{"id":381,"date":"2017-08-05T12:57:46","date_gmt":"2017-08-05T10:57:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sruun\/?p=381"},"modified":"2017-08-18T13:00:25","modified_gmt":"2017-08-18T11:00:25","slug":"auswertung-des-mental-mapping","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sruun\/auswertung-des-mental-mapping\/","title":{"rendered":"Auswertung des Mental Mapping"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Die Methode soll der Untersuchung der &#8222;Beziehung von Menschen zu ihrer unmittelbaren sozialr\u00e4umlichen Umwelt in biographischer Perspektive&#8220; (Behnken\/Zinnecker 2010: 547) dienen. Dementsprechend gehen die Ergebnisse in Form der Karten weiter als nur einfache \u00dcbersichtskarten einer Stadt und visualisieren das gesamte pers\u00f6nliche Umfeld der ausgew\u00e4hlten Personen. Werden die <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sruun\/material-zum-mental-mapping\/\">Ergebnisse<\/a>\u00a0eingehend betrachtet, k\u00f6nnen viele subjektiven Beziehungen\u00a0(erweitert durch die verbalen Erl\u00e4uterungen) gut wahrgenommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die befragte Person hat als <span style=\"text-decoration: underline\">erstes<\/span> den <strong>Hauptbahnhof<\/strong> eingezeichnet, welcher f\u00fcr sie als genereller Orientierungs, &#8222;Dreh- und Angelpunktpunkt&#8220; in der Stadt gilt und von dem alles ausgeht.\u00a0Au\u00dferdem f\u00fchre der Weg nach Cuxhaven zur Familie \u00fcber den Bahnhof, auch innerhalb Bremens l\u00e4sst sich der Weg dar\u00fcber im Normalfall nicht vermeiden. Als <span style=\"text-decoration: underline\">Zweites<\/span> erw\u00e4hnt sie ihr Zuhause in Findorff, als <span style=\"text-decoration: underline\">Drittes<\/span> die Uni als Ausbildung- und Lernort, der au\u00dferhalb des Zentrums liegt. Danach erw\u00e4hnt sie die Innenstadt zusammen mit der Domsheide als sekund\u00e4rer zentraler Ort, das &#8222;Viertel&#8220; (Oster- und Steintorviertel) und erg\u00e4nzend die Schlachte (Restaurantmeile nahe &#8222;Am Brill&#8220;) als Freizeitorte. Au\u00dferdem spricht sie von der Weser als &#8222;ausschlaggebend f\u00fcr Bremen&#8220;, weil dieser Fluss f\u00fcr sowohl die Bewohner als auch die Stadt selber pr\u00e4gend ist. Anschlie\u00dfend f\u00fchrt sie den Weg in die Neustadt zu alter Wohnung in der N\u00e4he der Haltestelle &#8222;Pappelstra\u00dfe&#8220; an, zu der sie viele negative Erinnerungen hat aufgrund einer misslungenen Nachbarschaft.Weg nach Hastedt zur Arbeit; B\u00fcrgerpark;\u00a0Findorff als zweiter Wohnort in Bremen wie Zufluchtsort, in dem sie sich jetzt bis auf den Weg im Dunkeln sehr wohf\u00fchlt, da dort auch viele Freunde aus der Heimat (Cuxhaven) wohnen und deshalb gut zu erreichen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf der Skizze hat sie auf Anfrage\u00a0<strong>Grenzen<\/strong> gezogen, die ihre Karte in einzelne Bereiche einteilt: Chronologisch aufgez\u00e4hlt hat sie danach die Teile &#8222;Zuhause\/mein Viertel&#8220; (Findorff), das &#8222;Zentrum als Orientierungspunkt&#8220; (Hauptbahnhof und Stadt), &#8222;Freizeit und Spa\u00df&#8220; (Viertel, Schlachte, Weser, Deich, und Werdersee) und &#8222;Ausbildung und Job&#8220; (Universit\u00e4t und Arbeit) und den fr\u00fcherer Wohnort in der Neustadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sortiert sie die Orte nach <strong>Bedeutung<\/strong>, entsteht folgende Reihenfolge:\u00a01. Zuhause (Findorff), 2. Freunde in