{"id":886,"date":"2026-08-26T17:12:03","date_gmt":"2026-08-26T15:12:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetgo2026\/?p=886"},"modified":"2026-08-26T17:17:43","modified_gmt":"2026-08-26T15:17:43","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetgo2026\/2026\/08\/26\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Abschlussreflektion- RV14 von Nikola Funke<\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Theoretische Erkenntnisse aus der Ringvorlesung<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Eine besonders wichtige Erkenntnis im Rahmen der Ringvorlesung ist mir zum Thema ,,Migration und Schule\u2018\u2018 gekommen. Die Einsicht lag darin, dass Heterogenit\u00e4t nicht nur einen Unterschied zwischen Sch\u00fcler*innen darstellt, sondern auch durch schulische Strukturen und institutionelle Anforderungen gepr\u00e4gt ist. In der Vorlesung zu diesem Thema wurde erl\u00e4utert und verdeutlicht, dass das deutsche Schulsystem von veralteten nationalstaatlichen Normen gepr\u00e4gt ist. Dadurch wurde der Unterricht lange auf denselben einheitlichen Biografien aufgebaut. Durch die historisch fortlaufende Migration kamen unterschiedlichste Biografien, Sprachen und Lebensrealit\u00e4ten zusammen und die Idee von Homogenit\u00e4t wurde \u00fcberholt. Migration bedeutet f\u00fcr mich also nicht, dass Sch\u00fcler*innen sich an das bestehende Schulsystem anpassen, sondern dass die Schule sich ebenfalls an gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen anpassen muss.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Baur und H\u00e4ussermann (2009, S. 358) unterst\u00fctzen diese Ansicht. In ihrem Beitrag ,,<em>Ethnische Segregation in deutschen Schulen\u2018\u2018<\/em> beschreiben sie das Ph\u00e4nomen, dass Bildungsunterschiede von Sch\u00fcler*innen mit Migrationshintergrund nicht nur durch individuelle Voraussetzungen entstehen, sondern dass auch die sozialen Zusammensetzungen von Schulklassen und Stadtteilen und auch schulische Segregation eine gro\u00dfe Rolle spielen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Eine zweite zentrale Erkenntnis betrifft den Umgang mit Mehrsprachigkeit. Aus der Vorlesung zu diesem Thema wurde deutlich, dass Mehrsprachigkeit heutzutage noch nicht immer als selbstverst\u00e4ndlich und als positive Ressource angesehen wird. Daase (2023) besch\u00e4ftigt sich in ,,<em>Migrationsbezogene Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache in der Schule\u2018\u2018<\/em> mit dem Umgang der Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache in der Schule. In diesem Beitrag besonders relevant f\u00fcr mich war der ,,monolinguale Habitus der multilingualen Schule\u2018\u2018 (Daase 2023, S.74). Dieser beschreibt, dass obwohl eine Vielzahl an Sch\u00fcler*innen mit Mehrsprachigkeit aufgewachsen ist, sich der Unterricht immer noch stark auf Einsprachigkeit bezieht und diese zum Teil auch voraussetzt. Dadurch kann Mehrsprachigkeit oft als negativ oder als Defizit wahrgenommen werden und nicht als Ressource gef\u00f6rdert werden (Daase 2023, S.78).<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Diese Vorlesung zum Thema Migration und Schule hat mir gezeigt, dass Heterogenit\u00e4t auf struktureller Ebene, ob es um Sprache, k\u00f6rperliche M\u00f6glichkeiten oder anderes ist, ber\u00fccksichtigt werden muss. Diese Erkenntnis l\u00e4sst sich auf ein sportdidaktisches Themenfeld \u00fcbertragen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Diese Erkenntnisse zeigen, wie wichtig es ist, theoretische Konzepte aus der Wissenschaft mit den eigenen Erfahrungen und Beobachtungen im schulischen Alltag zu verbinden. Gerade auf universit\u00e4rer Ebene wird deutlich, dass die Reflexion \u00fcber institutionelle Strukturen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zentral f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Migration und Bildung ist. Die Ringvorlesung hat mir geholfen, diese Zusammenh\u00e4nge aus einer akademischen Perspektive zu betrachten und kritisch zu hinterfragen, wie Schule mit Vielfalt und Mehrsprachigkeit umgeht.