{"id":3307,"date":"2022-12-12T11:13:51","date_gmt":"2022-12-12T10:13:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/?p=3307"},"modified":"2023-03-02T11:30:43","modified_gmt":"2023-03-02T10:30:43","slug":"wer-wie-was-die-wissenswerte-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/2022\/12\/12\/wer-wie-was-die-wissenswerte-2022\/","title":{"rendered":"WER? WIE? WAS? &#8211; Die  Wissenswerte 2022"},"content":{"rendered":"<p><em>von Ronja Gronemeyer<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3308 alignnone\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/WissensWerte_Bremen_Logo_2022-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1458\" height=\"833\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/WissensWerte_Bremen_Logo_2022-1.jpg 1458w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/WissensWerte_Bremen_Logo_2022-1-300x171.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/WissensWerte_Bremen_Logo_2022-1-1024x585.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/WissensWerte_Bremen_Logo_2022-1-768x439.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/WissensWerte_Bremen_Logo_2022-1-676x386.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 1458px) 100vw, 1458px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Gewusst? Das wichtigste Forum f\u00fcr <a href=\"https:\/\/deutschejournalistenakademie.de\/infopool\/infoportal-wissenschaftsjournalismus\/\">Wissenschaftsjournalismus<\/a> im deutschsprachigen Raum und kommt aus Bremen: Die <a href=\"https:\/\/wissenswerte-bremen.de\/wissenswerte\/\">Wissenswerte! <\/a>Seit fast 20 Jahren diskutieren auf der Wissenswerte im Schnitt 450 Teilnehmende \u00fcber eine gute, faktenbasierte Darstellung von Wissenschaft in den Medien. Transparenz und Qualit\u00e4t statt Fake News und Hype! Wir waren im Namen des ScienceBlogs dort und berichten&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das diesj\u00e4hrige Programm strukturierte sich in die Bereiche \u2018Wissen\u2019, \u2018Daten\u2019, \u2018Medien\u2019. Zur Aufbereitung von <b>Wissen <\/b>braucht es mehr als das Verst\u00e4ndnis eines Sachverhaltes:\u00a0 Aktuelle Krisen zeigen, dass der Umgang mit <b>Daten<\/b> und Technologien zunehmend an Bedeutung gewinnt. Was sind die neuesten Erkenntnisse? Wie werden diese gewonnen und wie kann dies vermittelt werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Moderner <a href=\"http:\/\/www.mediummagazin.de\/archiv\/2012-2\/ausgabe-122012\/daten-journalismus\/\">Datenjournalismus <\/a>erm\u00f6glicht, Recherchen auf belastbaren Zahlen zu basieren. Das kann eine Unabh\u00e4ngigkeit bieten und erlaubt Aussagen [z.B. von Politiker*innen, Expert*innen und Medienquellen] zu \u00fcberpr\u00fcfen.\u00a0Die Daten m\u00fcssen dann in den verschiedenen <b>Medien<\/b> visualisiert und erl\u00e4utert werden.\u00a0Darstellende Medien befinden sich durch immer neue digitale Formate selbst im Wandel.\u00a0In allen drei Bereichen muss also best\u00e4ndig weitergelernt werden. Fazit: Wissenschaftsjournalismus ist komplex und 2022 vielleicht eine anspruchsvollere Aufgabe als je zuvor.<\/p>\n<div class=\"lyte-wrapper fourthree\" style=\"width:420px;max-width:100%;margin:5px;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_uPHi5xn_q5c\"><div id=\"lyte_uPHi5xn_q5c\" data-src=\"\/\/i.ytimg.com\/vi\/uPHi5xn_q5c\/hqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/uPHi5xn_q5c\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/uPHi5xn_q5c\/0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Vorschaubild\" width=\"420\" height=\"295\" \/><br \/>Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:420px;margin:5px;\"><\/div><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u2018Wer\u2019?, \u2018Wie\u2019?, \u2018Was\u2019?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Meine erste Begegnung mit Wissenschaft in den Medien erfolgte durch die Sesamstra\u00dfe. \u2018Wer\u2019?, \u2018Wie\u2019?, \u2018Was\u2019?, Wurde erst gefragt und dann beantwortet. Ich sa\u00df zufrieden vor dem Fernseher, konsumierte Wissen und Kr\u00fcmelkekse, lernte wie die Welt funktioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit dem Erwachsenwerden ist die Welt komplizierter geworden. Die Fragen sind \u00e4hnlich geblieben: \u2018Wer\u2019?, \u2018Wie\u2019?, \u2018Was\u2019?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Guter <a href=\"https:\/\/www.dfjv.de\/beruf\/fachressorts\/wissenschaftsjournalismus\">Wissenschaftsjournalismus<\/a> hilft beim Beantworten!\u00a0 Aus einer Vielzahl von Quellen versuche ich, mir ein Weltbild zusammen zu basteln.<\/p>\n<table style=\"width: 100%;border-collapse: collapse;border-style: groove;border-color: #f7f00f;background-color: #faf8d7\" border=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%\"><b>Wer macht eigentlich Wissenschaftsjournalismus?<\/b><\/p>\n<p><b>Wie berichtet (guter) Wissenschaftsjournalismus?<\/b><\/p>\n<p><b>Was berichtet Wissenschaftsjournalismus?