{"id":875,"date":"2021-09-10T13:57:19","date_gmt":"2021-09-10T11:57:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/?p=875"},"modified":"2021-09-23T16:35:47","modified_gmt":"2021-09-23T14:35:47","slug":"betriebsraete-gestaltung-uebergang-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/betriebsraete-gestaltung-uebergang-2\/","title":{"rendered":"\u201eWie passt Betriebsratsarbeit in mein Leben? Was wird aus meiner beruflichen Entwicklung?\u201c \u2013 Berufliche Ambitionen und Bedenken besprechbar machen"},"content":{"rendered":"<p>Pers\u00f6nliche und berufliche Entwicklungen w\u00e4hrend der Betriebsrats- bzw. Personalratsarbeit, Ausstiegs\u00fcberlegungen und Bef\u00fcrchtungen rund um die Betriebsratswahl kommen als Themen in Betriebs- und Personalr\u00e4ten sowie in Gewerkschaften oft zu kurz. In einer von der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung 2016 durchgef\u00fchrten repr\u00e4sentativen Befragung von Betriebsratsmitgliedern zeigte sich, dass bei 64 % der Befragten die pers\u00f6nliche berufliche Entwicklung nicht im Betriebsrat thematisiert wird (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/2016\/12\/PE-im-BR_Spurwechsel-2016-11-22_Ahlene_final.pdf\">Ahlene 2016<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Werden in eurem Gremium Entwicklungsw\u00fcnsche und berufliche Ambitionen besprochen?<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig geben in dieser Studie 73 % der Befragten an, dass sie sich sowohl beruflich als auch in der Betriebsratsarbeit entwickeln wollen. Aus der Tabuisierung und fehlenden Kommunikation dieser Themen k\u00f6nnen Probleme sowohl f\u00fcr die einzelnen Mitglieder als auch f\u00fcr das Gremium als Ganzes entstehen. Im Projekt <em>Spurwechsel <\/em>haben wir vier Handlungsfelder entwickelt, um diese Herausforderungen strategisch und strukturiert anzugehen. Die vier Handlungsfelder im \u00dcberblick findest du im <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/betriebsraete-gestaltung-uebergang-1\/#more-845\">letzten Artikel<\/a>. In diesem Artikel stelle ich das Handlungsfeld <em>Kommunizieren, Sensibilisieren, Enttabuisieren<\/em> konkreter vor. Mit unserer Themensetzung im Projekt haben wir in Interviews, Workshops und Betriebsr\u00e4tekonferenzen viele positive Erfahrungen gemacht. Mitglieder von Interessenvertretungen sind durchaus mit diesen Themen besch\u00e4ftigt. Potentielle Kandidat*innen, neue und auch langj\u00e4hrige Mitglieder stellen sich dabei viele Fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie passt das Engagement in meine aktuelle Lebensphase?<\/li>\n<li>Wie bekomme ich meinen Job, Betriebsratsarbeit, Familie und Hobbys unter einen Hut?<\/li>\n<li>Was wird aus meiner beruflichen Laufbahn, wenn ich (wieder) in den Betriebsrat oder in eine Freistellung gehe und\/oder den Vorsitz \u00fcbernehme?<\/li>\n<li><!--more-->Wie stelle ich mir meinen weiteren Berufsweg vor? Wo will ich noch hin? Welche Rolle spielt das Engagement dabei?<\/li>\n<li>Inwiefern kann ich mich im Gremium, in den Aufgaben und Themen entwickeln?<\/li>\n<li>Schaffe ich das? Bin ich diesen Aufgaben, vielleicht auch dem Druck und den unterschiedlichen Erwartungen gewachsen?<\/li>\n<li>Was wird aus mir, wenn ich nicht wiedergew\u00e4hlt werde?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Solche individuellen Fragen und Abw\u00e4gungen sind v\u00f6llig legitim und brauchen ihren Platz. Dieser Platz findet sich meist in vertrauten Gespr\u00e4chen mit Freund*innen und Familie. F\u00fcr eine transparente und zugewandte Ansprache und Kompetenzentwicklung m\u00fcssen diese Themen aber auch im Betriebsrat, im Betrieb und in gewerkschaftlichen Gremien kommuiziert werden. Auch wenn die Themen zun\u00e4chst als privat und individuell erscheinen, sind sie politisch relevant, sp\u00e4testens wenn Kandidat*innen fehlen und die Mitbestimmung auf dem Spiel steht.