{"id":62,"date":"2022-11-14T18:06:29","date_gmt":"2022-11-14T17:06:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/?p=62"},"modified":"2022-11-14T18:06:29","modified_gmt":"2022-11-14T17:06:29","slug":"zu-hause-sein-lillith","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/2022\/11\/14\/zu-hause-sein-lillith\/","title":{"rendered":"Zu Hause sein&#8230; -Lillith"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\">Zuhause zu sein ist wohl mit eines der sch\u00f6nsten Gef\u00fchle die es gibt, etwas das wir alle kennen. Obwohl jeder etwas anderes damit verbindet ist das Gef\u00fchl das wir empfinden doch dasselbe: W\u00e4rme, Geborgenheit, Sicherheit\u2026\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 F\u00fcr meinen ersten Blogeintrag habe ich mir \u00fcberlegt,\u00a0 wie genau so ein \u201eZu Hause Gef\u00fchl\u201c geschaffen wird, was passiert wenn sich sein eigenes zu Hause auf einmal \u00e4ndert oder aufl\u00f6st und wie wir damit \u00fcberhaupt umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wir alle haben bestimmte Orte oder auch Personen bei denen wir uns zu Hause f\u00fchlen: Ob es die Familie ist, die engsten Freunde oder das Haus unserer Kindheit mit dem gro\u00dfen Garten in dem man fr\u00fcher immer gespielt hat\u2026 Wenn dieses zu Hause sich pl\u00f6tzlich ver\u00e4ndert, macht das nat\u00fcrlich etwas mit uns. Wir werden aus unserem gewohnten Umfeld gerissen, und in ein ganz Neues geworfen, indem wir uns auf einmal so schnell wie m\u00f6glich ein neues zu Hause schaffen m\u00fcssen (das oft ganz alleine). Das ist erstmal ziemlich gruselig finde ich und ich denke damit bin ich nicht alleine. Wir alle im Erstsemester kennen dieses Gef\u00fchl im Moment wahrscheinlich besser als jeder andere. Wir kommen aus der Schule an die Uni, eine ganz neue und uns bis vor kurzem noch wildfremde Welt: Neue gr\u00f6\u00dfere Geb\u00e4ude und R\u00e4ume, andere Uhrzeiten, Vorlesungen statt Unterricht, Eigenverantwortung statt vorgegebenem Lerhrplan\u2026 Wir ziehen also aus von \u201eZu Hause\u201c. Keine Mutter und kein Vater mehr die uns versorgen, uns sagen, dass wir anfangen zu lernen, was wir im Haushalt tun m\u00fcssen und was nicht oder wann wir den n\u00e4chsten Arzttermin haben. Wir m\u00fcssen nun selbst f\u00fcr uns Sorgen (alleine Kochen, Waschen, Einkaufen, sauber machen etc.). Und als w\u00e4re das nicht alles schon genug, m\u00fcssen wir auch noch als komplett Fremde in einer uns (meist) fremden Stadt einen komplett neuen sozialen Kreis aufbauen, uns \u00a0neu \u201eSOZIALISIEREN\u201c. Neue Leute kennenlernen\u2026 Das war schon immer eine Sache die mich pers\u00f6nlich sehr gestresst und mit Fragen gequ\u00e4lt hat: Wie komme ich bei Leuten an? Werde ich schnell neue Freunde finden? Was ist wenn ich am Ende alleine dastehe?<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">All diese neuen Eindr\u00fccke und Reize, all die Fragen und Verantwortungen die man jetzt hat, machen es um ehrlich zu sein erstmal nicht leicht ein neues Gef\u00fchl von \u201ezu Hause\u201c zu entwickeln. F\u00fcr mich war es beispielsweise die ersten Tage sehr schwer mich einzuleben und diese mir v\u00f6llig fremde Stadt, ihre Menschen und meine neue, teils noch ziemlich kahle und unm\u00f6blierte Wohnung wirklich als mein neues zu Hause anzunehmen. Trotzdem gab es Dinge die mir \u00fcber die letzten Wochen geholfen haben: Zun\u00e4chst einmal \u00a0war das Wichtigste, dass ich Menschen kennengelernt habe mit denen ich meine Zeit verbringen kann: Menschen die dieselben Einstellungen, Interessen, Ansichten und Vorstellungen vom Leben haben wie ich. Mit denen ich zusammen in der Cafeteria essen oder zwischen den Vorlesungen gemeinsam etwas f\u00fcr die Uni machen kann. Menschen mit denen ich auch au\u00dferhalb des Unilebens rausgehe, um die aufregenden Seiten des Studentenlebens zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ich habe nun schon mit einigen tollen Leuten mehr Zeit verbracht, aber was mir im Allgemeinen immer wieder aufgefallen ist und mich erstaunt hat, ist die vorherrschende Positivit\u00e4t an der Uni. Alle behandeln sich gleich,\u00a0 und mit gegenseitigen Respekt. Es gibt keine Unterteilung mehr in \u201eCool\u201c und \u201eUncool\u201c so wie in der Schule. Keine homogene Gruppe und ein paar Au\u00dfenseiter am Rande. Alles erscheint so viel diverser und offener. Anstatt von Wellenstein Jacken und Michael Korse Taschen umgeben zu sein sehe ich nun bunte Frisuren, Jutebeutel, Regenbogen Fahnen und Sticker gegen jegliche Intoleranz oder Inakzeptanz, die an den Uni St\u00e4nden verschenkt werden. Ich sehe Modestyle der verschiedensten Art: Ob Grunge, Punk oder Indie\u2026 Alles ist repr\u00e4sentiert. Die Freundesgruppen sind auf einmal ganz unterschiedlich und gemischt, ganz im Gegensatz zur vorher herrschenden Einseitigkeit. Sie sind offen indem wer sie sind und wozu sie stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ich habe das Gef\u00fchl, dass im Allgemeinen eine weitverbreitete Toleranz da ist, die sich durch die ganze Stadt \u00a0hindurch zieht. F\u00fcr mich ist das etwas sehr besonderes, da ich aus einer Stadt komme die nicht ann\u00e4hernd so progressiv ist und leider eher f\u00fcr ihre Rechte Szene bekannt ist, als f\u00fcr ihre Toleranz. Es ist ganz schlicht und einfach erfrischend f\u00fcr mich dies so zu mitzuerleben, ich merke selbst wie ich mich pl\u00f6tzlich von meinem Umfeld inspiriert f\u00fchle und Lust bekomme mich mehr zu entfalten. Ich habe endlich nicht mehr das Problem st\u00e4ndig die Luft anhalten zu m\u00fcssen, sondern das erste Mal das Gef\u00fchl richtig aufatmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich mich bei den Dozenten und Dozentinnen in der Uni sehr wohl und aufgenommen f\u00fchle. Man wird nicht mehr wie in der Schule wie ein unwissendes Kind behandelt, dass man belehren oder formen muss. Auch hier in diesem Bereich gilt ein viel gr\u00f6\u00dferer Entfaltungsfreiraum. Die eigene Kompetenz und das Potential wird gesehen und anerkannt, was f\u00fcr mich unglaublich motivierend gewirkt hat.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0Vielleicht sind das auch nur meine naiven, romantisierten ersten Eindr\u00fccke des Lebens an der Uni und in Bremen. Vielleicht schaue ich auch am Ende des Semesters auf diesen ersten Blogeintrag mit einem bel\u00e4chelnden Kopf sch\u00fctteln zur\u00fcck. Das kann nat\u00fcrlich gut sein. Nichts desto trotz finde ich es wichtig und auf eine gewisse Weise \u00a0durchaus therapeutisch meine ersten Eindr\u00fccke so runter zu schreiben und festhalten zu k\u00f6nnen. Es ist einfach sch\u00f6n einen v\u00f6llig neuen Einblick von gegenseitigem Respekt, Diversit\u00e4t und Positivit\u00e4t zu sehen. Denn dies sind die Einblicke, die mir das Gef\u00fchl gegeben haben angekommen zu sein in Bremen und mir dadurch schlie\u00dflich ein St\u00fcck weit Zu Hause gegeben haben. Ein ganz anderes, neues Zu Hause, so wie ich es bisher noch gar nicht kannte. Ein sozusagen \u201eZweites zu Hause\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Trotz alle dem komme ich immer noch gerne nach Dortmund zur\u00fcck. In mein geliebtes Ruhrgebiet! Da wo alles irgendwie weitergeht, aber trotzdem sich nicht wirklich viel ver\u00e4ndert. Dortmund ist immer noch derselbe Ort, mit denselben Menschen, denselben\u00a0 h\u00e4sslichen 60er Jahre Gro\u00dfbauten, derselben von den Kohle und Stahlwerken verpesteten\u00a0 Luft und demselben schwarz gelben Stadion. Das Stadion, das jedes Mal auf mich wartet, wenn ich mit der U-Bahn vom Bahnhof komme und \u00a0mich sofort daran erinnert, dass ich jetzt zu Hause bin. Das gewohnte alte Zu Hause eben: Mit meiner Familie, meinen engsten Freunden, dem Haus meiner Kindheit mit dem gro\u00dfen Garten indem ich fr\u00fcher immer gespielt habe\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuhause zu sein ist wohl mit eines der sch\u00f6nsten Gef\u00fchle die es gibt, etwas das wir alle kennen. Obwohl jeder etwas anderes damit verbindet ist das Gef\u00fchl das wir empfinden doch dasselbe: W\u00e4rme, Geborgenheit, Sicherheit\u2026\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14401,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-62","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14401"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62\/revisions\/64"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/t2g4neu\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}