- Erläutern Sie bitte die unterschiedlichen Strategien zum Umgang mit Heterogenität (Differenzierung, Individualisierung, Personalisierung, Unterstützung sowie kooperatives Lernen) mittels digitaler Medien anhand von konkreten digitalen Beispielen wie z.B. Apps, Programme oder andere digitale Lern- oder Übungsangebote in einem ihrer Fächer. Welche Potentiale erkennen Sie in der Nutzung kommunikativer KI (Bsp. Khanmigo in der Vorlesung, ChatGPT, KI-Tools von fobizz https://tools.fobizz.com/gallery?query=&model%5B%5D=Collection ; siehe auch den beigefügten Text von Holmes 2023)? Was kann die Software ggf. nicht leisten?
Die Stärke der Unterstützung durch digitale Medien ist vor allem, dass Lernangebote passgenau auf individuelle Bedürfnisse der Schüler:innen zugeschnitten werden können (Lütje-Klose & Urban, 2014). Damit entsteht im Klassenverband die Förderung von Chancengleichheit und Inklusion. Es können gezielt Beeinträchtigungen, Sprachbarrieren, Lernschwierigkeiten unterstützt werden. Dies ist möglich da in diesem heterogenen Unterricht unterschiedliche Lernmethoden und Angebote eingeführt werden. Letztens als Effekt und eine der Stärken dieser Strategien ist auch die erhöhte Motivation der Schüler:innen, da die Schüler:innen selbst ihr Lernen regulieren können (vgl. Helmke, 2017). Es besteht im Unterricht somit eine Differenzierung, Schüler:innen arbeiten am gleichen Thema, jedoch mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden (Kerres, 2018). Vor allem digitale Plattformen ermöglichen diese Diversität, da sie die Möglichkeit haben adaptiv Aufgaben zu stellen. Zum Beispiel die Sprachlernapp Duolingo, welche Lernenden ermöglicht automatisch Aufgaben an ihr Leistungsniveau anzupassen. Diese Plattformen unterstützen somit gezielt und individualisiert Lernende bei Schwierigkeiten (Kerres, 2018). Jedoch ist dies vor allem nützlich, wenn Lernende diese Rückmeldungen von Plattformen und oder Lehrenden aktiv nutzen (Hattie, 2013). Durch die digitalen Medien kann außerdem ermöglicht werden, dass nicht Lehrer:innen Themen für die Schüler:innen aussuchen, sondern Lernende selbst nach eigenen Interessen entscheiden können, dadurch kann die Motivation zum Lernen steigen. Auch können generative KIs als Schreib- und Lernhilfe verwendet werden (Holmes et. al., 2023). Somit ersetzt KI Lehrkräfte nicht, sondern ergänzt in Feldern, welche sonst problematisch sein könnten (Holmes et. al., 2023). Problematisch könnte jedoch sein, dass die Klassen durch diese Methode an ihrem sozialen Aspekt verlieren und somit der Klassenverband geschwächt wird. Eben dieser ist vor allem bei der Entwicklung der Kinder durchaus relevant. Vor allem im Englischunterricht wird dies deutlich, da kooperatives Lernen sehr relevant für die Entwicklung der Sprachkompetenz und sozialen Fähigkeiten der Jugendlichen ist (Reinmann & Mandl, 2006). Jedoch können digitale Medien auch vor allem im Bereich Sprache eine bewertungs- und schamfreie Atmosphäre schaffen, welche so im allgemeinen Klassenunterricht nicht möglich ist (Riemer, 2010).
- Welche negativen Effekte in Bezug auf Bildungszugang könnten sowohl Filterblasen als auch der Zero-Level-Divide haben? Wie kann Schule dem entgegenwirken?
