{"id":75,"date":"2022-11-19T15:49:56","date_gmt":"2022-11-19T14:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/?p=75"},"modified":"2022-11-24T03:14:13","modified_gmt":"2022-11-24T02:14:13","slug":"das-problem-von-queerer-repraesentation-in-den-digitalen-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/2022\/11\/19\/das-problem-von-queerer-repraesentation-in-den-digitalen-medien\/","title":{"rendered":"Das Problem von Queerer Repr\u00e4sentation in den digitalen Medien. -Lillith"},"content":{"rendered":"<p>Auf dieses Blogthema bin ich ziemlich spontan gekommen um ehrlich zu sein. Letztens habe ich nochmal einer meiner Lieblings Serien (Atypical) gesehen, um mich von den ganzen Uni Aufgaben abzulenken, die ich\u00a0 noch machen m\u00fcsste. Danach habe ich mir viele Gedanken \u00fcber das Thema \u201eQueer sein\u201c gemacht (welches Teil der Serie ist) \u00a0und die jeweilige Darstellung in den digitalen Medien. Ich habe mich gefragt, warum die Repr\u00e4sentation nicht immer so gut sein kann wie in dieser Serie? Warum ist diese oft so ungen\u00fcgend und teilweise schlichtweg schlecht? Um ein besseres Gewissen zu kriegen, habe ich mir gedacht ich kann meine \u00dcberlegungen einfach mit der Uni verbinden und meinen n\u00e4chsten Blogeintrag \u00fcber das Thema schreiben.<\/p>\n<p>Ich bin selber bisexuell und habe bez\u00fcglich meiner Sexualit\u00e4t schon sehr schlechte Repr\u00e4sentationen sehen m\u00fcssen. Meistens war das Problem die reine Sexualisierung von bisexuellen Charakteren und ihrer Beziehungen. Diese Sexualisierung ist meiner Meinung nach ein allgemeines Problem: Es fehlt in so vielen dargestellten queeren Beziehungen der eigentlich so wichtige romantischen Aspekt! Wie oft habe ich mir schon gew\u00fcnscht eine s\u00fc\u00dfe Romanze zusehen, mit realistischer Handlung&#8230; Eine sch\u00f6ne Liebesgeschichte, so wie es bei heterosexuellen Beziehungen auch gezeigt wird. Zu meinem Bedauern und zum Bedauern vieler ist das in der digitalen Abteilung der \u201eQueer representation\u201c nur sehr selten vorhanden. In vielen Darstellungen gibt es keine durchdachte Storyline, die Charaktereigenschaften beschr\u00e4nken sich auf das \u201eQueer sein\u201c an sich und oft bestehen die Szenen untereinander nur aus sexuellen Inhalten. In manchen F\u00e4llen ist die Sexualisierung so extrem, dass sogar Schauspieler*innen berichtet haben, sich beim Dreh unwohl gef\u00fchlt haben: Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Film \u201eBlue is the warmest colour\u201c, der nicht nur f\u00fcr den gro\u00dfen Altersunterschied der beiden Charaktere kritisiert wurde, sondern im Wesentlichen f\u00fcr das im Film entstandene hochsexualisierte Bild lesbischer Beziehungen. Produziert wurde der Film \u00fcbrigens nicht von einer queeren Frau selbst, sondern von einem heterosexuellem Mann (so viel zu\u201c repr\u00e4sentativer Repr\u00e4sentation\u201c).<\/p>\n<p>Einen anderen Punkt, den ich pers\u00f6nlich stark kritisiere ist die fehlende Diversit\u00e4t, wenn \u00fcber \u201eQueerness\u201c in den Medien geredet wird: Meist sind die Haupt Charaktere wei\u00dfe Cis Personen (Personen, deren\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschlechtsidentit%C3%A4t\">Geschlechtsidentit\u00e4t<\/a>\u00a0mit ihrem im\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geburtenregister\">Geburtenregister<\/a>\u00a0eingetragenen\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Menschliche_Geschlechtsunterschiede\">Geschlecht<\/a> \u00fcbereinstimmt). Mehr und mehr gibt es zwar auch