{"id":19,"date":"2025-05-22T16:27:06","date_gmt":"2025-05-22T14:27:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/?p=19"},"modified":"2025-05-22T16:27:06","modified_gmt":"2025-05-22T14:27:06","slug":"inklusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/2025\/05\/22\/inklusion\/","title":{"rendered":"Inklusion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Konsequenzen der Aussonderung von Sch\u00fcler*innen mit F\u00f6rderbedarf<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Aussonderung von Sch\u00fcler*innen mit sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf in separate F\u00f6rderschulen oder Sonderklassen stellt eine tiefgreifende bildungs- und gesellschaftspolitische Ma\u00dfnahme dar, deren Konsequenzen sowohl auf individueller als auch auf systemischer Ebene zu betrachten sind. Zahlreiche wissenschaftliche Studien und bildungspolitische Stellungnahmen weisen darauf hin, dass segregierende Bildungsformen langfristig mit negativen Auswirkungen auf die Bildung und soziale Teilhabe der betroffenen Sch\u00fcler*innen verbunden sind (vgl. Hoffman-Lun 2016).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hoffman-Lun (2016) zeigt in ihrer Studie zu inklusionsorientierten Ganztagsschulen, dass Sch\u00fcler*innen mit sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf trotz ihrer Teilnahme am gemeinsamen Unterricht h\u00e4ufig weiterhin als \u201eF\u00f6rdersch\u00fcler*innen\u201c stigmatisiert werden. Die befragten Sch\u00fcler*innen berichten von oberfl\u00e4chlich toleranten Umgangsformen, in denen Hilfsbereitschaft durch Mitsch\u00fcler*innen eher strategisch zur Selbstdarstellung dient, anstatt die tats\u00e4chlichen Kompetenzen der betroffenen Kinder anzuerkennen. Die Autorin weist auf die Gefahr hin, dass Lehrkr\u00e4fte diese Sch\u00fcler*innen vorrangig defizitorientiert wahrnehmen und damit bestehende Ausgrenzungstendenzen im inklusiven Setting reproduzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Quelle:<br \/>\n<\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Hofmann-Lun, I. (2016). Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in inklusiven Ganztagsschulen. Ergebnisbericht. M\u00fcnchen: DJI.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Welche Informationen k\u00f6nnen helfen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der F\u00f6rderschwerpunkt Lernen bezieht sich auf umfassende, langandauernde Schwierigkeiten im Erwerb schulischer Grundkompetenzen, insbesondere in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen. Der F\u00f6rderschwerpunkt Wahrnehmung und Entwicklung umfasst hingegen komplexe Entwicklungsverz\u00f6gerungen, die sensorische, motorische oder sozial-emotionale Bereiche betreffen. (Ministerium f\u00fcr Bildung, Wissenschaft und Kultur 2021: 28ff.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Vergleich dazu liefert eine medizinische Diagnose wie Trisomie 21 nur begrenzte p\u00e4dagogisch relevante Informationen. Zwar kann sie Hinweise auf potenzielle kognitive, sprachliche oder motorische Besonderheiten geben, doch erlaubt sie keine pr\u00e4zise Aussage \u00fcber die individuellen Lernvoraussetzungen eines Auszubildenen. Vielmehr ist es notwendig, Diagnosen in einen kontextualisierten, subjektorientierten Rahmen zu stellen, der die Pers\u00f6nlichkeit, Interessen, Kompetenzen und Bed\u00fcrfnisse mit einbezieht. Aus p\u00e4dagogischer Sicht sind daher differenzierte Informationen \u00fcber die individuellen Lernvoraussetzungen zentral: Wie kommuniziert der Auszubildende? Welche Formen der Unterst\u00fctzung haben sich bew\u00e4hrt? In welchen Kontexten zeigt es besondere Lernbereitschaft oder Interessen? (Ricken 2017:190ff.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Quelle:<br \/>\n<\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Ministerium f\u00fcr Bildung, Wissenschaft und Kultur (2021). Verordnung \u00fcber die Ausgestaltung der sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderung. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/www.bildung-mv.de\/export\/sites\/bildungsserver\/.galleries\/dokumente\/schule\/FoeSoVo [Letzter Zugriff: 22.05.2025]<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Ricken, G. (2017). Kompetent sein f\u00fcr Inklusive Schulen hei\u00dft auch Diagnostizieren lernen. Hrsg.: Magdalena Gercke, M., Opalinski, S., Thonagel, T. In: Inklusive Bildung und gesellschaftliche Exklusion Wiesbaden: Springer Fachmedien<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Verwendung von Medien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Zug\u00e4nglichkeit und Anschaulichkeit von Unterrichtsmaterialien sind zentrale Voraussetzungen f\u00fcr inklusives Lernen. Durch visuelle Hilfen, vereinfachte Sprache, konkrete Anschauungsmaterialien und den Einsatz digitaler, barrierefreier Medien k\u00f6nnen unterschiedliche Lernvoraussetzungen ber\u00fccksichtigt werden. Dabei ist ein mehrkanaliger Zugang, etwa durch Kombination von Bild, Text und Handlung, besonders wirksam (Hartung-Ziehlke 2020: 39ff.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Umsetzung gelingt am besten in Kooperation mit Sonderp\u00e4dagog*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Therapeut*innen und den Eltern. Auch die Sch\u00fcler*innen selbst sollten aktiv einbezogen werden, da sie \u00fcber wichtiges Wissen zu ihren eigenen Lernbedingungen verf\u00fcgen. (Demmer &amp; Hopmann 2020: 1468)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Quelle:<br \/>\n<\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Hartung-Ziehlke, J. (2020). Inklusion durch digitale Medien in der beruflichen Bildung. Wiesbaden: Springer Fachmedien<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Demmer, C., Hopmann, B. (2020). Multiprofessionelle Kooperation in inklusiven Ganztagsschulen. Hrsg.: Petra Bollweg, P., Buchna, J., Coelen, T., Otto, H. U. In: Handbuch Ganztagsbildung. Wiesbaden: Springer Fachmedien<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Empfehlung: Podcast<\/strong><strong> Prof. Dr. Frank J. M\u00fcller &#8211; Digitalisierung und Inklusion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Interview thematisiert, wie digitale Medien inklusiven Unterricht unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, etwa durch individualisierbare, barrierearme Lernmaterialien. Prof. Dr. Frank J. M\u00fcller betont, dass digitale Werkzeuge gezielt gestaltet und kritisch reflektiert werden m\u00fcssen, um inklusiv zu wirken. Besonders wertvoll sind seine Hinweise zur Bedeutung freier Lernmaterialien (OER) und zur Medienkompetenz von Lehrkr\u00e4ften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Fazit: Eine sehenswerte Ressource f\u00fcr alle, die digitale Bildung inklusiv und professionell gestalten m\u00f6chten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 8pt\"><em>Quelle:<br \/>\n<\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt\"><em>M\u00fcller, F. J. (2020) Digitalisierung und Inklusion. Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/path2in.uni-bremen.de\/themen\/digitalisierung-und-inklusion\/ [Letzter Zugriff: 22.05.2025]<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nKonsequenzen der Aussonderung von Sch\u00fcler*innen mit F\u00f6rderbedarf Die Aussonderung von Sch\u00fcler*innen mit sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf in separate F\u00f6rderschulen oder Sonderklassen stellt&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/2025\/05\/22\/inklusion\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Inklusion&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":16214,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[7],"class_list":["post-19","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-rv07","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16214"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19\/revisions\/20"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}