<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich am folgenden Beispiel exemplarisch darstellen: Im 15-k\u00f6pfigen Betriebsrat einer Pflegeeinrichtung gehen zur n\u00e4chsten Wahl zwei langj\u00e4hrige Mitglieder in den Ruhestand und die freigestellte Vorsitzende wechselt in eine F\u00fchrungsfunktion im ambulanten Bereich. Aufgrund der generellen Arbeits\u00fcberlastung, fehlender Anerkennung der Betriebsratst\u00e4tigkeit im Betrieb und pers\u00f6nlicher Motivation gestaltet sich die Gewinnung neuer Kandidat*innen sehr m\u00fchselig. Schon jetzt gibt es keine Ersatzmitglieder mehr. Auch im bestehenden Gremium existiert gro\u00dfe Zur\u00fcckhaltung bei der \u00dcbernahme von mehr Verantwortung und dem Schritt in die Freistellung.<\/p>\n<p><strong>Was kann der Betriebsrat lang-, mittel- und kurzfristig tun, um Kandidat*innen zu gewinnen und Nachfolgen zu sichern? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Erfolgreiche und durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit kommunizierte Betriebsratsarbeit &#8211; ist das Eine. Wichtig ist aber auch, die Attraktivit\u00e4t eines Engagements zu f\u00f6rdern und darzustellen sowie individuellen Abw\u00e4gungen und Bedenken besprechbar zu machen! Um berufliche Ambitionen und Bedenken aus der Tabu-Zone zu holen und sowohl die BR-Mitglieder als auch die Belegschaft daf\u00fcr zu sensibilisieren, geht der im Beispiel erw\u00e4hnte Betriebsrat unterschiedliche Wege.<\/p>\n<p><strong>Klausurtagung: Bilanz &#8211; Abschluss &#8211;<\/strong><strong> Weiterarbeit<\/strong><\/p>\n<p>Auf Anregung der Vorsitzenden beschlie\u00dft das Gremium eine 2-t\u00e4gige moderierte Klausurtagung durchzuf\u00fchren. Themen auf der Klausurtagung sind:<\/p>\n<ul>\n<li>gemeinsame Bilanz der letzten vier Jahre BR-Arbeit und Konsequenzen f\u00fcr die Fortsetzung der Arbeit: Was nehmen wir mit und f\u00fchren wir fort? Was lassen wir zur\u00fcck?<\/li>\n<li>pers\u00f6nliche Bilanz der BR-Mitglieder: Was habe ich gelernt? Wie habe ich mich entwickelt? Was ist offen geblieben? Wie stelle ich mir meinen weiteren Weg vor?<\/li>\n<li>Ver\u00e4nderungen in der Gremienstruktur mit Aufstellung nach folgenden Fragen: Wer stellt sich sicher wieder zur Wahl auf? Wer zweifelt oder w\u00e4gt noch ab? Wer tritt nicht wieder an? Wer geht in den n\u00e4chsten vier Jahren in Rente oder scheidet aus anderen Gr\u00fcnden aus? Welche Gedanken und Gef\u00fchle bewegen zur jeweiligen Position?<\/li>\n<li>Vorbereitung der Betriebsratswahl und Kandidat*innen-Ansprache mit Zeitplanung: Welche Besch\u00e4ftigten-Gruppen fehlen uns im Gremium? Welche Expertise ben\u00f6tigen wir f\u00fcr die zuk\u00fcnftigen Aufgaben? Wie gestalten wir die Ansprache potentieller Kandidat*innen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf der Klausurtagung l\u00f6sten sich einige Knoten. Es war zwar f\u00fcr die BR-Mitglieder ungewohnt \u00fcber ihre eigene Entwicklung und zuk\u00fcnftige Vorstellungen zu sprechen. Daf\u00fcr wirkte es sehr entlastend zu merken, dass man mit Sorgen und Zweifeln nicht alleine steht. Die externe Moderation unterst\u00fctzte diesen Prozess durch wohlwollendes Nachfragen. Es wurde aber auch deutlich, dass sich das Gremium dringend um Wissenstransfer und Personalentwicklung der BR-Mitglieder k\u00fcmmern muss. (Artikel zum Thema: \u201eDie Betriebsratsarbeit durch Personalentwicklung und Wissenstransfer professionalisieren\u201c findest du in <a href=\"https:\/\/www.daspraxishandbuch.de\/\">diesem Buch<\/a>) Die Freigestellten wollen sich dieser Aufgabe