Tërmeti Godet Shqipërinë – Solidarität und Hilfe für Albanien

„Noch eben befand ich mich im Tiefschlaf, doch plötzlich wachte ich vom Wackeln meines Bettes auf. Einerseits war ich zwar noch komplett verschlafen, doch gleichzeitig voller Adrenalin und Panik rannte ich zur Tür als ich meine Tochter vor Angst schreien hörte. Ich spürte den Boden unter mir zittern und hörte wie meine Bilder von der Wand und die Dekoration von meinem Tisch fielen. Ich konnte nur hoffen aus dieser Hölle wieder heile herauszukommen. Ich rannte zur Tür um meiner weinenden Tochter zur Hilfe zu kommen. Doch sie klemmte. Ich rüttelte und zog an ihr, doch ich geriet nur noch mehr in Panik – was ist mit meiner schreienden Tochter? Wie kommen wir hier raus?

Das Beben verzog den kompletten Türrahmen. Mein Mann rammte sich gegen die Tür und schaffte es schließlich sie zu öffnen. Kaum vorzustellen was unserer Tochter hätte passieren können. Wir schnappten sie und meine Mutter und verließen auf direktem Weg das Haus. Auf der Straße sahen wir dann das ganze erschreckende Bild. Einige unserer Nachbarhäuser waren komplett in sich zusammengestürzt. Alle Menschen aus der Nachbarschaft versammelten sich zum größten Teil weinend auf den Straßen. Doch wir hatten Glück…unser Haus stand – zumindest noch. Ich habe nie etwas Schlimmeres in meinem Leben erlebt.“

– Anonymes Opfer des albanischen Erbebens 

Dies ist nur eines von vielen Momentaufnahmen und Geschehnissen, die sich am 26.November in Teilen des albanischen Festlandes ereigneten. Ein Erdbeben um 4 Uhr morgen mit der Stärke von 6,4 und seinem Epizentrum in zehn Kilometern Tiefe des Adriatischen Meeres sorgte in Albanien und zum Teil auch in den umliegenden Ländern für eines der stärksten Erdbeben seit Jahrzehnten1. Nur 30 Kilometer von der albanischen Hauptstadt Tirana und nur 10 Kilometer von der Hafenstadt Durres ereignete sich das Beben und sorgte für Schaden in Millionen Höhen. Hunderte von Häusern brachen zusammen und begruben ihre Bewohner unter sich oder erlitten zumindest starke Schäden am Mauerwerk. Die meisten Menschen die von einen auf den anderen Moment obdachlos wurden kamen in sog. Zeltstädten unter – extra für Erdbebenopfer errichtete Zeltlager. Doch auch viele übernachteten in ihren Autos auf den Straßen oder Autobahnen.

Noch immer variieren die Angaben zu Toten und Verletzten. Bis jetzt schwanken die Anzahlen zwischen  500-6002 Verletzten und rund 50 Toten3. Doch leider blieb es nicht nur bei einem erschreckenden Beben. Nach dem starken Beben in der Nacht ereigneten sich im Laufe des Tages immer wieder neue Nachbeben und auch andere Balkanländer waren von weiteren Beben betroffen, so dass nur wenige Stunden nach Albanien um 10:19 ein Erbeben mit der Stärke 5,4 Bosnien-Herzegowina erschütterte4. Wie Die Zeit Online berichtet, könnten auch die vorangegangenen Erdbeben im September (Stärke 4,4 und 5,8), bei denen rund 100 Menschen verletzt wurden, die verheerenden Ausmaße verstärkt haben1. Doch so schrecklich die Ereignisse der westlichen Balkanküsten doch sind, so erweisen sie sich erneut als ein Bild von Zusammenhalt der Menschen – auch in schweren Zeiten. Überall auf der Welt zeigen die Menschen Solidarität und Mitgefühl für die Opfer und Hinterbliebenen der Erbeben. Sie organisieren Spendenaktionen, machen auf die Geschehnisse aufmerksam und versuchen ihr Möglichstes um zur Verbesserung der Situation beizutragen.

