{"id":523,"date":"2026-08-11T16:53:54","date_gmt":"2026-08-11T14:53:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/?p=523"},"modified":"2026-08-11T16:53:54","modified_gmt":"2026-08-11T14:53:54","slug":"abschlussreflexion-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/2026\/08\/11\/abschlussreflexion-4\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p>Abschlussreflexion<\/p>\n<p>1) Die Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Grundschule\u201c hat mein<br \/>\nVerst\u00e4ndnis von Heterogenit\u00e4t nachhaltig gepr\u00e4gt und vor allem erweitert. Ich sehe<br \/>\nHeterogenit\u00e4t nicht mehr als Ausnahme- oder Einzelfall, sondern als etwas, das ein<br \/>\ngrundlegendes Merkmal jeder Schulklasse ist. Sch\u00fcler*innen unterscheiden sich in<br \/>\nvielerlei Hinsicht, seien es sprachliche-, kulturelle-, soziale- oder kognitive<br \/>\nVoraussetzungen. Auch ihr Interesse, Erfahrungen und Arten zu Lernen sind<br \/>\nverschieden. Dies hat mir noch einmal mehr er\u00f6ffnet, weshalb Unterricht nicht auf eine<br \/>\nhomogene Lerngruppe ausgerichtet werden sollte, sondern viel mehr auf die<br \/>\nindividuellen Voraussetzungen und Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fcler*innen eingegangen<br \/>\nwerden muss, um eine Chancengleichheit generieren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nEine zentrale Erkenntnis war f\u00fcr mich, der Zusammenhang zwischen Vorwissen,<br \/>\nMotivation und dem Lernerfolg. Die Studie von Schneider, K\u00f6rkel und Weinert aus dem<br \/>\nJahr 1989 zeigt, dass Vorwissen einen h\u00f6heren Einfluss auf den Lernerfolg hat als die<br \/>\nallgemeine Intelligenz eines Kindes. Dies zeigt, dass schulischer Erfolg nicht allein von<br \/>\nder Begabung eines Kindes abh\u00e4ngt, sondern viel mehr von ihrem (nicht-) vorhandenen<br \/>\nVorwissen, welches daf\u00fcr verantwortlich ist, wie gut neuer Input aufgenommen und<br \/>\nverarbeitet werden kann (vgl. Schneider et al. 1989, S. 306ff.). Dies best\u00e4rkt den Fakt,<br \/>\ndass besondere R\u00fccksicht auf die individuellen Voraussetzungen der Sch\u00fcler*innen<br \/>\ngenommen werden muss, damit alle vom Unterricht profitieren k\u00f6nnen. Das wiederum<br \/>\nzeigt die Bedeutung von heterogenem Unterricht.<br \/>\nAu\u00dferdem finde ich es wichtig, Heterogenit\u00e4t nicht als Defizit zu verstehen, sondern als<br \/>\nNormalit\u00e4t und Bereicherung. Eng damit verbunden ist das Konzept der Diversity<br \/>\nEducation nach Prengel aus dem Jahr 2007. Das Konzept verfolgt das Ziel, Vielfalt<br \/>\nanzuerkennen und unabh\u00e4ngig von ihren individuellen Voraussetzungen die gleichen<br \/>\nBildungschancen zu bieten. Unterschiede zwischen den Sch\u00fcler*innen stellen dabei<br \/>\neine wertvolle Ressource f\u00fcr das gemeinsame Lernen (vgl. Prengel 2007, S.49ff.). In<br \/>\nder Vorlesung zu diesem Thema wurde deutlich, Schule muss das Ziel haben,<br \/>\nLernumgebungen zu erm\u00f6glichen, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar und<br \/>\nwertgesch\u00e4tzt werden.