<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Unser Programm<\/b> &#8211; ein kurzer Abriss der besuchten Wissenswerte Sessions, auf deren Inhalte diese Artikel sich st\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Programm beginnt mit einem Einspruch von <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-rache-des-mainstreams-an-sich-selbst\/\">Dietrich Krauss<\/a>\u00a0 (bekannt aus \u2018Die Anstalt\u2019, ZDF). Unter dem Titel \u2018<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-rache-des-mainstreams-an-sich-selbst\/\">Zum Totlachen<\/a>\u2019 thematisiert er Journalismus und Satire in einer zunehmend polarisierten \u00d6ffentlichkeit [<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-rache-des-mainstreams-an-sich-selbst\/\">Keynotes<\/a>]. \u2018Totgelacht\u2019 werden soll nat\u00fcrlich weder das Niveau, noch der Wissenschaftsjournalismus.\u00a0 Krauss grenzt dabei Kunstfreiheit klar von \u201cP\u00f6belfreiheit\u201d ab. Er betont, gute Satire m\u00fcsse das Publikum zuerst auf einen guten Wissensstand bringen, bevor \u2018Der Spa\u00df losgehen kann\u2019. Ein hoher Anspruch. Mit diesem Einstieg beginnt der Spa\u00df auf der Wissenswerten so richtig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir starten den Montagnachmittag mit einer Debatte \u2018Wie Woke sind Wissenschaftsjournalist:innen\u2019, geleitet von den Moderator*innen <a href=\"https:\/\/www.michael-stang.de\/index.php\/about-me.html\">Michael Stang<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.torial.com\/susan.schaedlich\">Susan Sch\u00e4dlich<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anschlie\u00dfend thematisiert die Diskussion \u2018Warum Frauen immer absagen\u2026 und was wir dagegen tun k\u00f6nnen&#8216;, die leider immer noch aktuelle Frage nach der Frauenquote. Moderiert wird die Diskussion von<a href=\"https:\/\/www.wissenschaftskommunikation.de\/author\/susannmorgner\/\"> Susann Morgner<\/a> [Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Agentur f\u00fcr Wissenschaftskommunikation<a href=\"https:\/\/con-gressa.de\/\"> con gressa<\/a>] und <a href=\"https:\/\/www.journalistik-dortmund.de\/institut\/beschaeftigte\/wissenschaftliche-beschaeftigte\/holger-hettwer\/\">Holger Hettwer<\/a>, dem Programmplaner der Wissenswerten.\u00a0 Am Abend f\u00e4hrt die Stra\u00dfenbahn das Publikum ins Universum Bremen, wo der Journalistenpreis <a href=\"https:\/\/www.journalistenpreis-punkt.de\/\">PUNKT<\/a> f\u00fcr herausragenden Technikjournalismus verliehen wird. Der <a href=\"https:\/\/www.journalistenpreis-punkt.de\/preistraeger-text\/\">Gewinnertext<\/a> der Rubrik &#8218;tagesaktuell&#8216; diskutiert den Streich \u2018Tesla Bot\u2019, das (unerf\u00fcllte) Versprechen eines humanoiden Roboters von Elon Musk. In der Rubrik &#8218;Hintergrund&#8216; gewinnt die\u00a0 Reportage \u2018Die Erde mit Erde retten\u2019, die \u00fcber Ans\u00e4tze eines Bauers, CO2 in B\u00f6den zu binden berichtet. Nach der Verleihung ist Zeit zum Kennenlernen, Wiedersehen, Vernetzen und Austauschen am leckeren Buffet. Ein toller Abschluss des reichhaltigen Tages!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Dienstagmorgen startete trotzdem fr\u00fch und gehaltvoll: In einem Vortrag berichtet <a href=\"https:\/\/www.journalistik-dortmund.de\/institut\/hochschullehrende\/prof-dipl-journ-christina-elmer\/\">Prof. Christina Elmer<\/a> (Expertin f\u00fcr Digital- und Datenjournalismus) \u00fcber die aktuellen Entwicklungen im Journalismus. Sie stellte die neuesten Fragestellungen und<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Projekte der TU Dortmund vor und zeichnete in einer Gedankenreise die Medienwelt der Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anschlie\u00dfend leitete Prof. <a href=\"https:\/\/www.journalistik-dortmund.de\/institut\/hochschullehrende\/prof-dipl-chem-holger-wormer\/\">Holger Wormer<\/a> (Lehrstuhl f\u00fcr Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund) die Diskussion \u2018Krise der Faktizit\u00e4t\u2019 und erkl\u00e4rte, wieso wir Wissenschaftsjournalismus neu denken m\u00fcssen. Am Nachmittag richtete <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/autoren\/S\/Stefan_Schmitt\/index.xml\">Stefan Schmitt <\/a>\u00a0(Ressort Wissen, Die Zeit) den Fokus noch einmal auf den Klima-Journalismus und fragte den Kommunikationswissenschaftler <a href=\"https:\/\/www.wiso.uni-hamburg.de\/fachbereich-sowi\/professuren\/brueggemann\/team\/brueggemann-michael.html\">Prof. Br\u00fcggemann<\/a>: \u2018Sind wir noch vor der Kurve?\u2019.\u00a0Zeitgleich diskutierte ein Deep Dive zum Thema \u2018Sex vs. Gender-wissenschaftliche Erkenntnisse\u2019 zu der Frage: &#8218;Wie viele biologische Geschlechter gibt es?