{"id":345,"date":"2025-01-28T08:22:25","date_gmt":"2025-01-28T07:22:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/?p=345"},"modified":"2025-01-28T20:25:14","modified_gmt":"2025-01-28T19:25:14","slug":"sehen-sie-mich-wirklich-wie-ich-bin-wenn-das-feedback-von-der-fuehrungskraft-nicht-zur-selbstwahrnehmung-passt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/sehen-sie-mich-wirklich-wie-ich-bin-wenn-das-feedback-von-der-fuehrungskraft-nicht-zur-selbstwahrnehmung-passt\/","title":{"rendered":"Sehen sie mich wirklich, wie ich bin? Wenn das Feedback von der F\u00fchrungskraft nicht zur Selbstwahrnehmung passt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/files\/Self-Verification-Theorie-SVT-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-376\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/files\/Self-Verification-Theorie-SVT-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/files\/Self-Verification-Theorie-SVT-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/files\/Self-Verification-Theorie-SVT-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/files\/Self-Verification-Theorie-SVT-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/files\/Self-Verification-Theorie-SVT-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">24.01.2025 \/ Becker, Giorno &amp; Kilinc <\/h5>\n\n\n\n<p><em>Hast du schon einmal erlebt, dass Feedback, egal ob positiv oder negativ, dein Selbstbild ins Wanken bringt?&nbsp;Doch warum l\u00f6st Feedback, das nicht unserem Selbstbild entspricht, so viel Stress in uns aus?&nbsp;Dieser Blogartikel zeigt dir, warum das so ist und wie Unternehmen darauf reagieren k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wenn das Feedback von der F\u00fchrungskraft nicht zur Selbstwahrnehmung passt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><em>Von Stine Becker, Chiara Giorno &amp; Marle Kilinc<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation kennst du bestimmt: Du pr\u00e4sentierst ein abgeschlossenes Projekt, alles l\u00e4uft glatt und danach kommt dein:e Chef:in auf dich zu. Doch statt Anerkennung gibt es Verbesserungsvorschl\u00e4ge. Auch das Gegenteil: Du bist unsicher, wie dein Projekt ankam, und wirst pl\u00f6tzlich mit Lob \u00fcbersch\u00fcttet, das irgendwie \u00fcbertrieben wirkt. In beiden Momenten fragst du dich vielleicht:&nbsp;\u201eSehen die anderen mich wirklich so, wie ich mich selbst sehe?\u201c&nbsp;Solche Situationen k\u00f6nnen uns ins Gr\u00fcbeln bringen \u2013 und manchmal sogar unser Selbstvertrauen ins Wanken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Self-Verification Theory&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Einen Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen bietet die Self-Verification Theory von William B. Swann (2012). Sie besch\u00e4ftigt sich mit dem Wunsch von Menschen, ein konsistentes Bild von sich selbst zu bewahren und von anderen best\u00e4tigt zu bekommen. Dabei geht es nicht nur um positive, sondern auch um negative Selbstbilder. Menschen suchen aktiv nach Informationen und Beziehungen, die ihr Selbstbild \u2013 egal ob positiv oder negativ \u2013 best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie es funktioniert:<\/em><br \/>Wenn wir glauben, kompetent, freundlich oder zuverl\u00e4ssig zu sein, m\u00f6chten wir, dass andere uns genauso wahrnehmen. Ebenso kann jemand mit einem negativen Selbstbild (z. B. das Gef\u00fchl, unf\u00e4hig oder unfreundlich zu sein) Situationen oder Menschen bevorzugen, die dieses Bild best\u00e4tigen, anstatt das Gegenteil zu behaupten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Warum das wichtig ist:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Konsistenz gibt uns Sicherheit. Wenn unsere Wahrnehmung von uns selbst mit der Wahrnehmung anderer \u00fcbereinstimmt, f\u00fchlen wir uns verstanden und