(SL) Die Killerschere

09-50-M1-T2: Tutorium 2 zu „Einführung in die Ethnologie“ | Tutor: Ben Baumgarten | WiSe 2023 | 6298396 | Sammer Ishaq | Freitext

 

01:30 Uhr und ich weiß nicht mehr wer ich bin, wo ich bin, welches Jahr wir haben und was eigentlich passiert ist. Das einzige was ich weiß ist, dass ich verschwitz bin und und ich nichts sehen kann. Langsam fährt mein Gehirn hoch „Ach stimmt, ich bin wohl weggepennt.“ Kein Plan wann genau, aber ich war sehr erschöpft, also hab ich mich ins Land der Träume begeben und meine Mutter hat dann wohl auch das Licht aus gemacht.
Ich stehe auf und setzte mich an meinen Tisch. Mache die Nachtischlampe an und nehme mir mein IPad und schaue mir paar YouTube Videos an. „Merkwürdig“ denke ich mir, „Warum sieht das Layout so komisch aus?“. Irgendwie war alles Pink, aber ich hab’s dann doch nicht mehr hinterfragt. Meine Aufmerksamkeit lenkt mich dann auf meine Haare. Mir fällt auf, dass sich etwas Spliss gebildet hat. Der letzte Haarschnitt ist schon etwas her, also hole ich meine Friseurschere raus.
Sie ist schwarz und hat eine matte Oberfläche. Wenn man sie nutzt hört man ein scharfes Geräusch. Und sie ist auch außerordentlich scharf. Als ich mir früher damit den Pony getrimmt habe und nicht aufgepasst habe, hab ich mir oftmals in den Finger geschnitten und ne ordentliche Ladung Blut kam raus. Seitdem ich aber meinen Pony rauswachsen lasse, kommt die Schere gar nicht mehr zum Einsatz. Also fange ich an mir einige Strähnen zu nehmen und nach Spliss zu suchen.
Schnip und Schnap sind die einzigen Geräusche, die den Raum füllen. Da es Nacht ist höre ich das Geräusch intensiver. Langsam schneidige ich den Spliss immer rhythmischer ab, fast wie das Ticken einer Uhr. Es ist so periodisch, dass man schon hypnotisiert wird. Meine gesamte Aufmerksamkeit ist konzentriert auf dieses Geräusch „Schnip, schnap, Schnip, Schnap“. So sehr, dass ich den Tinnitus denn ich auf beide Ohren habe, gar nicht mehr höre. Das geht jetzt schon locker ne halbe Stunde so, bis ich etwas lautes höre „SCHNIP“. Und auf einmal halte ich ne ganze Strähne in der Hand. Vor Schock stehe ich von meinem Stuhl auf. Eine dicke Strähne ist ab, aber ich hab doch ganz vorsichtig geschnitten, doch plötzlich spüre ich nen Impuls der meine Hand dazu verleitete einfach zu machen. Aber ich war das doch gar nicht. Mein Blick wandert von den Haaren in meiner linken Hand, auf die Schere in der rechten. Langsam glaube ich, dass die Schere einfach meine Hand gesteuert hat. Aber wie soll das denn bitte gehen? In ihr stecke doch kein Stück Leben. Oder ist sie vielleicht beleidigt, dass ich sie so lang nicht genutzt habe?
Ich setzte mich wieder und überlege, da nun plötzlich 10 cm ab sind,  muss ich die restlichen Haare auch abschneiden. Aber als ich gerade ansetzen wollte, höre ich wieder ein lautes schneiden „SCHNAP“. Eine weitere lange Strähne ist ab. Langsam reicht es mir. Ich versuche die Schere aus der Hand zu legen, aber es klappt einfach nicht. Meine findet kleben einfach an ihr. Und plötzlich überkommt es mich. Die Hand bewegt sich von selbst und schneidet mir eine Strähne nach der anderen ab. Aber es ist nicht meine Hand, sonder die Schere die sie scheuert. Bei der ganzen Prozedur bleibe ich verrückter weise einfach   ruhig sitzen, obwohl ich doch eigentlich vor Panik zu meiner Mutter laufen sollte.
Mittlerweile liegen mehr Haare am Boden, als sie auf auf meinem Kopf sind. Zwischendurch sehe ich noch ein Stück Ohr, was ich mir mit abgeschnitten habe, weil meine Hand völlig außer Kontrolle ist. Und trotzdem sitze ich hier ruhig dar. Währenddessen schaue ich mir due Schere genau an. Sie sieht aus wie jede andere Schere auch, doch man verspürt eine Aura die von ihr ausgeht, als wäre sie am Leben. Dann aber geschieht es endlich. Die Schere fällt einfach aus der Hand. Nun stehe ich auch endlich auf und gehe zu meinem Spiegel. Eine unschöne Friseur ist zu sehen und Blut läuft mir den Hals hinunter. Das ganze ich echt nicht mehr zu retten. Ich denke mir einfach, dass ich schlafen gehen sollte und mich um den Rest morgen kümmere kann. Nichtmal das Ohr will ich verarzten. Und so lege ich mich völlig erschöpft ins Bett und bin dabei einzuschlafen.

Gerade als ich einschlafen wollte, wache ich jedoch wieder auf. Ich bin verschwitz, aber diesmal ist es nicht dunkel. Die Sonne scheint durchs Fenster. Ich greife mir verwirrt an den Kopf und stelle fest, dass alle Haare noch da sind. „Ein Traum also…“ war ja auch zu komisch um war zu sei. YouTube war ja am Anfang pink, der Tinnitus war nicht zu hören und ich blieb viel zu ruhig. Und natürlich sind Gegenstände doch alle leblos. Die Schere selbst empfinde ich schon als gefährlich, weil ich mich damit schon oft in den Finger geschnitten habe. Vielleicht habe deshalb davon geträumt.
Aber eine Sache wundert mich dann schon. Wenn ich doch nur geschlafen habe, warum liegt dann die Schere in meiner rechten Hand?

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