{"id":20,"date":"2025-06-24T13:54:01","date_gmt":"2025-06-24T11:54:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/schilling\/?p=20"},"modified":"2025-06-24T14:04:09","modified_gmt":"2025-06-24T12:04:09","slug":"rv04-darf-ich-als-lehrerin-meine-meinung-sagen-politische-und-weltanschauliche-positionierungen-in-der-migrationsgesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/schilling\/2025\/06\/24\/rv04-darf-ich-als-lehrerin-meine-meinung-sagen-politische-und-weltanschauliche-positionierungen-in-der-migrationsgesellschaft\/","title":{"rendered":"RV04\/\/Darf ich als Lehrer*in meine Meinung sagen? \u2013 Politische und weltanschauliche Positionierungen in der Migrationsgesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>1.<\/p>\n<p>Die Idee, dass der Beutelsbacher Konsens mit einem sogenannten \u201eNeutralit\u00e4tsgebot\u201c gleichzusetzen ist, ist ein weit verbreitete Fehlinterpretation. (Gessner et al. 2016, S. 31) Anders als auch von der AfD angenommen sind vor allem Lehrer\/-innen inh\u00e4rent politische Figuren und als Beamten zur Freiheitlichen Demokratischen Grundordnung verpflichtet und somit nicht vor allem politisch nicht neutral. Gessner (et al. 2016) erkl\u00e4ren dazu zu jedem der drei verschiedenen Prinzipien auch das dazugeh\u00f6rige Missverst\u00e4ndnis. Erstens das \u00dcberw\u00e4ltigungsverbot, damit ist gemeint, dass es Lehrer\/-innen Autorit\u00e4tsfigur nicht gestattet ist ihre Sch\u00fcler\/-innen an der Formung eines selbst\u00e4ndigen politischen Urteils zu hindern und sie zu \u201eindoktrinieren\u201c. Jedoch bedeutet das Prinzip nicht, dass ein vollkommener Verzicht auf Positionierung eingehalten werden soll. Dies w\u00fcrde eine ungewollte \u201epolitischen Lethargie\u201c (Gessner et al. 2016, S. 31) bedeuten.<\/p>\n<p>Zweitens besteht das \u201eKontroversit\u00e4tsgebot\u201c (Gessner et al. 2016: 31), dieses besagt, dass es die Kontroversen der politischen Debatten auch im Unterricht aufgegriffen werden und sie sollten auch in ihrer Traghaftigkeit vermittelt werden. So sollten auch sehr verschiedene Meinungen und Denkmuster im Unterricht aufgegriffen werden, um den Sch\u00fcler\/-innen ein ausgeglichenes und realistisches Bild auf die politische Situation zu vermitteln. Damit ist die pers\u00f6nliche Meinung des Lehrenden auch offen gestellt, jedoch soll sie lediglich eine Meinung unter vielen darstellen (Wehling 1977, S. 179f.).<\/p>\n<p>Diese zwei Prinzipien resultieren dann im dritten Prinzip, dass die politische Handlungsf\u00e4higkeit der Sch\u00fcler\/-innen fokussiert. Das Ziel dieses Prinzips ist die politische Bildung, aber vor allem Meinungsbildung, mithilfe welcher die autonome Bew\u00e4ltigung politischer Fragen und Situationen erm\u00f6glicht werden soll. (Gessner et al. 2016, S. 32f.) (Wehling 1977, S. 179f.).<\/p>\n<p>2. Bertelsbacher Kompass im Unterricht<\/p>\n<p>Insbesondere im Politik Unterricht ist der Bertelsbacher Kompass relevant auch vor allem bei Themen wie Populismus, Radikalismus und Extremismus. Hierbei ist zwar zu beachten, dass keine Indoktrination durch den Lehrenden stattfindet und vor allem dass Sch\u00fcler\/-innen auch nicht die Schilderungen des Lehrers gegen demokratiefeindliche Ausrichtungen als moralische Belehrung erfahren oder angegriffen in ihren eigenen Meinungen (Hinz et al. 2023: 35ff.). Trotzdem sollten vor allem extremistische Meinungen immer mit Kontext bestattet werden und ihre problematische und demokratiefeindliche Natur erl\u00e4utert (Bobbio 1992). Somit sollten diese Meinungen trotzdem erl\u00e4utert werden, da das Wissen \u00fcber sie in der politischen Bildung und bei zuk\u00fcnftigen Debatten sehr wichtig ist. So sollten eben diese Kontroversen, zum Beispiel die AfD und die Debatte um die Migrationspolitik behandelt werden, da vor allem diese Themen von gro\u00dfer gesellschaftlicher Relevanz sind (Beck 2019). Somit wird auch das Urteilsverm\u00f6gen der Sch\u00fcler\/-innen gest\u00e4rkt und sie werden f\u00fcr ein Leben als politische B\u00fcrger\/-innen vorbereitet.<\/p>\n<p>3. Verschw\u00f6rungstheorien<\/p>\n<p>1)<\/p>\n<p>Wie kann man bei der Vielzahl von kruden Verschw\u00f6rungstheorien, die existieren, auf dem Laufenden bleiben und damit Ansatzpunkte f\u00fcr Gegenargumente entwickeln?