{"id":23,"date":"2015-07-01T09:29:20","date_gmt":"2015-07-01T07:29:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/susanneseteacherblog\/?p=23"},"modified":"2015-07-01T09:29:20","modified_gmt":"2015-07-01T07:29:20","slug":"07-medieneinsatz-medienanalyse-oder-medienforschung-sie-entscheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/susanneseteacherblog\/2015\/07\/01\/07-medieneinsatz-medienanalyse-oder-medienforschung-sie-entscheiden\/","title":{"rendered":"07 \u2013 MEDIENEINSATZ, MEDIENANALYSE ODER MEDIENFORSCHUNG \u2013 SIE ENTSCHEIDEN!"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte mich daf\u00fcr entschieden, mit einigen SuS meiner Schule die Erkl\u00e4rvideo-Studie (Miniprojekt 2) durchzuf\u00fchren. Da ich ja bekannterma\u00dfen ein vorlautes Mundwerk habe, m\u00f6chte ich -in der Hoffnung, dass unsere Beitr\u00e4ge auch von den Verantwortlichen gelesen werden- nicht nur die Diskussion zu der Studie hier widerspiegeln, sondern auch einige andere Punkte anmerken.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt ist der Zeitfaktor. Es mag ja den Verantwortlichen so vorkommen, als w\u00e4ren drei Wochen eine Menge Zeit um die Studie anzuk\u00fcndigen und auch durchzuf\u00fchren. Dabei wurde aber anscheinend nicht bedacht, dass gerade kurz vor den Ferien eine Menge Arbeiten\/Tests\/Klausuren geschrieben werden und es nicht so einfach ist, den entsprechenden Time Slot zu finden, wann die Erhebung durchgef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem scheint bei der Planung davon ausgegangen worden zu sein, dass man den Kindern die Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rungen mitgibt, diese unterschrieben werden und die Kinder die Zettel am n\u00e4chsten Tag wieder mitbringen. Dies ist de facto -zumindest an meiner Praktikumschule- nicht so. Da l\u00e4uft man den EV auch gerne mal eine Woche hinterher. Und Schwupps \u2013 sind 10 Tage vergangen ohne dass wirklich etwas passiert w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rungen sind \u00fcberhaupt so ein Thema f\u00fcr sich. Anscheinend wurde beim Verfassen des Schreibens davon ausgegangen, dass alle Eltern Deutsch als Erstsprache haben. Auch dies ist an meiner Schule nicht so, weswegen es sinnvoll gewesen w\u00e4re, die EVs entweder sprachlich einfacher zu gestalten oder alternativ in verschiedenen Sprachen wie Englisch, T\u00fcrkisch, Arabisch und Bulgarisch anzubieten. Vielleicht w\u00e4re der R\u00fccklauf dann noch ein wenig h\u00f6her gewesen. Ich halte hier gerne das Zitat eines Sch\u00fclers fest, der die EV (die ich mit den SuS durchgesprochen habe, damit diese ihren Eltern zu Hause erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, was drinsteht) durchgelesen hatte und mich dann w\u00f6rtlich fragte: \u201eSind die Fragen in dem Fragebogen in Normaldeutsch oder auch in Uni-Deutsch?\u201c<\/p>\n<p>Diese Frage bringt mich zu dem n\u00e4chsten Aspekt: Ich habe den Fragebogen vorher mit meinen SuS angeschaut und durchgesprochen um sicher zu gehen, dass ALLE Sch\u00fcler auch verstehen was mit den jeweiligen Fragen gemeint ist. Wie mir die Erfahrung gezeigt hat, war dies auch bitter notwendig, denn es verf\u00fcgen l\u00e4ngst nicht alle SuS \u00fcber das erforderliche Sprachniveau. Das \u00fcbrigens bringt mich zu der n\u00e4chsten Frage: wie sinnvoll ist es, den gleichen Fragebogen f\u00fcr ALLE Jahrgangsstufen von 5-13 anzubieten? Wo bleibt denn da die Binnendiffferenzierung? Sollte man nicht von einem angehenden Abiturienten ein anderes Niveau erwarten, als von einem SoS in der 5. Klasse?