{"id":457,"date":"2025-07-04T06:59:25","date_gmt":"2025-07-04T04:59:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/?page_id=457"},"modified":"2025-07-06T10:08:46","modified_gmt":"2025-07-06T08:08:46","slug":"gendern-in-lehrveranstaltungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/posterausstellung\/gendern-in-lehrveranstaltungen\/","title":{"rendered":"Gendern in Lehrveranstaltungen"},"content":{"rendered":"<h5><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-487 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-212x300.png\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-212x300.png 212w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-724x1024.png 724w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-768x1086.png 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-1087x1536.png 1087w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-1449x2048.png 1449w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-676x956.png 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/themensemestertext\/files\/Forschungsplakat_Gendern_LS3_QR-scaled.png 1811w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Gliederung<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><a href=\"#Gendern1\">Bundesl\u00e4nderspezifische Regelungen<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><a href=\"#Gendern2\">Regelungen zum Gendern in den verschiedenen Bundesl\u00e4ndern zusammengefasst<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><a href=\"#Gendern3\">Leitfaden der Universit\u00e4t Bremen<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><a href=\"#Gendern4\">Forschungsvorgehen<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><a href=\"#Gendern5\">Zusatzinformationen zu den Grafiken<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><a href=\"#Gendern6\">Forschungs\u00fcberblick zum Thema<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\"><a href=\"#Gendern7\">Quellen<\/a><\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify\"><a id=\"Gendern1\"><\/a><span style=\"font-size: 12pt\">Bundesl\u00e4nderspezifische Regelungen:<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Baden-W\u00fcrttemberg<\/strong>: Verbot des Gebrauchs von Genderzeichen im f\u00f6rmlichen Schriftverkehr der Landesverwaltung.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Bayern<\/strong>: Verbot der Verwendung von Binnen-I, Gendersternchen, Doppelpunkt und Mediopunkt in Schulen, Universit\u00e4ten und Beh\u00f6rden.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Berlin<\/strong>: Keine expliziten Verbote; Empfehlung zur Nutzung geschlechtsneutraler Begriffe oder Paarformen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Bremen<\/strong>: Erlaubnis zur Verwendung des Doppelpunktes im schulischen Kontext und in der Au\u00dfenkommunikation von Beh\u00f6rden.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Hamburg<\/strong>: Keine einheitlichen Vorgaben oder Verbote; Petition gegen Gendersprache in Verwaltung und Bildung vorhanden.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Mecklenburg-Vorpommern<\/strong>: Keine spezifischen Regelungen; Tendenz zu Paarformen und neutralen Sammelbegriffen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Niedersachsen<\/strong>: Keine expliziten Vorgaben; Bevorzugung von Paarformen und neutralen Sammelbegriffen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Saarland<\/strong>: Erlaubnis zur Verwendung des Doppelpunktes im schulischen Bereich und in Beh\u00f6rden.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Sachsen<\/strong>: Verbot \u00e4hnlich wie in Bayern.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Sachsen-Anhalt<\/strong>: Verbot \u00e4hnlich wie in Bayern.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\"><strong>Schleswig-Holstein:<\/strong> Genderzeichen k\u00f6nnen in schulischen Arbeiten als Fehler gewertet werden.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify\"><a id=\"Gendern2\"><\/a><span style=\"font-size: 12pt\">Regelungen zum Gendern in den verschiedenen Bundesl\u00e4ndern zusammengefasst:<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">In Deutschland gibt es gro\u00dfe Unterschiede bei den Regelungen zu geschlechtersensibler Sprache. W\u00e4hrend Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt Genderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkte in Schulen und Beh\u00f6rden verbieten und Schleswig-Holstein Genderzeichen in Schulaufgaben teilweise als Fehler wertet, erlauben Bremen und Saarland explizit den Doppelpunkt. Die Universit\u00e4t Bremen liegt damit in einem Bundesland, das Gendern im offiziellen Kontext toleriert. Neun Bundesl\u00e4nder, darunter Berlin und Hamburg, haben keine spezifischen Verbote, empfehlen aber oft neutrale Formulierungen.