{"id":362,"date":"2026-06-01T17:29:38","date_gmt":"2026-06-01T15:29:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/?p=362"},"modified":"2026-06-01T17:30:45","modified_gmt":"2026-06-01T15:30:45","slug":"362","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/2026\/06\/01\/362\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>1) In der Vorlesung wurde Intelligenz als eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr erfolgreiches Lernen beschrieben. Sie unterst\u00fctzt die Verarbeitung neuer Informationen und kann schulische Leistungen vorhersagen. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass Vorwissen f\u00fcr den konkreten Lernerfolg h\u00e4ufig noch bedeutsamer ist als die allgemeine Intelligenz. Vorwissen erleichtert das Verstehen neuer Inhalte, da neue Informationen an bereits vorhandenes Wissen angekn\u00fcpft werden k\u00f6nnen (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 31).<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen beiden Heterogenit\u00e4tsdimensionen wurde in der Vorlesung dahingehend beschrieben, dass Intelligenz zwar den Wissensaufbau unterst\u00fctzt, vorhandenes Wissen jedoch zunehmend wichtiger f\u00fcr weiteres Lernen wird. Empirische Untersuchungen zeigen, dass Lernende mit umfangreichem Vorwissen h\u00e4ufig bessere Leistungen erzielen als Lernende mit h\u00f6herer Intelligenz, aber geringerem Vorwissen (Schmidt-Borcherding 2023, Folien 27\u201331).<\/p>\n<p>Der Einfluss von Intelligenz und Vorwissen wurde mithilfe von Leistungs- und Intelligenztests sowie durch Vergleiche von Lernergebnissen untersucht. Die Forschung verdeutlicht, dass beide Faktoren bedeutsam sind, Vorwissen jedoch h\u00e4ufig den st\u00e4rkeren Einfluss auf den Lernerfolg besitzt (Schmidt-Borcherding 2023, Folien 23\u201331).<\/p>\n<p>2) In meinen bisherigen Praxiserfahrungen habe ich festgestellt, dass das Vorwissen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler innerhalb einer Klasse oft sehr unterschiedlich ausgepr\u00e4gt ist. W\u00e4hrend einige Lernende bereits \u00fcber umfangreiche Vorkenntnisse verf\u00fcgen, fehlen anderen wichtige Grundlagen. Dies f\u00fchrt dazu, dass Aufgaben unterschiedlich schnell bearbeitet werden und verschiedene Unterst\u00fctzungsbedarfe entstehen. Au\u00dferdem habe ich erlebt, dass Lehrkr\u00e4fte den Wissensstand einzelner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler teilweise falsch eingesch\u00e4tzt haben. Dadurch waren Aufgaben f\u00fcr manche Lernende zu schwierig und f\u00fcr andere zu leicht. Die Vorlesung macht deutlich, dass solche Unterschiede in den Lernvoraussetzungen eine wichtige Ursache f\u00fcr Leistungsunterschiede darstellen und daher bei der Unterrichtsplanung ber\u00fccksichtigt werden sollten (Schmidt-Borcherding 2023, Folien 31\u201335; Dotzel 2021, S. 6).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3) Besonders \u00fcberraschend fand ich die Aussage, dass Vorwissen h\u00e4ufig wichtiger f\u00fcr den Lernerfolg sein kann als Intelligenz. Daraus ergibt sich f\u00fcr mich die Frage, wie Lehrkr\u00e4fte das Vorwissen ihrer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler m\u00f6glichst zuverl\u00e4ssig erfassen k\u00f6nnen und wie Unterricht gestaltet werden muss, damit bestehende Unterschiede nicht weiter zunehmen (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 33). Au\u00dferdem stellt sich die Frage, wie adaptive Unterrichtsformen im Schulalltag umgesetzt werden k\u00f6nnen, ohne dass der organisatorische Aufwand zu gro\u00df wird. Im n\u00e4chsten Praktikum k\u00f6nnte ich darauf achten, wie Lehrkr\u00e4fte den Wissensstand ihrer Klassen erfassen und welche Ma\u00dfnahmen sie nutzen, um auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu reagieren. Das Angebots-Nutzungs-Modell verdeutlicht dabei, dass Lernerfolg nicht allein vom Unterrichtsangebot abh\u00e4ngt, sondern auch von den individuellen Voraussetzungen der Lernenden (Dotzel 2021, S. 6-8).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4) Nach Weinert (1997) kann eine passive Reaktion auf Heterogenit\u00e4t darin bestehen, allen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern dieselben Aufgaben zu geben. Eine substitutive Reaktion w\u00e4re die Einteilung in unterschiedliche Leistungsgruppen. Aktiv reagiert eine Lehrkraft beispielsweise durch zus\u00e4tzliche Hilfestellungen w\u00e4hrend der Arbeitsphase. Proaktiv handelt sie, wenn bereits bei der Unterrichtsplanung unterschiedliche Materialien und Aufgaben f\u00fcr verschiedene Leistungsniveaus vorbereitet werden (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 34).<\/p>\n<p>Nach Leutner (1992) k\u00f6nnen Anpassungen an den Lernzielen, den Lehrmethoden oder der Lernzeit vorgenommen werden. Beispielsweise k\u00f6nnen leistungsst\u00e4rkere Lernende vertiefende Aufgaben bearbeiten, w\u00e4hrend andere zun\u00e4chst Grundlagen festigen. Ebenso k\u00f6nnen unterschiedliche Methoden oder zus\u00e4tzliche Bearbeitungszeiten eingesetzt werden, um den verschiedenen Lernvoraussetzungen gerecht zu werden (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 34).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Schmidt-Borcherding, F. (2023): Die kognitiven Dimensionen von Lernerfolg: Intelligenz vs. Vorwissen. Ringvorlesung BIPEB \u201eUmgang mit Leistungsheterogenit\u00e4t\u201c, Vorlesungsfolien, Universit\u00e4t Bremen.<\/p>\n<p>Dotzel, S. (2021): Angebots-Nutzungs-Modell der Wirkungsweise des Unterrichts aus: <span style=\"font-size: 12pt\">Leistungsbezogene und sprachliche Heterogenit\u00e4t in der Schule und deren erwartete Effekte auf die Leistung von Sch\u00fcler*innen. Universit\u00e4t Mannheim.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1) In der Vorlesung wurde Intelligenz als eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr erfolgreiches Lernen beschrieben. Sie unterst\u00fctzt die Verarbeitung neuer Informationen und kann schulische Leistungen vorhersagen. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass Vorwissen f\u00fcr den konkreten Lernerfolg h\u00e4ufig noch bedeutsamer ist als die allgemeine Intelligenz. 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