<\/p>\n<p>Nun denn\u2026 nachdem ich meine Sch\u00fcler also in 120 Minuten (30 Minuten f\u00fcr die EV, 90 Minuten Durchsprechen der Fragen) auf die Erhebung vorbereitet hatte sind wir in den Computerraum gegangen\u2026 &#8211; ach halt\u2026 einen Computerraum gibt es ja an meiner Praktikumsschule gar nicht (ich wei\u00df, das ist f\u00fcr Forscher aus dem Zentrum f\u00fcr Medien schwer vorstellbar). Stattdessen habe ich also die acht Laptops, die es an der Schule gibt in einen Raum getragen, den ich mir vorher organisiert hatte (ich sage nur Zeitfaktor!). Ich habe es sogar hinbekommen, ausreichend Steckdosen zu finden, damit kein Laptop mitten in der Erhebung pl\u00f6tzlich ausgeht.<\/p>\n<p>Dann bin ich also losgezogen um die 11 SuS, die eine positive EV zur\u00fcckgebracht hatten abzuholen. Ach nee, ich hatte ja nur 8 Laptops, deswegen habe ich die SuS in zwei Gruppen eingeteilt und sie den Fragebogen nacheinander ausf\u00fcllen lassen. Netterweise durfte ich das in der Themenplan-Zeit einer Kollegin durchf\u00fchren, die die jeweils anderen SuS in der Zwischenzeit unterrichtet hat. Obwohl wir die Fragen vorher besprochen haben, haben meine Sch\u00fcler durchschnittlich etwa 35 Minuten gebraucht, um den Fragebogen auszuf\u00fcllen. Daf\u00fcr gab es aber nur wenige R\u00fcckfragen und ich konnte tats\u00e4chlich \u00fcberwiegend im \u201eFrontalbereich\u201c bleiben.<\/p>\n<p>Trotzdem w\u00e4re es hilfreich gewesen, wenn wir Studierenden ein paar Hintergrundinfos zum Fragebogen oder gar eine kleine Anleitung bekommen h\u00e4tten. Ich hatte mir den Fragebogen zwar vorher angesehen (wenn jetzt irgendwie einige Frageb\u00f6gen auftauchen, in denen sehr oft \u201ekeine Angabe\u201c gemacht wurde, dann war ich das), trotzdem war ich nicht auf alles vorbereitet. So ergab sich bei mir das Problem, dass bei einem der Kinder der Fragebogen von \u201e18% ausgef\u00fcllt\u201c direkt auf \u201e73% ausgef\u00fcllt\u201c (oder so \u00e4hnlich) gesprungen ist. Ich habe zun\u00e4chst einen Fehler vermutet, bis uns auffiel, dass es wohl eher an den Antworten lag, die gegeben wurden. Diese Antworten h\u00e4tte ich ja wiederum eigentlich gar nicht sehen sollen\u2026 Auf jeden Fall ging mit diesem \u201eErhebungstag\u201c eine weitere Doppelstunde ins Land und so gab es nur noch eine kleine Diskussion mit den SuS.<\/p>\n<p>Ein Punkt, den meine SuS (\u00fcbrigens aus der 7. Klasse, was der \u00e4lteste Jahrgang an meiner Praktikumsschule ist) angef\u00fchrt haben ist, dass sie eigentlich eher selten im Internet unterwegs sind und daher die Fragen teilweise nicht beantworten konnten. Bei der vorgegebenen F\u00e4cherauswahl waren die SuS teilweise irritiert, weil sie ganz andere F\u00e4cher haben, als auf dem Fragebogen angegeben.