&#8216; Lars Koppers vom Science Media Center erkl\u00e4rworauf es ankommt, wenn Journalist*innen mit Modellen arbeiten. Viel spannender Input, Informationen und Anregungen zum Nachdenken rund um aktuelle Themen des Wissenschaftsjournalismus! Machen wir uns auf die Suche nach dem \u2018Was\u2019, \u2018Wie\u2019 und \u2018Wer\u2019 im Wissenschaftsjournalismus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Beginnen wir mit dem &#8218;Was&#8216;: Was ist wissenswert?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Konsens: guter Wissenschaftsjournalismus basiert auf Fakten.\u00a0Leider ist die Angelegenheit mit den Fakten im Jahre 2022 nicht mehr so einfach. Dies thematisiert die Session \u2018Die Krise der Faktizit\u00e4t\u2019, moderiert von Prof. Holger Wormer [Literatur: <a href=\"https:\/\/www.wissenschaftsmanagement.de\/dateien\/dateien\/schwerpunkt\/downloaddateien\/wim_2016_05_holger_wormer_profaktisch_statt_postfaktisch.pdf\">Profaktisch statt Postfaktisch<\/a>]. Die Definition von Fakten und Wahrheiten ist komplex. Neben gesichertem, eindeutigem Wissen (Fakten), wird zwischen multiplen Fakten, unsicheren Fakten und alternativen Fakten unterschieden. Multiple Fakten bezeichnen das Nebeneinanderbestehen verschiedener wissenschaftlicher Perspektiven. So k\u00f6nnen zum Beispiel Aussagen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zueinander in Spannung stehen. Unsichere Fakten bezeichnen nicht gesichertes Wissen, Aussagen zu denen in einer wissenschaftlichen Debatte noch kein Konsens erreicht wurde. Diese unsicheren Fakten lassen sich schnell politisieren, sind jedoch keine willentlichen Falschaussagen. Davon differenziert werden alternative Fakten: Alternative Fakten dienen der gezielten Desinformation durch Pseudowissenschaften. Erschreckend viele Formen von \u2018Fakten\u2019. Um diese Fakten zu unterscheiden, braucht es einen sicheren Umgang mit Prim\u00e4rquellen und viel Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Vortrag schlie\u00dft an eine weitere Herausforderung in der Wahrheitsfindung an: Immer pr\u00e4senter werdende <b>Halbwahrheiten<\/b>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was sind Halbwahrheiten? Halbwahrheiten sind die Grundlage einer jeden Verschw\u00f6rungstheorie.\u00a0 Die Literaturwissenschaftlerin Nicola Gess beschreibt in ihrem Buch <a href=\"https:\/\/www.matthes-seitz-berlin.de\/buch\/halbwahrheiten.html\">\u2018Halbwahrheiten\u2019<\/a> diese als ein m\u00e4chtiges Instrument zur &#8218;Manipulation der Wirklichkeit\u2019 im aktuellen politischen Diskurs. Halbwahrheiten scheinen sich auf Fakten zu st\u00fctzen, verlassen aber dann die Sachebene und erg\u00e4nzen eine \u2018fiktive\u2019 Ebene (ein <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/nicola-gess-ueber-ihr-buch-halbwahrheiten-faktencheck-100.html\">Podcast<\/a> zum Thema).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Halbwahrheiten w\u00fcrden damit versuchen, die Diskussion von \u2018wahr\/unwahr\u2019 auf die Unterscheidung von \u2018glaubw\u00fcrdig\/unglaubw\u00fcrdig\u2019 zu ziehen. Wenn die zugrunde liegenden (\u00fcberpr\u00fcfbaren) Faktenwahr seienund die fiktive Erg\u00e4nzung glaubw\u00fcrdig scheinek\u00f6nntenn wir schnell in die Falle der Halbwahrheit tappen. Denn die fiktive Ebene lie\u00dfe sich, da sie den Boden der Tatsachen verl\u00e4sst, nicht widerlegen. Vorsicht sei geboten, um\u00a0 eine in sich koh\u00e4rente Aussage oder \u00dcberlegung (Halbwahrheit) von einem g\u00fcltigen Sachverhalt zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was tun nun aber (Wissenschafts)journalist*innen, um diesen Halbwahrheiten entgegenzuwirken?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/www.fiw.uni-bonn.de\/de\/abteilungen\/wissenschaftsforschung\/team\/prof-dr-david-kaldewey\/prof-dr-david-kaldewey\">David Kaldewey <\/a>\u00a0veranschaulicht dies mit einer Heizungsmetapher [<a href=\"https:\/\/rhine-ruhr-research.de\/das-thermostat-der-fakten-ein-panel-uber-die-krise-der-faktizitat\/\">ausf\u00fchrlicher Bericht<\/a>], eingeleitet durch den humorvollen Bezug zu den aktuellen Energiekosten. Er vergleicht die Wissenschaftskommunikation mit einem Heizungsregler, bei dem die Wahrheit in der Mitte auf der drei liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nehmen wir an, wir betreten unser kaltes Wohnzimmer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wer langfristig denkt und wei\u00df, wie ein <a href=\"https:\/\/www.heizung.de\/ratgeber\/thermostate.html\">Thermostat<\/a> funktioniert, schaltet den Heizungsregler auf drei. Wer sich von seinem Empfinden \u2018mir ist kalt\u2019 leiten l\u00e4sst, folgt seinem spontanen Impuls und dreht die Heizung voll auf. Nehmen wir nun an, wir kommen in eine Debatte, und merken: Die Stimmung (Temperatur) ist deutlich von der Wahrheit verschoben, die Heizung steht quasi auf eins. Beherrschen wir uns und bleiben trotzdem bei der Wahrheit? Stellen also unsere Heizung auf drei? Oder drehen wir voll auf, verschieben wir unseren Standpunkt von der Wahrheit weg, in die Gegenrichtung, um diesem Extrem schnell entgegenzuwirken?