Findorff und 3. Hauptbahnhof. Sortiert sie die Orte nach <strong>Aufenthaltsdauer<\/strong>, entsteht eine \u00e4hnliche Reihenfolge:\u00a0A) Zuhause, B) Freunde und C) Freizeit und Spa\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gibt andererseits auch Orte, die sie so gut wie es geht\u00a0vermeidet oder hintenanstellt, weil sie\u00a0Unwohlsein hervorrufen: Erstens w\u00e4re das ein Teil vom Weg vom Bahnhof nach Hause, auf dem sie durch einen Tunnel gehen muss, der vor allem in der Dunkelheit be\u00e4ngstigend sei; zweitens die Neustadt durch die Erinnerung an das ehemalige Wohnverh\u00e4ltnis und drittens der Werdersee, weil sie nur auf Bitte ihrer Freunde anstatt zum Weserdeich zu ersterem geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Orte, an denen sie sich noch nie aufgehalten habe, sind Regionen, die sich weiter au\u00dferhalb des Stadtgebietes befinden, z.B. Oberneuland oder Tenever. Ein Grund f\u00fcr die Abneigung gegen\u00fcber diesen Orten sei ihrer Meinung nach ein schlechter Ruf. Gr\u00f6pelingen im Vergleich ist auch nicht ihr Lieblingsviertel, allerdings findet sie diesen Stadtteil interessant. Sie w\u00fcrde in diese Viertel nicht fahren, wenn sie nicht muss.\u00a0Auch zu dem Bereich, der zwischen dem Zentrum und der Uni bzw. der Arbeit liegt, habe sie keinen Bezug (bis auf ein paar Ausnahmen). Sie f\u00e4hrt sonst maximal durch dieses Gebiet, um zu einem bestimmten Ort zu kommen, aber sie w\u00fcrde sich dort nicht explizit aufhalten, wenn es keinen weiteren Grund g\u00e4be. Dies k\u00f6nnte sich jedoch z.B. durch den Zuzug von Freunden oder der Er\u00f6ffnung einer &#8222;coolen Bar oder einem guten Restaurant&#8220; \u00e4ndern. Als\u00a0<strong>Verbesserungsvorschl\u00e4ge <\/strong>h\u00e4lt sie au\u00dferdem den Ausbau der\u00a0Verkehrsstruktur sowohl in den genannten Stadtvierteln als auch in Findorff f\u00fcr sinnvoll. Eine bessere Verbindung (z.B. durch S-Bahnen) zwischen den Stadtvierteln w\u00fcrde bereits einen gro\u00dfen Beitrag leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ihre wesentlichen Zeichnungen und eigens angef\u00fchrten Erz\u00e4hlungen beendet sie mit &#8222;Ich glaube ich habe so alle Punkte, die f\u00fcr mich in meinem Leben in Bremen irgendwie ein Rolle spielen aufgemalt und ich glaube das w\u00e4ren auch die Sachen, die ich jemandem zeigen w\u00fcrde, der nicht von hier kommt &#8211; au\u00dfer vielleicht die Arbeit&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da das Thema <strong>Heimat<\/strong> und zu <strong>Zuhause<\/strong> bereits in der <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sruun\/auswertung-bewegtes-interviews\/\">anderen<\/a> Methode von gro\u00dfer Bedeutung war, habe ich es auch hier angesprochen: Das Verh\u00e4ltnis zwischen ihrem Heimatort und Bremen sei aber insofern schwierig, als dass es von verschiedenen Komponenten beeinflusst werde. Was ihren Heimatort (Cuxhaven) angeht, h\u00e4nge sie sehr daran, weil sie ein Familienmensch sei und sich gerne zu Hause aufhalte, gerne auch mal eine l\u00e4ngere Zeit. Aber sie kann dort beruflich nichts machen, weshalb es dort in Richtung Zukunft keine erfolgsversprechenden Aussichten g\u00e4be. Dazu kommt, dass ihre Freunde aus der Jugend auch alle weggezogen sind und sich somit au\u00dfer ihrer Familie dort niemand mehr dauerhaft aufh\u00e4lt. Der Gegenpol Bremen wird gleichzeitig immer interessanter, weil viele ihrer Langzeitfreunde mittlerweile in Bremen leben sowie neue Freunde, die sie durch das Studium kennengelernt hat. &#8222;Ich glaube ich k\u00f6nnte nicht genau sagen, wo ich mich wohler f\u00fchle oder wo ich lieber bin.