{"id":573,"date":"2019-04-22T11:37:11","date_gmt":"2019-04-22T09:37:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/?p=573"},"modified":"2021-03-18T13:46:34","modified_gmt":"2021-03-18T12:46:34","slug":"neurowissenschaften-irgendwas-mit-dem-gehirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/2019\/04\/22\/neurowissenschaften-irgendwas-mit-dem-gehirn\/","title":{"rendered":"Neurowissenschaften &#8212; irgendwas mit dem Gehirn?!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em>von <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/ueber-uns\/\">Elisa Brau\u00dfe<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-587 aligncenter\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2019\/04\/brain-2062048-e1556017223832.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"627\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Hast du dich je gefragt, wer du bist und was dich ausmacht? Hast du dich je gewundert, wie wir lernen und warum wir manches wieder vergessen? Oder dich gefragt, wie optische T\u00e4uschungen entstehen? Wie k\u00f6nnen Krankheiten wie Schizophrenie geheilt werden? K\u00f6nnen Tiere Sprache verstehen? Was passiert, biologisch betrachtet, wenn das Gehirn \u201carbeitet\u201d? Und wie k\u00f6nnen wir dem Gehirn beim Arbeiten zusehen? Kann man ein Gehirn nicht einfach nachbauen oder simulieren? Oder noch besser: so manipulieren, dass es noch viel mehr kann?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das alles (und noch viel mehr) sind Fragen, die die Neurowissenschaften versuchen zu beantworten. (Disclaimer: Die Antworten gibt es in diesem Artikel nicht. \ud83d\ude09) Kurz gesagt: Neurowissenschaften wollen verstehen,<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li>wie das Gehirn aufgebaut ist,<\/li>\n<li>wie es funktioniert und sich entwickelt,<\/li>\n<li>wie daraus Denken, Emotionen und Verhalten entstehen und<\/li>\n<li>was bei unterschiedlichen neurologischen Krankheiten im Gehirn schief l\u00e4uft.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">Um genau zu sein, stammt der Wortteil \u201cneur\u201d aus dem Griechischen und bedeutet \u201cdas Nervensystem betreffend\u201d, was sowohl das komplette zentrale Nervensystem (Gehirn und R\u00fcckenmark), als auch das periphere Nervensystem (das restliche Nervensystem) umfasst. In der Praxis besch\u00e4ftigen sich allerdings die meisten NeurowissenschaftlerInnen haupts\u00e4chlich mit Fragen rund um das Gehirn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieses komplexe, wabbelige Konstrukt besteht aus gesch\u00e4tzt 80 Milliarden Neuronen (Nervenzellen, die Signale weiterleiten k\u00f6nnen) und noch einmal etwa genauso vielen Gliazellen (Zellen im Nervensystem, die keine Neuronen sind). [1] Um es zu verstehen, arbeiten NeurowissenschaftlerInnen mit WissenschaftlerInnen aus einem breiten Spektrum von Disziplinen zusammen: Biologie und Psychologie, Mathematik und Informatik sowie Sprachwissenschaften (Linguistik) und einige mehr treffen hier aufeinander. Der \u00dcbergang zwischen den Neurowissenschaften und den neurowissenschaftlichen Spezialisierungen der einzelnen Disziplinen ist oft flie\u00dfend. Wenn es darum geht, ob ein Teilgebiet zu den Neurowissenschaften oder zu einer anderen Disziplin geh\u00f6rt, scheiden sich zum Teil die Geister. Ist zum Beispiel die Neurolinguistik (siehe unten) ein Teilgebiet der Neurowissenschaften? Oder doch eher der Linguistik zuzuordnen? Fakt ist lediglich, dass sich die Neurowissenschaften mit allen (oder zumindest mehreren) neurowissenschaftlichen Bereichen auseinandersetzen, w\u00e4hrend sich zum Beispiel die Linguistik nur mit neurolinguistischen Fragestellungen befasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">W\u00e4hrend die Neurowissenschaft fr\u00fcher als Spezialgebiet der Biologie angesehen wurde, sind die Neurowissenschaften heutzutage also deutlich breiter gef\u00e4chert. Aber welche Teildisziplinen der Neurowissenschaften gibt es eigentlich? Hier nur einige:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li><i>Molekulare und Zellul\u00e4re Neurowissenschaften <\/i>untersuchen Nervenzellen und wie Molek\u00fcle und Gene sich auf das Nervensystem auswirken.<\/li>\n<li>Die <i>Neurophysiologie<\/i> besch\u00e4ftigt sich mit der Funktionsweise des Nervensystems, unter anderem den Grundlagen f\u00fcr neuronale Aktivit\u00e4t.