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Es wurde vermittelt, dass Unterricht an die Heterogenit\u00e4t einer Schulklasse angepasst werden sollte. Das Ziel einer Aufgabe sollte nicht darin bestehen, eine bestimmte Leistung abzurufen oder ein einheitliches Leistungsziel zu erreichen, sondern ein pers\u00f6nliches Erfolgserlebnis und somit auch eine Lerngelegenheit f\u00fcr jedes Kind zu schaffen. Im Biologieunterricht ist Sprache ein gro\u00dfes Thema. Es ist das Fach mit der h\u00f6chsten Fachbegriffsdichte. Das bedeutet, dass viele Fachbegriffe verwendet werden. Zudem sind dies Begriffe, die normalerweise im Alltag nicht verwendet werden oder eine andere Bedeutung als gedacht haben. Dadurch k\u00f6nnen sprachliche Schwierigkeiten den Zugang zu biologischen Inhalten und Verst\u00e4ndnissen erschweren. Um diesem entgegenzuwirken, k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich zu Texten andere Modelle verwendet werden, um den Zugang f\u00fcr alle zu erleichtern. Dementsprechend ist ein sprachsensibler Biologieunterricht von gro\u00dfer Bedeutung. F\u00fcr meinen sp\u00e4teren Sportunterricht nehme ich durch diese Grundlage mit, dass Aufgabenstellungen in jedem welchem Fach an die Heterogenit\u00e4t der Klasse angepasst werden sollten, um individuelle Lernfortschritte und positive Erfahrungen zu erschaffen. Wenn vorschnell \u00fcber Herkunft, Sprache oder vermeintliche kulturelle Herkunft geurteilt wird, besteht die Gefahr von Stereotypisierung und das Ziel der Schule, die Bildungsvermittlung f\u00fcr alle, w\u00e4re verfehlt. Die Ringvorlesung hat mir gezeigt, dass der Umgang mit Heterogenit\u00e4t nicht nur eine didaktische, sondern auch eine beziehungsbezogene Aufgabe ist, die unbedingt erf\u00fcllt werden muss.<\/span><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Schulischer Umgang mit Heterogenit\u00e4t<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">R\u00fcckblickend war Mehrsprachigkeit in meiner Schullaufbahn kein gro\u00dfes Thema. Mehrsprachigkeit war in vielen Klassen vorhanden und dadurch auch sprachliche Heterogenit\u00e4t, allerdings wurde diese nicht aktiv in den Unterricht mit einbezogen. Wenn Sch\u00fcler*innen eine andere Sprache sprachen, wurden sie aufgefordert, auf Deutsch zu sprechen. Durch die Informationen aus der Vorlesung ist diese Umgangsweise mit dem Thema Mehrsprachigkeit in der Schule als problematisch einzustufen. Sie kann mit dem Thema ,,monolingualer Habitus der multilingualen Schule\u2018\u2018 in Verbindung gebracht werden. Diese beschreibt, dass obwohl eine starke Mehrsprachigkeit vorhanden ist, die Schule sich dennoch an Einsprachigkeit orientiert (Gogolin 2008, S.30-32). Die potenzielle negative Einstellung zu dem Thema Mehrsprachigkeit l\u00e4sst sich also nicht nur auf einzelne Lehrkr\u00e4fte beschr\u00e4nken, sondern auch auf die schulischen Routinen, die den Umgang mit Heterogenit\u00e4t pr\u00e4gen und formen. Zudem kommt zus\u00e4tzlich noch die pers\u00f6nliche Haltung der Lehrkr\u00e4fte und das Engagement, Sprache als Ressource im Vergleich zu einem Problem zu sehen. Die Vorlesung zum Thema Migration und