<\/p>\n<div id=\"attachment_3309\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3309\" class=\"wp-image-3309 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/thermostat-ga7ce8a287_1920-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/thermostat-ga7ce8a287_1920-300x199.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/thermostat-ga7ce8a287_1920-1024x680.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/thermostat-ga7ce8a287_1920-768x510.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/thermostat-ga7ce8a287_1920-1536x1020.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/thermostat-ga7ce8a287_1920-676x449.jpg 676w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/scienceblog\/files\/thermostat-ga7ce8a287_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-3309\" class=\"wp-caption-text\">Metapher: Wie auf einem Heizungsregler die Temperatur, l\u00e4sst sich auch der Wahrheitsgehalt einer Berichtserstattung regulieren. Die Wahrheit einer Debatte liegt in der Mitte, auf der drei. Auf Null unf f\u00fcnf liegen die zwei Extreme. Beides sind Unwahrheiten, zu verschiedenen Seiten der Wahrheit verschobene Standpunkte. Die beiden Extrempositionen unterscheiden sich oft durch ihre (poiitische) Motivation.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">David Kaldewey bezieht sich hierbei auf Nicola Gess \u2018Regelkreis der Desinformationskybernetik\u2019. Diese vergleicht den \u00f6ffentlichen Diskurs \u00fcber Wissenschaft mit einem Heizungsregler, der abwechselnd zu hoch oder zu niedrig gedreht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ziel guter Wissenschaftskommunikation sei es, ein angemessenes <b>Klima<\/b> im Raum zu erzeugen. Dabei k\u00f6nne \u2018gut gemeint\u2019 sein, die Wahrheit etwas zu verr\u00fccken, um einen \u2018gef\u00fchlten Ausgleich\u2019 zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Verteufeln beispielsweise Stimmen die Corona-Impfstoffe, besteht die Versuchung, mit Aussagen wie \u2018Der Impfstoff hat <b>keine <\/b>Nebenwirkungen\u2019 gegenzusteuern. Die Wahrheit liegt dazwischen: Jede Impfung hat Nebenwirkungen, die aber in der Regel deutlich geringer sind als die Risiken bei einer Infektion. Diese Form der Berichterstattung polarisiert und verpasst oft systematisch den Bereich, in dem wir die Wahrheit vermuten.\u00a0Konzentrieren wir uns zu sehr darauf, das gew\u00fcnschte Klima im Raum zu erreichen, vernachl\u00e4ssigen wir die tats\u00e4chlich korrekte Temperatur.[Anmerkung: Schnellstm\u00f6glich erhitzt sich der Raum, wenn wir auf f\u00fcnf stellen und dann den perfekten Zeitpunkt abpassen, herunterzuregulieren. Eine \u00f6ffentliche Debatte ist jedoch zu komplex, um sie so genau regulieren und manipulieren zu k\u00f6nnen.]<\/p>\n<table style=\"width: 100%;border-collapse: collapse;border-color: #1fb52b;background-color: #d4fab6;border-style: solid\" border=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%\"><i>&#8218;Die Frage, wieviel Engagement und Haltung in die Berichterstattung einflie\u00dfen soll, muss st\u00e4ndig neu verhandelt werden. Besonders relevant ist die Frage im Klimajournalismus, der sich immer wieder vom Aktivismus abgrenzen muss\u2019. [Holger Hettwer]\u00a0\u00a0<\/i><\/p>\n<p>Besonders bei Klimathemen ist die Intention der Autor*innen schnell mit im Spiel der Impuls, Falschaussagen durch \u00fcbersteuerte Berichterstattung und den geschickten Einsatz von Emotionen entgegenzuwirken ist verst\u00e4ndlich.\u00a0 [mehr zu:<a href=\"https:\/\/www.wissenschaftskommunikation.de\/storytelling-in-der-kommunikation-des-klimawandels-63619\/\"> Storytelling in der Klimakommunikation<\/a>].<\/p>\n<p>Passend zu der Heizungs- und (Raum)klimametapher schlie\u00dfen wir einen kurzen Diskurs an und fragen:<\/p>\n<p>Wie pr\u00e4sent sind Klimathemen eigentlich heute im Wissenschaftsjournalismus?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wiso.uni-hamburg.de\/fachbereich-sowi\/professuren\/brueggemann\/team\/brueggemann-michael.html\">Prof. Br\u00fcggemann<\/a> erkl\u00e4rt in der Session \u2018Klimajournalismus, sind wir noch vor der Kurve?\u2019, zwar sei das Publikum f\u00fcr Klimathemen <i>eigentlich <\/i>gr\u00f6\u00dfer als je zuvor, trotzdem behandelten\u00a0 in der Regel unter 5% der europ\u00e4ischen Berichterstattungen Klimawandel [<a href=\"https:\/\/icdc.cen.uni-hamburg.de\/omm\/EU.html\">Daten<\/a>].<\/p>\n<p>mehr: <a href=\"https:\/\/icdc.cen.uni-hamburg.de\/omm\/world.html\">percentage of climachange related articles online<\/a><\/p>\n<p>Statistiken zeigen: weltweit liegt der Anteil noch niedriger [<a href=\"https:\/\/icdc.cen.uni-hamburg.de\/omm\/world.html\">Daten<\/a>]. Ausschl\u00e4ge die 15% erreichen, sind in den letzten f\u00fcnf Jahren die Ausnahme gewesen. Das <a href=\"https:\/\/icdc.cen.uni-hamburg.de\/omm\/OnlineMediaMonitor_TheGuide.pdf\">Online Media Monitor<\/a> Projekt wertet t\u00e4gliche Daten zur weltweiten Online-Klimaberichterstattung aus. Dazu werden mindestens je zwei Quellen aus 18 L\u00e4ndern ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcggemanns zieht ein ern\u00fcchterndes Fazit aus dieser gro\u00dfen Datenbank: Wir sind nicht mehr vor der Kurve, wir joggen eher nebenher.