sicher in unseren sozialen Beziehungen. Das bedeutet, dass Self-Verification nicht immer&nbsp;\u201epositive Best\u00e4tigung\u201c&nbsp;bedeutet, sondern vor allem&nbsp;\u201estimmige R\u00fcckmeldung\u201c. Umgekehrt kann eine Diskrepanz zwischen dem Selbstkonzept und den R\u00fcckmeldungen von Anderen zu Stress und Unbehagen f\u00fchren. Das erkl\u00e4rt, warum wir uns manchmal gegen Kritik oder Lob str\u00e4uben und wir bestimmte Beziehungen bevorzugen. So bauen wir lieber Beziehungen mit anderen auf, die unsere Selbstsicht unterst\u00fctzen. Und dies l\u00e4sst sich entsprechend auch auf den Arbeitskontext und die Beziehung zur F\u00fchrungskraft anwenden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie sieht das dann in der Praxis aus?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Stell dir vor, du bist voller Motivation und Selbstbewusstsein bei der Arbeit, glaubst an dich selbst und hast Vertrauen in dein Management. Dann geschieht das Undenkbare: Dein:e Chef:in sabotiert dich. Er:sie sch\u00e4tzt dich herab, macht dich bei anderen schlecht und stellt dir unn\u00f6tige H\u00fcrden in den Weg. Was passiert jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Laut einer Studie von Booth et al. (2019) wirkt diese Art von \u201esozialer Untergrabung\u201c durch Vorgesetzte besonders negativ auf Menschen, die ein positives Selbstbild und Selbstvertrauen haben. Auch Personen mit positivem Selbstbild suchen laut der Self-Verification Theory aktiv nach Best\u00e4tigung ihrer Wahrnehmung. Wenn sie jedoch von ihrer F\u00fchrungskraft untergraben werden, erleben sie das als pers\u00f6nlichen Angriff, der Stress verursacht und sie an ihrer beruflichen Zukunft zweifeln l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spannende: Die Situation versch\u00e4rft sich, wenn diese Mitarbeitenden in ein Unternehmen eingebunden sind, dem sie grunds\u00e4tzlich vertrauen. Warum? In einem Umfeld, das als unterst\u00fctzend wahrgenommen wird, wirkt das destruktive Verhalten der F\u00fchrungskraft noch irritierender. Es passt einfach nicht ins Bild. Dadurch f\u00fchlen sich diese Mitarbeitenden nicht verstanden und sehen ihre Selbstwahrnehmung noch st\u00e4rker bedroht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Warum das so problematisch ist:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie zeigt, dass Mitarbeitende mit einem positiven Selbstbild nicht nur Stress empfinden, sondern auch eine gesteigerte Absicht entwickeln, ihren Job zu k\u00fcndigen. Diese Konsequenzen sind besonders alarmierend f\u00fcr Unternehmen, da gerade diese Mitarbeitenden oft als Leistungstragende gelten. Sie sind selbstbewusst, engagiert und normalerweise stabil im Umgang mit Herausforderungen. Doch wenn sie das Gef\u00fchl haben, dass ihre eigene Wahrnehmung von sich selbst nicht best\u00e4tigt wird (und dazu noch in einem Unternehmen, dem sie vertrauen), reagieren sie empfindlicher.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Beispiel aus der Praxis:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Denk an eine hochqualifizierte Projektmanagerin mit einem positiven Selbstbild, die von ihrer Arbeit begeistert ist und in einem Unternehmen mit starker Vertrauenskultur arbeitet. Ihr Chef beginnt jedoch, ihre Erfolge vor dem Team kleinzureden und behindert wichtige Projekte. Obwohl das Unternehmen insgesamt einen positiven Ruf genie\u00dft, f\u00fchlt sich die Managerin zunehmend isoliert und unverstanden. Der Kontrast zwischen ihrem Selbstbild, der allgemeinen Unternehmensphilosophie und dem Verhalten ihres Chefs wird zu einem un\u00fcberwindbaren Problem. Am Ende sieht sie nur einen Ausweg: die K\u00fcndigung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was k\u00f6nnen Unternehmen tun?