<\/p>\n<p>Zur Durchf\u00fchrung haben meine SuS bem\u00e4ngelt, dass es bei der Frage \u201eIn welchen F\u00e4chern lernst Du regelm\u00e4\u00dfig in Deiner Freizeit und\/oder bekommst Du Nachhilfe\u201c keine M\u00f6glichkeit eines \u201eweder\/noch\u201c oder \u201ekeine Angabe\u201c gab. Und ja, ich bef\u00fcrchte auch, dass es Sch\u00fcler gibt, die weder regelm\u00e4\u00dfig lernen, noch Nachhilfe bekommen.<\/p>\n<p>Die weniger gro\u00dfen Optimisten unter den Teilnehmern fanden den Fragebogen \u00fcberfl\u00fcssig weil \u201eDie Uni-Leute es sowieso nicht hinbekommen, aus den Antworten gute Videos zu machen.\u201c Sorry liebe Medien-Didaktiker, aber so haben die Kids es gesagt.<\/p>\n<p>Die SuS selbst haben die Frage aufgebracht, wie vertrauensw\u00fcrdig die Angaben sind, die w\u00e4hrend der Befragung gemacht werden. Sie haben sich auch die Frage gestellt, wie denn wohl die Antworten von z.B. \u201eschlechten\u201c SuS zu bewerten sind. Hierzu kann ich nur sagen, dass mich diese Fragen etwas nachdenklich stimmen, denn ich hatte den SuS mehrfach erl\u00e4utert, dass es keine richtigen oder falschen oder keine erw\u00fcnschten oder unerw\u00fcnschten Antworten gibt. Ich habe auch mehrfach verdeutlicht, dass es ganz wichtig ist, dass sie ehrlich antworten und dass sie sich auch keine Sorgen machen m\u00fcssen, weil ja niemand wei\u00df, wer was geantwortet hat. Ich hoffe also, dass meine SuS wahrheitsgem\u00e4\u00df geantwortet haben.<\/p>\n<p>Die SuS, die Erkl\u00e4r-Videos benutzen, w\u00fcnschen sich eine Art \u201eQualit\u00e4tssicherung\u201c f\u00fcr diese Videos, da sie selbst ja keine Experten sind und die Qualit\u00e4t (bezogen auf die Inhalte) nicht einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Sie f\u00e4nden es gut, wenn entweder andere Nutzer die Qualit\u00e4t beurteilen k\u00f6nnten oder sogar \u201edie Forscher von der Uni\u201c eine Art \u201eSchauempfehlung\u201c herausgeben w\u00fcrden. Prinzipiell finde ich diesen Gedanken der SuS zwar gut, aber mir ist nat\u00fcrlich bewusst, dass dies rein logistisch wahrscheinlich kaum umzusetzen w\u00e4re. Die Aussage zeigt aber, dass diejenigen SuS, die die Videos nutzen das tats\u00e4chlich deswegen tun, weil sie etwas (inhaltlich Richtiges) lernen wollen.<\/p>\n<p>Mein Fazit: bezogen auf die Durchf\u00fchrung der Studie ist von falschen Voraussetzungen ausgegangen worden. Da sehe ich noch eine Menge \u201eLuft nach oben\u201c bzw. Nachbesserungsbedarf. Die Motivation der SuS an der Studie teilzunehmen reichte von \u201eWenigstens muss ich dann keinen normalen Unterricht machen\u201c bis \u201eIch w\u00fcrde inhaltlich richtige Erkl\u00e4rvideos gerne f\u00fcr mich zum Lernen nutzen\u201c. Zu den hier genannten Vorstellungen, was eine gute Motivation f\u00fcr SuS darstellt, an der Studie teilzunehmen sage ich jetzt mal nix mehr, das haben ja schon andere kommentiert\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte mich daf\u00fcr entschieden, mit einigen SuS meiner Schule die Erkl\u00e4rvideo-Studie (Miniprojekt 2) durchzuf\u00fchren. Da ich ja bekannterma\u00dfen ein vorlautes Mundwerk habe, m\u00f6chte ich -in der Hoffnung, dass unsere Beitr\u00e4ge auch von den Verantwortlichen gelesen werden- nicht nur die Diskussion zu der Studie hier widerspiegeln, sondern auch einige andere Punkte anmerken. 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