<\/p>\n<p>Allgemein ist es in keinem realistischen Ma\u00df f\u00fcr einen Lehrenden jede Verschw\u00f6rungstheorie inhaltlich zu kennen und jederzeit argumentationsf\u00e4hig bereit zu sein. Eher sollte der Fokus aller Lehrer\/-innen sein die bestimmten Muster von Verschw\u00f6rungstheorien zu kennen und die der Gegenargumente. Dabei zu nennen w\u00e4ren kritische Nachfragen, wie ob denn jemand von so einer Verschw\u00f6rung profitiert und ob diese \u00fcberhaupt realistisch ist oder wie seri\u00f6s die Quellen sind. Dazu eignen sich, auch pr\u00e4ventiv, Unterrichtsstunden zu korrekter und kritischer Recherche vor allem f\u00fcr die im Internet. (Geffken et al. 2006)<\/p>\n<p>2)<\/p>\n<p>Lassen sich Verschw\u00f6rungstheorien durch sachliche Argumente, \u00fcberhaupt infrage stellen?<\/p>\n<p>Zwar stimmt es, dass Gegenargumente h\u00e4ufig als weiterer Beweis der Verschw\u00f6rung oder Verschleierung der angeblichen Wahrheit k\u00f6nnen. Jedoch sollte, wie auch bei allen Sch\u00fcler\/-innen, dass diese auch von Gegenmeinungen oder alternativen Erkl\u00e4rungsans\u00e4tzen erfahren, um eine einseitige Informationsbeschaffung zu verhindern.<\/p>\n<p>3)<\/p>\n<p>Wie sieht ein angemessener Umgang mit Verschw\u00f6rungstheorien aus?<\/p>\n<p>Ein angemessener Umgang mit Verschw\u00f6rungstheorien von Lehrern kann vor allem mit Respekt und Geduld erfolgreich sein. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass sie belehrt wird. Stattdessen sollte lieber versucht werden respektvoll und auf Augenh\u00f6he faktenbasierte Argumente zu finden. Au\u00dferdem k\u00f6nnte versucht werden die Verschw\u00f6rungstheorie weiter zu recherchieren, jedoch nicht selbst\u00e4ndig als Lehrende, sondern als gesamte Klasse. Vor allem sollten stets pr\u00e4ventiv bestimmte demokratief\u00f6rdernde Werte mitgegeben werden um auch die kritische Reflexion der Sch\u00fcler\/-innen zu f\u00f6rdern, damit sie vor angeblichen Verschw\u00f6rungen kritisch bevorstehen, jedoch tats\u00e4chliche Missst\u00e4nde nicht f\u00e4lschlicherweise au\u00dfer Acht lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur<\/p>\n<p>Amadeu Antonio Stiftung. (2021, April 28). <em>Umgang mit Verschw\u00f6rungsideologien im Unterricht und in der Schule \u2013 Amadeu Antonio Stiftung<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/publikationen\/umgang-mit-verschwoerungsideologien-im-unterricht-und-in-der-schule\/\">https:\/\/www.amadeu-antonio-stiftung.de\/publikationen\/umgang-mit-verschwoerungsideologien-im-unterricht-und-in-der-schule\/<\/a><\/p>\n<p>Beck, Verena. <em>Politische PR im postfaktischen Zeitalter: die Asyl-und Migrationsdebatte<\/em>. Diss. 2019.<\/p>\n<p>Bobbio, Noberto (1994): Rechts und Links. Moshe Kahn (Hg.) Berlin: Klaus Wagenbach Verlag 2021.<\/p>\n<p>Geffken, L., Ittner, M., K\u00fcnne, M., &amp; Winkler, B. (2020b). <em>Umgang mit Verschw\u00f6rungsideologien im Unterricht und in der Schule<\/em>. Digitale Landesbibliothek Berlin. https:\/\/digital.zlb.de\/viewer\/fulltext\/34669123\/1\/?utm_#customTitleCollapse<\/p>\n<p>Gessner, Rebekka; Hoffmann, Kora; Lotz, Mathias; Wohning, Alexander (2016): Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens? Bericht \u00fcber eine Fachtagung. In: Benedikt Widmaier und Peter Zorn (Hg.): Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens? Eine Debatte der politischen Bildung. Frankfurt a.M.: bpb, S. 28-36.<\/p>\n<p>Hinz, Andreas; Jahr, David; Kruschel, Robert. Inklusive Bildung und Rechtspopulismus. Grundlagen, Analysen und Handlungsm\u00f6glichkeiten. Weinheim; Basel: Beltz Juventa 2023.<\/p>\n<p>Wehling, Hans-Georg (1977): Konsens \u00e0 la Beutelsbach? Nachlese zu einem Expertengespr\u00e4ch. In: Siegfried Schiele und Herbert Schneider (Hg.): Das Konsensproblem in der politischen Bildung. Stuttgart, S. 173-184.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Die Idee, dass der Beutelsbacher Konsens mit einem sogenannten \u201eNeutralit\u00e4tsgebot\u201c gleichzusetzen ist, ist ein weit verbreitete Fehlinterpretation. (Gessner et al. 2016, S. 31) Anders als auch von der AfD angenommen sind vor allem Lehrer\/-innen inh\u00e4rent politische Figuren und als Beamten zur Freiheitlichen Demokratischen Grundordnung verpflichtet und somit nicht vor allem politisch nicht neutral. 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