{"id":24,"date":"2023-11-11T23:04:12","date_gmt":"2023-11-11T22:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/taxifahrerinnen\/?p=24"},"modified":"2023-11-11T23:04:47","modified_gmt":"2023-11-11T22:04:47","slug":"ankommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/taxifahrerinnen\/2023\/11\/11\/ankommen\/","title":{"rendered":"Ankommen"},"content":{"rendered":"<p>Was bedeutet Ankommen? Und wo \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Bei einer Party? Im Caf\u00e9 um die Ecke?Bei einer Freundin zu Hause? Im Wald f\u00fcr einen Spaziergang?<\/p>\n<p>Wenn du jede Frage noch einmal liest, l\u00f6st jeder Ort ein anderes Gef\u00fchl aus, oder? Das Ankommen f\u00fchlt sich an jedem etwas Ort anders an. Im Alltag erleben wir st\u00e4ndig kleine Momente des Ankommens. Wir wechseln einen Ort und m\u00fcssen uns kurz neu sortieren und orientieren. An vertrauten Orten passiert das fast automatisch, ohne gro\u00dfe Anstrengung.<\/p>\n<p>Und dann sind da noch die gro\u00dfen Momente, oder auch Phasen, des Ankommens. Des Suchens. Orientierens. Viele gro\u00dfe Wechsel. Ver\u00e4nderungen. Neues.<\/p>\n<p>Erwachsen-werden.<\/p>\n<p>Wenn wir entscheidend gro\u00dfe Ver\u00e4nderung erleben, ist es erstmal ungewohnt, ungem\u00fctlich, unvertraut. Besonders wenn wir uns entscheiden l\u00e4nger zu bleiben als die paar Stunden in dem neuen Caf\u00e9. Sagen wir mal- von Hannover nach Hawaii. Auf unbestimmte Zeit. Wie f\u00fchlt sich da Ankommen an?<\/p>\n<p>Das ist heutzutage kein seltenes Gef\u00fchl behaupte ich mal. H\u00e4tte ich diesen Blog vor 50 Jahren geschrieben h\u00e4tte ich sicherlich viele staunende Reaktionen bekommen. Doch darum geht es mir nat\u00fcrlich gar nicht *zwinker*. Ich m\u00f6chte meine individuelle Erfahrung in Worte fassen. Denn, auch wenn wir so viel scheinbar austauschbares tun, ist doch jede Erfahrung anders erlebt. Wenn es heute nicht darum geht Menschen zum staunen zu bringen mit ein paar Zeilen inmitten der Millionen geschriebenen Worte, dann geht es darum einen Ausdruck f\u00fcr die eigenen Erlebnisse zu finden. Einfach f\u00fcr sich selbst. Und die paar Leute, die sich davon inspirieren lassen oder Verstanden f\u00fchlen. Ist das nicht unsere Generation? Wir versuchen ein Outlet zu finden f\u00fcr die vielen Reize und Erlebnisse die wir in unserer Wilden Welt machen. Und vielleicht sind sie auch gar nicht so austauschbar wie wir denken, sondern eigentlich noch viel unverwechselbarer. Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit heute eine Erfahrung zu machen die niemand wirklich nachvollziehen kann sogar immer gr\u00f6\u00dfer, weil es so viele <i>unterschiedliche<\/i> Kombinationen und M\u00f6glichkeiten gibt.<\/p>\n<p>Wie so viele stand ich also 2019 als priviligierte Absolventin des Abiturs vor der Qual der Wahl der Entscheidung: was passiert nach den 13 Jahren Schule? Was ist der n\u00e4chste logische Schritt? F\u00fcr mich war klar, ich brauche Freiheit. Ich werde nicht in die n\u00e4chste vorgegebene Struktur \u00fcbergehen. Die Idee nach Hawaii zu fliegen fand sich Monate vorher, bei einem Gespr\u00e4ch mit meinem Paps am See. Ich wollte weg, reisen. Doch nicht so wie `alle\u00b4 nach Australien. Mit meiner Amerikanischen Staatsb\u00fcrgerschaft w\u00e4hlte ich diese als Anhaltspunkt f\u00fcr meine Entscheidung. Die Sicherheit, das ganze zusammen mit einer Freundin anzugehen viel nach ein paar Wochen weg, da sie sich f\u00fcr eine Ausbildung entschied. Ein wenig traurig war ich, doch irgendwie war es mir auch ganz recht. Dann war ich v\u00f6llig frei und konnte meine ganz eigene Erfahrung machen. Wie sehr mich diese ganz `toll individuelle\u00b4 Erfahrung herausfordern w\u00fcrde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens nach dem der Sommer of Schul-Freiheit vorbei war und sich das Flugbuchen nicht viel weiter aufschieben lie\u00df, zeigte sich meine eigentliche Unentschlossenheit. Von ambivalenten Bed\u00fcrfnissen gepr\u00e4gt. Weit fliegen in Zeiten vom Klimawandel vs. einfach weg wollen und eine bereichernde Erfahrung machen wollen- `mich selbst finden\u00b4.<\/p>\n<p>Angst was falsch zu machen, beurteilt zu werden. Und die Angst- ja eigentlich war es die Angst vor dem Unbekannten. Total menschlich. Gleichzeitig sehnte ich mich nach Sicherheit, das sehe ich jetzt. Doch wusste ich nicht, wie ich diese Sicherheit schaffen sollte und sie gleichzeitig mit meinem Drang nach Neuem vereinen sollte. Mir fehlte die Ruhe, das Vertrauen, die Erfahrung einen Plan zu schmieden der sich gut anf\u00fchlt. Wie sollte man das auch wissen nach 13 Jahren Schule? Also tat ich es so, wie ich es zu dem Zeitpunkt am besten konnte.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt-<\/p>\n<p>der Tag, an dem ich buchte.<\/p>\n<p>Frankfurt-Seattle. Seattle-Hawaii. 3 N\u00e4chte im Seaside Hostel. Ein Monat Zeit um mich drauf einzustellen. Noch etwas Geld verdienen, Packen, Verabschieden.<\/p>\n<p>Und dann ging meine Reise los. Meine Reise zum Ankommen wollen. Gepr\u00e4gt vom nicht-ankommen. Gepr\u00e4gt von bereichernden, wundersch\u00f6nen Momenten. Vom mich verlieren. In Orten, Menschen. Gepr\u00e4gt von Corona. Von So viel!<\/p>\n<p>Jetzt vier Jahre sp\u00e4ter sitze ich in Bremen und versuche hier anzukommen.<\/p>\n<p>Eineinhalb Stunden von meiner Heimatstadt entfernt.<\/p>\n<p>Ankommen in neuen Stra\u00dfen. In der Uni. In einer Wg. Neuen Caf\u00e9s. Mit neuen Leuten. Mit der Idee l\u00e4nger zu bleiben. Mit der F\u00e4higkeit mein Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit wahrzunehmen. Nach ein paar holprigen Wochen wird es immer ruhiger..<\/p>\n<p>Ich bin gespannt was (an)kommt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bedeutet Ankommen? Und wo \u00fcberhaupt? Bei einer Party? Im Caf\u00e9 um die Ecke?Bei einer Freundin zu Hause? Im Wald f\u00fcr einen Spaziergang? Wenn du jede Frage noch einmal liest, l\u00f6st jeder Ort ein anderes Gef\u00fchl aus, oder? Das Ankommen f\u00fchlt sich an jedem etwas Ort anders an. 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