{"id":545,"date":"2026-08-30T12:07:27","date_gmt":"2026-08-30T10:07:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/?p=545"},"modified":"2026-08-30T12:07:27","modified_gmt":"2026-08-30T10:07:27","slug":"abschlussreflexion-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/2026\/08\/30\/abschlussreflexion-5\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\"><strong>1. Zentrale Erkenntnisse aus der Ringvorlesung<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Die Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Schule\u201c hat mir vor allem deutlich gemacht, dass Heterogenit\u00e4t viel mehr umfasst als unterschiedliche Leistungsst\u00e4nde. Sch\u00fcler*innen unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich ihres Vorwissens, ihrer sprachlichen Voraussetzungen, ihrer Interessen, ihres sozialen Hintergrundes und ihrer bisherigen Erfahrungen. Gleichzeitig wurde in der Ringvorlesung deutlich, dass Kategorien wie \u201eleistungsstark\u201c oder \u201eleistungsschwach\u201c nicht vollkommen neutral sind. Unterschiede werden auch dadurch beeinflusst, welche Merkmale in der Schule wahrgenommen und hervorgehoben werden. Besonders wichtig fand ich deshalb das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Heterogenit\u00e4t und Homogenit\u00e4t sowie zwischen Inklusion, Individualisierung und Selektion.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Eine zentrale Erkenntnis f\u00fcr mich ist, dass Unterricht deshalb m\u00f6glichst an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder angepasst werden sollte. Hertel beschreibt in diesem Zusammenhang adaptive Lerngelegenheiten, bei denen die Voraussetzungen der Sch\u00fcler*innen und die angebotenen Lernm\u00f6glichkeiten m\u00f6glichst gut aufeinander abgestimmt werden sollen (vgl. Hertel 2014, S. 22 \u2013 23). F\u00fcr meine sp\u00e4tere T\u00e4tigkeit als Grundschullehrerin bedeutet das, nicht davon auszugehen, dass alle Kinder mit denselben Voraussetzungen in den Unterricht kommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Besonders f\u00fcr den Mathematikunterricht finde ich diese Erkenntnis wichtig. Leistungsunterschiede sollten meiner Meinung nach nicht sofort mit unterschiedlicher mathematischer Begabung erkl\u00e4rt werden. Auch Vorwissen, sprachliche Voraussetzungen und unterschiedliche Erfahrungen k\u00f6nnen eine Rolle spielen. Deshalb m\u00f6chte ich sp\u00e4ter versuchen, verschiedene Zug\u00e4nge und Hilfestellungen anzubieten, sodass die Kinder m\u00f6glichst an einem gemeinsamen Lerngegenstand arbeiten k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Auch auf mein Fach Kunst l\u00e4sst sich dies \u00fcbertragen. Gerade dort gibt es h\u00e4ufig offene Aufgabenstellungen, bei denen die Kinder sehr unterschiedliche Ergebnisse entwickeln k\u00f6nnen. Trotzdem bedeutet eine offene Aufgabe automatisch, dass jedes Kind gleich gut damit zurechtkommt. Hilmes und Seydel machen deutlich, dass auch im Kunstunterricht ein Eingehen auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen notwendig ist (vgl. Hilmes\/Seydel 2018, S. 4 \u2013 11). Manche Kinder ben\u00f6tigen beispielsweise mehr Unterst\u00fctzung bei der Ideenfindung oder beim Umgang mit Materialien, w\u00e4hrend andere sehr selbstst\u00e4ndig arbeiten k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Eine weitere wichtige Erkenntnis betrifft f\u00fcr mich die Beziehungsarbeit. Vor der Ringvorlesung h\u00e4tte ich den Umgang mit Heterogenit\u00e4t wahrscheinlich haupts\u00e4chlich mit Differenzierung und unterschiedlichen Aufgaben verbunden. Mir ist aber st\u00e4rker bewusst geworden, dass auch die Beziehung zwischen Lehrkraft und Kind eine wichtige Rolle spielt. Prengel zeigt, dass neben anerkennenden p\u00e4dagogischen Beziehungen auch verletzende oder besch\u00e4mende Situationen im Schulalltag vorkommen und das Anerkennung f\u00fcr Lernprozesse von gro\u00dfer Bedeutung ist (vgl. Prengel 2014, S. 29 \u2013 31). F\u00fcr mich bedeutet das, Kinder auch dann respektvoll zu behandeln, wenn es Schwierigkeiten oder Konflikte gibt. Das Verhalten eines Kindes kann kritisiert werden, ohne das Kind selbst abzuwerten.