{"id":7,"date":"2020-04-28T15:00:04","date_gmt":"2020-04-28T13:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/seldk\/?p=7"},"modified":"2020-05-21T02:20:29","modified_gmt":"2020-05-21T00:20:29","slug":"7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/seldk\/2020\/04\/28\/7\/","title":{"rendered":"(Welt-)Gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen, Migration und die Reaktion von Schule &#8211; ein Blick auf schulpolitische Hintergr\u00fcnde, Strukturen und Konzepte"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12pt\">1) Unter dem Begriff\u00a0,,nationale Orientierung des Bildungssystems\u201c versteht man das allgemeine, staatliche Lehr- und Bildungskonzept, welches \u00fcberwiegend national gepr\u00e4gt ist, d.h. den Sch\u00fcler*innen wird Lehrstoff, welcher unmittelbar mit den nationalen Werten, Rechten, Pflichten, Arbeitsweisen, etc. verbunden ist, vermittelt. Aus diesem Konzept resultierend, wird den Lehrer*innen beispielsweise in Deutschland die Aufgabe erteilt, den Sch\u00fcler*innen, z.B. im Fach Geschichte, die deutsch-europ\u00e4ische Geschichte, in Gesellschaft und Politik das deutsch-europ\u00e4ische Rechtssystem, in naturwissenschaftlichen F\u00e4chern, europ\u00e4ische Rechenmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse, zu lehren. Des Weiteren ist die Lehrsprache ein Aspekt des nationalen Bildungskonzepts, denn es wird, unter der Ausnahme des Fremdsprachenunterrichts und bilingualer Schulinstitute, ausschlie\u00dflich auf der Landessprache unterrichtet. Dies ist vor allem zur Vermittlung der nationalen Werte und Kultur eine Voraussetzung, auf die nicht verzichtet werden darf, da die Sprache die wichtigste Grundlage f\u00fcr die Kommunikation zwischen Menschen darstellt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Zu meiner damaligen Schulzeit habe auch ich Erfahrungen bez\u00fcglich des oben benannten Konzepts sammeln d\u00fcrfen. Das nationale Bildungskonzept war f\u00fcr mich als deutsche Sch\u00fclerin mit Migrationshintergrund ein relativ gutes, dennoch ausbaubares Bildungskonzept. Einerseits war es f\u00fcr mich wichtig, die deutsch-europ\u00e4ische Geschichte kennenzulernen, andererseits fehlte mir der Lernstoff zu beispielsweise der Geschichte des Heimatlandes meiner Eltern oder andere Kulturkreise, die mich pers\u00f6nlich interessierten. Nichtsdestotrotz denke ich, dass das rational betrachtet einfach nicht umzusetzen ist, jeden Kulturkreis in der Schule zu behandeln und, dass man sich hier nunmal auf ein Thema fokussieren muss. Aus meiner Sicht hat die Nation, in der gelehrt wird, absoluten Vorrang, alles andere muss leider freiwillig und selbst\u00e4ndig angeeignet oder an Projekttagen in der Schule erarbeitet werden. Steckt man die pers\u00f6nlichen Interessen ein bisschen zur\u00fcck und l\u00e4sst sich auf dieses Konzept ein, verhilft das jedem einzelnen Individuum enorm zur Integration und verhindert teilweise sogar Exklusion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">2)\u00a0F\u00fcr die Leitthese \u201cMigration als Herausforderung f\u00fcr die Schule\u201c muss zun\u00e4chst \u201cMigration\u201c als Begriff definiert werden. Unter Migration ist eine l\u00e4ngerfristige Ver\u00e4nderung des Lebensmittelpunktes \u00fcber eine gr\u00f6\u00dfere Entfernung oder administrative Grenze hinweg, zu verstehen. (http:\/\/www.bpb.de\/gesellschaft\/migration\/dossier-migration\/) Ableitend vom Begriff Migration, wird die anschlie\u00dfend im neuen Lebensmittelpunkt geborene Generation als jemand, mit Migrationshintergrund bezeichnet, d.h. beispielsweise, dass die Kinder der Eltern aus einem beliebigen Land \u00a0X, im neuen Lebensmittelpunkt (Land Y) geboren werden. Diese derzeitig ansteigende Migrationsbev\u00f6lkerung kann unter anderem sowohl als Bereicherung als auch als Herausforderung betrachtet werden. Herausfordernd hierbei bzgl. des Instituts Schule ist zum Beispiel die fehlende Sprache der Sch\u00fcler*innen, was zu Verst\u00e4ndnisproblemen der Lehrinhalte f\u00fchren kann. Auch interkulturelle Problemsituationen zwischen den Sch\u00fcler*innen und Lehrer*innen k\u00f6nnten durch verschiedene Auffassungen von Werten auftreten, als Beispiel das Fach Biologie mit der Thematik Sexualkunde; Sch\u00fcler*innen aus der Nah-Ost-Region haben beispielsweise aus verschiedensten Gr\u00fcnden, etwa Religion, Br\u00e4uche, Kultur, etc. \u00fcberwiegend st\u00e4rkere