systematischer annehmen. Als ersten Schritt wollen sie noch vor der Wahl Gespr\u00e4che mit den BR-Mitgliedern gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Entwicklungsgespr\u00e4che mit Betriebsratsmitgliedern<\/strong><\/p>\n<p>Um die BR-Mitglieder, die zu ihrer Kandidatur bzw. zur \u00dcbernahme einer Freistellung noch unentschieden sind, in ihrer Entscheidung zu unterst\u00fctzen und zu begleiten, bieten die Vorsitzende und der Stellvertreter Beratungsgespr\u00e4che an. In diesen Gespr\u00e4chen werden die pers\u00f6nlichen und strukturellen F\u00fcr und Wider erhoben, Ressourcen erkundet, m\u00f6gliche Perspektiven entwickelt sowie weiterer Unterst\u00fctzungs- und Entwicklungsbedarf herausgearbeitet. Methodische Anregungen finden die beiden im <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/faust-detail.htm?sync_id=HBS-06952\">Manual zur Berufsweg- und \u00dcbergangsberatung f\u00fcr Betriebs- und Personalr\u00e4te<\/a>. Die Entscheidung trifft letztlich der*die Einzelne, aber dann umfassend beleuchtet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Zertifikat-Beratung.png\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-879\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Zertifikat-Beratung.png\" alt=\"Du m\u00f6chtest deine Beratungskompetenz ausbauen? Dann schau dir das Zertifikatsstudium \u201eArbeitsbezogene Beratung\u201c f\u00fcr betriebliche Interessenvertreter*innen am Zentrum f\u00fcr Arbeit und Politik der Universit\u00e4t Bremen an: https:\/\/www.uni-bremen.de\/mabo\/studium\/arbeitsbezogene-beratung\" width=\"592\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Zertifikat-Beratung.png 592w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Zertifikat-Beratung-300x241.png 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Zertifikat-Beratung-374x300.png 374w\" sizes=\"auto, (max-width: 592px) 100vw, 592px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Betriebsversammlung zur Sensibilisierung<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Klausurtagung entschied sich der Betriebsrat das Thema Betriebsratswahl und Kandidat*innen-Ansprache zur n\u00e4chsten Betriebsversammlung auf die Agenda zu setzen. Hierzu wurden Referentinnen eingeladen, um dem Thema mehr Objektivit\u00e4t und Gewicht zu geben. In einer Gespr\u00e4chsrunde mit einem langj\u00e4hrigen BR-Mitglied, der Gewerkschaftssekret\u00e4rin und einer Mitbestimmungsforscherin wurden folgende Fragen aus den unterschiedlichen jeweils Perspektiven beantwortet:<\/p>\n<ul>\n<li>Was bringt gesetzliche Mitbestimmung den Mitarbeiter*innen, den Klienten*innen und dem Betrieb?<\/li>\n<li>Welche Motivationen bewegen Menschen, die zum ersten Mal f\u00fcr den BR kandidieren?<\/li>\n<li>Was sollte eine Person mitbringen, die sich f\u00fcr den BR aufstellen lassen m\u00f6chte?<\/li>\n<li>Welche Chancen und M\u00f6glichkeiten bietet ein Engagement im Betriebsrat?<\/li>\n<li>Welche Themen und Handlungsfelder haben Betriebsr\u00e4te?<\/li>\n<li>Welche Weiterbildungsangebote gibt es f\u00fcr Betriebsratsmitglieder?<\/li>\n<li>Wie wirkt sich das auf den beruflichen Weg aus, wenn ich mich f\u00fcr den BR aufstellen lasse?<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcber das Online-Tool <a href=\"https:\/\/frag.jetzt\/home\">https:\/\/frag.jetzt\/home<\/a> konnten die Kolleg*innen anonym weitere Fragen stellen.