{"id":389,"date":"2018-08-08T11:49:38","date_gmt":"2018-08-08T09:49:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/?p=389"},"modified":"2019-11-05T16:20:27","modified_gmt":"2019-11-05T15:20:27","slug":"stadtbummel-mit-mathematik-oder-wie-wilhelm-olbers-den-planeten-ceres-wiederfand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/2018\/08\/08\/stadtbummel-mit-mathematik-oder-wie-wilhelm-olbers-den-planeten-ceres-wiederfand\/","title":{"rendered":"Stadtbummel mit Mathematik oder wie Wilhelm Olbers den Planeten Ceres wiederfand"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><i>von <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/ueber-uns\/\">Tanja Dieckmann<\/a><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-393 aligncenter\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/20180708_152310-copy-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"738\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/20180708_152310-copy-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/20180708_152310-copy-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/20180708_152310-copy-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/20180708_152310-copy-676x380.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 738px) 100vw, 738px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Wer denkt, Bremen hat mit der Wissenschaft der Mathematik nicht mehr zu tun als dass in der alten Handelsstadt Kaffee-S\u00e4cke gez\u00e4hlt werden, der t\u00e4uscht sich gewaltig <\/b><b>\u2013<\/b><b> das zeigt Matthias Knauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums f\u00fcr Technomathematik der Uni Bremen, bei seiner mathematischen Stadtf\u00fchrung durch Bremen.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Tats\u00e4chlich versteckt sich in Bremen an allen Ecken und Enden Mathematik und ihre Geschichte \u2013 das wird klar, wenn man sich mit Matthias Knauer durch die Stadt bewegt. An vielen Stationen sch\u00e4rft der Mathematiker unseren Blick daf\u00fcr und wei\u00df jede Menge unterhaltsame Anekdoten aus der Welt der Mathematik zu erz\u00e4hlen \u2013 und das verst\u00e4ndlich sowohl f\u00fcr Freund*innen der Mathematik als auch f\u00fcr Mathe-hab-ich-abgew\u00e4hlt-sobald-es-ging-Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir treffen uns am Sonntag Nachmittag am Roland auf dem Marktplatz. Hier erz\u00e4hlt uns Matthias, dass die Deutsche Mathematiker Vereinigung 1890 in Bremen gegr\u00fcndet wurde. Die G\u00e4steliste des damaligen Gr\u00fcndungskongresses liest sich wie das Who&#8217;s Who der Spitzenmathematiker: Georg Cantor, Felix Klein, David Hilbert, Hermann Minkowski und viele mehr waren dabei. Das alles sind gute Bekannte von Mathematik-Studierenden, die man dank der von unserem<i> <\/i>Stadtf\u00fchrer erz\u00e4hlten Trivia mal von einer anderen Seite kennen lernt. W\u00e4hrend man als Mathe-Studierender sonst mit der Minkowski-Ungleichung k\u00e4mpft, erf\u00e4hrt man hier von Minskowskis krasser Liebe zur Mathematik: Der Mathematiker hatte einen Blinddarmdurchbruch \u2013 zu damaliger Zeit ein sicheres Todesurteil \u2013 und nutze seine letzte verbleibende Nacht, um noch schnell alle Gedanken zu seinen aktuellen mathematischen Problemen aufzuschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir schlendern weiter zum Markusbrunnen. Wer hier noch nie dar\u00fcber nachgedacht hat, dass der Brunnen zehneckig ist, ist damit sicher nicht allein. F\u00fcr unseren Stadtf\u00fchrer ist das aber Anlass, uns die Verzwicktheit der Konstruktion eines Zehnecks zu zeigen \u2013 und zwar ganz bodennah mit Lineal, Bindfaden und Kreide. Dazu ermittelt er an einem Kreis mit einem Radius von einen Meter in wenigen Schritten mit Hilfe des Satzes des Pythagoras \u2013 da konnten dann alle mitrechnen \u2013 \u00a0die L\u00e4nge des l\u00e4ngeren Streckenabschnitts, der entsteht, wenn man den 1-Meter-langen Radius im Verh\u00e4ltnis