{"id":14,"date":"2025-05-29T15:34:33","date_gmt":"2025-05-29T13:34:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/schilling\/?p=14"},"modified":"2025-06-24T13:55:04","modified_gmt":"2025-06-24T11:55:04","slug":"blog-die-kognitiven-dimensionen-von-lernerfolg-intelligenz-vs-vorwissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/schilling\/2025\/05\/29\/blog-die-kognitiven-dimensionen-von-lernerfolg-intelligenz-vs-vorwissen\/","title":{"rendered":"Blog: Die kognitiven Dimensionen von Lernerfolg: Intelligenz vs. Vorwissen"},"content":{"rendered":"<p>1)<\/p>\n<p>Intelligenz und Vorwissen haben ein allgemein ein geteiltes Verh\u00e4ltnis f\u00fcr das erfolgreiche Lernen. Die Wirkung einer vergleichsweise hohen Intelligenz kann somit beim Lernen hilfreich sein, da sie die Probleml\u00f6sungsf\u00e4higkeiten bereichert vor allem im Umgang mit neuen Situationen. Jedoch wird auch das Lernen durch Intelligenz durch eine bessere Informationsverarbeitung positiv beeinflusst. Au\u00dferdem ist ein Intelligenztest allgemein ein erfolgreiches Vorhersageinstrument f\u00fcr Schulerfolg (Deary et al., 2007). Jedoch stellt sich die Frage, ob dies aufgrund einer Korrelation auftritt oder ob tats\u00e4chlich eine signifikante Kausalit\u00e4t zwischen Intelligenz und Lernerfolg existiert.<\/p>\n<p>In dieser Frage wird vor allem der Effekt von Vorwissen relevant da dieser der zweite m\u00f6gliche Effekt f\u00fcr erfolgreiches Lernen sein k\u00f6nnte. Dies liegt daran, da Vorwissen eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr neues Lernen ist und f\u00fcr die allgemeine Verarbeitung neuer Informationen. Dabei unterst\u00fctzt das Vorwissen vor allem in einem Prozess, den man mit einem Sieb vergleichen k\u00f6nnte. Je nach Kriterien, die nach dem Vorwissen gew\u00e4hlt werden, wird neue Information entweder selektiert oder integriert in die Anzahl an bereits bestehendes Wissen. Somit besteht ein Lernvorteil durch die Ankn\u00fcpfung an bestehendes Vorwissen. Beim Zusammenspiel von Intelligenz und Vorwissen entsteht die maximale Lernleistung, denn eine blo\u00dfe pr\u00e4disponierte Intelligenz ersetzt nicht die Notwendigkeit des Vorwissens f\u00fcr ein erfolgreiches Lernen (Schneider et al., 1989).<\/p>\n<p>Dieses Wissen besteht vor allem durch empirische Studien an Kindern, um in Vergleichen mit Gruppen herauszufinden, welche Faktoren, welche Effekte haben. Beispielshaft zu nennen ist auch die in der Vorlesung genannte Studie bei derer Kinder mit der Abfrage einer fiktiven Fu\u00dfballgeschichte getestet wurden. Es wurde beobachtet eben, dass beobachtet, dass eine reine Intelligenz bei kaum bestehendem Vorwissen kaum Vorteil bedeutet und auch alleiniges Vorwissen eher einen Lernerfolg verspricht, aber vor allem ein Zusammenspiel beider Komponenten zu dem h\u00f6chsten m\u00f6glichen Erfolg f\u00fchrt. Au\u00dferdem konnte ein Zusammenspiel von Schulbesuch und einem erh\u00f6hten IQ beobachtet werden (Rost, Wild 1995)<\/p>\n<p>Die Implikationen f\u00fcr das Schulsystem k\u00f6nnten sein, dass es eine st\u00e4rkere Fokussierung auf einen systematischen Wissensaufbau notwendig ist, um zu garantieren, dass jedes Kind das notwendige Vorwissen besitzt und seine