{"id":4,"date":"2018-04-20T11:59:07","date_gmt":"2018-04-20T09:59:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/tonysblog\/?p=4"},"modified":"2018-04-20T11:59:07","modified_gmt":"2018-04-20T09:59:07","slug":"doppelte-heterogenitaet-in-der-musikpaedagogik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/tonysblog\/2018\/04\/20\/doppelte-heterogenitaet-in-der-musikpaedagogik\/","title":{"rendered":"Doppelte Heterogenit\u00e4t in der Musikp\u00e4dagogik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Beitrag zu Ringvorlesung03 \u2013 Prof. Andreas Klee: Von Tischen, K\u00f6nigen und Politikleuten<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Diskutieren Sie die Relevanz der Arbeitshypothese der \u201edoppelten Heterogenit\u00e4t\u201c f\u00fcr eines Ihrer F\u00e4cher und stellen Sie dies anhand eines konkreten Unterrichtsinhaltes dar.<\/li>\n<li>Skizzieren Sie unter Bezugnahme auf einen konkreten Unterrichtsinhalt drei methodische Varianten zur unterrichtspraktischen \u201eErhebung\u201c von Sch\u00fcler*Innenvorstellungen.<\/li>\n<li>Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe in Bezug auf unterschiedliche Sprachwirklichkeiten von Sch\u00fclerInnen und LehrerInnen<\/li>\n<\/ol>\n<p>In dem nachfolgenden Beitrag werde ich die Fragestellung in ihren drei Unterpunkten in Bezug auf den Musikunterricht behandeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Der Arbeitshypothese der \u201edoppelten Heterogenit\u00e4t\u201c liegt der Gedanke zugrunde, dass einerseits der zu vermittelnde Schulstoff keine klaren Definitionen oder Eindeutigkeiten liefern kann und andererseits die Vorbildung der einzelnen SuS sehr verschieden ist. In der Vorlesung sind Begriffe wie Freiheit oder Gerechtigkeit diskutiert worden: Die SuS werden zu diesen Abstrakten Begriffen sehr unterschiedliche \u2013 und auch unterschiedlich gefestigte \u2013 Meinungen haben. Da diese Begriffe so abstrakt sind, wird man auch in der Wissenschaft keine allgemeing\u00fcltigen Definitionen finden, sondern nur verschiedene Positionen und Ans\u00e4tze.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dieser Problematik ist die Musikp\u00e4dagogik auf verschiedenen Ebenen st\u00e4ndig konfrontiert. Die Musik ist ein sehr pers\u00f6nliches Medium, da sie die meisten Menschen von der fr\u00fchen Kindheit an begleitet. Dementsprechend gefestigt sind in der Regel die Meinungen und Ansichten der SuS in Bezug auf verschiedene Musikrichtungen, K\u00fcnstler oder Stile. Das ist die erste Ebene der Heterogenit\u00e4t von Sch\u00fclerseite.<\/p>\n<p>Die zweite Ebene sind die unterschiedlichen fachlichen Vorkenntnisse der SuS: Die Leistungen, die ein*e Sch\u00fcler*in schon zu Beginn des schulischen Musikunterrichts in der Mittelstufe erbringen kann, sind so unterschiedlich wie in keinem anderen Schulfach. Viele SuS haben zu diesem Zeitpunkt schon Instrumentalunterricht gehabt oder gar musikalische Fr\u00fcherziehung, w\u00e4hrend andere mit Musik nur \u00fcbers Radio und in der Grundschule in Ber\u00fchrung gekommen sind und zum Beispiel noch keine Noten lesen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die dritte Ebene von Sch\u00fclerseite ist die der Motivation. Wie motiviert ein*e Sch\u00fcler*in ist, beeinflusst nat\u00fcrlich den Unterricht in allen Schulf\u00e4chern, doch insbesondere der Musikunterricht muss sich vor seinen SuS immer wieder von neuem behaupten, da er von vielen SuS nicht als relevantes Schulfach anerkannt wird. Es kommt noch hinzu, dass viele SuS eine grunds\u00e4tzliche Abneigung gegen Musikunterricht haben, da sie der Meinung sind, die Besch\u00e4ftigung mit Musik und insbesondere die Analyse von Musik zerst\u00f6re den Reiz derselben. Diese Problematik zeigt sich in der Regel seltener bei SuS, die schon au\u00dferhalb des regul\u00e4ren Schulunterrichts Musikunterricht