<\/li>\n<li><i>Affektive Neurowissenschaften <\/i>befassen sich mit dem Zusammenspiel von Neuronen und Emotionen, z.B.: Was passiert im Gehirn, wenn ich Angst bekomme oder <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/2019\/02\/01\/wie-ein-korken-auf-dem-wasser-stressfrei-und-schwerelos-durch-die-mittagspause\/\">gestresst <\/a>bin?<\/li>\n<li>Die Biopsychologie untersucht die neurobiologischen Grundlagen von Verhalten.<\/li>\n<li>Kognitive Neurowissenschaften erkunden die h\u00f6heren kognitiven Prozesse wie das Probleml\u00f6sen, Merken und Erinnern.<\/li>\n<li>Klinische Neurowissenschaften gehen den Krankheiten des Nervensystems (neurologischen und psychiatrischen) auf den Grund, z.B.: Wie entsteht Schizophrenie? Wie kann Parkinson geheilt werden?<\/li>\n<li>Die <i>Neurolinguistik<\/i> kl\u00e4rt Fragen rund um die Sprachverarbeitung und -produktion im Gehirn, z.B.: Ab welchem Alter kann unser Gehirn unsere Muttersprache von anderen Sprachen unterschieden?<\/li>\n<li><i>Computational Neuroscience <\/i>versucht Prozesse, die im Gehirn stattfinden, mathematisch zu modellieren und mit Computern zu simulieren, um zu verstehen, wie das Gehirn funktioniert.<\/li>\n<li>Und die Neurotechnik m\u00f6chte das Nervensystem mit Methoden aus den Ingenieurwissenschaften reparieren, Abhilfen f\u00fcr Einschr\u00e4nkungen schaffen oder das gesunde Gehirn verbessern, z.B.: Wie k\u00f6nnen Prothesen durch Nervenimpulse gesteuert werden und, wie normale Gliedma\u00dfen, Feedback ans Gehirn senden?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">Und wie untersuchen Neurowissenschaftler das alles? Um neurowissenschaftliche Fragen zu beantworten, werden Zellkulturen (z.B.: Wie entstehen Synapsen zwischen Neuronen?), Tierversuche (z.B.: Mit welchen Mitteln k\u00f6nnen Angstst\u00f6rungen \u00fcberwunden werden?), bei Humanstudien (z.B.: Wie funktioniert Aufmerksamkeit?) vor allem EEG und verschiedene Bildgebungsverfahren (z.B. die (funktionelle) Magnetresonanztomographie (f)MRT, die Unterschiede der magnetischen Eigenschaften verschiedener Gewebe ausnutzt, um mit einem Magnetfeld und Radiowellen Bilder der unterschiedlichen Strukturen des K\u00f6rpers zu erstellen), sowie mathematische Modelle (z.B. Wie k\u00f6nnen wir die Kommunikation zwischen Neuronen simulieren?) genutzt. Welche Methoden in einem neurowissenschaftlichen Experiment angewendet werden, ist letztendlich abh\u00e4ngig von der konkreten Fragestellung, die untersucht werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bleibt noch die Frage: Wozu das Ganze? Einerseits aus reiner Neugier und um hoffentlich irgendwann das Gehirn und die Vorg\u00e4nge darin genauso gut beschreiben zu k\u00f6nnen, wie die anderer Organe. Vielen geht es allerdings eher darum, das Gehirn gut genug zu verstehen, um eine ganze Liste neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen besser verstehen, effektiv behandeln und schlie\u00dflich heilen zu k\u00f6nnen. Die Liste ist lang: Schizophrenie, Depression, Epilepsie, Schlaganfall\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und zu guter Letzt auch: Um uns als Menschen besser zu verstehen. Denn dieses wabbelige Etwas in deinem Sch\u00e4del konstruiert dein ganzes Leben lang deine ganz pers\u00f6nliche Wahrnehmung von der Welt und deine Sicht auf die Welt. Und genauso geht es den anderen Menschen, mit denen du dir diese Welt teilst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Quellen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">[1] Azevedo, F. A., Carvalho, L. R., Grinberg, L. T., Farfel, J. M., Ferretti, R. E., Leite, R. E., &#8230; &amp; Herculano\u2010Houzel, S., \u201cEqual numbers of neuronal and nonneuronal cells make the human brain an isometrically scaled\u2010up primate brain,\u201d <i>Journal of Comparative Neurology<\/i>, <i>513<\/i>(5), pp. 532-541, 2009, DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/cne.21974\">10.1002\/cne.21974<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Elisa Brau\u00dfe Hast du dich je gefragt, wer du bist und was dich ausmacht? Hast du dich je gewundert, wie wir lernen und warum wir manches wieder vergessen? Oder dich gefragt, wie optische T\u00e4uschungen entstehen? Wie k\u00f6nnen Krankheiten wie Schizophrenie geheilt werden? K\u00f6nnen Tiere Sprache verstehen? Was passiert, biologisch betrachtet, wenn das Gehirn \u201carbeitet\u201d? 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