{"id":221,"date":"2026-05-01T11:17:50","date_gmt":"2026-05-01T09:17:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/?p=221"},"modified":"2026-05-01T11:17:50","modified_gmt":"2026-05-01T09:17:50","slug":"rv03-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/umhetbipeb2026\/2026\/05\/01\/rv03-2\/","title":{"rendered":"RV03"},"content":{"rendered":"<p>Als Berufsschullehrerin mit anderen fachlichen Schwerpunkten erscheint mir das F\u00f6rderkonzept \u201eEntdecken und Erz\u00e4hlen\u201c (Enter) zun\u00e4chst eher im fr\u00fchkindlichen bzw. grundschulischen Kontext verortet. Gleichzeitig lassen sich zentrale Elemente gut auf schulische Lernprozesse \u00fcbertragen \u2013 auch, weil ich aus meiner Perspektive als Mutter viele sprachliche Aneignungsprozesse im Alltag beobachten kann.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbertragbare Elemente aus \u201eEnter\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ein zentraler Baustein ist das dialogische Lernen. Offene Gespr\u00e4chsanl\u00e4sse erm\u00f6glichen es Lernenden, eigene Denkwege sprachlich zu formulieren und mit anderen abzugleichen. Das ist auch in h\u00f6heren Klassen sinnvoll: Lernende werden aktiver eingebunden, statt nur Ergebnisse zu reproduzieren. Gleichzeitig erhalten Lehrkr\u00e4fte Einblick in Denkprozesse und k\u00f6nnen gezielt unterst\u00fctzen. Sprache fungiert hier als Werkzeug zur Strukturierung und Reflexion von L\u00f6sungswegen (vgl. B\u00f6ning &amp; Th\u00f6ne, 2017).<\/p>\n<p>Ebenso \u00fcbertragbar ist das Prinzip des Scaffoldings. Sprachliche Hilfen wie Satzstarter (\u201eIch erkenne, dass\u2026\u201c, \u201eDer Unterschied ist\u2026\u201c), Visualisierungen oder Wortlisten unterst\u00fctzen besonders heterogene Lerngruppen. Gerade im Mathematikunterricht hilft dies, Fachbegriffe korrekt zu verwenden und Verst\u00e4ndnisbarrieren abzubauen (vgl. Leuders &amp; Prediger, 2016).<\/p>\n<p>Auch eine bewusste Gespr\u00e4chskultur ist zentral: Zuh\u00f6ren, Nachfragen und strukturiertes Erkl\u00e4ren f\u00f6rdern nicht nur das Verst\u00e4ndnis, sondern auch soziale und kommunikative Kompetenzen.<\/p>\n<p><strong>Funktionen von Sprache im Mathematikunterricht<\/strong><\/p>\n<p>Kommunikative Funktion: Sprache dient dem Austausch \u00fcber mathematische Inhalte. Beispiel: In einer Partnerarbeit erkl\u00e4ren sich Auszubildende gegenseitig den Rechenweg bei einer Prozentaufgabe.<\/p>\n<p>Kognitive Funktion: Sprache unterst\u00fctzt das Denken und Strukturieren von L\u00f6sungsprozessen. Beispiel: \u201eZuerst berechne ich den Grundwert, dann bestimme ich den Prozentsatz.\u201c<\/p>\n<p>Darstellungsfunktion: Sprache hilft, mathematische Sachverhalte zu beschreiben. Beispiel: Eine Alltagssituation wird in mathematische Fachsprache \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Reflexive Funktion: Sprache erm\u00f6glicht es, \u00fcber das eigene Lernen nachzudenken. Beispiel: Lernende vergleichen und bewerten L\u00f6sungswege.<\/p>\n<p><strong>Beobachtungsfragen f\u00fcr Praktika<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>In welchem Umfang nutzen Lernende in kooperativen Arbeitsphasen mathematische Fachsprache, und wie ver\u00e4ndert sich dies durch gezielte Unterst\u00fctzung?<\/li>\n<li>Welche sprachlichen Impulse setzt die Lehrkraft, und wie wirken sich diese auf Verst\u00e4ndnis und Beteiligung aus?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zentrale Prinzipien von \u201eEnter\u201c lassen sich gewinnbringend in schulische Kontexte \u00fcbertragen. Sprachliche F\u00f6rderung ist eine grundlegende Voraussetzung f\u00fcr fachliches Lernen \u2013 besonders im Mathematikunterricht.<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>B\u00f6ning, D. (2026): Integrierte (Fr\u00fch-)F\u00f6rderung von Sprache und Mathematik. In: Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<p>Klemm, K. (2008): Vierzig Jahre Chancenungleichheit in der Grundschule \u2013 keine Hoffnung auf Abhilfe in Sicht? In: Ramseger, J. &amp; Wagener, M. (Hrsg.): Chancenungleichheit in der Grundschule. Ursachen und Wege aus der Krise. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, S. 17\u201324.<\/p>\n<p>Ramseger, J. &amp; Wagener, M. (Hrsg.) (2008): Chancenungleichheit in der Grundschule. Ursachen und Wege aus der Krise. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Berufsschullehrerin mit anderen fachlichen Schwerpunkten erscheint mir das F\u00f6rderkonzept \u201eEntdecken und Erz\u00e4hlen\u201c (Enter) zun\u00e4chst eher im fr\u00fchkindlichen bzw. grundschulischen Kontext verortet. 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