{"id":14,"date":"2025-05-09T13:49:46","date_gmt":"2025-05-09T11:49:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/?p=14"},"modified":"2025-05-09T13:49:46","modified_gmt":"2025-05-09T11:49:46","slug":"mehrsprachigkeit-in-der-pflegeausbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sheidner2\/2025\/05\/09\/mehrsprachigkeit-in-der-pflegeausbildung\/","title":{"rendered":"Mehrsprachigkeit in der Pflegeausbildung"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Fallbeispiel: Gymnasium trotz nicht ausreichenden Deutschkenntnissen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Inklusion und individuelle F\u00f6rderung sind zentrale Prinzipien moderner Bildungsarbeit. Statt die Sch\u00fcler*innen aufgrund tempor\u00e4rer sprachlicher Defizite auf eine andere Schulform zu verweisen, sollte \u00fcberlegt werden, wie die Schule Rahmenbedingungen schaffen kann, um die sprachliche Bildung parallel zum Fachunterricht gezielt zu unterst\u00fctzen. Dazu z\u00e4hlen etwa sprachsensible Unterrichtsans\u00e4tze, F\u00f6rderstunden, Team-Teaching-Modelle oder zus\u00e4tzliche Sprachf\u00f6rderma\u00dfnahmen (Brungs 2018: 475f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Au\u00dferdem zeigt die Tatsache, dass die Sch\u00fcler*innen bereits soziale Kontakte aufgebaut haben und eine Bindung zur Schule empfinden, ein hohes Ma\u00df an Motivation und Integrationsbereitschaft. Ein Schulwechsel k\u00f6nnte diese positiven Entwicklungen empfindlich st\u00f6ren und kontraproduktiv wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich festhalten: Im Sinne einer chancengerechten und inklusiven Bildung sollte den Sch\u00fclerinnen der Verbleib am Gymnasium erm\u00f6glicht werden. Die Schule sollte stattdessen geeignete Ma\u00dfnahmen entwickeln, um die sprachlichen Kompetenzen im Unterricht weiter aufzubauen, anstatt die Sch\u00fclerinnen auszugrenzen. (Szymanski 2006: 209)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eigene Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der heutigen Pflegeausbildung ist deutlich zu erkennen, dass viele Auszubildende einen Migrationshintergrund haben und verschiedene sprachliche sowie kulturelle Hintergr\u00fcnde mitbringen. R\u00fcckblickend auf meine eigene Schulzeit in der Pflegeausbildung war Mehrsprachigkeit vor allem in der Weise pr\u00e4sent, dass Mitsch\u00fclerinnen mit unterschiedlichen Herkunftssprachen teilweise Schwierigkeiten hatten, sich in Gruppenarbeiten einzubringen. Besonders auff\u00e4llig war die Tendenz, dass sich in Gruppenarbeiten oft sogenannte \u201eWohlf\u00fchlgruppen\u201c bildeten. Oft arbeiteten Muttersprachlerinnen zusammen, w\u00e4hrend die anderen Mitsch\u00fcler*innen mit Migrationshintergrund Gruppen bildeten oder sich eher isoliert f\u00fchlten.Eine wichtige St\u00fctze f\u00fcr Sch\u00fcler*innen mit Deutsch als Zweitsprache war damals der speziell eingerichtete Deutschf\u00f6rderunterricht, der eine gezielte sprachliche Unterst\u00fctzung bot. Bedauerlicherweise gibt es eine solche gezielte sprachliche F\u00f6rderung im Rahmen der aktuellen generalistischen Pflegeausbildung in dieser Form nicht mehr, obwohl der Bedarf weiterhin hoch ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In meiner sp\u00e4teren T\u00e4tigkeit als Praxisanleiterin in der Pflegepraxis habe ich die Mehrsprachigkeit meiner Kolleginnen und Auszubildenden nie als Problem wahrgenommen. Im Gegenteil: Ich empfand den Austausch mit Menschen unterschiedlicher sprachlicher und kultureller Hintergr\u00fcnde als gro\u00dfe Bereicherung. Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen flossen in die Teamarbeit ein und erweiterten mein eigenes Wissen. Besonders beim sensiblen Thema der Palliativversorgung konnte ich pers\u00f6nlich viel lernen. Durch die Betreuung muslimischer Bewohnerinnen ergaben sich neue Einblicke und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr andere kulturelle und religi\u00f6se Praktiken, mit denen ich zuvor wenig Ber\u00fchrung hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zuk\u00fcnftige Unterichtsgestaltung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem Besuch dieser Vorlesung ist mir besonders bewusst geworden, wie wichtig ein bewusster, wertsch\u00e4tzender und sprachsensibler Umgang mit Mehrsprachigkeit und Heterogenit\u00e4t im Unterricht ist. In meiner zuk\u00fcnftigen Unterrichtsgestaltung m\u00f6chte ich daher besonders darauf achten, dass Sprachf\u00f6rderung nicht isoliert, sondern als integraler Bestandteil des Fachunterrichts verstanden wird. Ziel soll es sein, alle Lernenden so zu unterst\u00fctzen, dass sie sich sprachlich weiterentwickeln und gleichzeitig fachlich erfolgreich lernen k\u00f6nnen. Zuk\u00fcnftig werde ich in meiner Unterrichtsplanung darauf achten die Gruppen so aufzuteilen, dass sowohl Muttersprachler als auch Sch\u00fcler*innen mit Deutsch als Zweitsprache in Gruppen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Gestaltung der Schule in einer mehrsprachigen Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einer zunehmend mehrsprachigen und kulturell vielf\u00e4ltigen Gesellschaft muss Schule ein Ort sein, der sprachliche Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv wertsch\u00e4tzt und gezielt f\u00f6rdert. Es erfordert jedoch zun\u00e4chst bestimmte strukturelle Rahmenbedingungen um die Mehrsprachigkeit der Sch\u00fcler*innen einzubeziehen und ein registersensiblen Fachunterricht gestalten werden kann. Bildungsungleichheiten lassen sich laut Bourdieu (1983) durch ungleiche Verteilung von \u00f6konomischem, kulturellem und sozialem Kapital erkl\u00e4ren. Migrantenfamilien verf\u00fcgen oft \u00fcber weniger dieser Ressourcen, was Bildungschancen einschr\u00e4nkt. Bildungsmuster werden nicht nur durch individuelle Merkmale wie soziale Herkunft bestimmt, sondern auch durch innerschulische, systembedingte Faktoren. Das Konzept der institutionellen Diskriminierung beschreibt, wie Schulen durch gewohnte Praktiken bestimmte Gruppen benachteiligen k\u00f6nnen. Entweder direkt (bewusste Regeln) oder indirekt (scheinbar neutrale Ma\u00dfnahmen). Um Bildungsungleichheit f\u00fcr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund abzubauen, werden Ver\u00e4nderungen am Schulsystem, Qualit\u00e4tsverbesserungen und gezielte F\u00f6rderangebote (z.\u202fB. Sprachkurse, Mentoring) diskutiert. Schulsozialarbeit spielt eine zentrale Rolle: Sie soll migrationssensibel arbeiten, gleiche Bed\u00fcrfnisse anerkennen, individuelle Unterst\u00fctzung bieten (z.\u202fB. Sprachf\u00f6rderung, psychosoziale Hilfe, Elternarbeit) und Diskriminierung entgegenwirken. Dabei ist eine offene Haltung der Fachkr\u00e4fte wichtig, die Heterogenit\u00e4t als Normalit\u00e4t sieht und strukturelle Benachteiligungen aktiv bek\u00e4mpft. (Brungs 2018: 477f)<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Literaturangaben:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt\">Bourdieu, P. (1983). \u00d6konomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: R. Kreckel (Hrsg.). Soziale Ungleichheiten. G\u00f6ttingen: Schwartz.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt\">Brungs, M. (2018).\u00a0 Bildung, Schule und Schulsozialarbeit in der Migrationsgesellschaft. In: Blank, B. et al. (Hrsg.). Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft. Wiesbaden: Springer Verlag<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 8pt\">Szymanski, D.-B. (2006). Unzureichend gef\u00f6rdert? Eine Analyse der Bildungssituation und der F\u00f6rderbedingungen f\u00fcr Migrantenkinder an Frankfurter Schulen \u2013 auch aus der Perspektive von Schulleitern. In: Auernheimer, G. (Hrsg.). Schieflagen im Bildungssystem. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nFallbeispiel: Gymnasium trotz nicht ausreichenden Deutschkenntnissen? Inklusion und individuelle F\u00f6rderung sind zentrale Prinzipien moderner Bildungsarbeit. 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