt und der Biblische Geschichtsunterricht ist oft Voraussetzung. Lange Zeit war es \u00fcblich, dass Kinder ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer in Deutschland nicht einmal die M\u00f6glichkeiten hatten, in ihrer schulischen Laufbahn ein Gymnasium zu besuchen und die Hochschulreife zu erwerben. Auch heute gibt es noch erhebliche Unterschiede im Umgang mit Sch\u00fcler*innen mit und ohne Migrationshintergrund. Sei es die Empfehlung auf nachfolgende Schulen oder der F\u00f6rderungsnachlass. Fakt ist, eine mehrfache Benachteiligung im System ist bis heute vorzufinden.<\/p>\n<p>Aus pers\u00f6nlicher Erfahrung kann ich best\u00e4tigen, dass ich es als jetzige Studentin mit Migrationshintergrund, nicht immer leicht hatte. Obwohl meine Noten bereits in der Grundschule in den Bereichen sehr gut bis gut lagen, habe auch ich keine Gymnasialempfehlung erhalten. Dennoch setzten sich meine Eltern f\u00fcr mich ein, sodass ich auf ein Gymnasium kam und nie eine Klasse wiederholen musste. Auf diesem Gymnasium waren jedoch \u00fcberwiegend Sch\u00fcler*innen ohne Migrationshintergrund vorzufinden, sodass nicht nur die Kontaktbildung mit Mitsch\u00fcler*innen schwieriger war, auch von Lehrkr\u00e4ften wurde man selten ernst genommen ohne einen Stempel zu erhalten. Dies bedeutete f\u00fcr mich doppelte Arbeit. Ich musste mich also beweisen und mich mit Themen auseinandersetzen die ich f\u00fcr unangenehm empfand. \u00a0Beweisen, dass ich auch <strong>mit<\/strong> Migrationshintergrund bildungstechnisch etwas erreichen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Was nehmen Sie aus dem \u00f6ffentlichen Diskurs \u00fcber \u00b4Migration als Herausforderung f\u00fcr die Schule\u00b4 und \u00fcber sog. \u00b4Sch\u00fcler mit Migrationshintergrund\u00b4 als Informationen wahr und inwiefern hat die Vorlesung f\u00fcr sie andere\/neue Perspektiven dazu er\u00f6ffnet?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade weil 55% \u00a0der Sch\u00fcler*innen an deutschen Grundschulen andere Wurzeln haben, ist das Thema der richtigen und gerechten Integration ein wichtiges Thema. Als P\u00e4dagogen*innen sollten Lehrer*innen dazu f\u00e4hig sein interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln. Ein aufgeschlossenes Wesen haben, das stets Sch\u00fcler*innen und ihren Familien mit Respekt entgegen kommt und sie ernst bzw. wahrnimmt. Sie sollten in der Lage sein, reflektieren zu k\u00f6nnen worin die Ursache der Probleme liegen k\u00f6nnte, denn oftmals muss es nicht mit der Kultur zusammenh\u00e4ngen. Auch famili\u00e4re Probleme oder eine bestimmte &#8222;Schichtzugeh\u00f6rigkeit&#8220; k\u00f6nnte die Ursache sein. Es ist umso wichtiger die Kompetenzen in Migranten zu sehen, anzuerkennen und zu f\u00f6rdern wie beispielsweise die Multilingualit\u00e4t. Die kritische Betrachtung von B\u00fcchern oder generell Unterrichtsmaterial kann mit Sch\u00fcler*innen zusammen erarbeitet werden, sodass niemand pers\u00f6nlich verletzt wird oder sich ausgeschlossen f\u00fchlen muss. Als entscheidender Punkt steht ebenso der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu den Eltern mit unterschiedlichen Migrationserfahrungen. Aufmerksam zu sein und sie mit zu integrieren, bedeutet mehr Mut und St\u00e4rke ihrerseits sowie der Kinder.\u00a0Alles in allem, wird eine facettenreiche Alltagserfahrung und Perspektive er\u00f6ffnet. Sowohl f\u00fcr Lehrer*innen wie auch f\u00fcr Sch\u00fcler*innen und ihren Familienangeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Inwiefern kann das Beispiel von Bet\u00fcl (Interviewausschnitt aus einer qualitativen Studie) als Ausdruck von \u00b4DoingCulture\u00b4 durch Lehrer*innenhandeln im Unterricht herangezogen werden?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Sch\u00fcler*innen-Lehrer*innen-Model wird deutlich, wie sehr die Lehrkraft von Stereotypen \u00fcberzeugt ist. Es ist ein Schubladendenken, in dem der Sch\u00fclerin Bet\u00fcl nicht die Chance gegeben wird sich zu seinem Thema zu \u00e4u\u00dfern, ohne dass sie daf\u00fcr kritisiert wird. Die Kritik erfolgt hierbei nicht prim\u00e4r an der Aussage von Bet\u00fcl, sondern an ihrer Herkunft. Sie wird nicht als &#8222;deutsche&#8220; B\u00fcrgerin wahrgenommen, ihre t\u00fcrkische Kultur wird ins Licht gestellt. Eine Kultur die nach dem Denken der Lehrkraft einem bestimmten Bild entspricht, wonach Bet\u00fcl auch handeln muss. Meiner Meinung nach, erfolgt keine Integration der Lehrkraft sondern eine Diskriminierung aufgrund eines Migrationshintergrundes. Es wird keine Gemeinschaft gest\u00e4rkt sondern bewusst eine Grenze gezogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Was ist gemeint mit einer \u00b4nationalen Orientierung des Bildungssystems\u00b4? Woran kann das festgemacht werden im Hinblick auf seine Zielgruppen, Inhalte\/F\u00e4cher, Strukturen? (denken Sie hier auch an ihre eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit zur\u00fcck) &nbsp; Es wird immer eine Zeit geben, in der Menschen aufgrund verschiedenster Gr\u00fcnde aus ihrem Geburtsort auswandern m\u00fcssen oder wollen. 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