<\/p>\n<p>Eines der Hauptprobleme der Klimaberichterstattung sei, dass sie selten wirklich akut, \u2018hei\u00df\u2019 und zeitkritisch sei und somit oftmals aus den Schlagzeilen verdr\u00e4ngt wird. Ausnahme bilden Extremereignisse, wie zum Beispiel die Flutkatastrophen in Deutschland.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Kommunikation ist komplex.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So gut die Absicht auch sein mag, langfristig k\u00f6nnten durch eine solche (kurzfristig sinnvoll erscheinende) <a href=\"https:\/\/www.matthes-seitz-berlin.de\/buch\/halbwahrheiten.html\">Wahrheitsregulation<\/a> unvorhergesehene Kosten entstehen. [Dies gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr das starke Hoch- und Runterdrehen einer Heizung]. Im schlimmsten Fall riskieren Medien ihre Glaubw\u00fcrdigkeit [<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/tipps\/Die-vierte-Gewalt-Precht-Welzer-Meinungsmache-der-Leitmedien,prechtwelzer100.html\">Eine aktuelle Debatte um \u2018Meinungsmache\u2019 in die Medien<\/a>].\u00a0Guter Wissenschaftsjournalismus k\u00f6nnte also bedeuten, <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-2565-3\/wahrheit-und-nuetzlichkeit\/\">Wahrheit und N\u00fctzlichkeit<\/a> in der Berichterstattung zu balancieren. Wie gelingt diese Balance? Wie achtsam, wie wach ist der Wissenschaftsjournalismus? Dieses <b>\u2018Wie\u2019<\/b> wurde in der Unterhausdebatte \u2018Wie <i>woke<\/i> ist Wissenschaftsjournalismus?\u2019 thematisiert.<\/p>\n<table style=\"height: 348px;width: 100%;border-collapse: collapse;border-style: solid;background-color: #d7dafa;border-color: #222778\" border=\"4\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 348px\">\n<td style=\"width: 100%;height: 348px\"><i><b>Was hei\u00dft eigentlich <\/b><a href=\"https:\/\/www.dwds.de\/wb\/woke\"><b>WOKE<\/b><\/a><b>?<\/b><\/i><\/p>\n<p><i>Der Ausdruck <\/i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Woke\"><i>WOKE<\/i><\/a><i> ist ein US-Slang-Wort, das wahrscheinlich von dem Englischen \u2018erwacht\/wach\u2019 stammt. Die Urspr\u00fcnge des Ausdruckes werden in den 1930er Jahren vermutet, \u2018Woke\u2019 sollte ein \u2018waches\u2019 Bewusstsein f\u00fcr soziale Ungerechtigkeit und Rassismus beschreiben [<\/i><a href=\"https:\/\/www.merriam-webster.com\/words-at-play\/woke-meaning-origin\"><i>mehr<\/i><\/a><i>]. Im Zuge der <\/i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Black_Lives_Matter\"><i>Black-Lives-Matter-Bewegung<\/i><\/a><i> verbreitete sich der Begriff weltweit, der deutsche Duden \u00fcbersetzt WOKE als\u00a0 \u201eIn hohem Ma\u00df politisch wach und engagiert gegen (insbesondere rassistische, sexistische, soziale) Diskriminierung\u201c.<\/i><\/p>\n<p><i>Zunehmend wird der Begriff von Konservativen und Rechten verwendet, um Linke Ziele sarkastisch abzuwerten. Auch von Links wird der Begriff kritisch genutzt, um \u2018scheinheiliges\u2019 Vorgehen zu kritisieren, das die eigentlichen Ursachen der Unterdr\u00fcckung au\u00dfen vor l\u00e4sst.\u00a0<\/i><\/p>\n<p><i>2022 erfolgt die positive Selbstbezeichnung als \u2018WOKE\u2019 nur noch selten, die Konnotation des Wortes hat sich stark ver\u00e4ndert.<br \/>\n<\/i><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u00a0\u2018Wie W<i>oke<\/i> ist Wissenschaftsjournalismus?\u2019 ?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie bereits diskutiert, sollte guter Wissenschaftsjournalismus aufkl\u00e4ren und erkl\u00e4ren, sowie zum Denken und Verstehen anregen. Der Ton sollte um <a href=\"https:\/\/www.wissenschaftskommunikation.de\/der-wissenschaftsjournalismus-muss-eine-kritische-distanz-wahren-23119\/\">Neutralit\u00e4t<\/a> bem\u00fcht und der Stimme des Gewissens verpflichtet bleiben. Der <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/\">Ethikrat Deutschland<\/a> hat daf\u00fcr eigens Richtlinien zu einer Vielzahl an Themen erstellt.\u00a0 Die Umsetzung ist anspruchsvoll und fordert h\u00e4ufig Kompromisse [<a href=\"https:\/\/deutschejournalistenakademie.de\/infopool\/infoportal-wissenschaftsjournalismus\/\">mehr<\/a>].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie gut gelingt sie?\u00a0Dar\u00fcber wurde in der Unterhausdebatte \u00a0 \u2018Wie W<i>oke<\/i> ist Wissenschaftsjournalismus?\u2019\u00a0<b> <\/b>gestritten.\u00a0Provokativ formulierte Aussagenforderten die Teilnehmeenden auf, sich zu\u00a0 positionieren. Die eine H\u00e4lfte der St\u00fchle stand auf der \u2018Ich stimme zu\u2019, die andere auf der \u2018ich stimme nicht zu\u2019 Seite. <i>Eigentlich <\/i>sollte der Mittelgang die beiden Lager trennen, aber je vertrackter die Fragen wurden, desto mehr sammelten sich Unentschiedene zwischen den St\u00fchlen. Wer sa\u00df, tat dies oft im inneren Zwiespalt. Umso lebhafter wurde argumentiert und im Zuge der Diskussion (wiederholt) mal die Seite gewechselt.