{"id":11,"date":"2025-05-23T23:37:05","date_gmt":"2025-05-23T21:37:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/schilling\/?p=11"},"modified":"2025-06-24T13:55:36","modified_gmt":"2025-06-24T11:55:36","slug":"rv07-prof-dr-frank-j-mueller-exlusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/schilling\/2025\/05\/23\/rv07-prof-dr-frank-j-mueller-exlusion\/","title":{"rendered":"RV07 \/\/ Prof. Dr. Frank J. M\u00fcller: Exlusion"},"content":{"rendered":"<p>1)<\/p>\n<p>Die Aussonderung von Sch\u00fcler:innen mit F\u00f6rderbedarf kann einige Effekte auf die Sch\u00fcler:innen selbst aber auch auf die Mitsch\u00fcler:innen und auf die breitere Gesellschaft Auswirkungen annehmen.<\/p>\n<p>Dementsprechend kann eine solche Ausschlie\u00dfung die Schule als wichtigen Teil der Gesellschaft mindern. Dies r\u00fchrt daher, dass durch Schule und ihre Sch\u00fcler:innen Impulse und Entwicklungen gesetzt werden k\u00f6nnen. Wenn also die Schule nicht als Ort der gesamten Gesellschaft gesehen, sondern als exklusiver Teil, welcher Minderheitenschutz nach dem demokratischen Prinzip nicht achtet, k\u00f6nnte das negative Implikationen f\u00fcr die breitere Gesellschaft und deren Minderheiten bedeuten (Prengel, 2016). Au\u00dferdem k\u00f6nnte eine solche Exklusion eher negative Effekte auf die Lernentwicklung der betroffenen Sch\u00fcler:innen mit bereits bestehendem F\u00f6rderbedarf, dies geschieht auch als Folge dessen, dass positive Lernvorbilder nun fehlen. Die Exklusion verhindert neben den negativen Effekten f\u00fcr den Lernerfolg auch das sogenannte Lernen am Gemeinsamen Gegenstand, wie bei Feuser dargestellt und vorgesehen f\u00fcr die Entwicklung aller Sch\u00fcler:innen (Feuser, 2011). Weiter werden die Betroffenen in ihrer sozialen Interaktion und gemeinsamen Bildungsprozess eingeschr\u00e4nkt. Sonst k\u00f6nnten auch psychosoziale Folgen auf eine sogenannte Exklusion folgen. Dazu geh\u00f6rt die Gefahr der sozialen Ausgrenzung im sp\u00e4teren Leben, wie auch eine gewisse Belastung des Selbstkonzepts bei welchem die Sch\u00fcler:innen sich selbst als nicht zugeh\u00f6rig empfinden aufgrund eines erfolgenden gesch\u00e4digten Selbstkonzepts (Prengel, 2016). Diese beiden m\u00f6glichen Folgen w\u00fcrden somit allgemein zu einer Sch\u00e4digung einer vollen und gleichwertigen Integration und Sozialisation Aller in unsere Gesellschaft, allgemein k\u00f6nnte dadurch auch eine gewisse sonst erlernte Kooperation und Akzeptanz mit anderen verloren gehen, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt schw\u00e4chen k\u00f6nnte. Zuletzt kann auch die Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit leiden da eine \u201eAussiebung\u201c eher zu ungleichen Bildungswegen und geringeren Abschlussperspektiven f\u00fchrt (Prengel, 2016). Diese \u201ealternativen\u201c Bildungswege bedeuten somit h\u00e4ufig eine Unterentwicklung des Bildungspotenziale der F\u00f6rderbed\u00fcrftigen Sch\u00fcler:innen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2)<\/p>\n<p>Beide Diagnosen (F\u00f6rderschwerpunkt Wahrnehmung &amp; Entwicklung und F\u00f6rderschwerpunkt Lernen) sind nur bedingt nutzbar um eine Unterrichtsanpassung, da die Implikationen oft sehr weit interpretierbar sind und deswegen kaum eine praxisnahe, individuelle Einsch\u00e4tzung. Zwar ist damit klar, dass entweder eine Beeintr\u00e4chtigung der Wahrnehmungsverarbeitung oder des Lernens vorliegt, was genau dies aber f\u00fcr den Unterricht bedeutet ist aber unklar. Dies liegt vor allem an den pluralen Auspr\u00e4gungen. Die Diagnose Trisomie 21 dagegen hat zwar bestimmte Vorteile da sie dementsprechend genauer