{"id":29,"date":"2023-11-12T18:46:18","date_gmt":"2023-11-12T17:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/taxifahrerinnen\/?p=29"},"modified":"2023-11-12T18:46:18","modified_gmt":"2023-11-12T17:46:18","slug":"meine-erste-kulturwissenschaftliche-beobachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/taxifahrerinnen\/2023\/11\/12\/meine-erste-kulturwissenschaftliche-beobachtung\/","title":{"rendered":"Meine erste kulturwissenschaftliche Beobachtung!"},"content":{"rendered":"<p>Ich sitze im Eingangsbereich der Uni Bremen. In dem gro\u00dfen Glasgeb\u00e4ude, welches mich als einziges der Uni-Geb\u00e4ude ein wenig beeindruckt. Es ist hell und die Glasw\u00e4nde hoch. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen Poster und Flyer. Es gibt eine Pinnwand mit Angeboten f\u00fcr das Semester. Unten gibt es ein kleines Bistro, Toiletten, einen Friseur und ein paar weitere L\u00e4den. Ich verstehe noch nicht ganz wof\u00fcr dieses Geb\u00e4ude da ist. Anf\u00e4nglich dachte ich es sei eine Art Anlaufpunkt oder Hauptzentrale f\u00fcr die Universit\u00e4t, doch so etwas scheint es hier nicht zu geben. Zumindest nicht Auff\u00e4llig erkennbar. Die Struktur der Geb\u00e4ude und das Konzept der Uni Bremen kann nicht auf den ersten Blick erschlossen werden, so scheint es mir. Ich vermute, dass es von der Idee der `flachen Hierarchien\u00b4 und `Bildung auf Augenh\u00f6he\u00b4stammt. Wenn es nicht die Offizielle Zentrale der Uni ist, welche Funktion hat dieser Glaskasten dann?<\/p>\n<p>Ich sitze oben, auf einem kreisf\u00f6rmig angeordneten hellen Holzgebilde, welches eine der Sitzgelegenheiten darstellt. Die Form ist bequem, der Untergrund eher weniger. Kalt und Hart. Nachdem ich von der Bibliothek aus den Boulevard \u00fcberquert hatte und eine der Offenen Glast\u00fcren passiert, w\u00e4hlte ich diesen Spot f\u00fcr meine Beobachtung. Ich bin ungest\u00f6rt und habe einen Blick auf die Sofas, die Eing\u00e4nge, die Pinnwand und den Anfang der Treppe die zum unteren Teil der Halle f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ich rufe die Notes App auf meinem Handy auf und fange an die Atmosph\u00e4re einzusaugen. Sie ist bewegt. Menschen kommen und gehen. Andererseits ist sie verharrend. Menschen sitzen auf den Sofas, eingepackt in Jacke und Schal. Menschen verharren vor der Pinnwand. Die T\u00fcren stehen offen. Die Luft zieht rein. Die Wolken ziehen an den Glasfenstern vorbei. Licht scheint rein? Ich erinnere mich nicht mehr.<\/p>\n<p>Eine alte Frau (ich sch\u00e4tze sie ende siebzig) in einer dunklen Winterjacke, die zu gro\u00df f\u00fcr sie scheint steht an der Br\u00fcstung. Zwischen Pinnwand und Treppenanfang. Sie vertilgt eine Waffel mit Puderzucker. Wo sie die wohl her hat? Wer ist sie? Ist sie Besucherin? Arbeitet sie an der Uni? Ich werde es wahrscheinlich nicht erfahren. Ich kann nur beobachten. Und vermuten.<\/p>\n<p>In der Sofaecke tut sich wenig. Vier bis f\u00fcnf Sofas stehen In der Ecke zweier Glasaussenw\u00e4nde. Angeordnet in einem offenen Viereck. Zueinander gerichtet. Die Menschen schauen sich nicht an. Sie sitzen an ihren Ger\u00e4ten Und starren, verharren, sitzen. Man k\u00f6nnte vermuten sie warten. Sitzen etwas ab. Es sieht ungem\u00fctlich aus. Der Stoff der Polsterung kalt. Wahrscheinlich sind sie am Arbeiten. Etwas Lesen, Schreiben, Schauen, sich Notizen machen. Eine hatte bestimmt auch ein Buch in der Hand. Oder etwas zu schreiben. Minimale Bewegungen gibt es zwischendurch. Ich kann mir vorstellen dass es schwer ist von so einem Sofa wieder hochzukommen, so tief wie man da einsinkt.