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RV10 – Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung

1. In der Lehrer*innenkonferenz diskutieren Sie die Empfehlungen für die jeweilige weiterführende Schule der einzelnen Schüler*innen. Für einen Schüler, der vor zwei Jahren nach Deutschland und nach einiger Zeit in der Vorklasse in Ihre Klasse gekommen ist, soll – lediglich aufgrund seiner Deutschkenntnisse – von einer Empfehlung für das Gymnasium abgesehen werden. Nehmen Sie auf Basis der Inhalte der Vorlesung Stellung dazu.

Wie sicherlich 98% meiner Mitstudierenden, finde ich die Entscheidung, keine Empfehlung für das Gymnasium zu erteilen aufgrund der Defizite in den Deutschkenntnissen, grundsätzlich falsch.

Auch wenn der Erwerb / das richtige Benutzen der deutschen Bildungssprache und damit einhergehend, dass die Kinder bei ihrer Sprachentwicklung die Registerdifferenzierung durchlaufen müssen, um das verlangte formelle Register zu erwerben,  weil es für die „Bewältigung der Anforderungen schulischen und beruflichen Lernens und Handelns“ konstitutiv ist, sollte er nicht als Ausschlusskriterium funktionieren. Der Erwerb kann, gerade auch bei Betrachtung der hier vorliegenden erschwerten Bedingungen, in keinster Weise, abgeschlossen sein, wenn man hier den Regelzeitraum von 5-7 Jahren für den Erwerb der Bildungssprache als Maßstab nimmt. Um also gerechte Vergabe einer gymnasialen Empfehlung im Vergleich mit einem Schüler*inn (monolingualer Habitus, L1 Muttersprachler*inn) muss hier anders Bewertet werden als in Schwarz/Weiß -manier.

Eine kontinuierliche Förderung beim Spracherwerb sollte angeboten werden (auch in Bezug auf L1, sofern nötig) um den Prozess des Spracherwerbs zu unterstützen und nicht durch entsprechende Nicht-Empfehlungen künstlich auszubremsen.

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2. Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit – in der hier verstandenen breiten Sicht – in Schule und Unterricht (selbst als Schüler*in und/oder Praxiserfahrungen) haben Sie bislang gemacht? Diskutieren Sie die Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung

Ich habe bisher unterschiedliche Erfahrungen zum Thema „Mehrsprachigkeit in der Grundschule“ gemacht. Als erstes ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich mit diesem Thema umgegangen wird. Zum einen wird eine Mehrsprachigkeit leider nicht immer als Ressource, als Potential der Schüler*innen gesehen, sondern leider oftmals auch als Hindernis / Stigmata. Zum anderen ist mir immer wieder aufgefallen, dass es keine einheitlichen Vorgaben zu geben scheint, wie damit umgegangen werden soll und das es oftmals in der Einstellung / Bereitschaft er Lehrer*innen liegt, wie sie damit verfahren. Ich würde mir wünschen, dass wie in der Vorlesung gehört, dass „Konzept der einheitlichen Sprache als nichts Gegebenes, sondern immer als ein Projekt, das „in jedem Augenblick des sprachlichen Lebens der tatsächlichen Redevielfalt gegenübersteht.“ (Bachtin1978: 164) gesehen wird.

Selbst in meinen kurzen praxisbehafteten Erfahrungen habe ich zu oft Aussagen wie: „hier wird jetzt nur Deutsch gesprochen“ gehört. Ich finde diese Aussagen nicht mehr Zeitgemäß, und auch wenn der Bogen immer wieder auf die deutsche Sprache zurückgeführt werden muss, sollten Methoden wie z.B.: Code-Switching mehr Beachtung zuteilwerden, eben weil ihre positiven Effekte mittlerweile unabdingbar sind, und helfen können.

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3. Was möchten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer zukünftigen Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und welche Fähigkeiten fehlen Ihnen dafür noch?

Die Vorlesung zum Thema „Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung“ hat mir noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Mehrsprachigkeit der Kinder als Potential zu sehen und dieses besser in den Unterricht zu integrieren. Mir gefällt die moderne Sichtweise auf dieses Thema auch unter Verwendung neuerer und in ihrer Wirkung bestätigter Methoden (wie z.B. Code-Switching), weg von der antiquierten Einstellung: „ab jetzt bitte nur noch Deutsch“. Für meine praktische Zukunft und die richtige Anwendung, stehe ich momentan aber noch vor vielen Fragen und Zweifeln, wie ich als einzelner im Ist-Zustand des Schulsystems, als dies sinnvoll und machbar umsetzen kann. Ich möchte bei der nächsten Möglichkeit einen Einblick in das Schulleben zu erhalten, zunächst noch genauer beobachten, wie das Prinzip umgesetzt wird. bzw. ob es umgesetzt wird. Des Weiteren freue ich mich auf zukünftige Seminare, die einen vertiefenden Blick in die Thematik gewähren und vielleicht auch noch praktische Anwendungsbeispiele und Umsetzungstipps bereithalten.

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