{"id":259,"date":"2017-07-25T20:00:17","date_gmt":"2017-07-25T18:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sruun\/?p=259"},"modified":"2017-08-16T14:41:21","modified_gmt":"2017-08-16T12:41:21","slug":"theoretischer-exkurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sruun\/theoretischer-exkurs\/","title":{"rendered":"Vom Ort zum Raum \u2014 vom Ort zum Nicht-Ort"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;text-align: justify\">&#8222;Insgesamt <em>ist d<\/em><em>er Raum ein Ort<\/em>, mit dem man etwas macht. So wird zum Beispiel die Stra\u00dfe [&#8230;] durch die Gehenden in einen Raum verwandelt. &#8211; Michel De Certeau, 1988.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie der Titel dieses Beitrages bereits verr\u00e4t, werde ich nun ein bisschen mehr Theorie einflie\u00dfen lassen. Bisher habe ich Begriffe wie Ort und Raum einfach verwendet ohne wirklich zu erl\u00e4utern, was hinter dieser Terminologie steckt! Doch damit nun ein Ende: Verschiedene Theoretiker haben sich zu einigen Begrifflichkeiten ge\u00e4u\u00dfert, welche ich nun nacheinander vergleichen und einige interessantere Aspekte gesondert herausnehmen werde. Au\u00dferdem werde ich einige weitere Termini aus dem Bereich erw\u00e4hnen, die mir in dem Zusammenhang wichtig erscheinen und das Feld erweitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Michel de Certeau, Historiker des 20. Jh., gelingt es meiner Meinung nach sehr gut, fr\u00fch die Unterscheidung von Ort und Raum zu veranschaulichen: Eingeleitet wird das Kapitel 4 &#8222;Berichte von R\u00e4umen&#8220; mit einem Zitat von Pierre Janet: &#8222;Die Erz\u00e4hlung hat die Menschheit geschaffen.&#8220; Im Anschluss wird erkl\u00e4rt, dass das Wissen und der Wert der Menschheit durch vielf\u00e4ltige Kommunikation im Alltag der Menschen selber festgehalten wird. Durch die Interaktion zwischen den Menschen werden Orte zu R\u00e4umen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;text-align: justify\">&#8222;Jeden tag durchqueren und organisieren sie die Orte; sie w\u00e4hlen bestimmte Orte aus und verbinden sie miteinander; sie machen aus ihnen S\u00e4tze und Wegstrecken. Sie sind Durchquerungen des Raumes&#8220; (De Certeau 1988: S. 215).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Orte haben neben ihrer r\u00e4umlichen Instanz gleichzeitig eine Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit inne, nach der sich die einzelnen Orte selber nur nebeneinander befinden k\u00f6nnen, dementsprechend niemals zwei Orte auf einer Lokalit\u00e4t liegen k\u00f6nnen. Jeder Ort habe folglich seinen &#8220; &#8218;eigenen&#8216; und abgetrennten Bereich, den es definiert&#8220;, der geregelt und best\u00e4ndig sei . Davon ausgehend bilden sich R\u00e4ume, die im Gegensatz zum einfachen Ort einem Netzwerk von wandlungsf\u00e4higen Gliedern entsprechen und weder eindeutig noch zuordenbar seien. Der Raum ist in dem Sinne dehnbar, dass er wie ein Wort in unterschiedlichen Dialekten und M\u00fcndern ausgesprochen werden kann und dadurch abh\u00e4ngig wird von Faktoren wie Bewegung, Aktivit\u00e4t, Richtung, Geschwindigkeit und Zeit\u00a0(De Certeau 1988: 218).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um auf die bildliche Darstellungsebene zur\u00fcckzukommen: &#8222;Jeder Bericht ist ein Reisebericht &#8211; ein Umgang mit dem Raum [&#8230;]. Diese erz\u00e4hlten Abenteuer, die gleichzeitig Handlungsgeographien produzieren, [&#8230;] lenken tats\u00e4chlich Schritte&#8220; (De Certeau 1988: 216). Dies bedeutet, dass s\u00e4mtliche Ausk\u00fcnfte \u00fcber r\u00e4umliche (oder virtuelle r\u00e4umliche) Erfahrungen, die au\u00dferhalb der normalzug\u00e4nglichen Alltagswelt der meisten Menschen liegt, den Horizont erweitert und im wahrsten Sinne des Wortes richtungsweisend f\u00fcr die gro\u00dfe Masse der Bewohner einer Stadt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00c4hnliche Gedanken entwickelt Marc Aug\u00e9, Ethnologe des 20. Jh., in seinen Arbeiten. Im Vergleich zu De Certeau allerdings verwendet er anstatt &#8222;Raum&#8220; den Begriff &#8222;Nicht-Ort&#8220;: Seiner Meinung nach sei &#8222;ein Ort durch Identit\u00e4t, Relation und Geschichte gekennzeichnet&#8220;; ein Raum, der diese drei Eigenschaften nicht besitze, m\u00fcsse schlussfolgernd als &#8222;Nicht-Ort&#8220; bezeichnet werden (De Certeau 1994: 92).\u00a0Dabei sei hingegen zu beachten, dass weder Ort noch Nicht-Ort in ihren absoluten Formen bestehen, denn Orte k\u00f6nnen sich nur bis zu dem Ma\u00dfe aufl\u00f6sen wie Nicht-Orte sich niemals ausformen k\u00f6nnen &#8211; keiner der Prozesse ist \u00fcber kurz oder lang vollst\u00e4ndig (De Certeau 1994: 94).\u00a0Seine Hypthese enth\u00e4lt die negativ konnotierte Ansicht, dass &#8222;die \u00bb\u00dcbermoderne\u00ab Nicht-Orte hervorbringt, also R\u00e4ume, die selbst keine anthropologischen Orte sind und [&#8230;] die alten Orte nicht integrieren [&#8230;]&#8220;\u00a0. Damit in Relation setzt er, dass sich immer mehr &#8222;Transitr\u00e4ume&#8220; bilden, immer mehr Orte, zu denen Individuen keine langfristigen, intimen Beziehungen eingehen k\u00f6nnen, da sie reine Mittel zum Zweck sind bzw. \u00a0&#8222;der Durchreise, dem Provisorischen und Ephemeren \u00fcberantwortet&#8220;\u00a0(De Certeau 1994: 93). Dennoch seien diese Nicht-Orte ein Merkmal De Certeaus Zeit, welches nach seiner Idee interessanterweise messbar sei, indem die Strecken aller Verkehrsmittel, Knotenpunkte, Freizeitangeboten und Leitungen virtueller Informations\u00fcbermittlung addiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn du an diesem etwas theoretischeren Beitrag gefallen gefunden hast, folge diesem <a href=\"http:\/\/www.european-spaces.eu\">Link<\/a> zu einem\u00a0Blog zu Interessensr\u00e4umen \u00fcber Europa, Politik, Technik, Organisationen, Gesellschaft und pers\u00f6nlichen Interessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/funktionkunst.blogsport.de\">Hier<\/a> geht es zu einem weiteren interessanten Blog bzw. einer Sammlung eines Hamburger Studenten Kollektiv., auf dem theoretische Inhalte mit zeitgen\u00f6ssischen Gedanken verbunden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Insgesamt ist der Raum ein Ort, mit dem man etwas macht. 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