<\/p>\n<p>Laufend kommen Menschen rein und gehen die Treppe runter. Es kommen Menschen von der Treppe und gehen raus. Oft vereinzelnd. Es sind um einiges mehr, wenn kurz vorher ein Bahnger\u00e4usch get\u00f6nt hat. Jetzt allerdings bei weitem nicht so viele wie zu den Sto\u00dfzeiten. Ich w\u00fcrde behaupten, dass zwar Bewegung herrscht, aber im Vergleich zu sonst eher eine Ruhige Atmosph\u00e4re pr\u00e4sent ist.<\/p>\n<p>Die meisten Menschen sind alleine Unterwegs. Auf dem Weg zu ihrem eigenen Ziel. Bepackt mit Umh\u00e4ngetasche oder Rucksack. Viele Schauen beim gehen in ihr Mobiltelefon. Einige sind auch zu zweit, lachen oder unterhalten sich.<\/p>\n<p>Die \u00e4ltere Dame kommt zum Ende ihrer Waffel-Session. Sie putzt sich die Nase und faltet dann den Pappteller zusammen, wirft ihn in einen M\u00fclleimer. Sie geht zur Pinnwand, macht dort irgendetwas, das ich nicht genau erkenne und geht zur\u00fcck zur Br\u00fcstung. Sieht so aus, als ob sie sich sortiert. Oder einen Flyer einsteckt.<\/p>\n<p>Rechts unter einem Dach das nicht verglast ist, f\u00fchrt eine Automatische Schiebet\u00fcr nach draussen. Direkt daneben haben sich vor einigen Minuten zwei M\u00e4nner in Anz\u00fcgen in die \u00e4u\u00dfere Geb\u00e4udeecke an einen M\u00fclleimer mit Aschenbecher gestellt. Einer der Anz\u00fcge k\u00f6nnte eine Koch-Bekleidung sein. Sie Rauchen. Vermutlich Tabak. Sie unterhalten sich angeregt und lachen zwischendurch.<\/p>\n<p>Die \u00e4ltere Frau macht sich auf den Weg nach draussen. Sie steuert die Automatische T\u00fcr an und geht auf die M\u00e4nner zu. Sie spricht sie an, woraus ein kurzer Austausch entsteht. Sie lachen kurz zu dritt und dann zieht die Frau weiter. Ein dritter Mann im Anzug gesellt sich zu den Rauchern dazu.<\/p>\n<p>Drinnen hat sich etwas getan. An der Pinnwand steht schon l\u00e4nger eine junge, dunkel und praktisch gekleidete Frau mit Brille. Es scheint, als schaue sie sich einige der Flyer und Plakate an.<\/p>\n<p>Ich beobachte auch, wie sich in der Sofaecke etwas tut. Zwei Personen sind im Gespr\u00e4ch. Es wirkt sofort lebendiger. Von draussen kommt das Lachen und Gespr\u00e4chsfetzen der M\u00e4nner rein. Der Geruch von Zigarettenrauch. Hin und wieder ert\u00f6nt ein Bahnger\u00e4usch. Das Treffen der Schuhsohlen auf den gefliesten Treppenstufen.<\/p>\n<p>Auf die junge Frau vor der Pinnwand trifft ein junger Mann. Es sieht aus als seien sie verabredet. Sie zeigt ihm etwas, sie reden und gehen zusammen in Richtung Ausgang.<\/p>\n<p>Zwanzig Minuten sind vorbei. Am Anfang f\u00fchlte ich mich als Fremdk\u00f6per dieser Situation. Nach l\u00e4ngerem Sitzen und Beobachten mehr als Teil des Ganzen. Ich kenne Meine Umgebung und seine Dynamik um einiges genauer als vor zwanzig Minuten.<\/p>\n<p>Am Ende meiner Beobachtung kann ich sagen: ich nehme diesen Ort als Durchgangsplatz wahr. Es gibt M\u00f6glichkeiten sich kurz neu zu sortieren, sich zu informieren, auf Menschen zu treffen. F\u00fcr mich ist es allerdings kein Ort zum verweilen. Es f\u00fchlt sich ein bisschen an wie ein Bahnhof der Uni.<\/p>\n<p>Ich bin gespannt ob sich mein Gef\u00fchl dazu im laufe des Studiums noch \u00e4ndern wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze im Eingangsbereich der Uni Bremen. In dem gro\u00dfen Glasgeb\u00e4ude, welches mich als einziges der Uni-Geb\u00e4ude ein wenig beeindruckt. Es ist hell und die Glasw\u00e4nde hoch. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen Poster und Flyer. Es gibt eine Pinnwand mit Angeboten f\u00fcr das Semester. 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