<br \/>\nDiese Aspekte lassen sich gut auf den Sachunterricht \u00fcbertragen. Dieser ist von<br \/>\nHeterogenit\u00e4t gepr\u00e4gt, da er direkt an die unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und<br \/>\nVorkenntnisse von Kindern und ihren Lebenswelten ankn\u00fcpft. Sachunterricht verfolgt<br \/>\ndas Prinzip der Vielperspektivit\u00e4t, dabei werden gesellschaftliche,<br \/>\nnaturwissenschaftliche, technische und historische Fragestellungen aus<br \/>\nunterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, sodass Kinder ihre individuellen<br \/>\nErfahrungen direkt in den Lernprozess einbringen k\u00f6nnen. Da Kinder aber<br \/>\nunterschiedliche Lebenswelten haben und die Welt unterschiedlich wahrnehmen ist es<br \/>\nwichtig, den Unterricht offen zu gestalten, damit jedes Kind dessen individuelle St\u00e4rken<br \/>\neinbringen kann, aktiv und selbstforschend gelernt werden kann und die Kinder von<br \/>\nihren unterschiedlichen Erfahrungen profitieren k\u00f6nnen.<br \/>\nAuch die Beziehungsarbeit spielt beim Lernerfolg eine wichtige Rolle. Kinder lernen<br \/>\nerfolgreicher, wenn sie sich wertgesch\u00e4tzt und ernst genommen f\u00fchlen. Kinder m\u00fcssen<br \/>\nsich trauen, Fehler machen zu d\u00fcrfen und darauffolgend neue Lernwege auszuprobieren<br \/>\nund anzunehmen. Die Ringvorlesung hat gezeigt, dass gerade in heterogenen<br \/>\nLerngruppen, professionelle Beziehungsarbeit bedeutet, dass die Individualit\u00e4t eines<br \/>\njeden Kindes wahrgenommen, dessen St\u00e4rken gef\u00f6rdert und die unterschiedlichen<br \/>\nVoraussetzungen objektiv betrachtet und als Ausgangspunkt f\u00fcr das weitere Lernen<br \/>\ngesehen werden. Dies bildet die Grundlage eines inklusiven und heterogenen<br \/>\nUnterrichts, indem alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben.<\/p>\n<p>2) Wenn ich an meine eigene Schulzeit und meine bisherigen Praxiserfahrungen<br \/>\nzur\u00fcckdenke, habe ich den Eindruck, dass der Umgang mit Heterogenit\u00e4t von Schule zu<br \/>\nSchule unterschiedlich war. Teilweise hatte ich den Eindruck, die Unterrichtsgestaltung<br \/>\norientiere sich am Mittelma\u00df bzw. dem Klassendurchschnitt. F\u00fcr alle gab es dieselben<br \/>\nAufgaben, die in der selben Zeit zu erledigen waren. Wer fr\u00fcher fertig wurde, durfte<br \/>\nsich an Zusatzaufgaben ausprobieren, w\u00e4hrend Kinder, die mehr Unterst\u00fctzungsbedarf<br \/>\nhatten und dementsprechend l\u00e4nger brauchten, die Aufgaben als zus\u00e4tzliche<br \/>\nHausaufgabe beenden mussten. Kontrolliert wurde darauffolgend nur, ob die Aufgaben<br \/>\nvollst\u00e4ndig erledigt wurden, nicht aber wurde auf die Schwierigkeiten der Kinder<br \/>\neingegangen oder sichergestellt, dass die Thematik verstanden wurde. Somit hatten<br \/>\nnicht alle Sch\u00fcler*innen die Chance gleicherma\u00dfen am Unterricht teilzuhaben und<br \/>\nDifferenzen wurden schnell als Leistungsunterschiede wahrgenommen. An einer<br \/>\nanderen Schule wiederum, hatte jedes Kind seine individuellen Lernziele f\u00fcr jedes Fach<br \/>\nund es wurde durch h\u00e4ufigen Austausch zwischen Sch\u00fcler*in und Lehrperson<br \/>\nsichergestellt, dass diese erreicht werden. Der Unterricht wurde also an die individuellen<br \/>\nVoraussetzungen der Kinder angepasst, sodass versucht wurde, allen Sch\u00fcler*innen<br \/>\ngerecht werden zu k\u00f6nnen und diese in ihrer Entwicklung entsprechend begleiten zu<br \/>\nk\u00f6nnen. Dies