<\/p>\n<p><strong>Thematisierung nach der Betriebsratswahl<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der systematischen Planung ist nach der Betriebsratswahl eine verl\u00e4ngerte Sitzung geplant. In dieser soll sich das neue Team finden und die Kompetenzentwicklung auf den Weg gebracht werden. Angedacht ist ein ausf\u00fchrliches Kennenlernen, indem auch die unterschiedlichen Motivationen zur Kandidatur besprochen werden. Neben der betriebspolitischen Motivation soll auch die berufsbiografische Lebensphase und die sich daraus ergebenden Motivationen angesprochen werden, z.B. dass nach der Kindererziehungsphase eine neue Herausforderung gesucht wird oder im eigenen Beruf keine Entwicklungsm\u00f6glichkeiten mehr vorhanden sind. Auch Entwicklungsw\u00fcnsche der Gremienmitglieder k\u00f6nnen hier zum Thema gemacht werden. Dabei ist es gut, wenn Vorsitzende mit Offenheit vorangehen und ihre eigene Entwicklung, Motivation und Vorstellung zum weiteren Berufsweg darstellen.<\/p>\n<p>Die Offenheit im Betriebsrat wird bei konkurrierenden Listen, eskalierten Konflikten und (mikro)-politischen Machtk\u00e4mpfen erheblich erschwert, bis dahin, dass sie als unm\u00f6glich empfunden wird. Die Sorge vor Gesichts- und Machtverlust dominiert dann das Geschehen. In diesem Fall w\u00e4re schon viel erreicht, wenn man sich (mit externer Moderation) auf gemeinsame Ziele und Arbeitsweisen f\u00fcr die n\u00e4chste Amtszeit verst\u00e4ndigen kann.<\/p>\n<p>Die Phase der Sensibilisierung und Enttabuisierung ist grundlegend f\u00fcr alle weiteren Prozesse und bereitet den Weg f\u00fcr eine strukturierte Personalentwicklung im Gremium. Im Ver\u00e4nderungsmanagement ist das die Phase des \u201eAuftauens\u201c (Lewin 1953). Wird diese Phase nicht ausreichend initiiert sowie kommunikativ und beteiligungsorientiert gestaltet, k\u00f6nnen Widerst\u00e4nde die Umsetzung von Ma\u00dfnahmen und Ideen behindern.<\/p>\n<p>Der offene Austausch zu diesen Themen setzt eine erweiterte Perspektive auf betriebliche Interessenvertretung voraus:<\/p>\n<p><strong>Betriebs- und Personalratsarbeit ist sowohl ein politisches Ehrenamt als auch eine berufs- und bildungsbiografische Phase! <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Ehrenamt-Betriebsrat1.png\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-859 size-full\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Ehrenamt-Betriebsrat1.png\" alt=\"Betriebs- und Personalratsarbeit ist zugleich politisches Ehrenamt und berufs-\/bildungsbiografische Phase\" width=\"933\" height=\"694\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Ehrenamt-Betriebsrat1.png 933w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Ehrenamt-Betriebsrat1-300x223.png 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Ehrenamt-Betriebsrat1-768x571.png 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Ehrenamt-Betriebsrat1-403x300.png 403w\" sizes=\"auto, (max-width: 933px) 100vw, 933px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Auch Gewerkschaften und Bildungstr\u00e4ger sind gefordert<\/strong><\/p>\n<p>Um diese erweiterte Perspektive zu etablieren und \u00f6ffentlich zu thematisieren, ben\u00f6tigt es kommunikative Rahmen und Anl\u00e4sse. Daf\u00fcr sind auch Gewerkschaften und Bildungstr\u00e4ger gefragt. Sie k\u00f6nnen auf unterschiedlichen Ebenen das Thema auf die Agenda bringen und Diskussionsprozesse initiieren. Adressat*innen sind dabei nicht nur Betriebs- und Personalr\u00e4te, sondern auch hauptamtliche und ehrenamtliche Gewerkschafter*innen auf den verschiedenen Ebenen: Bundesebene, Bezirksebene, Gesch\u00e4ftsstellen und betriebsbetreuende Sekret\u00e4r*innen, um eine breite Verankerung zu erreichen. Letztlich sind die betreuenden Sekret\u00e4r*innen erste Ansprechpersonen f\u00fcr Betriebsr\u00e4te und Vertrauensleute, so dass hier sowohl Kenntnisse als auch eine Haltung zu biografischen Themen ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>Gewerkschaften k\u00f6nnen den Weg bereiten, indem das Thema in Tagungen, Konferenzen, Trainee- und Mentoringprogramme sowie in die