Trans, non bin\u00e4re oder POC (People Of Colour)\u00a0 Repr\u00e4sentation, jedoch reduziert sich diese h\u00e4ufig auf Nebencharaktere. Tabuthemen wie Religionen im Hinblick auf das Queer sein wird so gut wie gar nicht ber\u00fccksichtigt und reflektiert&#8230; Ich will damit keines Wegs alles schlecht reden was an Queerer Repr\u00e4sentation angeboten wird. Trotzdem finde ich, dass bestimmte Thematiken noch mehr Aufkl\u00e4rung ben\u00f6tigen, um gerade jungen Menschen die entsprechende Repr\u00e4sentation zu bieten, mit der sie sich auch identifizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein an sich positiver Punkt ist, dass in den letzten Jahren immer h\u00e4ufiger queere Serien und Filme gro\u00dfe Aufmerksamkeit von der Gesellschaft erhalten haben. Jedoch ist auch hier ein deutliches Schema zu erkennen: Meist sind es n\u00e4mlich Shows\/Filme mit queeren M\u00e4nnern als Hauptpersonen, die gro\u00dfen internationalen Erfolg feiern und im Internet im \u201eHype\u201c sind (Serien\/Filme mit queeren Frauen kriegen weitaus weniger Aufmerksamkeit). Es entsteht so nat\u00fcrlich schnell ein gro\u00dfes Fandom, dass sich durch alle sozialen Medien zieht und leider vermehrt sehr toxische Ans\u00e4tze zeigt. Auch hier ist besonders die \u00dcbersexualisierung der oft noch minderj\u00e4hrigen Schauspieler als Kritik anzuf\u00fchren. Ein daraus resultierendes Problem stellt das Eingreifen in ihre Privatsph\u00e4re dar. Das aktuellste Beispiel daf\u00fcr ist wohl das erzwungene Outing des Schauspielers Kit Connor, dem seit seiner Rolle eines bisexuellen Charakters in der Serie Heartstopper, sogenanntes \u201eQueerbaiting\u201c vorgeworfen wird \u00a0(\u201eVorgeben\u201c Queer zu sein f\u00fcr Aufmerksamkeit). Diese Menschen haben erstmal den ganzen Sinn der Serie nicht verstanden und sind wahrscheinlich auch viel zu ignorant dies je zu tun. Sie sexualisieren und glorifizieren ohne jegliche Reflexion irgendwelche Schauspieler, die sie nicht von ihren Charakteren trennen k\u00f6nnen. Dann entsteht eben genauso eine Situation: Ein eigentlich v\u00f6llig absurdes Szenario, in dem sich ein achtzehnj\u00e4hriger Teenager auf Twitter outen muss, weil er den aufgebauten Druck nicht mehr ertragen konnte&#8230; So etwas zu h\u00f6ren macht mich unglaublich w\u00fctend und ich hoffe, dass ein solcher Fall \u00a0in Zukunft nicht nochmal passieren wird (Meine Zuversicht hingegen dessen ist aber trauriger Weise klein).<\/p>\n<p>Das letzte, aber wohl gef\u00e4hrlichste Problem, das ich in diesem Blogeintrag beleuchten will, ist die Romantisierung des sogenannten \u201eGroomings\u201c in queeren \u00a0Beziehungen (Grooming wird definiert als gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderj\u00e4hrigen in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sexueller_Missbrauch_von_Kindern\">Missbrauchsabsicht<\/a>). Als Paradebeispiel kann man hier die zwei bekanntesten LGBTQ+ Filme nehmen: Erneut \u201eBlue is the warmest colour\u201c (Ein echter Volltreffer wie man sehen kann) und der so gern als Klassiker betitelte \u201eCall me by your name\u201c. Ich habe beide Film gesehen, als ich angefangen habe meine eigene Sexualit\u00e4t aktiv zu hinterfragen (aus dem einfachen Grund, weil sie mir als Erstes bei Google angezeigt wurden als ich \u201eLGBTQ+ Filme\u201c eingegeben habe). Auch ich habe mir wie viele andere mit meinen 16 jungen Jahren nicht viel dabei gedacht, als ich mir die Filme angeschaut habe. Naja bis auf: \u201eAwwww was f\u00fcr eine sch\u00f6ne und s\u00fc\u00dfe Liebesgeschichte.