Selbst der serbische „[…] Präsident Aleksandar Vucic, dessen Verhältnis zu Albanien ansonsten abgespannt ist, kündigte an, ein Notfallteam ins Land zu schicken2. Auch ein Protest, der sich ursprünglich gegen den Abriss des Nationaltheaters in Tirana richtete, beteiligte sich an der Hilfe für die Erbebenopfer. Sie organisierten eine riesige Spendenaktion in der sie um Grundnahrungsmittel, Kleidungsstücke, Medikamente und co. baten. Die Resonanz war so groß, erklärt Lindita Komani (Sprecherin der Allianz für die Verteidigung des Nationaltheaters), dass Spenden nicht nur aus der Region, sondern auch aus anderen Ländern wie dem Kosovo, Nord-Mazedonien, Montenegro und Italien kamen. Mehr als 200 Freiwillige halfen beim Transport der Spenden in die notdürftigen Orte5.  Auch der Vatikan resp. Papst Franziskus spendete für die Soforthilfe rund eine halbe Million Euro für die italienischen Caritas, die in Albanien tätig sind, um somit eine Basis für notwendige Güter zu bilden und übermittelte dabei sein Beileid über die Opfer des Bebens6. Auch bekannte Personen des öffentlichen Lebens nutzen ihre Position, um den Opfern beizustehen. So errichtete der deutsche-kosovo-albanische Sänger und Rapper Mozzik, der vor allem durch seine Tracks mit seiner Exfrau und Rapper-Kollegin Loredana in Deutschland Berühmtheit erlangte und bereits in Albanien zu einem der größten Superstars gezählt wird, auf Go-Fund-Me ein Spendenkonto, in welchem er innerhalb nur eines Tages und mit der Unterstützung von 17.000 Spendern eine Summe von 1 Millionen US-Dollar sammelte, um damit seinen Landsleuten unter die Arme zu greifen7. Diesbezüglich schrieb er bewegende Worte, die die Solidarität und die gemeinsame Stärke, gebündelt durch das Engagement jedes Einzelnen, verdeutlicht und uns erweist, dass Solidarität ein wichtiger Teil des Mensch-seins ist:

„Wir haben etwas erreicht, was wir noch nie zusammen geschafft haben! Wir haben eine Million Dollar für die Erdbeben-Tragödie in Albanien gesammelt. Noch nie habe ich euch so vereint gesehen. Ich bete zu Gott, dass das immer so bleibt! Ich weine Tränen, Tränen des Schmerzes für den Verlust der Opfer, Tränen der Traurigkeit, für das was die Menschen mit ihren Augen sehen mussten. Und eine letzte Träne erfüllt mich mit Stolz und Freude, die zeigt „Zusammen schaffen wir es!“ Das Leben hat viele Prüfungen. Jeden Tag werden wir herausgefordert und mögen wir es gemeinsam bei Sonne und Regen überstehen. Gott ist der Größte und wir bitten ihn nach seiner Hilfe! Vielen Dank an alle. Macht weiter so!“ (ebd.)

Quellenverweise:

  1. Die Zeit Online (26. November 2019; 8:12): „Tote bei Erdbeben in Albanien“. URL: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-11/albanien-erdbeben-westkueste-tote. Abgerufen am 30.12.2019
  2. Jana Lapper/Taz (26. November.2019): „Naturkatastrophe in Albanien. Mehrere Tote bei Erdbeben“. URL: https://taz.de/Naturkatastrophe-in-Albanien/!5644508/. Abgerufen am: 30.11.2019
  3. Gerstmeier, Franziska/ Augsburger Allgemeine (11.12.2019): „Nach Erbeben: Nordheimer Hilfe für Albanien“. URL: https://www.augsburger-allgemeine.de/donauwoerth/Nach-Erdbeben-Nordheimer-Hilfe-fuer-Albanien-id56201156.html. Abgerufen am: 30.11.2019
  4. Wetteronline (26. November 2019): „Erdbeben-Serie auf dem Balkan“. URl: https://www.wetteronline.de/wetterticker/erdbeben-serie-auf-dem-balkan-201911263688600. Abgerufen am: 30.11.2019
  5. Tom Mustroph/ Taz: „Hilfe für Erdbebenopfer in Albanien. Vertrauen und Solidarität“. URL: https://taz.de/Hilfe-fuer-Erdbebenopfer-in-Albanien/!5647694/. Abgerufen am: 06.12.2019
  6. Vatican News: “Albanien_ Italiens Kirche hilft mit einer halbe Million Euro“. URL: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2019-11/albanien-kirche-italien-hilfe-erdbeben-zerstoerung-papst-tote.html. Abgerufen am: 30.11.2019
  7. Octavius Hallenstein/ Raptastisch.net (27. November 2019): „Mozzik hat 1 Million Dollar nach Erdbeben in Albanien gesammelt“. URL: https://raptastisch.net/2019/11/27/mozzik-hat-1-million-dollar-nach-erdbeben-in-albanien-gesammelt/. Abgerufen am: 30.11.2019

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