{"id":216,"date":"2024-02-03T19:18:37","date_gmt":"2024-02-03T18:18:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/tutoriumcsee\/?p=216"},"modified":"2024-02-03T19:38:53","modified_gmt":"2024-02-03T18:38:53","slug":"slow-living","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/tutoriumcsee\/2024\/02\/03\/slow-living\/","title":{"rendered":"Slow Living"},"content":{"rendered":"<p>Vor kurzem habe ich den Text \u201eThe McDonaldization of Society\u201c von George Ritzer gelesen. Kurz gesagt beschreibt der Begriff der \u201eMcDonaldization\u201c, dass die Gesellschaft zunehmend Charakteristika von Fastfood-Restaurants annimmt mit zentralen Aspekten wie Effizienz, Kalkulierbarkeit, Voraussagbarkeit, Kontrolle, Vereinheitlichung und Gleichf\u00f6rmigkeit (kleiner Fun Fact: Der Begriff \u201eAldisierung\u201c wurde in der Schweiz 2005 wohl zum Wort des Jahres gew\u00e4hlt). Ritzer beschreibt in seinem Text au\u00dferdem Wege sich in seinem Alltag gewisserma\u00dfen gegen diese McDonaldisierung zu wehren indem man ihn, sehr zusammen gefasst gesagt, m\u00f6glichst ent-rationalisiert. Er nennt z.B., dass man lokale Caf\u00e9s und L\u00e4den unterst\u00fctzen bzw. generell gro\u00dfe Ketten boykottieren sollte, so viel wie m\u00f6glich selber machen, darunter auch z.B. stricken und Gesellschaftsspiele spielen, selber kochen und so viel zu humanisieren und individualisieren wie man kann.<\/p>\n<p>Ich fand es sehr interessant \u00fcber dieses Ph\u00e4nomen zu lesen, da ich vor allem auf Social Media diesen Trend vom \u201eSlow Living\u201c seit einiger Zeit sehr stark mit bekomme. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich selber \u00e4lter geworden bin und die Leute um mich herum offensichtlich auch, aber ich habe schon das Gef\u00fchl, dass immer mehr Menschen, vor allem in unserer Generation, von der schnelllebigen Gesellschaft immer mehr gestresst sind und probieren ihr Leben irgendwie \u201elangsamer\u201c zu machen. Auch wenn solche Dinge wie Nachhaltigkeit, Veganismus, Journaln oder Minimalismus sicher auch mit anderen Aspekten zu tun haben (wie z.B. generell mehr Aufmerksamkeit zum Thema mentale Gesundheit, Umweltschutz\/Klimawandel), glaube ich schon, dass viele Menschen dadurch unter anderem probieren ihr Leben zu entschleunigen bzw. sich aus Dingen wie Massenproduktion\/Massentierhaltung so gut es geht zu entziehen \u2013 was zugegeben in unserer Gesellschaft immer noch sehr schwer ist, auch wenn es in den letzten Jahren sehr viel einfacher geworden ist Second-Hand zu shoppen oder vegane Ersatzprodukte zu finden.<\/p>\n<p>Sicher hat diese Schnelllebigkeit auch viel mit Social-Media selbst zu tun \u2013 was ich ein bisschen ironisch finde, da mir dort wie gesagt der Trend zum slow-living stark aufgefallen ist -, da man oft das Gef\u00fchl hat die ganze Zeit von einer Welle an Nachrichten und Videos \u00fcberschwemmt zu werden, und au\u00dferdem auch die M\u00f6glichkeit hat immer neuen und schnellen Input f\u00fcrs Gehirn zu bekommen, was sich f\u00fcr mich pers\u00f6nlich und ich glaube auch f\u00fcr viele andere manchmal sehr \u00fcberfordernd anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Und dann kommen auch noch solche Erfahrungen wie Corona hinzu, wo f\u00fcr mehre Monate oder vielleicht sogar Jahre bei sehr vielen Menschen durch die Einschr\u00e4nkungen gewisserma\u00dfen auf die Pause-Taste gedr\u00fcckt wurde. Und ich glaube, dass egal wie die einzelnen Realit\u00e4ten und Lebensumst\u00e4nde zu der Zeit genau aussahen, beinahe jeder war wahrscheinlich dazu gezwungen sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter mit seiner eigenen mentalen Gesundheit, eingeschr\u00e4nktem Konsum, neuen Freizeitbesch\u00e4ftigungen, und generell mit seinen eigenen Priorit\u00e4ten zu besch\u00e4ftigen, da sehr vieles was zu unserem Alltag geh\u00f6rte einfach weg gefallen ist.<\/p>\n<p>Mir ist vor allem der Handarbeits-Trend sehr stark aufgefallen. So oft habe ich fr\u00fcher den Satz geh\u00f6rt, dass \u201edas doch nur Omas machen\u201c und kaum Leute gekannt die Handarbeiten und heute gilt es zwar immer noch gewisserma\u00dfen als ein \u201eOma Hobby\u201c, aber inzwischen h\u00f6re ich dann eher sehr oft so was wie \u201eam liebsten w\u00fcrde ich nur stricken und Tee trinken \u2013 wie eine Oma\u201c.<\/p>\n<p>Ich finde generell dieses ganze Ph\u00e4nomen des slow-livings sehr interessant, da ich dabei immer ein wenig das Gef\u00fchl habe, dass wir in vielen Aspekten auf gewisse Art und Weise wieder in die Vergangenheit zur\u00fcck kehren \u2013 und ich meine das nicht im Sinne von \u201eR\u00fcckschritt\u201c auf einer linearen Linie, sondern einfach als Wandel, der zuf\u00e4lliger Weise in eine Richtung verl\u00e4uft, die wir so \u00e4hnlich schon mal hatten.<\/p>\n<p>Und zum Schluss noch ein wie ich finde sehr sch\u00f6nes Zitat aus dem Text: \u201eWhat else can you do? Suicide is one possibility, but that does seem too extreme, even to me.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem habe ich den Text \u201eThe McDonaldization of Society\u201c von George Ritzer gelesen. 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