Institutioneller Rassismus in der Schule

Diskutieren Sie, a.) welche Möglichkeiten Sie sehen, durch ihr Handeln als Lehrer*in den auf
Folie 17 dargestellten Formen des institutionellen Rassismus zu begegnen b.) Wo und warum
sind Ihren Einflussmöglichkeiten in der Schule Grenzen gesetzt?

Als Lehrkraft gibt es mehrere Möglichkeiten auf dem institutionellen Rassismus zu begegnen. Auf das von Bonefeld und Dickhäuser (auf Folie 17) erwähnte Problem der Benachteiligung bei der Leistungsbewertung kann die Lehrkraft mit kritischer Selbstreflexion reagieren. Das bedeutet konkret, eigene Vorurteile, Einstellung und Meinungen grundsätzlich zu reflektieren und zu hinterfragen. Dabei bin ich mir darüber bewusst, dass einerseits Vorurteile rein biologisch zu unserem Denken gehören und dass andererseits wir durch unsere Sozialisatiton bedingt, oft in Gedankenmustern mit rassistischen Erwartungshaltungen beziehungsweise Ereignisbewertungen denken. Ich bin aber trotzdem davon überzeugt, dass wir (angehende) Lehrkräfte sind den institutionellen Rassismus durch kritische Selbstreflexion einzugrenzen. Ferner birgt die kollektive Reflexion beispielsweise im Rahmen des Klassenverbands die Möglichkeit in Schulbüchern reproduzierten Rassismus zu identifizieren und einzuordnen. Probleme sehe ich allerdings, in der Begrenztheit der Mittel: Wie bereits erwähnt sind rassistische Denkmuster tief in unserem Menschen- und Gesellschaftsbild enthalten – ob man will oder nicht. Schon angesichts der Zeit ist es nicht möglich reproduzieren Rassismus überall, wo er vorkommt, zu identifizieren und auf ihn zu reagieren. Deswegen halte ich eine Anonymisierung der Schüler*innen, wo es eben geht, für die beste Möglichkeit institutionellem Rassismus zu begegnen. Wie realitätnah die Idee der Anonymisierung als praktische Anwendung in der Schule ist, müsste sich erstmal zeigen, denn auf der anderen Seite basiert das Lernen in der Schule auf der Persönlichkeitsnähe zwischen Schüler*innen und Lehrkraft.

Lesen Sie das folgende Beispiel „Daniela Schneider“ aufmerksam durch. Was könnten Sie Daniela Schneider mit Bezug auf das Konzept equality/equity (Folie 14) argumentativ entgegnen, um sie von der Maßnahme zu überzeugen, muslimischen Schüler*innen an dem hohen islamischen Feiertag frei zu geben?

Das equality/equity-Prinzip lässt sich leicht auf die Feiertagsproblematik anwenden. Einerseits stehen die gesetzlichen Feiertage allen Schüler*innen zur Verfügung, was mit dem equality-Prinzip übereinstimmt, aber andererseits basieren diese Feiertage auf der christlichen Religion. Das wiederum gibt allein den christlichen Schüler*innen die Möglichkeit ihre religiösen Feiertage zuhause zu feiern, aber vernachlässigt die Anhänger  anderer Religionen und ihre Feiertage. Anhänger*innen des Islams werden deshalb besonders herausgestellt, weil sie die größte Minderheitenreligion in Deutschland und unter den Schüler*innen bilden. Eine Möglichkeit wäre nun den muslimischen Schüler*innen ihre Feiertage und die der Christ*innen zu gewähren. Das würde zwar Ungleichheit auf der Equalityebene schaffen, weil Muslim*innen dann mehr Feiertage als die Christ*innen hätten, allerdings ist aus Equity-Sicht zu sagen, dass mehr Gerechtigkeit erreich werden würde, weil so jede*r die Möglichkeit hätte, seine*ihre religiösen Feiertage zu praktizieren. Persönlich denke ich, dass Feiertage unabhängig von Religionen gesetzt werden sollte, um genau strukturelle beziehungsweise institutionelle  Diskriminierungsprobleme solcherart zu verhindern und wirkliche alle gleich und damit gerecht behandeln (vgl. Arndt 2017).

Bitte begründen Sie mit Bezug auf rassismustheoretische Ansätze, inwiefern der Interviewausschnitt Hinweise auf antimuslimischem Rassismus enthält.

Beim Beispiel von Daniela Schneidern lassen mehrere antimuslimische Aussagen und insgesamt eine antimuslimische Grundhaltung erkennen. Ausgehend vom Othering der Muslim*innen durch vermeintliche „Extrabehandlung“ (vgl. Folie 23) baut sie basierend auf rassistischen Stereotypen und Unwissen eine Verkettung von Unsinnigkeiten auf, was sich daran erkennen lässt, dass Daniela deutsche und muslimische Schüler*innen differenziert – als wäre eine Religionszugehörigkeit gleichbedeutend mit einer Staatsbürgerschaft. Und als könnten Deutsche nicht Muslime sein und umgekehrt. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das Interview eine Reihe von antimuslimischen Grundannahmen und deswegen auch antimuslimischen Rassismus in sich trägt.

 

Literaur

 

Folien der Ringvorlesung 14

Arndt, Susan (2017): Rassismus. Eine viel zu lange Geschichte. ln: Karim

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