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify\"><a id=\"Gendern3\"><\/a><span style=\"font-size: 12pt\">Leitfaden der Universit\u00e4t Bremen:<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">In ihrem Leitfaden f\u00fcr geschlechtergerechte Sprache empfiehlt die Universit\u00e4t Bremen die Verwendung des Gendersterns, da dieser auch von der Queer-Community aktiv genutzt wird. Alternativ wird der Doppelpunkt genannt, beide gelten laut Leitfaden als die am h\u00e4ufigsten verwendeten Schreibweisen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass es noch Unsicherheiten im Hinblick auf die Barrierefreiheit gibt, insbesondere, da Screenreader-Programme Genderzeichen unterschiedlich interpretieren.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify\"><a id=\"Gendern4\"><\/a><span style=\"font-size: 12pt\">Forschungsvorgehen:<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Das Forschungsprojekt verfolgte urspr\u00fcnglich das Ziel, Studieng\u00e4nge mit einem \u00fcberwiegend m\u00e4nnlichen sowie einem \u00fcberwiegend weiblichen Studierendenanteil hinsichtlich ihres Gebrauchs gendergerechter Sprache zu vergleichen. Dabei sollte auch das Geschlecht der sprechenden Person, also der Dozierenden, mit einbezogen werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Zu diesem Zweck haben wir zun\u00e4chst die Statistik der Universit\u00e4t Bremen zur Geschlechterverteilung in den Studieng\u00e4ngen ausgewertet und gepr\u00fcft, welche dieser Studieng\u00e4nge \u00f6ffentliche Lehrveranstaltungen anbieten. Bereits in der Planungsphase wurde deutlich, dass eine Differenzierung nach dem Geschlecht der Dozierenden in der praktischen Umsetzung nicht f\u00fcr alle Studieng\u00e4nge m\u00f6glich war. Besonders bei den m\u00e4nnerdominierten Studieng\u00e4ngen gestaltete es<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">sich schwierig, Veranstaltungen mit weiblichen Dozierenden zu finden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Zudem zeigte sich bei der Durchf\u00fchrung des Projekts, dass einige Lehrveranstaltungen entgegen der Ank\u00fcndigung nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich waren oder keine klassische Lehrsituation mit dozierender Person, sondern interaktive Formate mit starkem Studierendenanteil vorsahen. Diese Einschr\u00e4nkungen sind insbesondere darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass das Projekt zur Mitte des Semesters durchgef\u00fchrt wurde. Zu diesem Zeitpunkt ist typischerweise mit einem h\u00f6heren Anteil individueller studentischer Beitr\u00e4ge zu rechnen, wodurch der Sprachgebrauch der Dozierenden weniger im Fokus steht und schwerer systematisch zu erfassen ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Aus diesem Grund konnte beispielsweise der Studiengang Elektrotechnik, der gem\u00e4\u00df der Statistik der Universit\u00e4t Bremen als m\u00e4nnerdominiert eingestuft wurde, nicht in das Forschungsprojekt aufgenommen werden. Die untersuchten Veranstaltungen in diesem Studiengang bestanden \u00fcberwiegend aus individuell gestalteten studentischen Inhalten, sodass eine Analyse des gendergerechten Sprachgebrauchs der Dozierenden nicht m\u00f6glich war. Infolgedessen wurde die<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">urspr\u00fcnglich geplante Kategorisierung in m\u00e4nner- und frauendominierte Studieng\u00e4nge im weiteren Projektverlauf verworfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Letztlich wurden vier Studieng\u00e4nge in die Untersuchung einbezogen: Wirtschaftswissenschaft, Biologie, Erziehungswissenschaft sowie Kommunikations- und Medienwissenschaft. F\u00fcr jeden dieser Studieng\u00e4nge wurden zwei Lehrveranstaltungen besucht und deren Daten im Rahmen des Projekts erhoben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Im Vorfeld der Datenerhebung wurde ein Kategoriensystem erstellt, anhand dessen der Gebrauch gendergerechter Sprache durch die Dozierenden innerhalb der ersten 30 Minuten der jeweiligen Veranstaltung analysiert wurde. Dabei wurde zwischen schriftlichen und