F\u00e4higkeiten zu ihrem vollen Potenzial nutzt. Au\u00dferdem ist es als lehrende Person wichtig ein Vorwissen \u00fcber das Vorwissen der eigenen Sch\u00fcler:innen zu besitzen, um eine sinnvolle Planung des Unterrichts vorzunehmen. Dabei ist eine Differenzierung zwischen Sch\u00fcler:innen durchaus notwendig, da durch den sogenannten Matth\u00e4us-Effekt bei einer egalit\u00e4ren Behandlung sonst die Gefahr besteht Ungleichheiten und somit Ungerechtigkeiten weiterzutragen. Zuletzt l\u00e4sst sich der Befund best\u00e4tigen, dass diese Ma\u00dfnahmen Wichtigkeit besitzen aufgrund des Einflusses von Schule, da Vorwissen einen derart prim\u00e4ren Einfluss auf den Erfolg eines Lernenden hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2)<\/p>\n<p>\u00dcberraschend war f\u00fcr mich vor allem der Befund, dass eher das Vorwissen eine Voraussetzung f\u00fcr den Lernerfolg als die eigentliche Intelligenz des Lernenden. Diese Annahme basiert vor allem darauf, dass es \u00fcblich ist bei Kindern, welche einen eher schlechten Lernerfolg vorweisen auf eine mangelnde Denkkapazit\u00e4t hinzuweisen oder profaner gesagt sie als \u201edumm\u201c abzustempeln. Au\u00dferdem eher kritisch sehe ich den Befund, dass ein sogenannter offener Unterricht nur unter bestimmten Voraussetzungen positiv wirken kann und durch eine zu weitreichende und lange Erkl\u00e4rung eher Fortgeschrittenen schaden kann. Dies w\u00fcrde bedeuten, dass ein falsch gef\u00fchrter inklusiver Unterricht durch aus auch negativen Erfolgen bedeuten k\u00f6nnte, vor allem f\u00fcr Sch\u00fcler:innen deren Rolle als Unterst\u00fctzer:innen damit auch geschm\u00e4lt wird, somit eines der Fundamente dieses Unterrichtsmodells in seiner Effektivit\u00e4t behindert. Inklusiver Unterricht muss aufgrund dessen mit allen Teilnehmer:innen gedacht werden und darf nicht diese als Individuen, sondern eher als soziales Kollektiv, welches aufeinander einwirkt.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Forschungsfragen k\u00f6nnten sich mit eben diesen Themen besch\u00e4ftigen. Beispielhaft lasse sich die Frage stellen, \u201eMit welchen Methoden die Integration fortgeschrittener Sch\u00fcler:innen in die Unterst\u00fctzung von Mitsch\u00fcler:innen im inklusiven Unterricht m\u00f6glich ist?\u201c Im Praktikum k\u00f6nnten solche Prozesse beobachtet werden, wie zum Beispiel die Lehrperson mit dieser Aufgabe umgeht und inwiefern eine Durchsetzung effektiv und m\u00f6glichst effizient durchgef\u00fchrt werden kann. Dabei k\u00f6nnten \u00fcber die Zeit des Praktikums die Lernerfolge beider Lerngruppen verglichen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3)<\/p>\n<p>Zum ersten Aktionsmodell von Weinert (1997) zu den sogenannten Reaktionsformen lassen sich einige Beispiele zu den jeweiligen verschiedenen Reaktionsformen nennen. Bei der Form der passiven w\u00e4re vor allem der Frontalunterricht als Beispiel passend, da hier keine Differenzierung passiert und alle Aufgaben egalit\u00e4r aufgegeben werden also alle Sch\u00fcler:innen gleichbehandelt werden. Bei der substitutiven Form ist als Beispiel die Aufteilung in Gruppen zu nennen. In diesem Beispiel wird zwar eine Anpassung durchgef\u00fchrt