strategische Wahlvorbereitung integriert wird. Thematische Inputs wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen erm\u00f6glichen und er\u00f6ffnen den Raum f\u00fcr Austausch und Diskussionen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Bildungsanbieter im Feld der gesetzlichen Interessenvertretung gilt es, lebensphasensensibel zu agieren und \u00dcberg\u00e4nge in den eigenen Angeboten mitzudenken. Wichtig ist beispielsweise in l\u00e4ngerfristigen Bildungsangeboten die Einbettung in die Berufs- und Bildungsbiografie der Teilnehmenden zu thematisieren. Daf\u00fcr sind angeleitete Reflexionsphasen zur eigenen Berufs- und Bildungsbiografie unterst\u00fctzend. Solche Reflexionseinheiten k\u00f6nnen in Seminaren auch als Einstieg oder Abschluss integriert werden, z.B. mit der Frage: \u201eWas bedeutet das Lernen in dieser Weiterbildung f\u00fcr meinen Entwicklungsweg?\u201c. Auf Klausurtagungen von Gremien bieten sich wie oben im Fallbeispiel dargestellt ebenfalls unterschiedliche inhaltliche und methodische M\u00f6glichkeiten. Mehr dazu findest du im <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/fpdf\/HBS-006952\/p_study_hbs_388.pdf\">Manual<\/a> aus dem Projekt Spurwechsel.<\/p>\n<p>Seit den Projekten zu <a href=\"https:\/\/www.uni-bremen.de\/zap\/zap-forschung\/abgeschlossene-projekte\/karrieremuster-und-karrierewege-von-ehemaligen-betriebsratsmitgliedern\">Karrierewegen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.uni-bremen.de\/zap\/zap-forschung\/abgeschlossene-projekte\/spurwechsel\">\u00dcberg\u00e4ngen<\/a> von Betriebsratsmitgliedern hat sich schon etwas an \u00f6ffentlicher Thematisierung getan, z.B.:<\/p>\n<ul>\n<li>Arbeitnehmerkammer Bremen: Workshop \u201eDie Freistellung: Einbahnstra\u00dfe oder Karrieresprungbrett?\u201c 2014<\/li>\n<li>Abschlussveranstaltung des Mentoringprogramms f\u00fcr Frauen in BR, PR + MAV der Bremer Gewerkschaften: Vortrag und Gespr\u00e4ch \u201eBetriebsr\u00e4tin und Personalr\u00e4tin: Der \u201eKick-Off\u201c f\u00fcr meine Berufsbiografie?\u201c 2015<\/li>\n<li>DGB Bildungswerk: Herbstforum Generationswechsel, \u00dcbergangsmanagement und Wissensweitergabe professionell gestalten, Vortrag und Workshop \u201e\u00dcbergangsmanagement und Berufsweggestaltung im Betriebsrat\u201c 2017<\/li>\n<li>Jahrestagung f\u00fcr Betriebsr\u00e4t*innen der IG BCE: Vortrag und Podiumsgespr\u00e4ch \u201eBetriebsratskarrieren \u2013 berufliche Perspektiven in der Betriebsratsarbeit\u201c 2018<\/li>\n<li>Arbeitnehmerkammer Bremen: Workshop zur Berufsweggestaltung und Kompetenzbilanzierung f\u00fcr Betriebs- und Personalr\u00e4te 2018\/2020<\/li>\n<li>IG Metall: Seminar \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/spurwechsel-neu-im-ig-metall-bildungsprogramm\/\">Spurwechsel \u2013 Berufsperspektiven von Betriebsr\u00e4t*innen<\/a>. Strategische Personalentwicklung im Betriebsrat\u201c seit 2019, 23.-26.08.2022<\/li>\n<li>ver.di Bildungswerk: After Work: Soll ich mich f\u00fcr die BR Wahlen 2022 aufstellen lassen?, Input und Podium \u201ePers\u00f6nliche Chancen und M\u00f6glichkeiten von Betriebsr\u00e4ten\u201c 2021<\/li>\n<li>ver.di Bildungswerk\/ <a href=\"https:\/\/biz-walsrode.verdi.de\/unsere-seminare\/bildungsprogramm#\/bildungsportal\">Bildungszentrum Walsrode<\/a>: Seminar &#8222;Engagement im Betrieb als Entwicklungschance!? Standortbestimmung und Perspektiven&#8220; 08.08.-12.08.2022<\/li>\n<\/ul>\n<p>Durch die alle vier Jahre stattfindenden Wahlen bleibt das Thema jedoch immer aktuell und darf nicht aus dem Blick geraten!<\/p>\n<p><strong>Welche Funktionen hat die Thematisierung und Kommunikation?