Begegnungspädagogik im Religionsunterricht

Begegnungspädagogik im Religionsunterricht

  1. Erläutern Sie zentrale Aspekte, die in begegnungspädagogischen Settings zu bedenken bzw. zu problematisieren sind.
  2. Denken Sie an Ihren eigenen Religions- oder Ethikunterricht zurück und diskutieren Sie Beispiele für die von Ihnen unter 1. benannten Aspekte (z.B. Besuch von Religionsvertreter*innen im Unterricht).
  3. Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe für kommende Praktika, mit der sie gezielt den Umgang mit religiöser Pluralität beobachten. Können Sie unterschiedliche Umgangsformen oder Argumentationsstrategien feststellen (z.B. Neutralität, bewusste oder unbewusste Privilegierung bestimmter Gruppen…)?

 

Das Ziel von Begegnungspädagogik ist es, andere Kulturen oder Glaubensrichtungen am realen Beispiel zu zeigen. Auf diese Weise soll den SuS ein lebhafterer und intensiverer Einblick und ein bleibender Eindruck ermöglicht werden. Mögliche Settings sind ein gemeinsames Frühstück „wie in der Türkei“ oder der Besuch einer Synagoge mit Führung von einem Rabbiner. Erleben statt Bücher lesen, das ist das Motto. Da wir Lehrkräfte allerdings nicht Nathan der weise sind müssen wir uns hüten, den SuS ein zu undifferenziertes Bild von Kultur und Glaube zu vermitteln und damit Vorurteile zu fördern oder gar zu festigen. Wenn eine Person als Stellvertreter für eine ganze Religion stehen soll, so kann das leicht passieren. Regionale Unterschiede, persönliche Meinungen und Präferenzen und verschiedene Glaubensströmungen gibt es in allen Bereichen. Diese Problematik muss also mit den Schülern Thematisiert werden.

Mein Religionsunterricht war zwar durchaus nicht an eine einzelne Religion gebunden, die Beschäftigung mit den verschiedenen Religionen ging jedoch nicht über das Auswendiglernen von Daten, Ritualen und zentralen Begriffen hinaus. Der Philosophieunterricht in der Studienstufe hat Religion überhaupt nicht thematisiert.

Ich bin jedoch einmal Zeuge einer Begegnungssituation geworden: Bei einer Vormittagsveranstaltung für die sechsten Klassen mit der Untertitelung „Märchen aus dem Orient“ lasen unser Schulleiter, der Jude ist, ein Iman aus einer Moschee aus der Umgebung der Schule und eine Christliche Religionslehrerin einige kurze Märchen, Geschichten oder Gleichnisse aus den jeweiligen religiösen Texten oder der überlieferten Mythologie und Kultur vor. Ich durfte dem Spektakel als musikalische Begleitung für Überleitungen und Intermezzi beiwohnen. Die Stimmung war sehr entspannt, die Kinder lauschten gebannt den Texten der Referenten und ihren kurzen Erklärungen. Eine richtige Auseinandersetzung mit Differenzen und vor allem Gemeinsamkeiten der drei abrahamitischen Religionen am Beispiel überlieferter Geschichten fand jedoch nicht statt. Das wäre in dem zeitlichen Rahmen von zwei Stunden auch überhaupt nicht möglich gewesen. Es war eine gemütliche Lesung – was die SuS damit anfingen blieb ihnen überlassen.

Die Beobachtung die mich am meisten interessiert, nicht zuletzt vor dem Hintergrund meines eigenen Religionsunterrichtes, ist die Frage nach der Wissenschaftlichkeit. Welchen Anspruch hat die Lehrkraft an ihren Religionsunterricht? Geht es nur darum, ein paar Eckdaten zu kennen und etwas Allgemeinwissen über verschiedene Religionen zu vermitteln? Oder ist das Ziel, die SuS an einen reflektierten Umgang mit Glaube – auch mit dem eigenen Glauben – heranzuführen?

About the author: Tony

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