m\u00fcndlichen \u00c4u\u00dferungen unterschieden. Die verwendeten Kategorien lauteten:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 10pt\">Generalisiertes Maskulinum<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt\">Generalisiertes Femininum<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt\">Bin\u00e4rer Sprachgebrauch<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt\">Neutrale Begriffe<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt\">Binnen-I<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt\">Doppelpunkt<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt\">Genderstern<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">F\u00fcr die m\u00fcndliche Analyse k\u00f6nnen die Kategorien \u201eBinnen-I\u201c, \u201eDoppelpunkt\u201c und \u201eGenderstern\u201c nicht voneinander unterschieden werden, da diese in der gesprochenen Sprache in der Regel mithilfe eines Glottalverschlusses realisiert werden. Eine genaue Zuordnung zur intendierten Schreibweise war daher nicht m\u00f6glich. Alle beobachteten Begriffe wurden dokumentiert, wobei auch Wiederholungen in die Auswertung aufgenommen wurden.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify\"><a id=\"Gendern5\"><\/a><span style=\"font-size: 12pt\">Zusatzinformationen zu den Grafiken:<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">F\u00fcr unsere Analyse definierten wir das \u201eGendern\u201c als jegliche sprachliche Strategie, die darauf abzielt, Personen jenseits einer rein m\u00e4nnlichen Zuschreibung sichtbar zu machen oder aktiv einzubeziehen. Das umfasst beispielsweise die Verwendung von Genderstern (*), Binnen-I (z. B. \u201eStudentInnen\u201c) oder neutralen Begriffen (z. B. \u201eStudierende\u201c). Als generisches Maskulinum werteten wir hingegen Formulierungen, bei denen ausschlie\u00dflich die m\u00e4nnliche Form verwendet wurde, obwohl auch andere Geschlechter gemeint oder eingeschlossen sein k\u00f6nnten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Ein besonders auff\u00e4lliges Ergebnis zeigt sich im Studiengang Wirtschaftswissenschaft: Hier wurde in der beobachteten Lehrveranstaltung kein einziger Begriff verwendet, der im Sinne unserer Untersuchung gegendert h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Diese Abwesenheit m\u00f6glicher Genderformen schr\u00e4nkt zwar die Datengrundlage f\u00fcr diesen Studiengang ein, wirft aber zugleich interessante Fragen zur Sprachpraxis in wirtschaftswissenschaftlichen Vorlesungen auf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Im Gegensatz dazu zeigt sich in den Studieng\u00e4ngen Biologie, Erziehungswissenschaft sowie Kommunikations- und Medienwissenschaft ein jeweils deutlich h\u00f6heres Aufkommen genderrelevanter Begriffe. Dabei variiert die H\u00e4ufigkeit sowohl zwischen den Fachbereichen als auch innerhalb der Veranstaltungen. Besonders in den geistes- und sozialwissenschaftlichen F\u00e4chern lie\u00df sich eine st\u00e4rkere Tendenz zum Einsatz gendergerechter Sprache beobachten, sowohl m\u00fcndlich als auch (weniger h\u00e4ufig) schriftlich.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Diese Ergebnisse unterstreichen, dass die Verwendung gendergerechter Sprache stark kontext- und fachspezifisch ist. Sie h\u00e4ngt nicht nur vom Studiengang, sondern auch von der jeweiligen Lehrperson und dem Aufbau der Veranstaltung ab.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify\"><a id=\"Gendern6\"><\/a><span style=\"font-size: 12pt\">Forschungs\u00fcberblick zum Thema:<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Die wissenschaftliche Literatur zum Thema geschlechtergerechte Sprache und Gleichstellung im Hochschulkontext bietet aufschlussreiche Einblicke in die vielschichtigen Zusammenh\u00e4nge zwischen Sprache, Machtstrukturen und institutionellen Praktiken. Der Text \u201eDoing Science \u2013 Doing Gender. Die Produktion von Wissenschaftlerinnen und die Reproduktion von Machtverh\u00e4ltnissen im wissenschaftlichen Feld\u201c von Sandra Beaufa\u00ffs und Beate Krais verdeutlicht, dass Frauen im Wissenschaftssystem strukturell, kulturell und sozial benachteiligt und h\u00e4ufig von wissenschaftlichen Karrieren ausgeschlossen werden. Die Autorinnen zeigen, dass Ma\u00dfnahmen wie Geschlechterquoten oder Gleichstellungspolitiken zwar notwendig sind, aber nicht ausreichen. Vielmehr m\u00fcssten tief verankerte institutionelle Bedingungen, allt\u00e4gliche Interaktionen