{"id":383,"date":"2026-06-02T16:52:42","date_gmt":"2026-06-02T14:52:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/?p=383"},"modified":"2026-06-02T16:52:42","modified_gmt":"2026-06-02T14:52:42","slug":"rv07-die-kognitiven-dimensionen-von-lernerfolg-intelligenz-vs-vorwissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/2026\/06\/02\/rv07-die-kognitiven-dimensionen-von-lernerfolg-intelligenz-vs-vorwissen\/","title":{"rendered":"RV07\/\/ Die kognitiven Dimensionen von Lernerfolg: Intelligenz vs. Vorwissen"},"content":{"rendered":"<p>1.)<\/p>\n<p>Intelligenz wurde in der Vorlesung als F\u00e4higkeit beschrieben, Probleme zu l\u00f6sen und neue Situationen erfolgreich zu bew\u00e4ltigen (vgl. Gruber &amp; Stamouli, 2020, S. 29). Sie sagt schulischen Erfolg voraus und erleichtert das Lernen. Besonders wichtig f\u00fcr den Lernerfolg ist jedoch das Vorwissen. Wenn neues Wissen an bereits vorhandenes Wissen ankn\u00fcpfen kann, wird das Lernen erleichtert. Zwar hat Intelligenz einen Einfluss auf schulische Leistungen, Studien zeigen jedoch, dass Vorwissen noch bedeutsamer ist. Die Untersuchung von Schneider, K\u00f6rkel und Weinert (1989) zeigte, dass Sch\u00fcler*innen mit hohem Fu\u00dfballwissen sich besser an Inhalte der Fu\u00dfballgeschichte erinnern konnten als intelligentere Kinder mit geringerem Vorwissen. Die Bedeutung der Intelligenz als Treiber weiteren Lernens wird somit fr\u00fch durch die Bedeutung des Wissens abgel\u00f6st. Daher sollte Unterricht an das Vorwissen der Lernenden ankn\u00fcpfen (vgl. Folien 23, 27\u201331).<\/p>\n<p>2.)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meines Orientierungspraktikums in einer ersten Klasse konnte ich gro\u00dfe Unterschiede im Vorwissen der Kinder beobachten. Einige Sch\u00fcler*innen konnten bereits lesen oder etwas schreiben, w\u00e4hrend andere noch gar keine Erfahrungen mit einzelnen Buchstaben hatten. Auch im Mathematikunterricht waren die Lernvoraussetzungen sehr unterschiedlich. Die Lehrkraft reagierte darauf mit differenzierten Aufgaben und individueller Unterst\u00fctzung. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, den Wissensstand der Kinder zu kennen, um daran ankn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen. Ich habe selbst erlebt, dass ich manchmal davon ausging, alle Kinder h\u00e4tten eine Aufgabe verstanden. Im Gespr\u00e4ch zeigte sich jedoch, dass einige wichtige Begriffe oder Arbeitsauftr\u00e4ge nicht verstanden hatten. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig die Erfassung von Vorwissen f\u00fcr die Unterrichtsplanung ist. In meiner Klasse gab es au\u00dferdem ein M\u00e4dchen, das die erste Klasse wiederholen musste. Dementsprechend konnte sie bereits lesen und schreiben und war h\u00e4ufig gelangweilt beziehungsweise unterfordert. Sie las daher den anderen Sch\u00fcler*innen vor. Dies stellte einerseits eine \u00dcbung und Wiederholung dar, die an ihr vorhandenes Wissen ankn\u00fcpfte, und bot ihr andererseits die M\u00f6glichkeit, ihre F\u00e4higkeiten zu zeigen und positive Erfolgserlebnisse zu sammeln. Die Beobachtungen best\u00e4tigen die Aussage der Vorlesung, dass Vorwissen eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr erfolgreiches Lernen darstellt (vgl. Folien 33\u201335).<\/p>\n<p>3.)<\/p>\n<p>\u00dcberraschend fand ich die Erkenntnis, dass Vorwissen f\u00fcr den Lernerfolg h\u00e4ufig wichtiger ist als Intelligenz. Vor der Vorlesung h\u00e4tte ich angenommen, dass vor allem intelligente Sch\u00fcler*innen erfolgreicher lernen. Die vorgestellten Studien zeigen jedoch, dass vorhandenes Wissen einen besonders starken Einfluss auf weiteres Lernen hat. Daraus ergibt sich f\u00fcr mich die Frage, wie Lehrkr\u00e4fte das Vorwissen ihrer Sch\u00fcler*innen m\u00f6glichst genau erfassen und dieses gezielt zur Motivation nutzen k\u00f6nnen. Denn gerade die Diagnose individueller Lernvoraussetzungen geh\u00f6rt nach Helmke (2009) zu den Merkmalen professionellen Lehrerhandelns. Au\u00dferdem interessiert mich, welche Formen der Differenzierung besonders wirksam sind. In meinem n\u00e4chsten Praktikum k\u00f6nnte ich darauf achten, wie Lehrkr\u00e4fte Lernst\u00e4nde diagnostizieren und ihren Unterricht entsprechend anpassen. Auch Beobachtungen zur Gruppenarbeit und zur individuellen F\u00f6rderung erscheinen mir interessant. Die Vorlesung betont, dass Sch\u00fcler*innen mit ung\u00fcnstigen Lernvoraussetzungen mehr Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen. Deshalb halte ich eine adaptive Unterrichtsgestaltung f\u00fcr einen wichtigen Ansatz im Umgang mit Heterogenit\u00e4t (vgl. Folien 33\u201335).<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Gruber, H. &amp; Stamouli, E. (2020).\u00a0<em>Intelligenz und Vorwissen<\/em>. In E. Wild &amp; J. M\u00f6ller (Hrsg.),\u00a0<em>P\u00e4dagogische Psychologie<\/em>\u00a0(S. 25\u201342). Berlin: Springer.<\/p>\n<p>Helmke, A. (2009). <em>Unterrichtsqualit\u00e4t und Lehrerprofessionalit\u00e4t. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts<\/em> (Kapitel 4.9). Seelze-Velber: Klett-Kallmeyer.<\/p>\n<p>Schneider, W., K\u00f6rkel, J., &amp; Weinert, F. E. (1989). Domain-specific knowledge and memory performance: A comparison of high- and low-aptitude children. <em>Journal of Educational Psychology, 81<\/em>(3), 306\u2013312.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) Intelligenz wurde in der Vorlesung als F\u00e4higkeit beschrieben, Probleme zu l\u00f6sen und neue Situationen erfolgreich zu bew\u00e4ltigen (vgl. Gruber &amp; Stamouli, 2020, S. 29). 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