des Goldenen Schnitts zerlegt. Tr\u00e4gt man auf den Kreis Punkte mit dieser L\u00e4nge als Abstand ein, dann erh\u00e4lt man genau zehn Punkte. Die Punkte m\u00fcssen nur noch verbunden werden und schon haben wir unser Zehneck! Das Ergebnis von Matthias&#8216; Bem\u00fchungen seht ihr oben im Titelbild. Besser versteht man das aber sicher, wenn man sich das live bei der mathematischen Stadtf\u00fchrung anschaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So geht es weiter an vielen Stationen durch die Stadt. Zum Beispiel erfahren wir am Olbers-Denkmal in den Wallanlagen, dass der Bremer Astronom Heinrich Wilhelm Olbers 1801 den Planeten Ceres &#8222;wiedergefunden&#8220; hat, nachdem ein italienischer Astronom, Giuseppe Piazzi, den Planeten schon entdeckt, aber wieder aus den Augen verloren hatte. Das war ihm dank der Methode der kleinsten Quadrate von Carl Friedrich Gau\u00df m\u00f6glich. Diese Methode half dabei, die elliptischen Umlaufbahnen von Planeten zu berechnen \u2013 mit Ellipsen konnten die Mathematiker und Astronomen damals ohne diese Methode nicht rechnen. Dazu werden zu einer Menge von Punkten (hier sind das die Punkte, an denen Piazzi den Planten schon mal gesehen hatte) diejenige Linie gefunden, die am n\u00e4chsten an diesen Punkten ist (das ist in diesem Fall die elliptische Umlaufbahn des Planeten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-400 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/Matthias_Knauer-110x300.jpg\" alt=\"\" width=\"146\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/Matthias_Knauer-110x300.jpg 110w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/Matthias_Knauer-768x2101.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/2018\/08\/Matthias_Knauer.jpg 1330w\" sizes=\"auto, (max-width: 146px) 100vw, 146px\" \/>Insgesamt kann man unter die F\u00fchrung ein dickes &#8222;q.e.d&#8220; schreiben: quod erat demonstrandum, denn der Beweiszweck Matthias Knauers ist voll aufgegangen: die Stadt ist voll mit Mathematik und nicht alle Mathematiker*innen sind so dr\u00f6ge unterwegs wie Karl Friedrich Bessel, ein Astronom, Mathematiker und ehemaliger Leiter der Sternwarte in Lilienthal: &#8222;Die Mathematik ist doch die angenehmste Wissenschaft; sie und die Astronomie vertreten bei mir Tanzgesellschaften, Konzerte und andere derartige Belustigungen, die ich nur dem Namen nach kenne&#8220;. Also: unbedingt die Augen offen halten nach weiteren Terminen oder direkt bei Matthias Knauer anfragen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">http:\/\/www.math.uni-bremen.de\/zetem\/o2c\/oeffentlichkeitsarbeit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Tanja Dieckmann Wer denkt, Bremen hat mit der Wissenschaft der Mathematik nicht mehr zu tun als dass in der alten Handelsstadt Kaffee-S\u00e4cke gez\u00e4hlt werden, der t\u00e4uscht sich gewaltig \u2013 das zeigt Matthias Knauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums f\u00fcr Technomathematik der Uni Bremen, bei seiner mathematischen Stadtf\u00fchrung durch Bremen.<\/p>\n","protected":false},"author":9714,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[150],"tags":[13868,569448,569449,21087,150,569444,15658],"class_list":["post-389","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mathematik","tag-bremen","tag-ceres","tag-gauss","tag-geschichte","tag-mathematik","tag-olbers","tag-stadtfuehrung","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/389","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9714"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=389"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/389\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":843,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/389\/revisions\/843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=389"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=389"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}