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\"><strong>2. Eigene Praxiserfahrungen und Umgang mit Heterogenit\u00e4t<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Im R\u00fcckblick auf meine bisherigen Praxiserfahrungen erscheint mir besonders das Handeln der Lehrkraft als wichtiger Faktor im Umgang mit Heterogenit\u00e4t. W\u00e4hrend meines Bundesfreiwilligendienstes an der Grundschule habe ich h\u00e4ufig einzelne Kinder unterst\u00fctzt, die im Unterricht zus\u00e4tzliche Hilfe ben\u00f6tigen. Dabei konnte ich beobachten, wie unterschiedlich die Kinder innerhalb einer Klasse arbeiten. Manche konnten nach einer kurzen Erkl\u00e4rung selbstst\u00e4ndig beginnen, w\u00e4hrend andere mehr Zeit oder weitere Unterst\u00fctzung brauchten.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Damals habe ich solche Unterschiede haupts\u00e4chlich als unterschiedliche Leistungsst\u00e4nde wahrgenommen. Durch die Inhalte der Ringvorlesung sehe ich diese Situationen heute etwas differenzierter. Kinder bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit und ben\u00f6tigen deshalb teilweise auch unterschiedliche Unterst\u00fctzung. Gleichzeitig ist mir bewusst geworden, dass individuelle F\u00f6rderung auch zu Zuschreibungen f\u00fchren kann. Wenn beispielsweise immer dieselben Kinder vereinfachte Aufgaben bekommen oder als diejenigen wahrgenommen werden, die besonders viel Hilfe ben\u00f6tigen, kann sich schnell das Bild der \u201eschwachen Sch\u00fcler*innen\u201c festigen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">F\u00fcr mich bedeutet ein gelungener Umgang mit Heterogenit\u00e4t deshalb nicht, allen Kindern genau das Gleiche anzubieten. Vielmehr sollte es unterschiedliche Hilfen und Lernwege geben, ohne einzelne Kinder unn\u00f6tig hervorzuheben oder aus dem gemeinsamen Unterricht auszuschlie\u00dfen. Die Idee des adaptiven Unterrichts finde ich hierbei besonders hilfreich, da Lernangebote m\u00f6glichst an die jeweiligen Voraussetzungen angepasst werden sollen (vgl. Hertel 2014, S. 22 \u2013 23).<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Auch die Beziehungsarbeit spielt nach meinen bisherigen Erfahrungen eine wichtige Rolle. Ich hatte h\u00e4ufig den Eindruck, dass Kinder Unterst\u00fctzung besser annehmen, wenn bereits Vertrauen zur Lehrkraft oder zur unterst\u00fctzenden Person vorhanden ist. Durch die Ringvorlesung ist mir deshalb noch einmal deutlicher geworden, dass eine wertsch\u00e4tzende Beziehung nicht nur f\u00fcr die Atmosph\u00e4re in der Klasse wichtig ist, sondern auch Einfluss auf das Lernen haben kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">F\u00fcr meine sp\u00e4tere T\u00e4tigkeit nehme ich daher besonders mit, Schwierigkeiten nicht sofort nur beim Kind selbst zu suchen. Stattdessen m\u00f6chte ich auch \u00fcberlegen, welche Voraussetzungen eine Aufgabe verlangt und ob der Unterricht M\u00f6glichkeiten bietet, auf unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse einzugehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\"><strong>3. Offene Fragen f\u00fcr mein weiteres Studium<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Im weiteren Studium w\u00fcrde ich mich gerne intensiver mit der Frage besch\u00e4ftigen, wie Differenzierung im Unterricht umgesetzt werden kann, ohne einzelne Kinder zu stigmatisieren. Die Ringvorlesung hat deutlich gemacht, dass unterschiedliche Lernvoraussetzungen ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen. Gleichzeitig frage ich mich, wie dies im Schulalltag gelingen kann, ohne dass sofort erkennbar ist, welches Kind die \u201eleichtere\u201c Aufgabe erh\u00e4lt oder besonders viel Unterst\u00fctzung braucht.