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Funktionen.png\" data-rel=\"lightbox-image-2\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-877\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Funktionen.png\" alt=\"Funktionen der Thematisierung beruflicher Entwicklung von Betriebsrats- und Personalratsmitgliedern\" width=\"709\" height=\"643\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Funktionen.png 709w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Funktionen-300x272.png 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/spurwechsel\/files\/Funktionen-331x300.png 331w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das dargestellte Agenda-Setting hat zugleich mehrere Funktionen.<\/p>\n<p><strong>Sensibilisierung<\/strong> bedeutet, dass biografische Aspekte und Berufswege von Betriebs- und Personalr\u00e4ten zun\u00e4chst einmal zum Thema gemacht werden, z.B. beim Einstieg in den Betriebsrat, zur \u00dcbernahme von verantwortlichen Funktionen bzw. Freistellungen und der Ausstieg aus dem Amt bzw. der Wechsel in neue T\u00e4tigkeitsfelder.<\/p>\n<p><strong>Problematisieren <\/strong>bedeutet, dass der Blick f\u00fcr damit verbundene Herausforderungen gesch\u00e4rft wird. Diese Herausforderungen k\u00f6nnen die Gremien betreffen, wie z.B. \u00dcberalterung, geschlechtsspezifische Barrieren, fehlende Kandidaten*innen f\u00fcr die Wahl und f\u00fcr die Funktionen im Gremium. Herausforderungen stellen sich aber auch f\u00fcr die Einzelnen: Vereinbarkeit der Lebensbereiche, Sorgen vor Nicht-Wiederwahl oder Erf\u00fcllung von Karriere- und Entwicklungsw\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Die Themensetzung leistet einen Beitrag zur <strong>Enttabuisierung<\/strong>, weil deutlich wird, dass eine Betriebs-\/Personalratsfunktion zugleich ein politisches Ehrenamt und auch berufs- und bildungsbiografische Phase ist. Dieses Thematisieren als berufsbiografische Phase holt die Artikulation beruflicher Entwicklungsw\u00fcnsche und Karriereambitionen aus der Tabu-Zone.<\/p>\n<p>Inputs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema k\u00f6nnen einen <strong>Legitimationsrahmen<\/strong> schaffen. Externe Referenten*innen verschaffen dem Thema ebenfalls ein St\u00fcck Objektivierung.<\/p>\n<p>Die Anerkennung von individuellen Entwicklungsw\u00fcnschen ist aber auch ein Politikum. In Diskussionen entsteht zum Teil eine Polarisierung zwischen politischem Ehrenamt und pers\u00f6nlicher Karriereorientierung \u2013 nach dem Motto: \u201eWer eigene Karrierew\u00fcnsche hat, da stimmen die politischen Werten nicht.\u201c Oder \u201eNur wer eigene Ambitionen aufgibt, ist engagiert genug im Ehrenamt\u201c. Dabei tritt eine Orientierung zu Tage, die im Entweder-Oder verhaftet ist. Dies wird der aktuellen Komplexit\u00e4t nicht gerecht. Das Spannungsverh\u00e4ltnis l\u00e4sst sich zwar nicht aufl\u00f6sen (wenn nicht eine Seite ausgeblendet wird), aber es hat sich gezeigt, dass beide Seiten gut nebeneinander bestehen k\u00f6nnen. Insofern wird im besten Fall mit der Thematisierung berufsbiografischer Aspekte des Ehrenamts auch eine <strong>Politisierung<\/strong> dieser erreicht.<\/p>\n<p><strong>Es geht darum, eine partizipative Grundlage f\u00fcr Personalentwicklung im Gremium zu schaffen.<\/strong><\/p>\n<p>Wie diese dann fortgesetzt wird, erf\u00e4hrst du im n\u00e4chsten Blogbeitrag zum Handlungsfeld <em>Nachwuchs f\u00f6rdern und Nachfolge planen<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pers\u00f6nliche und berufliche Entwicklungen w\u00e4hrend der Betriebsrats- bzw. Personalratsarbeit, Ausstiegs\u00fcberlegungen und Bef\u00fcrchtungen rund um die Betriebsratswahl kommen als Themen in Betriebs- und Personalr\u00e4ten sowie in Gewerkschaften oft zu kurz. 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