\u00a0Beispiele waren Statements wie \u2018Journalismus kann sich Neutralit\u00e4t nicht mehr leisten&#8216;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Diskussion wurden dann typische Stolperfallen in der Berichterstattung aufgebracht. Ein Beispiel: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/wissenschaft-in-den-medien-false-balance-ist-der-groesste-100.html\">\u2018False Balances<\/a>\u2019. Hier ergab sich folgender Konsens: Das Verh\u00e4ltnis der eingeladenen oder wiedergegebenen Meinungen sollte dem Meinungsverh\u00e4ltnis in der aktuellen Wissenschaft entsprechen. Wenn drei Forschende zum Thema Klima eingeladen werden, w\u00e4re es statistisch repr\u00e4sentativ, wenn KEINER der dreien den Klimawandel leugnet. Auch die Krise der Faktizit\u00e4t und der zunehmende Druck in der Branche wurden erneut thematisiert. Wiederholt wurde gewarnt, dass mangelnde Neutralit\u00e4t und der Versuch, Vorgaben zu machen, genau\u00a0 das Gegenteil erreichen k\u00f6nnten. Meine abschlie\u00dfende Wortmeldung dazu: <em>Entscheidend sei, wie wir Neutralit\u00e4t definieren. Bereits die Auswahl der Fakten unterliegt dem Bias des Autors [<a href=\"https:\/\/www.message-online.com\/warum-langsames-denken-bei-der-recherche-hilft\/\">mehr<\/a>]. Zu 100% neutral kann eine Berichterstattung daher niemals sein.\u00a0Trotzdem sollte guter Wissenschaftsjournalismus informieren und nicht manipulieren.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ebenfalls gestritten wurde um die Aussage \u2018Viele Medien sind Vollzugsorgane ihrer eigenen Meinungsmache\u2019, ein Zitat aus Precht und Welzers &#8222;<a href=\"https:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/richard-david-precht-harald-welzer-die-vierte-gewalt-wie-mehrheitsmeinung-gemacht-wird-auch-wenn-sie-keine-ist-9783103975079?utm_source=google&amp;utm_medium=paid.search&amp;utm_campaign=SFI_PrechtWelzer_Gewalt_RgSb_Google&amp;utm_content=responsiv&amp;gclid=Cj0KCQiA4OybBhCzARIsAIcfn9lldaG7hQbFctxfbvr0PHh-u4EhVdBJ3hG1Gj3_h4aTgPC73VBn390aAsADEALw_wcB\">Die vierte Gewal<\/a>t&#8220;. Das Buch kritisiert die Massenmedien scharf und hat diesen Herbst zu vielen kontroversen Debatten gef\u00fchrt. Hier wurde betont, es g\u00e4be durchaus noch Publikum f\u00fcr gut recherchierte, sachliche Reportagen. Trotzdem w\u00fcrden zugespitzte Formate oft ein wenig besser laufen. Zum Beispiel h\u00e4tte das \u2018frechere\u2019 Format <a href=\"https:\/\/www.quarks.de\/science-cops\/\">Science Cops<\/a> ein etwas gr\u00f6\u00dferes Publikum als die sachlicheren Formate von <a href=\"https:\/\/www.quarks.de\/\">Quarks<\/a>. Nach dem Motto: \u2018Informieren ist sch\u00f6n, zus\u00e4tzlich unterhalten ist besser\u2019 [<a href=\"https:\/\/deutschejournalistenakademie.de\/infopool\/infoportal-wissenschaftsjournalismus\/\">Quelle<\/a>]. Sowohl Unterhaltungswert als auch Neuigkeitswert entscheiden also ma\u00dfgeblich \u00fcber die erzielte Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein Gro\u00dfteil dieser Aufmerksamkeit (f\u00fcr online Artikel) kommt heute \u00fcber Social Media Plattformen. So ist es auch bei unserem ScienceBlog. \ud83d\ude09 Die Algorithmen von Social Media Plattformen bevorzugen polarisierende Inhalte [<a href=\"https:\/\/centerforbrainhealth.org\/article\/social-media-is-changing-our-brains\">Quellen<\/a>], Beitr\u00e4ge, die viel Aktivit\u00e4t erzeugen. Dadurch erh\u00f6ht sich die Aufmerksamkeit f\u00fcr extreme Positionen in der Gesellschaft. Die Social media Algoritmen beeinflussen heute also \u2018Was\u2019 geklickt und dann gelesen wird [<a href=\"https:\/\/centerforbrainhealth.org\/article\/social-media-is-changing-our-brains\">mehr<\/a>]. Der Sensationswert kann schnell die Themenwahl in der Berichterstattung bestimmen [<a href=\"https:\/\/deutschejournalistenakademie.de\/infopool\/infoportal-wissenschaftsjournalismus\/\">mehr<\/a>].\u00a0 Wie werden sich diese Algorithmen zuk\u00fcnftig entwickeln? Und welche neuen Formate werden den Journalismus ver\u00e4ndern?<\/p>\n<table style=\"border-style: solid;border-color: #f7ab07;background-color: #faedd4\" border=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ein paar Zahlen zu der Verbreitung von <strong>Social Media<\/strong>: Weltweit hat die Anzahl an Social Media Usern in 2022 um gute 10% zugenom<\/p>\n<p>men, auf nun 4.62 Milliarden Menschen (<a href=\"https:\/\/trends.hootsuite.com\/resources\/digital-trends\">Digital Report 2022<\/a>). In Westeuropa nutzen 84% der Bev\u00f6lkerung Social Media und Deutsche verbringen im Schnitt etwa 1.5h t\u00e4glich auf den Plattformen [<a href=\"https:\/\/www.slideshare.net\/DataReportal\/digital-2022-germany-february-2022-v02\">Quelle<\/a>]. Social Media ist damit in der Breite der Bev\u00f6lkerung angekommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Transformation