&#8220; Vom Stadtbild her gesehen f\u00e4nde sie Cuxhaven sch\u00f6ner. Bremen biete zwar einige Vorz\u00fcge wie durch gut ausgebauten \u00f6ffentlichen Verkehr, Freizeitangebote, etc., Cuxhaven liege aber wie Bremen auch am Wasser und hat dazu einen sch\u00f6nen Strand und Hafen zu bieten.\u00a0Im Anschluss berichtet sie, dass sie bereits nach sehr kurzer Zeit an einem neuen Ort den Begriff &#8222;Zuhause&#8220; oder &#8222;nach hause gehen&#8220; verwendet und dass Bremen f\u00fcr sie auf jeden Fall ein St\u00fcck Zuhause sei, weil sie hier nun seit drei Jahren lebe. Erg\u00e4nzend erz\u00e4hlt sie, dass Heimat f\u00fcr sie &#8222;eigentlich da ist, wo man herkommt, wo die Wurzeln liegen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor und w\u00e4hrend der gesamten Methode muss durchgehend Acht gegeben werden auf s\u00e4mtliche Formulierungen, um Suggestivfragen und konkrete Handlungsanweisungen zu vermeiden, um die befragte Person nicht richtungsweisend zu beeinflussen. Dies beginnt bei der Zeichenaufforderung, bei der bereits mit der Nennung des Wortes &#8222;Karte&#8220; eine Assoziation zu einer topografischen karte bewirkt werden kann. M\u00f6glicherweise hatte die Person eine andere Art und Weise der Skizzierung im Kopf, wodurch letztere verdr\u00e4ngt wird durch die Idee einer einfachen Stadtkarte mit wenig kreativen Eigenanteil. Andererseits ist es z.B. wichtig vor dem Skizzieren ein wenig geografisch einzugrenzen, damit zwischen den beiden Methoden Vergleiche gezogen werden k\u00f6nnen. Alle Formulierungen beeinflussen den Inhalt und die Qualit\u00e4t des Ergebnisses (Helfferich 2014: 245).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei der Karte geht es weiterhin nicht um \u00c4sthetik und dass das Resultat in irgendeiner Art und Weise sch\u00f6n aussieht: Das Ziel ist erreicht, wenn eine m\u00f6glichst pers\u00f6nliche Darstellung der eigenen Lebenswelt erfolgt ist und die dazugeh\u00f6rigen Erl\u00e4uterungen die Zeichnung vervollst\u00e4ndigen. Dies ist in dem Sinne ein Vorteil, dass zu dem Gesprochenen eine Visualisierung hinzugef\u00fcgt wird, die das Hineinversetzen erleichtert. Ebendiese kann z.B. bei Forschungen helfen, die Probanden mit vielf\u00e4ltigen Pers\u00f6nlichkeiten befragen wie Kinder, Nicht-Muttersprachler, etc. . Nat\u00fcrlich gibt es Kritik an der Methode, da kognitive Karten ihren Ursprung in der wirklichen Stadt haben, die dreidimensional ist und durch die Zeichnung auf zwei Dimensionen beschr\u00e4nkt wird. Dazu kommt, dass sinnliche Erfahrungen schwierig zeichnerisch zu erfassen sind und dadurch oft au\u00dfen vor gelassen werden\u00a0(Ziervogel 2011: 203-204). Dennoch sind Mental Maps meiner Meinung nach ein guter Ansatz, um r\u00e4umliche Bedeutungen, Zusammenh\u00e4nge und Handlungen zu erfassen und nachzuvollziehen. Vor allem im Vergleich l\u00e4sst sich demnach gut feststellen, ob es sich bei dem sichtbar gewordenen Gedankengut um<strong> individuelle oder kollektive Ideen<\/strong> handelt.<\/p>\n<p>Zum Vergleich der drei Methoden hier (XXX Link XXX) entlang!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Methode soll der Untersuchung der &#8222;Beziehung von Menschen zu ihrer unmittelbaren sozialr\u00e4umlichen Umwelt in biographischer Perspektive&#8220; (Behnken\/Zinnecker 2010: 547) dienen. 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