Schule zeigte mir zudem, dass auch durch Kulturalisierung und Othering bestimmte Vorurteile gegen\u00fcber der Herkunft eines Kindes entstehen k\u00f6nnen. Wenn dies geschieht, kann es passieren, dass Kinder nicht mehr als Individuen angesehen, sondern vorschnelle Urteile gebildet werden. Durch das aus der Vorlesung erworbene Wissen ist es mir m\u00f6glich, meine eigene Schulzeit differenziert zu sehen und einzuordnen. Heterogenit\u00e4t entsteht also nicht nur durch Unterschiede zwischen Sch\u00fcler*innen, sondern h\u00e4ngt vor allem davon ab, wie Lehrkr\u00e4fte damit umgehen. Der sensiblere Umgang mit Heterogenit\u00e4t kann nur durch reflektiertes Verhalten und eine inklusive Denkweise erlangt werden.<\/span><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Fragestellungen<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Zus\u00e4tzliche Fragen, die mich in meinem weiteren Studium besonders interessieren w\u00fcrden, w\u00e4ren: Wie Mehrsprachigkeit richtig und sinnvoll in den Unterricht eingebracht und angewendet werden kann? Im Laufe dieser Reflexion wurde klar, dass ressourcenorientierter Umgang mit Mehrsprachigkeit ein sehr wichtiger Bestandteil ist. Allerdings fehlen mir noch Methoden und Beispiele, um dies umzusetzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Ebenfalls ist mir die Frage aufgekommen, wie Lehrkr\u00e4fte unterbewusste Stereotypen oder Zuschreibungen in den Hintergrund stellen k\u00f6nnen, um professionell mit Heterogenit\u00e4t umzugehen. Durch die Informationen zu Kulturalisierung und Othering wurde mir klar, wie schnell Menschen unterbewusst Zuschreibungen aufgrund von Herkunft, Sprache oder anderen Merkmalen t\u00e4tigen. Es w\u00e4re also hilfreich, eine Vorlesung zum Thema Eigenreflexion zu erhalten.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Literaturverzeichnis:<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\"><strong>Baur, C. &amp; H\u00e4u\u00dfermann, H. (2009).<\/strong>\u00a0Ethnische Segregation in deutschen Schulen.\u00a0<em data-start=\"3652\" data-end=\"3667\">Leviathan, 37<\/em>(3), S.353\u2013366.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\" data-start=\"3687\" data-end=\"3971\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\"><strong data-start=\"3687\" data-end=\"3708\">Daase, A. (2023).<\/strong>\u00a0Migrationsbezogene Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache in der Schule. In V. B. Georgi &amp; Y. Karaka\u015fo\u011flu (Hrsg.),\u00a0<em data-start=\"3831\" data-end=\"3934\">Allgemeinbildende Schulen in der Migrationsgesellschaft. Diversit\u00e4tssensible Ans\u00e4tze und Perspektiven<\/em>\u00a0(S. 70\u201384). Stuttgart: Kohlhammer.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\" data-start=\"3976\" data-end=\"4140\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\"><strong data-start=\"3976\" data-end=\"3999\">Gogolin, I. (2008).<\/strong>\u00a0<em data-start=\"4000\" data-end=\"4052\">Der monolinguale Habitus der multilingualen Schule<\/em>\u00a0(2., unver\u00e4nd. Aufl.). (S. 30-32). M\u00fcnster\/New York: Waxmann.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschlussreflektion- RV14 von Nikola Funke Theoretische Erkenntnisse aus der Ringvorlesung Eine besonders wichtige Erkenntnis im Rahmen der Ringvorlesung ist mir zum Thema ,,Migration und Schule\u2018\u2018 gekommen. Die Einsicht lag darin, dass Heterogenit\u00e4t nicht nur einen Unterschied zwischen Sch\u00fcler*innen darstellt, sondern auch durch schulische Strukturen und institutionelle Anforderungen gepr\u00e4gt ist. 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