f\u00fchrt auch auf die P\u00e4dagogik der Vielfalt nach Prengel (2007) zur\u00fcck,<br \/>\nKinder sollen nicht aufgrund ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen benachteiligt<br \/>\nwerden, Heterogenit\u00e4t zielt darauf ab, dass Kindern unterschiedliche M\u00f6glichkeiten<br \/>\ngeboten werden k\u00f6nnen, erfolgreich lernen zu k\u00f6nnen. Insbesondere in der Grundschule<br \/>\nist dies sehr wichtig, da Kinder mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und<br \/>\nF\u00e4higkeiten gemeinsam lernen. Somit stellt dieser Ansatz eine wichtige Grundlage f\u00fcr<br \/>\nChancengleichheit im Unterricht.<\/p>\n<p>3) Die Ringvorlesung hat mein Verst\u00e4ndnis von Heterogenit\u00e4t im Unterricht deutlich<br \/>\nerweitert und gezeigt, dass guter Unterricht nur existieren kann, wenn die<br \/>\nunterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenswelten aller Kinder ber\u00fccksichtigt,<br \/>\nsprachliche Unterst\u00fctzung und passende Lernangebote eine chancengleiche Teilhabe<br \/>\naller Kinder am Unterricht erm\u00f6glichen.<br \/>\nIn meinem weiteren Studium w\u00fcrde ich gerne mehr \u00fcber den Umgang mit<br \/>\nMehrsprachigkeit im Unterricht lernen. Sprachsensibler Unterricht wurde in der<br \/>\nRingvorlesung zwar thematisiert, jedoch h\u00e4tte ich mir noch gew\u00fcnscht, wie die<br \/>\nunterschiedlichen Erstsprachen der Kinder konkret in den Unterricht eingebunden<br \/>\nwerden k\u00f6nnen, ohne dabei zu vernachl\u00e4ssigen, die deutsche Sprache zu lernen.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus interessiert mich, wie unterst\u00fctzte Kommunikation erfolgreich in den<br \/>\nUnterricht integriert werden kann. Welche Methoden k\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte nutzen, um<br \/>\nKommunikationshilfen in den Unterricht einzubinden und dadurch die aktive Teilhabe<br \/>\naller Sch\u00fcler*innen, unabh\u00e4ngig von ihren sprachlichen oder kommunikativen<br \/>\nVoraussetzungen zu unterst\u00fctzen (vgl. Braun, 2018, S.15ff.)? Auch dies ist f\u00fcr den<br \/>\nheterogenen Unterricht von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\nBraun, U. (2018). Unterst\u00fctzte Kommunikation. M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt Verlag<br \/>\nPrengel, A. (2007). Diversity Education- Grundlagen und Probleme der P\u00e4dagogik der<br \/>\nVielfalt. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften<br \/>\nSchneider, W.; K\u00f6rkel, J.; Weinert, F. (1989): Domain- specific knowledge and memory<br \/>\nperformance: A comparison of high- and low- aptitude children. In: Journal of<br \/>\nEducational Psychology, 81 (3)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschlussreflexion 1) Die Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Grundschule\u201c hat mein Verst\u00e4ndnis von Heterogenit\u00e4t nachhaltig gepr\u00e4gt und vor allem erweitert. Ich sehe Heterogenit\u00e4t nicht mehr als Ausnahme- oder Einzelfall, sondern als etwas, das ein grundlegendes Merkmal jeder Schulklasse ist. Sch\u00fcler*innen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, seien es sprachliche-, kulturelle-, soziale- oder kognitive Voraussetzungen. 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