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Gerade f\u00fcr meine F\u00e4cher Mathematik und Kunst finde ich diese Frage wichtig. Im Mathematikunterricht w\u00fcrde mich interessieren, wie Kinder mit unterschiedlichen Leistungsst\u00e4nden trotzdem gemeinsam an einem Thema arbeiten k\u00f6nnen. Im Kunstunterricht w\u00fcrde ich gerne noch genauer erfahren, wann offene Aufgaben ausreichen und wann zus\u00e4tzliche Hilfen notwendig sind. Die Besch\u00e4ftigung mit Differenzierung im Kunstunterricht hat mir gezeigt, dass Offenheit allein noch nicht automatisch bedeutet, dass alle Kinder gleicherma\u00dfen unterst\u00fctzt werden (vgl. Hilmes\/Seydel 2018, S. 4 \u2013 11).<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Eine zweite Frage, mit der ich mich gerne weiter besch\u00e4ftigen w\u00fcrde, betrifft die Beziehungsarbeit in schwierigen Unterrichtssituationen. Ich w\u00fcrde gerne mehr dar\u00fcber erfahren, wie Lehrkr\u00e4fte konsequent Grenzen setzen k\u00f6nnen, wenn ein Kind beispielsweise h\u00e4ufig den Unterricht st\u00f6rt oder Regeln nicht einh\u00e4lt, ohne es dabei pers\u00f6nlich abzuwerten. Durch Prengel wurde mir deutlich, wie wichtig Anerkennung in p\u00e4dagogischen Beziehungen ist (vgl. Prengel 2014, S. 29 \u2013 31). F\u00fcr mein weiteres Studium w\u00fcrde ich mir hierzu vor allem konkrete Beispiele und Handlungsm\u00f6glichkeiten w\u00fcnschen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Insgesamt nehme ich aus der Ringvorlesung mit, dass Heterogenit\u00e4t ein normaler Bestandteil des Schulalltags ist. F\u00fcr mich bedeutet ein guter Umgang damit, Unterschiede wahrzunehmen und zu ber\u00fccksichtigen, ohne Kinder auf einzelne Merkmale oder vermeintliche Defizite reduzieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\"><strong>Literaturverzeichnis:<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Hertel, Silke (2014): Adaptive Lerngelegenheiten in der Grundschule: Merkmale, methodisch-didaktische Schwerpunktsetzungen und erforderliche Lehrerkompetenzen. In: Kopp, B\u00e4rbel u. a. (Hrsg.): Individuelle F\u00f6rderung und Lernen in der Gemeinschaft. Wiesbaden: Springer VS, S. 19 \u2013 34.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Hilmes, Judith\/Seydel, Fritz (2018): Differenzierungsprozesse im Kunstunterricht. Wahrnehmen, Steuern, Bewerten. In: Kunst + Unterricht, H. 423\/424, S. 4 \u2013 11.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-family: &#039;times new roman&#039;, times, serif\">Prengel, Annedore (2014): Anerkennung erm\u00f6glicht Lernen, Verletzung verhindert es. Ergebnisse und Folgerungen aus dem Projektnetz INTAKT. In: P\u00e4dagogik, H. 12, S. 29 \u2013 31.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Zentrale Erkenntnisse aus der Ringvorlesung Die Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Schule\u201c hat mir vor allem deutlich gemacht, dass Heterogenit\u00e4t viel mehr umfasst als unterschiedliche Leistungsst\u00e4nde. Sch\u00fcler*innen unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich ihres Vorwissens, ihrer sprachlichen Voraussetzungen, ihrer Interessen, ihres sozialen Hintergrundes und ihrer bisherigen Erfahrungen. Gleichzeitig wurde in der Ringvorlesung deutlich, dass Kategorien [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17217,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_total_topic_count_hidden":0,"_bbp_total_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-545","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17217"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=545"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/545\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":546,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/545\/revisions\/546"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}