{"id":18,"date":"2023-11-10T22:55:43","date_gmt":"2023-11-10T21:55:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/taxifahrerinnen\/?p=18"},"modified":"2024-01-23T13:08:52","modified_gmt":"2024-01-23T12:08:52","slug":"meine-erste-offizielle-beobachtungsuebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/taxifahrerinnen\/2023\/11\/10\/meine-erste-offizielle-beobachtungsuebung\/","title":{"rendered":"Meine erste offizielle Beobachtungs\u00fcbung (SL_B2)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich verlasse den Seminarraum, laufe die Treppe runter und \u00fcberlege, welcher Ort sich am Besten eignet, in die Beobachterrolle einzugehen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Entscheidung f\u00e4llt auf die Bus- und Bahnhaltestelle, ebenso entscheide ich mich, mit einer Fragestellung auf die Beobachtung einzugehen. Da die Zeit knapp ist, hole ich mir nicht meinen Mantel aus der Garderobe, eine Entscheidung, die ich sp\u00e4ter so bereue.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In schnellen Schritten laufe ich auf die Glashalle zu, laufe die Treppen runter und schaue nach einem geeignet Platz zum Sitzen und entdecke um die S\u00e4ulen, gleich am Eingang in\u00a0 rotem Leder bezogene B\u00e4nke, die ich zuvor nie wahrgenommen habe, obwohl ich durch die Glashalle selbst zich male lang gelaufen bin aber nat\u00fcrlich immer in Eile.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Von hier habe ich einen gute Aussicht, auch wenn ich keine komplett freie Sicht habe, jedoch habe ich die n\u00f6tige Distanz, nicht wahrgenommen zu werden von den Beobachtenden und gleichzeitig in Ruhe zu beobachten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich merke schnell, dass ich das Bed\u00fcrfnis habe alles aufzuschreiben und zwar parallel zu den Beobachtungen, da ich sonst nicht hinterher komme mit den Geschehnissen und keine verzerrten Wahrnehmungen riskieren will.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Es ist kurz nach 13 Uhr.Zu dieser Uhrzeit ist nicht viel los an der Haltestelle aber genug zum Beobachten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wie vertreiben sich die Wartenden die Zeit, bis sie sich von der Haltestelle fortbewegen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Einer telefoniert, vier schauen auf ihr Handy, zwei Rauchen ganz gem\u00e4chlich und unterhalten sich. Eine Gruppe kommt hinzu. Mir ist kalt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Wartenden bewegen sich kaum von ihrem Platz. Eine Raucherin verl\u00e4sst ihren Platz, um die Zigarettenstummel zu entsorgen und kehrt an derselben Stelle zur\u00fcck. Ein Mann in roter Jacke bewegt sich nun beim Telefonieren. Die zweite rauchende Person entsorgt auch ihren Zigarettenstummel an der gleichen Stelle.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Bahn kommt. Eine von den zuvor rauchenden Personen setzt sich im Glashaus und rennt gleich wieder los zur Bahn. Die meisten Personen verlassen den Ort mit der Bahn.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ein Wartender ist besonders auff\u00e4llig, er stand am gleichen Punkt von Anfang an, hat nicht auf sein Handy geschaut, seine Blicke fielen auf dem Boden, nach oben oder doch mal beobachtend in der Umgebung und stand besonders auff\u00e4llig lang an der Haltestelle.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Auf dem Weg zur\u00fcck sehe ich noch im Glashaus einen Kommilitonen aus dem Kurs, es wird mir gleich bewusst, dass diese Person den gleichen Ort beobachtet hat. Auf dem Weg zur\u00fcck zum Kursraum, tauschen wir uns aus und sprechen \u00fcber die einzige Person, die sich nicht anderweitig besch\u00e4ftigt hat. Die Frage kam auf, ob er nicht doch noch Kopfh\u00f6rer (Earpods) hatte, die ich von der Distanz nicht gesehen habe. Seine Haltung w\u00fcrde in einem anderen Licht gef\u00fchrt werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Im Feedback Gespr\u00e4ch in der Runde merke ich zugleich f\u00fcr mich, dass ich wom\u00f6glich eine zu gro\u00dfe Distanz zu dem Ort, den ich mir ausgesucht hatte, zum Beobachten hatte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Man soll mit allen Sinnen beobachten. Ich habe keine Sprache bzw. Gespr\u00e4che geh\u00f6rt,\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">nicht der Rauch der Rauchenden gerochen, nicht die Anekdoten der gr\u00f6\u00dferen Gruppe geh\u00f6rt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Es macht unheimlich viel Spass sich in dieser Rolle zu begeben, doch es bedarf an sehr viel \u00dcbung, auch sich auf die Situation einzulassen, sein Erinnerungsverm\u00f6gen aufzubauen und genau zu Beobachten, einen Fokus zu haben und nicht untergehen in dem Flut der Geschehnisse.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich werde in der Zukunft immer wieder solche \u00dcbungen f\u00fcr mich einbauen, um einen anderen Blickwinkel auf meine allt\u00e4gliche Situation wahrzunehmen und das Beobachten als Methode zu \u00fcben. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verlasse den Seminarraum, laufe die Treppe runter und \u00fcberlege, welcher Ort sich am Besten eignet, in die Beobachterrolle einzugehen.\u00a0 Die Entscheidung f\u00e4llt auf die Bus- und Bahnhaltestelle, ebenso entscheide ich mich, mit einer Fragestellung auf die Beobachtung einzugehen. 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