{"id":27,"date":"2026-04-09T15:13:37","date_gmt":"2026-04-09T13:13:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/?p=27"},"modified":"2026-04-09T15:16:04","modified_gmt":"2026-04-09T13:16:04","slug":"klassismus-in-der-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/2026\/04\/09\/klassismus-in-der-schule\/","title":{"rendered":"Klassismus in der Schule"},"content":{"rendered":"<p data-start=\"115\" data-end=\"252\"><strong data-start=\"139\" data-end=\"153\">Datum:\u00a0<\/strong>07.04.26<\/p>\n<p data-start=\"115\" data-end=\"252\"><strong>Name:<\/strong> Naz Bolu<\/p>\n<p data-start=\"115\" data-end=\"252\"><strong data-start=\"139\" data-end=\"153\">Vorlesung:<\/strong> Klassismus in der Schule RV01<\/p>\n<p data-start=\"115\" data-end=\"252\"><strong data-start=\"230\" data-end=\"250\">Fragestellungen:<\/strong><\/p>\n<ol data-start=\"253\" data-end=\"506\">\n<li data-start=\"253\" data-end=\"399\">Inwiefern hat Ihnen die Vorlesungssitzung neue Erkenntnisse bez\u00fcglich selbst in der Schule beobachteter oder erlebter Situationen vermittelt?<\/li>\n<li data-start=\"400\" data-end=\"506\">Welche Handlungserfordernisse leiten Sie f\u00fcr sich als (angehende) Lehrkraft aus den Erkenntnissen ab?<\/li>\n<\/ol>\n<p data-start=\"513\" data-end=\"978\">Die Vorlesung zum Thema Klassismus hat mir geholfen, viele Situationen aus meiner Schulzeit besser zu verstehen und neu einzuordnen. Klassismus bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder ihrer finanziellen Lage benachteiligt oder anders behandelt werden (Kemper 2016: 6). Mir ist besonders deutlich geworden, dass schulischer Erfolg nicht nur von Leistung abh\u00e4ngt, sondern auch stark davon beeinflusst wird, aus welchem Elternhaus jemand kommt.<\/p>\n<p data-start=\"980\" data-end=\"1475\">Ein wichtiger theoretischer Ansatz dazu ist Bourdieus Kapitaltheorie. Diese besagt vereinfacht, dass Menschen unterschiedliche \u201eRessourcen\u201c mitbringen, die ihnen im Bildungssystem helfen oder sie benachteiligen. Dazu geh\u00f6ren zum Beispiel Geld (\u00f6konomisches Kapital), Wissen und Bildung (kulturelles Kapital), Kontakte (soziales Kapital) sowie Anerkennung und gesellschaftliches Ansehen (symbolisches Kapital) (Bourdieu 1983; vgl. Folie 5). Sch\u00fcler:innen aus privilegierten Familien haben oft mehr von diesen Ressourcen und dadurch bessere Chancen in der Schule.<\/p>\n<p data-start=\"1477\" data-end=\"2072\">Ein konkretes Beispiel aus meiner Schulzeit war ein Mitsch\u00fcler, der nicht aus einem akademischen Elternhaus kam. Obwohl er gute Noten hatte, hat er sich im Unterricht selten gemeldet und wirkte oft unsicher. Fr\u00fcher h\u00e4tte ich das vielleicht als Desinteresse verstanden. Durch die Vorlesung sehe ich das heute anders. Sein Verhalten l\u00e4sst sich mit dem Begriff \u201eHabitus\u201c erkl\u00e4ren. Damit ist gemeint, dass Menschen bestimmte Verhaltensweisen und Denkweisen entwickeln, die zu ihrem sozialen Umfeld passen (Bourdieu 1997: 206). In der Schule k\u00f6nnen diese jedoch als \u201eunpassend\u201c wahrgenommen werden.<\/p>\n<p data-start=\"2074\" data-end=\"2755\">Au\u00dferdem wurde mir klar, dass solche Situationen nicht nur individuell sind, sondern auch durch das Schulsystem mitbedingt werden. Lehrkr\u00e4fte haben oft (bewusst oder unbewusst) bestimmte Erwartungen an Sch\u00fcler:innen. Diese k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass einige eher gef\u00f6rdert werden als andere (vgl. Folie 3). Besonders einleuchtend fand ich den Begriff des Habitus-Struktur-Konflikts. Dieser beschreibt, dass sich Sch\u00fcler:innen fehl am Platz f\u00fchlen k\u00f6nnen, wenn ihre gewohnten Verhaltensweisen nicht zu den Anforderungen der Schule passen (Haslinger &amp; Patek 2007: 150f.; vgl. Folie 16). Genau solche Unsicherheiten habe ich bei einigen Mitsch\u00fcler:innen beobachtet.