sowie kulturelle Selbstverst\u00e4ndlichkeiten kritisch hinterfragt und ver\u00e4ndert werden. Der Ausschluss von Frauen sei kein individueller, \u201efrei gew\u00e4hlter\u201c Akt, sondern ein systemisch produzierter Prozess, sondern ein Zusammenspiel von Wissenschaft und Geschlecht, das durch soziale Mechanismen stabilisiert wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Ein zentraler Mechanismus in diesem Kontext ist die Sprache selbst, insbesondere ihre Funktion als strukturelles Ausschlussinstrument. Das generische Maskulinum etwa tr\u00e4gt dazu bei, Frauen sprachlich unsichtbar zu machen und sie symbolisch auszuschlie\u00dfen. Die sprachliche Dimension dieser Problematik analysiert Hanna Acke in ihrem Artikel \u201eSprachwandel durch feministische Sprachkritik \u2013 Geschlechtergerechter Sprachgebrauch an den Berliner Universit\u00e4ten\u201c. In einer empirischen Untersuchung analysiert sie 566 Personenbezeichnungen in offiziellen universit\u00e4ren Texten (Webseiten, Mitteilungsbl\u00e4tter, Studieninformationen) aus dem Jahr 2017. Dabei zeigt sich, dass 85,5 % der Formulierungen geschlechtergerecht sind, w\u00e4hrend 14,5 % weiterhin das generische Maskulinum verwenden. Besonders h\u00e4ufig wurde die Bezeichnung \u201eStudierende\u201c verwendet, vermutlich aufgrund ihrer sprachlichen Einfachheit und Neutralit\u00e4t. Acke stellt fest, dass Universit\u00e4ten einen bedeutenden Beitrag zur Normierung geschlechtergerechter Sprache leisten, dies jedoch weitgehend innerhalb eines bin\u00e4ren Geschlechtermodells geschieht. Sprachformen, die nicht-bin\u00e4re Personen einbeziehen, finden bislang nur selten Anwendung, auch wenn offizielle Leitf\u00e4den dies zunehmend empfehlen. In der \u00f6ffentlichen Selbstdarstellung pr\u00e4sentieren sich Hochschulen damit als Institutionen der Gleichstellung, verbleiben in der praktischen Umsetzung jedoch oft bei traditionellen, bin\u00e4r gepr\u00e4gten Mustern. Wie gro\u00df die Kluft zwischen institutionellen Leitlinien und gelebter Praxis sein kann, zeigt auch der Artikel \u201eGendern zwischen Theorie und Praxis\u201c von Celina Beck und Julia Leidenfrost (2021). Die Autorinnen untersuchen den Umgang mit geschlechterinklusiver Sprache im BAStudiengang Germanistik an der Universit\u00e4t Wien. Obwohl die universit\u00e4ren Leitf\u00e4den den Studierenden bekannt sind, bieten sie wenig konkrete Hilfe. Eine systematische Vermittlung gendergerechter Sprache findet kaum statt. Stattdessen erfolgt die Nutzung gendergerechter Sprache meist \u00fcber Eigeninitiative, beispielsweise durch Medien, feministische Seminare oder den Austausch mit anderen Studierenden. Auch die Haltung der Lehrenden ist uneinheitlich: Viele vermeiden eine klare Positionierung, was zu widerspr\u00fcchlichen Signalen im Studienalltag f\u00fchrt. Insgesamt zeigt sich, dass die Anwendung gendergerechter Sprache stark von individuellen Haltungen, sozialen Pr\u00e4gungen und pers\u00f6nlichem Sprachverst\u00e4ndnis abh\u00e4ngt. Die Verantwortung f\u00fcr einen inklusiven Sprachgebrauch wird somit gr\u00f6\u00dftenteils an die Studierenden delegiert, w\u00e4hrend der Fachbereich Germanistik, obwohl Sprache hier zentraler Gegenstand ist, das Thema nur selten systematisch aufgreift. Gendern wird zudem h\u00e4ufig als rein \u201efeministisches Anliegen\u201c abgewertet, was seine gesellschaftliche Relevanz unterminiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Einen aktuellen politischen Konflikt im Umgang mit geschlechtergerechter Sprache beleuchtet der Artikel \u201eStudierende kritisieren Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr geschlechtsneutrale Sprache\u201c von Christian Erll. Darin wird ein Schreiben des s\u00e4chsischen Wissenschaftsministers Sebastian Gemkow (CDU) thematisiert, in dem dieser Hochschulen dazu auffordert, in der Verwaltung auf sprachliche Formen wie das Gendersternchen oder den Doppelpunkt zu verzichten. Gemkow beruft sich auf die amtliche Rechtschreibung, mit der solche Formen seiner Auffassung nach nicht vereinbar seien. Die Studierenden hingegen sehen in dieser Anweisung einen Eingriff in die Hochschulautonomie, die es den Universit\u00e4ten erm\u00f6glichen sollte, selbst \u00fcber den Sprachgebrauch zu entscheiden. Paul Steinbrecher, Sprecher der Konferenz der S\u00e4chsischen Studierendenschaften, betont, dass viele Studierende eine geschlechtergerechte Sprache ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dfen, solange