des Journalismus<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Journalismus muss sich zunehmend fragen, wie er heutige und zuk\u00fcnftige Generationen erreichen kann. Zu trocken, zu langweilig, zu Schulbuch? Die <a href=\"https:\/\/simon-schnetzer.com\/generation-alpha\/\">Generation Alpha<\/a> will unterhalten werden. In 15 Jahren k\u00f6nnte die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne f\u00fcr lange, aufw\u00e4ndig recherchierte, gut dokumentierte Artikel einfach zu kurz geworden sein. Prof. Christina Elmer aus Dortmund besch\u00e4ftigt sich mit dieser Problematik. Ihr an der TU Dortmund angesiedeltes Institut f\u00fcr Journalistik bildet seit Jahren zuk\u00fcnftige (Wissenschafts-)journalist*innen aus und forscht zur Entwicklung des Journalismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einer Gedankenreise l\u00e4sst Prof. Elmer die Teilnehmer*innen \u00fcber ein m\u00f6gliches Zukunftsszenario zum Medienkonsum nachdenken. In der folgenden Diskussion werden viele Fragen aufgeworfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><i>Bereichern Gaming-Erlebnisse, bei denen junge Menschen vollkommen in die digitale Welt des Spiels eintauchen, die Medienwelt? <\/i><i>Wie viel Zeit und Aufmerksamkeitsspanne werden \u00fcberhaupt noch den Printme<\/i><i>dien gewidmet? Soviel ist gewiss: Klassisches Storytelling wird f\u00fcr die kommenden Generationen wohl nicht mehr an erster Stelle stehen. <\/i><i>Vielleicht existiert stattdessen eine digitale Informationsarchitektur, die Nachrichten individuell auf die Nutzenden zuschneidet?\u00a0<\/i><i>Dazu stellen sich dann einige organisatorische und rechtliche Fragen. Zum Beispiel: <\/i><i>Gewinnen digitale Gro\u00dfkonzerne die Marktmacht \u00fcber die Medienwelt, indem sie Inhalte (exklusiv) einkaufen?\u00a0<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir wissen es nicht, vielleicht werden wir es aber noch erleben. [Mehr zu <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/321097772_Perspektiven_der_Wissenschaftskommunikation_im_digitalen_Zeitalter\">Perspektiven der Wissenschaftskommunikation<\/a> im digitalen Zeitalter] Denn eine Transformation der journalistischen Inhalte wird gefordert, und das (wie immer) m\u00f6glichst schnell.\u00a0 Zeitdruck geh\u00f6rt im Journalismus zum Alltagsgesch\u00e4ft [<a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000110138348\/zunehmender-zeitdruck-erschwert-laut-studie-72-prozent-der-journalisten-die\">Aktualit\u00e4t oder Qualit\u00e4t?<\/a>]. Die zunehmende Informationsflut, Komplexit\u00e4t der Sachverhalte und aufw\u00e4ndige Aufbereitung f\u00fcr die verschiedenen Medienformate fordern zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten im Wissenschaftsjournalismus [<a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000110138348\/zunehmender-zeitdruck-erschwert-laut-studie-72-prozent-der-journalisten-die\">Zunehmender Zeitdruck<\/a>]. Die Gratwanderung zwischen Verst\u00e4ndlichkeit und fachlicher Korrektheit braucht viel Achtsamkeit und Sorgfalt. Gute Recherche kostet Zeit\u00a0 [<a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/trainingshandbuch-recherche.pdf\">mehr zu (guter) Recherche <\/a>]. Beim Versuch, sich zu beeilen, k\u00f6nnte es schnell zum Straucheln kommen. Zus\u00e4tzlich erschwert der eigene Bias eine objektive Berichterstattung. Bei der Masse an Informationen, die uns jeden Tag erreichen, sind derartige Filter und Schemata alternativlos. Auch Algorithmen unterliegen einem Bias, moderne Technik kann unterst\u00fctzen, l\u00f6st das Problem aber nicht [<a href=\"https:\/\/nissenbaum.tech.cornell.edu\/papers\/biasincomputers.pdf\">Bias in Computersystemen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/d41586-018-05469-3\">Versuch fairer Algorithmen<\/a>]. Stress verengt unser Blickfeld zus\u00e4tzlich [<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/mit-der-richtigen-atmung-und-weitem-blick-stress-abbauen\/1813064\">mehr<\/a>].\u00a0\u00a0Was hilft? \u2018Den Blick zu weiten und zu differenzieren\u2019, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/www.message-online.com\/warum-langsames-denken-bei-der-recherche-hilft\/\">Christine Elmer<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ideal w\u00e4re Zeit f\u00fcr Entschleunigung. Ruhe, um Hintergr\u00fcnde zu recherchieren und Fakten zu checken. Zeit, die (politische) Gesamtsituation zu betrachten und \u2018den Heizungsregler\u2019 zu justieren. Die Gelegenheit, sich des eigenen Bias bewusst zu werden und ihn kritisch zu hinterfragen. Kapazit\u00e4ten, die\u00a0 \u2018Wokeness\u2019 des verfassten Beitrages im Blick zu halten, um hochwertigen Journalismus und damit das Vertrauen in die Medien zu st\u00e4rken. Zeit f\u00fcr einen Kaffee, um sich auszutauschen und neue Perspektiven zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch\u00a0 Zeit ist f\u00fcr die Menschen im Wissenschaftsjournalismus eine knappe Ressource. Unser Folgeartikel widmet sich der Frage, wer diese Menschen im Wissenschaftsjournalismus sind und res\u00fcmiert das \u2018Was, Wie, Wer\u2019 in einem pers\u00f6nlichen Fazit der Redaktion. Achtung, Meinung!