<\/p>\n<p data-start=\"2757\" data-end=\"3255\">F\u00fcr meine zuk\u00fcnftige Rolle als Lehrkraft ergeben sich daraus wichtige Konsequenzen. Zun\u00e4chst ist es entscheidend die eigenen Erwartungen zu hinterfragen. Man sollte sich bewusst machen, dass Verhalten oder Leistungen nicht unabh\u00e4ngig von der sozialen Herkunft bewertet werden k\u00f6nnen. Au\u00dferdem ist es wichtig den Unterricht so zu gestalten, dass alle Sch\u00fcler:innen mitgenommen werden. Das bedeutet zum Beispiel, Inhalte verst\u00e4ndlich zu erkl\u00e4ren und keine bestimmten Vorkenntnisse vorauszusetzen.<\/p>\n<p data-start=\"3257\" data-end=\"3709\">Dar\u00fcber hinaus halte ich es f\u00fcr wichtig ein Klassenklima zu schaffen, in dem sich alle Sch\u00fcler:innen wohlf\u00fchlen und ernst genommen werden. Niemand sollte das Gef\u00fchl haben, nicht dazuzugeh\u00f6ren. Ziel sollte es eher sein, bestehende Ungleichheiten nicht zu verst\u00e4rken, sondern aktiv auszugleichen. Die Vorlesung hat mir deutlich gemacht, dass Lehrkr\u00e4fte dabei eine zentrale Rolle spielen und einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-start=\"3711\" data-end=\"4255\"><strong data-start=\"3711\" data-end=\"3736\">Literaturverzeichnis:<\/strong><\/p>\n<p data-start=\"146\" data-end=\"248\">Barasi, Dennis (2026): <em data-start=\"169\" data-end=\"195\">Klassismus in der Schule<\/em>. Vorlesungsfolien, Universit\u00e4t Bremen, 07.04.2026.<\/p>\n<p data-start=\"250\" data-end=\"497\">Bourdieu, Pierre (1983): \u00d6konomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, Reinhard (Hg.): <em data-start=\"365\" data-end=\"389\">Soziale Ungleichheiten<\/em>. \u00dcbersetzt von Reinhard Kreckel. G\u00f6ttingen: Otto Schwartz &amp; Co. (Soziale Welt Sonderband, 2), S. 183\u2013198.<\/p>\n<p data-start=\"499\" data-end=\"716\">Bourdieu, Pierre (1997): Pierre Bourdieu im Gespr\u00e4ch \u2013 Die feinen Unterschiede. In: Baumgart, Franzj\u00f6rg (Hg.): <em data-start=\"610\" data-end=\"679\">Theorien der Sozialisation. Erl\u00e4uterungen \u2013 Texte \u2013 Arbeitsaufgaben<\/em>. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.<\/p>\n<p data-start=\"718\" data-end=\"1001\">Haslinger, Susanne; Patek, Andrea (2007): Studieren zwischen Schein und Sein. Die Situation Studierender bildungsferner Herkunft im Studienalltag. In: Erler, Ingolf (Hg.): <em data-start=\"890\" data-end=\"961\">Keine Chance f\u00fcr Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem<\/em>, S. 148\u2013165. Wien: Mandelbaum Verlag.<\/p>\n<p data-start=\"1003\" data-end=\"1105\">Kemper, Andreas; Weinbach, Heike (2022): <em data-start=\"1044\" data-end=\"1073\">Klassismus. Eine Einf\u00fchrung<\/em>. M\u00fcnster: Unrast (Kapitel 1).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Datum:\u00a007.04.26 Name: Naz Bolu Vorlesung: Klassismus in der Schule RV01 Fragestellungen: Inwiefern hat Ihnen die Vorlesungssitzung neue Erkenntnisse bez\u00fcglich selbst in der Schule beobachteter oder erlebter Situationen vermittelt? Welche Handlungserfordernisse leiten Sie f\u00fcr sich als (angehende) Lehrkraft aus den Erkenntnissen ab? 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