deren Verwendung empfohlen, nicht aber vorgeschrieben oder verboten wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 10pt\">Ein Beispiel f\u00fcr einen progressiveren Umgang mit Sprache bietet die Universit\u00e4t Leipzig. Bereits 2013 f\u00fchrte sie das generische Femininum in ihrer Grundordnung ein, wodurch M\u00e4nner in offiziellen Texten als \u201eProfessorinnen\u201c mitgemeint waren. In der Praxis wird dort heute oft eine inklusive Form wie \u201eProfessor:innen\u201c verwendet. Juristisch betrachtet, ist Gemkows Eingriff jedoch rechtlich zul\u00e4ssig: Laut Verwaltungsrechtler Mario Pohl darf der Minister im Rahmen der geltenden Gesetze die Einhaltung amtlicher Rechtschreibung einfordern, zumindest f\u00fcr Verwaltungsdokumente. Zusammenfassend zeigen diese Studien und Fallbeispiele, dass geschlechtergerechte Sprache ein wichtiges Mittel zur F\u00f6rderung von Gleichberechtigung darstellt, ihre Umsetzung jedoch stark variiert. W\u00e4hrend Universit\u00e4ten in der Verwaltung zunehmend neutrale Begriffe oder Doppelnennungen einsetzen, bleibt die sprachliche Inklusion insbesondere nicht-bin\u00e4rer Personen oft marginal. Zudem erschweren politische Interventionen, die sich auf formale Rechtschreibnormen st\u00fctzen, eine progressive Sprachentwicklung. Letztlich wird deutlich, dass nicht allein institutionelle Vorgaben den Sprachgebrauch bestimmen, sondern individuelle \u00dcberzeugungen, soziale Rahmenbedingungen und die Bereitschaft zur Reflexion sprachlicher Normen entscheidend sind.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><a id=\"Gendern7\"><\/a><span style=\"font-size: 14pt\">Quellen:<\/span><\/h4>\n<p><strong>Buch:<\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">Beaufa\u00ffs, S., &amp; Krais, B. (2005). Doing Science \u2013 Doing Gender: Die Produktion von Wissenschaftlerinnen und die Reproduktion von Machtverh\u00e4ltnissen im wissenschaftlichen Feld. <\/span><span style=\"font-size: 10pt\">Frankfurt am Main: Campus Verlag.<\/span><br \/>\n<strong>Zeitschriftenartikel:<\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">Acke, H. (2017). Sprachwandel durch feministische Sprachkritik \u2013 Geschlechtergerechter <\/span><span style=\"font-size: 10pt\">Sprachgebrauch an den Berliner Universit\u00e4ten. Gender \u2013 Zeitschrift f\u00fcr Geschlecht, Kultur und <\/span><span style=\"font-size: 10pt\">Gesellschaft, 9(2), 95\u2013112.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">Beck, C. \/ Leidenfrost, J.: Gendern zwischen Theorie und Praxis. Universit\u00e4re Leitlinien zum geschlechterinklusiven Sprachgebrauch und deren Anwendung am Beispiel von <\/span><span style=\"font-size: 10pt\">BA-Germanistik-Studierenden, in: Zeitschrift f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Schreibforschung 5 (2021), <\/span><span style=\"font-size: 10pt\">S. 49\u201363.<\/span><br \/>\n<strong>Online-Quelle:<\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">Erll, C. (2024, Mai). Studierende kritisieren Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr geschlechtsneutrale Sprache. <\/span><span style=\"font-size: 10pt\">MDR.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-size: 14pt\">Quelle zu den Regelungen der Bundesl\u00e4nder:<\/span><\/h4>\n<p><strong>FOCUS-online-Redaktion:<\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">\u201eKein Sternchen an Schulen und Unis. Genderverbot nicht nur in Bayern: Diese Regelungen haben andere Bundesl\u00e4nder\u201c, FOCUS Online, 20. M\u00e4rz 2024. URL: Fokus-Artikel<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt\">https:\/\/www.focus.de\/panorama\/genderverbot-nicht-nur-in-bayern-diese-regelungen-habenandere-bundeslaender_id_259779851.html (Aufgerufen am 20.06.2025)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gliederung Bundesl\u00e4nderspezifische Regelungen Regelungen zum Gendern in den verschiedenen Bundesl\u00e4ndern zusammengefasst Leitfaden der Universit\u00e4t Bremen Forschungsvorgehen Zusatzinformationen zu den Grafiken Forschungs\u00fcberblick zum Thema Quellen Bundesl\u00e4nderspezifische Regelungen: Baden-W\u00fcrttemberg: Verbot des Gebrauchs von Genderzeichen im f\u00f6rmlichen Schriftverkehr der Landesverwaltung. Bayern: Verbot der Verwendung von Binnen-I, Gendersternchen, Doppelpunkt und Mediopunkt in Schulen, Universit\u00e4ten und Beh\u00f6rden. 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