<\/p>\n<p><b>Weitere Eindr\u00fccke der Wissenswerten:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/wissenswerte20\"><b>https:\/\/twitter.com\/wissenswerte20<\/b><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Interessierte, zum Weiterh\u00f6ren und Nachlesen:<\/p>\n<p><b>Podcast:<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.quarks.de\/podcast\/science-cops-folge-43-science-academy\/\">Wie pr\u00fcfe ich wissenschaftliche Studien?<\/a><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p><b>Kompakt zusammengefasst: Wissenschaftsjournalismus<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/deutschejournalistenakademie.de\/infopool\/infoportal-wissenschaftsjournalismus\/\"><b>https:\/\/deutschejournalistenakademie.de\/infopool\/infoportal-wissenschaftsjournalismus\/<\/b><\/a><\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlichere Definition von Wissenschaftsjournalismus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.grin.com\/document\/49468\">https:\/\/www.grin.com\/document\/49468<\/a><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p><b>Wie geht eine gute Recherche?<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.message-online.com\/warum-langsames-denken-bei-der-recherche-hilft\/\">https:\/\/www.message-online.com\/warum-langsames-denken-bei-der-recherche-hilft\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/trainingshandbuch-recherche.pdf\">https:\/\/netzwerkrecherche.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/trainingshandbuch-recherche.pdf<\/a><i><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Mehr zur institutionellen Wissenschaftskommunikation<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaftsmanagement.de\/dateien\/dateien\/schwerpunkt\/downloaddateien\/wim_2016_05_holger_wormer_profaktisch_statt_postfaktisch.pdf\">https:\/\/www.wissenschaftsmanagement.de\/dateien\/dateien\/schwerpunkt\/downloaddateien\/wim_2016_05_holger_wormer_profaktisch_statt_postfaktisch.pdf<\/a><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p><b>Mehr zur Transformation des Wissenschaftsjournalismus\u00a0<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.faz.net\/planckton\/2014\/09\/19\/wissenschaftsjournalismus-als-herausforderung-1094\/\">https:\/\/blogs.faz.net\/planckton\/2014\/09\/19\/wissenschaftsjournalismus-als-herausforderung-1094\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/merton-magazin.de\/superkuehe-und-enttarnte-geheimdienstler?tags=Wissenschaftsjournalismus\">https:\/\/merton-magazin.de\/superkuehe-und-enttarnte-geheimdienstler?tags=Wissenschaftsjournalismus<\/a><\/p>\n<p><b>Verantwortung der Medien:<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Tj1edo9Rl3s\"><i><span data-rich-links=\"{&quot;fple-t&quot;:&quot;Journalismus in Krisenzeiten - Die Verantwortung der Medien&quot;,&quot;fple-u&quot;:&quot;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Tj1edo9Rl3s&quot;,&quot;fple-mt&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;first-party-link&quot;}\">Journalismus in Krisenzeiten &#8211; Die Verantwortung der Medien<\/span><\/i><\/a><\/p>\n<p>Trotz aller Schwierigkeiten: immer wieder gelingt die Balance zwischen Wissenschaft und Journalismus gro\u00dfartig! Inspirierende Beispiele:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mediummagazin.de\/was-im-journalismus-jetzt-wirklich-wichtig-ist\/\">https:\/\/www.mediummagazin.de\/was-im-journalismus-jetzt-wirklich-wichtig-ist\/<\/a><\/p>\n<p>auch spannend: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/medien\/zuruck-zu-fakten-und-erkenntnis-4228864.html\"><b>Die Idee der B\u00fcrger-wissenschaftlichen Forschung<\/b><\/a><\/p>\n<p>Wir freuen uns \u00fcber eure Kommentare und Anmerkungen! Wie denkt ihr \u00fcber Wissenschaftskommunikation?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/Bild von &lt;a href=&quot;https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/ri-138286\/?utm_source=link-attribution&amp;amp;utm_medium=referral&amp;amp;utm_campaign=image&amp;amp;utm_content=250556&quot;&gt;ri&lt;\/a&gt; auf &lt;a href=&quot;https:\/\/pixabay.com\/de\/\/?utm_source=link-attribution&amp;amp;utm_medium=referral&amp;amp;utm_campaign=image&amp;amp;utm_content=250556&quot;&gt;Pixabay&lt;\/a&gt;\">Bild Heizungsregler: Pixarbay<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ronja Gronemeyer Gewusst? Das wichtigste Forum f\u00fcr Wissenschaftsjournalismus im deutschsprachigen Raum und kommt aus Bremen: Die Wissenswerte! Seit fast 20 Jahren diskutieren auf der Wissenswerte im Schnitt 450 Teilnehmende \u00fcber eine gute, faktenbasierte Darstellung von Wissenschaft in den Medien. Transparenz und Qualit\u00e4t statt Fake News und Hype! 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