ist. Jedoch ben\u00f6tigt eine solche Diagnose bei Lehrenden welche nicht ausreichend mit dieser erfahren sind weitreichende Recherche um die Implikationen zu verstehen, welche die Diagnose f\u00fcr den individuellen Unterricht bedeutet. Denn die Diagnose selbst beschreibt nur die medizinische und genetische Grundlage, welche f\u00fcr den Unterricht selbst jedoch relativ irrelevant sind und nicht f\u00fcr eine Anpassung genutzt werden k\u00f6nnen. Die Pluralit\u00e4t der Diagnose ist auch wenn eingeschr\u00e4nkt trotzdem vorhanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3)<\/p>\n<p>Die Zug\u00e4nglichkeit und Anschaulichkeit von Medien und Materialien l\u00e4sst sich vor allem durch den Einsatz einer sogenannten mehrkan\u00e4ligen Repr\u00e4sentation nach Bruner (1966) verbessern. Bei dieser werden verschiedene Arten von Materialien verwendet. Besipielshaft zu nennen sind enaktive (handelnd), ikonische (bildhaft) und symbolische (sprachlich) Materialien oder basal-perzeptive, meinend mit allen Sinnen wahrnehmend. Es k\u00f6nnten nach diesem Prinzip sprechende Texte und Symbolsammlungen (z.\u202fB. von <a href=\"http:\/\/arasaac.org\">arasaac.org<\/a> oder pictoselector.eu), Visualisierungen oder Videos zur Erkl\u00e4rung eingesetzt werden. Au\u00dferdem k\u00f6nnten im Unterricht eher verschiedene Anspr\u00fcche und F\u00e4higkeiten angesprochen werden, wie zum Beispiel ein Angebot von Materialien auf unterschiedlichen Niveaus und die Ber\u00fccksichtigung von individuellen Interessen, F\u00e4higkeiten und Lebenswirlichkeiten (Bruner, 1966).<\/p>\n<p>Verb\u00fcndete zu finden in der Arbeit f\u00fcr die Inklusion kann helfen diese zu verbessern und verst\u00e4rken. Als Verb\u00fcndete im Schulalltag bietet es sich an das Kollegium oder mit der Schulleitung zusammenzuarbeiten zur Entwicklung gemeinsamer Materialien und zur Sicherstellung inklusiver Ressourcen. Auch die Mitsprache der Sch\u00fcler:innen mit F\u00f6rderbedarf und gegenseitiges Lernen unter Sch\u00fcler:innen kann eine effektivere Inklusion erm\u00f6glichen. Zuletzt kann auch eine Einbindung der Eltern und Kooperation bei der Unterst\u00fctzung des:r jeweiligen Sch\u00fcler:in.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4)<\/p>\n<p>Ich empfehle euch, das Video \u201eWie Sprache unser Denken beeinflusst\u201c anzusehen. Es vermittelt auf verst\u00e4ndliche und spannende Weise, wie Sprache unsere Wahrnehmung der Welt pr\u00e4gt, ein Thema, das gerade f\u00fcr Studierende in geistes- und sozialwissenschaftlichen F\u00e4chern sehr relevant ist. Besonders interessant fand ich die Beispiele aus verschiedenen Kulturen, die zeigen, wie unterschiedlich Menschen denken, je nachdem, welche Sprache sie sprechen. Das Video regt zum Nachdenken an und bietet eine gute Grundlage f\u00fcr weitere Diskussionen im euren respektiven, weiterf\u00fchrenden Seminaren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p>Bruner, J. S. (1966). Toward a Theory of Instruction. Harvard University Press.<\/p>\n<p>Feuser, G. (2011). Gemeinsamer Unterricht \u2013 Gemeinsam lernen. In A. Hinz, V. K\u00f6rner &amp; M. Niehoff (Hrsg.), Auf dem Weg zur Schule f\u00fcr alle (S. 51\u201372). Beltz Juventa.<\/p>\n<p>Prengel, A. (2016). P\u00e4dagogik der Vielfalt: Verschiedenheit und Gleichberechtigung in der Erziehung. VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1) Die Aussonderung von Sch\u00fcler:innen mit F\u00f6rderbedarf kann einige Effekte auf die Sch\u00fcler:innen selbst aber auch auf die Mitsch\u00fcler:innen und auf die breitere Gesellschaft Auswirkungen annehmen. 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