Ber\u00fchrungs\u00e4ngste in diesem Bereich als Sch\u00fcler*innen aus den europ\u00e4ischen Regionen. Auch Elterngespr\u00e4che k\u00f6nnten f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte herausfordernd sein, da eine Sprachbarriere vorliegen k\u00f6nnte. Wichtig ist es hier, mit Verst\u00e4ndnis entgegenzuwirken, offen zu sein und nach Alternativen zu suchen, vielleicht kann man sich f\u00fcr solche Situationen eine zus\u00e4tzliche Lehrkraft mit demselben Migrationshintergrund oder eine neutrale Person als Dolmetscher dazuholen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">In der Vorlesung erfuhr ich, erstmals von der Kulturministerkonferenz, die relativ sp\u00e4t das Recht auf Bildung f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kinder beschloss. Erst 2016 wurde beschlossen, dass gefl\u00fcchtete Kinder unabh\u00e4ngig von der Bleibeperspektive ein Recht auf Bildung haben. Diese Sondersituation k\u00f6nnte insbesondere f\u00fcr die Schulpolitik in Deutschland eine Herausforderung aufgrund des Bildungsbudgets darstellen, da viel Geld f\u00fcr Sprachkurse und spezielle, externe Lehrkr\u00e4fte zus\u00e4tzlich eingestellt werden m\u00fcssten, um die bestm\u00f6gliche Bildung zu garantieren. Durch die exponentiell wachsende Bev\u00f6lkerung, muss insbesondere die Bundesrepublik Deutschland sich aber darauf einstellen und dieses Geld fest einkalkulieren, da Sch\u00fcler*innen mit Migrationshintergrund in einigen St\u00e4dten sogar mittlerweile die Mehrheit in den deutschen Klassenr\u00e4umen darstellen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">3)\u00a0Im vorgegebenen Beispiel schildert die Sch\u00fclerin Bet\u00fcl (im Folgenden B.) die Reaktion ihrer Deutschlehrerin \u00fcber die geschriebene Klausur der Thematik Romeo und Julia. Res\u00fcmierend erz\u00e4hlt B., wie ver\u00e4rgert ihre Deutschlehrerin dar\u00fcber gewesen sei, dass die Sch\u00fclerinnen mit Migrationshintergrund von der Klausurthematik Romeo und Julia nicht r\u00fcckwirkend auf ihre vermeintlich eigene Situation geschlossen haben, dass in speziell diesem Fall, ausl\u00e4ndische M\u00e4dchen aus der t\u00fcrkischen Region angeblich nicht immer ihren Mann selber aussuchen d\u00fcrfen. Auf diese Aussage, welche auf Vorurteilen basiert, antwortete B., dass sie nicht das Gedankengut des Ursprungslandes ihrer Vorfahren mit sich tragen m\u00fcsse, ebenso wenig das deutsche Gedankengut. B. gab an, eine Art europ\u00e4isches Gedankengut mit sich zu f\u00fchren und dass sie gar nicht anders kann, als europ\u00e4isch zu denken. Inwiefern diese Situation als Ausdruck von Doing Culture durch Lehrer*innenhandeln im Unterricht herangezogen werden kann, wird im Folgenden erl\u00e4utert. Doing Culture ist ein Begriff f\u00fcr die Praxis der Kultur. Kultur ist nicht fest bestimmt, sie entwickelt sich immer weiter und nimmt auch andere Kulturen durch zugezogene Migranten an, so, dass sie sich zu einer ganz neuen Kultur verformt. Aufgrund der wachsenden Globalisierung ist dieser Begriff sowie seine angewandte Praxis ein fester Bestandteil der Kulturforscher. Zur\u00fcck zum Beispiel. Das Handeln der Lehrkraft ist hier eindeutig von Vorurteilen gepr\u00e4gt und falsch. Zu denken, weil man Wurzeln aus einem bestimmten Kulturkreis hat und automatisiert klassische Werte vertritt, ist ein vereinfachtes Schubladendenken, dass Lehrer*innen unbedingt vermeiden sollten. Der Umgang der Lehrkraft mit B. ist diskriminierend und nicht als Vorbildfunktion, welche Lehrkr\u00e4fte haben, zu vertreten. Als in Deutschland geborene Sch\u00fclerin mit Migrationshintergrund kann eine Sch\u00fclerin wie B. sowie jede*r andere Sch\u00fcler*in ein Gedankengut seiner Wahl mit sich tragen. Wichtig ist das Verst\u00e4ndnis und die Offenheit f\u00fcr andere Weltansichten und eine neutrale Position der Lehrer*innen. Bei Gestaltung derartiger Klausuren sollte nicht auf den Migrationshintergrund geachtet werden, sondern auf die Leistung der Sch\u00fcler*innen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1) Unter dem Begriff\u00a0,,nationale Orientierung des Bildungssystems\u201c versteht man das allgemeine, staatliche Lehr- und Bildungskonzept, welches \u00fcberwiegend national gepr\u00e4gt ist, d.h. den Sch\u00fcler*innen wird Lehrstoff, welcher unmittelbar mit den nationalen Werten, Rechten, Pflichten, Arbeitsweisen, etc. verbunden ist, vermittelt. 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