{"id":26,"date":"2025-07-08T18:10:37","date_gmt":"2025-07-08T16:10:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/?p=26"},"modified":"2025-07-08T18:10:37","modified_gmt":"2025-07-08T16:10:37","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/2025\/07\/08\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>1. Zentrale Erkenntnisse<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Rahmen der Ringvorlesung habe ich insbesondere zwei zentrale theoretische Erkenntnisse mitgenommen, die ich f\u00fcr mein p\u00e4dagogisches Handeln, insbesondere im Kontext der Pflegebildung, als besonders relevant erachte und im Folgenden n\u00e4her erl\u00e4utere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Erkenntnis 1: Bedeutung von Vorwissen und Intelligenz im Lernprozess <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vorwissen gilt nach Ceci &amp; Liker (1986: 255ff.) und Schneider &amp; Bjorklund (1992: 461ff.) als einer der st\u00e4rksten Pr\u00e4diktoren f\u00fcr schulischen Lernerfolg. Auch Intelligenz spielt eine Rolle, jedoch ist ihr Einfluss oft \u00fcbersch\u00e4tzt, w\u00e4hrend der Beitrag des Vorwissens untersch\u00e4tzt wird. Gerade im beruflichen Kontext wie der Pflegebildung, wo Lerninhalte oft stark an Erfahrungen ankn\u00fcpfen, ist die Aktivierung von Vorwissen zentral (Gruber &amp; Stamouli 2020: 39ff.). In der Pflegebildung bedeutet dies, dass Unterrichtseinheiten so konzipiert werden sollten, dass sie differenziert auf das Vorwissen der Auszubildenden eingehen. Dies kann durch den Einsatz von Erfahrungsberichten aus der Praxis oder durch kontextualisierte Fallbeispiele geschehen, die bereits gemachte Praxiserfahrungen einbinden. Die Anerkennung des Vorwissens signalisiert den Lernenden Wertsch\u00e4tzung und st\u00e4rkt ihre Selbstwirksamkeit. Dies schafft Vertrauen und verbessert die Beziehung zwischen Lehrkraft und Lernenden (Gruber &amp; Stamouli 2020: 98).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Schneider, W., Bjorklund, D. F. (1992): Expertise, aptitude, and strategic remembering. Child Development, 63<br \/>\n<\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Ceci, S. J., Liker, J. K. (1986): A day at the races: A study of IQ, expertise, and cognitive complexity. Journal of Experimental Psychology: General, 115<br \/>\n<\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Gruber, H., Stamouli, E. (2020): Intelligenz und Vorwissen. In: In E. Wild &amp; J. M\u00f6ller (Hrsg.), P\u00e4dagogische Psychologie. Heidelberg: Springer.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Erkenntnis 2: Spannungsfeld von Heterogenit\u00e4t und Homogenisierung in der Schule<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ausbildungsklassen der Pflege sind durch eine hohe Heterogenit\u00e4t gekennzeichnet, in Bezug auf Sprache, kognitive F\u00e4higkeiten, soziale Herkunft oder Geschlecht. Die heterogene Zusammensetzung der Sch\u00fcler*innenschaft stellt in diesem Rahmen eine zentrale Herausforderung dar, insbesondere dann, wenn divergierende Ausgangsbedingungen die chancengleiche Teilhabe an Bildungsprozessen erschweren. (Budde 2018: o. S.). Das Streben nach Homogenisierung durch Aussonderung (z.\u202fB. von Sch\u00fcler*innen mit F\u00f6rderbedarf) ist demnach auch problematisch, da es zur Reproduktion von Ungleichheit beitr\u00e4gt (Hoffman-Lun 2016: 24ff.). In der Pflegebildung sollten Unterrichtskonzepte die Vielfalt der Lernenden anerkennen. Dies kann durch den Einsatz vielf\u00e4ltiger Methoden (z.\u202fB. Gruppenarbeit, Lernstationen) und Materialien sowie durch adaptive Lernangebote erfolgen (Hoffman-Lun 2016: 49f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Hofmann-Lun, I. (2016). Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in inklusiven Ganztagsschulen. Ergebnisbericht. M\u00fcnchen: DJI.