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst sollten Unternehmen eine Unternehmenskultur f\u00f6rdern, die von Vertrauen und Respekt gepr\u00e4gt ist. Regelm\u00e4\u00dfige Feedbackgespr\u00e4che k\u00f6nnen dabei helfen, die Leistungen der Mitarbeitenden anzuerkennen und gleichzeitig konstruktives Feedback zu geben. Dies st\u00e4rkt nicht nur das Selbstbewusstsein der Mitarbeitenden, sondern vermittelt ihnen auch das Gef\u00fchl, dass ihre Meinungen und Beitr\u00e4ge gesch\u00e4tzt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist die Weiterentwicklung von F\u00fchrungskr\u00e4ften entscheidend. Regelm\u00e4\u00dfige Schulungen f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte k\u00f6nnen dazu beitragen, Verhaltensweisen wie soziale Untergrabung zu vermeiden und F\u00fchrungskompetenzen zu st\u00e4rken, die die Selbstwahrnehmung der Mitarbeitenden nicht gef\u00e4hrden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzend dazu k\u00f6nnen Mitarbeitendenbefragungen und 360-Grad-Feedback genutzt werden, um m\u00f6gliche Spannungen fr\u00fchzeitig zu erkennen. Durch eine klare und transparente Kommunikation k\u00f6nnen Unternehmen zudem sicherstellen, dass Mitarbeitende sich wertgesch\u00e4tzt und in ihrer Rolle sicher f\u00fchlen. Eine solche Umgebung f\u00f6rdert nicht nur das Engagement, sondern auch die langfristige Zufriedenheit der Mitarbeitenden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Bed\u00fcrfnis, im Job verstanden und best\u00e4tigt zu werden, ist tief in uns verankert. Das macht die Self-Verification Theory deutlich. R\u00fcckmeldungen, die nicht zu unserer eigenen Wahrnehmung passen, k\u00f6nnen Stress und Unsicherheit ausl\u00f6sen. So ist es mehr als nat\u00fcrlich, dass wir uns als Mitarbeitende langfristig einen Job w\u00fcnschen und suchen, bei dem das eigene Selbstbild best\u00e4tigt wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Unternehmen, die das verstehen, k\u00f6nnen viel gewinnen: Eine Feedbackkultur, die authentisch und respektvoll ist, gibt Mitarbeitenden das Gef\u00fchl, gesehen und verstanden zu werden. Das Ergebnis? Wer diese Elemente in den Arbeitsalltag integriert, schafft nicht nur Vertrauen, sondern sorgt daf\u00fcr, dass Talente langfristig bleiben. Dies ist ein wichtiger Erfolgsfaktor f\u00fcr Unternehmen, da es dazu beitr\u00e4gt, Talente langfristig zufrieden, engagiert und motiviert zu halten<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Booth, J. E., Shantz, A., Glomb, T. M., Duffy, M. K. &amp; Stillwell, E. E. (2019). Bad bosses and self\u2010verification: The moderating role of core self\u2010evaluations with trust in workplace management.&nbsp;<em>Human Resource Management<\/em>,&nbsp;<em>59<\/em>(2), 135-152.&nbsp;https:\/\/doi.org\/10.1002\/hrm.21982<\/p>\n\n\n\n<p>Swann Jr., W.B. (2012). Self-verification theory. Handbook of theories of social psychology, 2, 458-476.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-comments\">\n\n\n\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.01.2025 \/ Becker, Giorno &amp; Kilinc Hast du schon einmal erlebt, dass Feedback, egal ob positiv oder negativ, dein Selbstbild ins Wanken bringt?&nbsp;Doch warum l\u00f6st [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":16089,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[12,17,13,18,6,15,19,7,11,16],"class_list":["post-345","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-individuum","tag-fuehrung","tag-gefuehle","tag-gruppendynamik","tag-identitaet","tag-karriere","tag-konflikt","tag-selbstkontrolle","tag-soziale-strukturen","tag-teamarbeit","tag-vorurteile"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16089"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=345"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":417,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions\/417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sozpsy\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}