Zeitung der Straße – Eine Initiative für Hilfsbedürftige

Cäsar fragt in die Runde: „Habt ihr eine Ahnung, wie viele obdachlose Menschen es in Bremen gibt?“ Die Runde schweigt. Niemand traut sich, eine Zahl zu nennen. Klar, das Bild von Obdachlosen hat jeder vor Augen. Frauen und Männer, bepackt mit Tüten und Taschen, manchmal in einem Einkaufswagen gestapelt. Oder in der Fußgängerzone wird man von ihnen nach Geld gefragt. An Bushaltestellen, in Parks oder am Bahnhof – ja, dort sieht man häufig Menschen, die obdachlos sein könnten.1

Obdachlosigkeit ist in Bremen gerade zur kalten Jahreszeit ein immer wiederkehrendes Problem und eine aktuelle Thematik. Knapp 600 Menschen2 müssen hier zu einer der für sie schwierigsten Jahreszeiten auf der Straße um ihr Leben kämpfen: dem Winter. Zwischen Weihnachtsshopping und dem Leben am Existenzminimum stellt sich schnell die Frage: Woher Geld, Essen, Schlafplatz und eine warme Dusche bekommen, wenn man obdachlos ist und draußen Minusgrade herrschen? Obwohl der Großteil der Bevölkerung jeden Tag obdachlose Menschen auf der Straße wahrnimmt, ist die Hilfsbereitschaft sehr gering und Obdachlosigkeit ein Thema, bei dem die meisten Personen wegschauen. Das Hineinversetzen in die Extremsituation Obdachlosigkeit ist für mich als Frau aus normalen Verhältnissen, kaum vorstellbar. Wie ist es also ohne Heim zu sein? Wie kann man sich aus der Obdachlosigkeit “retten”? Und gibt es Möglichkeiten für Obdachlose sich dazu zu verdienen?

Ja die gibt es!
Die von der Hochschule Bremerhaven, der Hochschule für Künste in Bremen und dem Verein der Inneren Mission 2010 ins Leben gerufene Bremer Zeitschrift der Straße ist eine Möglichkeit für Arbeitslose, Wohnungslose und von Armut bedrohten Menschen Geld zu verdienen. „Sie ist ein Straßenmagazin, das sich vom Klischee der „Obdachlosenzeitung“ durch ihr journalistisches Profil und ihre Aufmachung absetzen möchte3, so sprechen Initiatoren. Der auf der Straße stattfindende Verkauf bringt pro Ausgabe 2,50 Euro ein, wovon 1,30 Euro des Erlöses an den Verkäufer gehen. Interessant hierbei: Jede Ausgabe ist einer Straße bzw. einem Ort aus Bremen gewidmet und berichtet somit direkt von der Straße, für die Straße.

Doch zunächst erstmal die Frage: Was ist überhaupt eine Straßenzeitung?
Die Idee der Straßenzeitung kommt ursprünglich aus Amerika. Obdachlose Menschen erstellen eine Zeitschrift, um sie anschließend auf der Straße zu verkaufen und Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Initiative “Bildung durch Sprache und Schrift” (BISS) kam 1993 erstmals in Deutschland auf die Idee einer Straßenzeitung. Während zu Beginn Obdachlose selbst in alle Produktionsschritte eingebunden waren, entwickelte sich die Herstellung professionell weiter und weiter, bis dann schließlich fraglich wurde, ob sich die obdachlosen Verkäufer mit “ihrem” Blatt noch identifizieren können? Ist ein professionell aufgezogenes Blatt noch das Blatt des Verkäufers? Diese Frage beschäftigt selbst heutzutage noch die über 30 bestehenden Straßenzeitungen innerhalb Deutschlands. Es gibt nicht das eine richtige Konzept, welches anzuwenden gilt um eine erfolgreiche Straßenzeitung zu entwickeln. Ein Straßenmagazin, “das sich als Lobby für Bürger in sozialen Schwierigkeiten versteht, das über soziale Themen berichtet, gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigt und immer auf die menschliche Seite der Welt fokussiert, wird glaubwürdiger, wenn es im Umgang mit seinen Mitarbeitern, im Besonderen mit seinen Verkäufern, praktiziert, was es predigt.”4 Die Bremer Zeitschrift der Straße bietet genau dies und mag womöglich genau deshalb seit der Gründung 2010 mehrfach ausgezeichnet worden sein.

Wo kann man die Zeitschrift der Straße erwerben?
Die VerkäuferInnen der Zeitschrift bestimmen selbst wann, wo und wie oft sie die Zeitschrift verkaufen wollen. Relativ regelmäßig antreffen tut man Verkäufer an einigen namhaften Plätzen in Bremen. Dazu zählen bspw. der Hauptbahnhof, die Domsheide, Glocke und Sögestraße in der Bremer Innenstadt, als auch die Stadtbibliothek. Für VerkäuferInnen gilt zudem der Grundsatz: Hilfe zur Selbsthilfe. Der Verkauf der Zeitschrift der Straße setzt Regeln voraus, die eingehalten werden sollten. Demnach ist in erster Linie die Beantragung eines VerkäuferInnen-Ausweises im Vertriebsbüro nötig. Des Weiteren gibt es Vorschriften zu Verkaufsplätzen und damit zusammenhängenden verbotenen Verkaufsplätzen, sowie Empfehlungen zum Thema “Verhalten gegenüber Käufern und Käuferinnen”. Bei mehrfachen Missachtungen kommt es für den jeweiligen Verkäufer möglicherweise zu Sanktionen und dem Verbot des weiteren Verkaufs der Zeitschrift.

Wie kann man unterstützen?
Neben dem normalen Kauf der Zeitschrift der Straße gibt es diverse Möglichkeiten sich an dem Projekt zu beteiligen. Freiwillige Mitarbeiter sind immer gern gesehen! Egal was für einen Hintergrund man mitbringt, egal ob Vorwissen in redaktionellen Abläufen besteht – erlernt kann alles werden. Darüber hinaus besteht die Chance eine mögliche Straße vorzuschlagen für eine der zunächst bevorstehenden Ausgaben oder Feedback zu geben. Auch Anzeigenwerbung ist gern gesehen! Bei Interesse einfach mal auf der Website der Zeitschrift der Straße vorbeischauen oder den persönlichen Kontakt in Bremens Bahnhofs-Nähe aufsuchen.

Jede Beteiligung kann etwas bewirken!


Quellenverzeichnis:

  1. Sabine Doll (16.08.2017): „Wo Obdachlose in bremen leben“. In: Weser Kurier. HTML: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-wo-obdachlose-in-bremen-leben-_arid,1636669.html. Letzter Aufruf: 17.12.19)
  2. Henrik Schumacher (14.11.2018): „Auf der Suche nach Wärme“.  Im Auftrag von: Verein für Innere Mission. In: Weser Kurier.
  3. Die Zeitschrift der Straße (o.D.): „Zeitschrift“. https://zeitschrift-der-strasse.de/ueber-uns/zeitschrift/
  4. Adamidu, Eleni (o.D.): „Was ist ein Straßenverkäufer?“. html: https://www.wissen.de/was-ist-eine-strassenzeitung. Zuletzt abgerufen am: 17.12.2019

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