\u201c Ich bin jetzt 20 Jahre alt und gl\u00fccklicherweise weitaus reifer was das Thema angeht. Aus heutiger Perspektive sage ich mit \u00dcberzeugung, dass nichts aber WIRKLICH NICHTS daran \u201eSch\u00f6n\u201c oder \u201es\u00fc\u00df\u201c ist. Erwachsene Menschen, die romantische Beziehungen mit Teenagern eingehen. Teenager die sich gerade in ihrem wichtigsten Identit\u00e4tsprozess befinden und durch ihre Naivit\u00e4t ganz einfach ausgenutzt werden k\u00f6nnen, nur um dann am Ende mit einem gebrochenen Herzen zur\u00fcckgelassen zu werden&#8230; Auch mein Herz bricht heute immer noch, wenn ich an den siebzehnj\u00e4hrigen Elio denke, der am Karmin anf\u00e4ngt zu weinen, weil er realisiert, dass er doch nicht die gro\u00dfe Liebe war, sondern nur die Sommeraff\u00e4re zur Ablenkung einer eigentlich schon arrangierten Verlobung.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Gefahr hierbei ist einfach, dass junge Menschen sich beim Schauen dieser Filme nichts denken. Die Beziehungen wohlm\u00f6glich (so wie ich damals) als \u201es\u00fc\u00df\u201c empfinden und so gef\u00e4hrdet sind selber zum Opfer von Grooming zu werden. R\u00fcckblickend bin ich nur froh, dass mir so eine Erfahrung erspart geblieben ist und ich hoffe, dass in n\u00e4chster Zeit Teenager besser bez\u00fcglich dieses Themas aufgekl\u00e4rt werden. Allgemein hoffe ich, dass in den Medien mehr Aufkl\u00e4rung statt Verharmlosung &amp; Romantisierung zusehen ist, damit solche F\u00e4lle im realen Leben eben nicht mehr passieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte diese Argumentation wahrscheinlich noch endlos weiterf\u00fchren, aber ich denke mit diesem Punkt kann ich den Blogeintrag gut abschlie\u00dfen. Wie ich schon erw\u00e4hnte ist nicht alles an Queerer Repr\u00e4sentation komplett schlecht. Aber leider ist diese eben auch heute noch viel zu h\u00e4ufig fehlerhaft dargestellt, weswegen ich das Bed\u00fcrfnis hatte meine Gedanken und meine Kritik einmal aufzuschreiben. Trotz alle dem bin ich gespannt, wie sich das Thema in den n\u00e4chsten Jahren entwickeln wird. Und wer wei\u00df, vielleicht werde ich ja irgendwann einen positiveren Bericht dar\u00fcber schreiben k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p>PS: Als kleinen \u201esch\u00f6nen\u201c Abschluss noch, meine pers\u00f6nlichen \u201eLGBTQ+\u201c Serien Empfehlungen mit guter Repr\u00e4sentation, f\u00fcr alle die noch suchen\u00a0 \ud83d\ude42 Atypical, SKAM + Remakes (Besonders Druck Staffel 3, 6 und 7 ) , Young Royals, Generation, HeartbreakHigh, Pose, I am not okay with this, the wilds<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dieses Blogthema bin ich ziemlich spontan gekommen um ehrlich zu sein. Letztens habe ich nochmal einer meiner Lieblings Serien (Atypical) gesehen, um mich von den ganzen Uni Aufgaben abzulenken, die ich\u00a0 noch machen m\u00fcsste. Danach habe ich mir viele Gedanken \u00fcber das Thema \u201eQueer sein\u201c gemacht (welches Teil der Serie ist) \u00a0und die jeweilige [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14401,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-75","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14401"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=75"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75\/revisions\/100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=75"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=75"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=75"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}