genommen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wissenschaft befindet sich im Diskurs \u00fcber die Ziele des Musikunterrichts (sollen Kompetenzen vermittelt werden, soll zeitgeschichtliches Fachwissen vermittelt werden oder sollen die reflexiven F\u00e4higkeiten in Bezug auf individuelle H\u00f6rerfahrung geschult werden?) und \u00fcber die Art der Bewertung von Musik oder die Bewertbarkeit von Musik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist der Unterrichtsinhalt nun also eine Analyse und Interpretation eines Musikst\u00fcckes (beispielsweise eines Ausschnitts aus einer Oper von Wagner), so muss die Lehrerin\/der Lehrer sich zun\u00e4chst im Spannungsfeld grundverschiedener Unterrichtskonzepte positionieren und dann einen Umgang mit der vielfachen Heterogenit\u00e4t der SuS finden, ohne dabei zu vergessen, den musikwissenschaftlichen Diskurs einflie\u00dfen zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Ich bleibe bei der Beispielaufgabe \u201eWerkanalyse einer Wagneroper\u201c. Auf verschiedenen Niveaus ist diese Aufgabe in allen Klassenstufen vorstellbar. Wagner wird bei den wenigsten SuS der H\u00f6rgewohnheit entsprechen. Um einen intuitiven Zugang zur Musik zu f\u00f6rdern bietet sich als erster Ber\u00fchrungspunkt die Aufgabe an, verschiedene Passagen oder Sequenzen auf ihre emotionale Wirkung zu untersuchen. Dazu notieren die SuS f\u00fcr sich zu jeder Passage in einem Graphen, ob diese auf sie fr\u00f6hlich oder traurig\/hell oder dunkel beziehungsweise energisch oder ruhig wirkt. Anschlie\u00dfend wird im Plenum verglichen und diskutiert, wie diese Emotionen von der Musik hervorgerufen werden, warum sie oft bei verschiedenen Menschen \u00e4hnlich sind und warum sie sich auch manchmal unterscheiden. Auf diese Weise kann ein erster Eindruck des Umgangs der Sch\u00fcler mit \u00e4sthetisch-musikalischer Erfahrung eingeholt werden. Anschlie\u00dfend sollte mit den SuS \u00fcber ihre bisherigen Erfahrungen mit dieser Art von Musik gesprochen werden. Schon der blo\u00dfe Meinungsaustausch \u00fcber die bisherigen Ber\u00fchrungspunkte der einzelnen SuS mit Musik kann sehr aufschlussreich sein. Eine weitere M\u00f6glichkeit, etwas \u00fcber die H\u00f6rerfahrung der SuS herauszufinden, ist ein freies graphisches Zeichnen. Das H\u00f6rbeispiel wird vorgespielt und die SuS m\u00fcssen dabei auf einem Papier die sukzessive Entwicklung der Musik \u201eaufmalen\u201c. Dabei haben die SuS jede Freiheit von Kringeln und Zickzack \u00fcber Punkte oder verschiedene Buntstifte, ihre musikalische Erfahrung auszudr\u00fccken. Danach kann verglichen und interpretiert werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Da Musik ein Medium ist, zu dem alle Menschen einen zun\u00e4chst unbewussten Zugang \u00fcber Gef\u00fchle und Emotionen haben, ist es oft schwierig, die richtigen Worte f\u00fcr die Beschreibung von Musik zu finden. Die Musikwissenschaft hat selbstverst\u00e4ndlich eine Fachsprache und die Funktionstheorie beispielsweise beschreibt musikalische Ph\u00e4nomene im Hinblick auf den harmonischen Zusammenhang, doch eine differenzierte Beschreibung von Musik kann von SuS nur in den seltensten F\u00e4llen erwartet werden, wenn dies nicht zuvor ge\u00fcbt wurde. Die SuS verschiedene Ph\u00e4nomene aus der Musiktheorie vergleichen und (rein intuitiv) beschreiben zu lassen, um dann die Ergebnisse mit der Betrachtung in der Fachwissenschaft zu vergleichen, w\u00e4re ein interessanter Ansatz f\u00fcr eine Beobachtungsaufgabe.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag zu Ringvorlesung03 \u2013 Prof. Andreas Klee: Von Tischen, K\u00f6nigen und Politikleuten Diskutieren Sie die Relevanz der Arbeitshypothese der \u201edoppelten Heterogenit\u00e4t\u201c f\u00fcr eines Ihrer F\u00e4cher und stellen Sie dies anhand eines konkreten Unterrichtsinhaltes dar. 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