jedoch ist sie vor allem zum Effekt einer Homogenisierung anhand des Faktors des Lernerfolge. Dabei k\u00f6nnten zum Beispiel Lernende mit Beeintr\u00e4chtigung getrennt von Nicht-Beeintr\u00e4chtigten Lernenden unterrichtet werden. Drittens ist die aktive Form dabei wird eine eher spontane Anpassung des Unterrichts durchgef\u00fchrt. Im Beispiel zu nennen ist die Lehrperson welche w\u00e4hrend der Bearbeitung der zu erf\u00fcllenden Aufgaben, wie eines Arbeitsblattes den Sch\u00fcler:innen individuell Hilfen und Erkl\u00e4rung bereitstellt. Zuletzt ist die proaktive Form zu nennen bei der im Voraus versucht wird den Lernenden Arbeitsmaterial ihren F\u00e4higkeiten entsprechend bereitzustellen und differenzierte Lernpfade f\u00fcr differenzierte Sch\u00fcler:innen.<\/p>\n<p>Beim Adaptionsm\u00f6glichkeitenmodell von Leutner (1992) ist bei der ersten Form F\u00f6rderung das Beispiel zu nennen, dass sogenannte begabte Kinder eher erh\u00f6hte Lernzieleforderungen haben und zum Beispiel zus\u00e4tzliche \u00dcbungen bekommen oder von h\u00f6herem Niveau. Bei der Form Kompensation sollen vor allem lerngeschw\u00e4chte Kinder gef\u00f6rdert werden, dazu k\u00f6nnten beispielsweise Kinder mit Lese-Rechtsschreibschw\u00e4che gezieltes Rechtsschreibtraining und eine erh\u00f6hte Lernzeit erhalten. Letztens ist f\u00fcr die Form der Pr\u00e4ferenz beispielshaft die Einf\u00fchrung von bestimmten Wahlpflicht-AGs zum Beispiel in Musik, Technik, Kunst und weiteres. Wobei die individuellen Interessen ber\u00fccksichtigt werden sollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literaturverzeichnis<\/p>\n<p>Deary, I. J., Strand, S., Smith, P., &amp; Fernandes, C. (2007). Intelligence and educational Achievement. Intelligence, 35(1), 13\u201321. https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.intell.2006.02.001<\/p>\n<p>Leutner, D. (1992). Adaptive Lehrsysteme: Instruktionspsychologische Grundlagen und experimentelle Analysen. Beltz.<\/p>\n<p>Rost, D. H., &amp; Wild, E. (1995). Lern- und Intelligenzentwicklung im fr\u00fchen Schulalter. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 42(2), 83\u201396.<\/p>\n<p>Schneider, W., K\u00f6rkel, J., &amp; Weinert, F. E. (1989). Domain-specific knowledge and memory performance: A comparison of high- and low-aptitude children. Journal of Educational Psychology, 81(3), 306\u2013312. https:\/\/doi.org\/10.1037\/0022-0663.81.3.306<\/p>\n<p>Weinert, F. E. (1997). Notwendige Methodenvielfalt: Unterschiedliche Lernf\u00e4higkeiten der Sch\u00fcler erfordern variable Unterrichtsmethoden des Lehrers. Friedrich-Jahresheft: Lernmethoden \u2013 Lehrmethoden \u2013 Wege zur Selbst\u00e4ndigkeit, 50\u201352.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1) Intelligenz und Vorwissen haben ein allgemein ein geteiltes Verh\u00e4ltnis f\u00fcr das erfolgreiche Lernen. Die Wirkung einer vergleichsweise hohen Intelligenz kann somit beim Lernen hilfreich sein, da sie die Probleml\u00f6sungsf\u00e4higkeiten bereichert vor allem im Umgang mit neuen Situationen. Jedoch wird auch das Lernen durch Intelligenz durch eine bessere Informationsverarbeitung positiv beeinflusst. 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