<br \/>\n<\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Budde, J\u00fcrgen (2018): Heterogenit\u00e4t in Schule und Unterricht Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/www.bpb.de\/lernen\/digitale-bildung\/werkstatt\/266110\/heterogenitaet-in-schule-und-unterricht [Letzter Zugriff: 08.07.2025]<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>2. Eigene Erfahrungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Heterogenit\u00e4t ist im schulischen Alltag allgegenw\u00e4rtig, sei es in Bezug auf Leistungsf\u00e4higkeit, sprachliche und kulturelle Hintergr\u00fcnde, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder individuelle F\u00f6rderbedarfe. Die Vorlesungsreihe hat mir geholfen, diese Vielfalt nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Ressource und strukturelles Merkmal von Schule zu begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In meiner eigenen Ausbildungszeit war der Umgang mit Heterogenit\u00e4t oft defizitorientiert. H\u00e4ufig wurde Frontalunterricht praktiziert, der sich an einem vermeintlich \u201edurchschnittlichen\u201c Lernenden orientierte. Schw\u00e4chere Sch\u00fcler*innen wurden schnell abgeh\u00e4ngt, w\u00e4hrend leistungsst\u00e4rkere unterfordert blieben (z.B. Deutschunterricht). Ein besonders pr\u00e4gender Aspekt war der Umgang mit Mehrsprachigkeit und sprachlichen Barrieren. In vielen F\u00e4llen wurde die Mehrsprachigkeit von Sch\u00fcler*innen nicht als Ressource wahrgenommen, sondern eher als Defizit. Lernende, deren Deutschkenntnisse nicht dem schulischen Standard entsprachen, wurden h\u00e4ufig als \u201enicht leistungsf\u00e4hig\u201c eingeordnet, unabh\u00e4ngig von ihren tats\u00e4chlichen fachlichen Kompetenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Vorlesung hat mir jedoch Perspektiven und Konzepte an die Hand gegeben, die mir helfen, Schule als inklusiven, differenzsensiblen und diversit\u00e4tsoffenen Raum mitzugestalten. Besonders die Vorlesung zur Mehrsprachigkeit hat mir erm\u00f6glicht, eigene Beobachtungen differenzierter zu verstehen und zu bewerten. Sie st\u00e4rkt mein Bewusstsein daf\u00fcr, wie eng sprachliche Teilhabe mit p\u00e4dagogischer Gerechtigkeit verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>3. Weiterer Informationsbedarf<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Verlauf der Ringvorlesung im Modul UMHET habe ich viele wichtige theoretische Impulse zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t im schulischen Kontext erhalten. Themen wie Mehrsprachigkeit, Aussonderung von Sch\u00fcler*innen mit F\u00f6rderbedarf oder zur Bedeutung von Geschlechtlichkeit und Sexualit\u00e4t sind unbestritten relevant und er\u00f6ffnen wichtige Perspektiven auf Vielfalt und Bildungsungleichheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings habe ich mir im Verlauf der Vorlesung h\u00e4ufiger gew\u00fcnscht, dass die Bez\u00fcge zur beruflichen Bildung, insbesondere zur Pflegebildung, st\u00e4rker und konkreter hergestellt werden. Auch wenn viele Erkenntnisse prinzipiell \u00fcbertragbar sind, bleiben die Besonderheiten der Pflegebildung oft aus. Die Lernenden in diesem Feld bringen h\u00e4ufig heterogene Bildungsbiografien, vielf\u00e4ltige sprachliche und kulturelle Hintergr\u00fcnde sowie unterschiedliche praktische Erfahrungen mit. Gleichzeitig ist die Pflegeausbildung gepr\u00e4gt von einem engen Theorie-Praxis-Bezug, von starkem Zeitdruck, hoher emotionaler Belastung und einer besonderen N\u00e4he zu existenziellen Themen wie Krankheit, Alter, Sterben und Tod. Da sind Fallbeispiele wie \u201eGymnasium trotz nicht ausreichenden Deutschkenntnissen?\u201c eher weniger f\u00fcr Ausbildungsberufe geeignet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\n1. 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