Durch den Zero-Level Divide werden vor allem soziale, wie Bildungsunterschiede vergrößert. Denn beim Zero Level Divide spalten sich die Grundvoraussetzungen im digitalen Lernen entlang der sozialen Milieus (OECD, 2021). Aber nicht nur die bloße Möglichkeit des Zugangs eines Gerätes ist entscheidend, sondern vor allem allgemeine Faktoren, wie die Lernumgebung und Unterstützung und Wissen des Elternhauses. Diese Unterschiede werden oft missachtet und nicht ausgeglichen, womit stärkere digitale soziale Ungleichheiten entstehen (Klein & Iske, 2016). In der Schule führt somit aktiv die soziale Herkunft zu einer Beeinflussung des Lernerfolges bei digitalen Medien. Außerdem beeinflussend in der Bildung sind sogenannte Filterblasen. Durch diese können Lernende eher einseitige Informationen bekommen und in ihrer Entwicklung von kritischem Denken gehemmt werden, da sie weniger Kontakt mit anspruchsvollen und kontroversen Themen haben (Pariser, 2011). Vor allem in der Vergangenheit waren Lehrkräfte und Eltern der Ansicht, dass die neuen Generationen „Digital Natives“ sind, mit dem Internet aufgewachsen wären und somit die nötigen Fertigkeiten für das digitale Arbeiten besäßen. Jedoch ist evident, dass das überwiegende Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen sich deutlich von dem vom schulischen digitalen Lernen unterscheidet, zum Beispiel TikTok oder Word. Dementsprechend kann beobachtet, dass Kindern und Jugendliche manchmal für die Schule eher unnütze digitale Fähigkeiten vorweisen können. Die notwendigen Kompetenzen müssen von Schulen gefördert werden, um einen sinnvollen Umgang mit Medien in der Schule zu garantieren.
- In dem angefügten Text von Wolf & Kulgemeyer werden verschiedene Szenarien des Einsatzes von Erklärvideos im Unterricht dargestellt. Bitte beschäftigen Sie sich in dieser Aufgabe mit dem Szenario 2.3 „Lernen durch Erklären mit Videos“ im Text.
- Welche didaktischen Potentiale sehen sie für den Umgang mit heterogenen Klassen?
Im Umgang mit heterogenen Klassen könnten Lernvideos hilfreich sein, da sie oft bei der Strukturierung und dem Verständnis der Inhalte helfen, vor allem sehr stark adressatengerecht Inhalte vorbereiten und darbieten. Somit können Lernvideos den allgemeinen Lernerfolg steigern, wie auch die generelle Kompetenz im Fach. Aufgrunddessen, dass Lernvideos sehr Lernautonom gestaltet sind können die Schüler:innen außerdem ihre Selbstorganisation dabei stärken, wie auch die Medienkompetenz. Lernvideos bieten verschiedene gedankliche Lernprozesse an, wie das kognitive oder das visuelle oder kreative. Dies ist vor allem bei heterogenen Gruppen relevant, welche oft stark unterschiedliche Stärken zum Anfang der Lernperiode mitbringen. Dadurch dass Lernvideos derart diverse intellektuelle Möglichkeiten bieten können Lernende auch verschiedene Stärken einbringen und diese egalitär beim Lernen einsetzen. Außerdem werden verschiedene verbreitete Schwächen, wie Lese- oder Sprachbarrieren mit Lernvideos oft effektiv umgangen. Denn Inhalten werden oft nachhaltiger verarbeitet, vor allem wenn mehrere Sinne gleichzeitig aktiviert sind. (vgl. Mayer, 2020)
- Bitte suchen sie auf YouTube, TikTok oder Instagram dazu zwei oder mehrere Video-Beispiele zu einem konkreten Unterrichtsthema aus einem ihrer Fächer (Politik, Englisch) mit möglichst diversen Autor:innen bzw. Protagonist:innen heraus. Bitte kommentieren Sie, welche Impulse deren Vielfältigkeit für einen Unterricht in heterogenen Klassen bieten. Dazu können Sie sich auch auf den angefügten Text von Honkomp-Wilkens & Wolf beziehen.
Mein erstes Beispiel bezieht sich auf das Video von dem Youtube Kanal BBC Learning English und ihrem Video „British vs. American English Explained by Teenagers“. In diesem Video stellen Jugendliche verschiedene Akzente und kulturelle Hintergründe vor. Das Video stellt die Idee da, dass Aussehen, Sprache und Wissen keine unbedingte Verbindung bilden. Lernende sind somit auch in ihren eigenen Erlebnissen im Lernprozess eingebunden und mehrere diverse Gruppen können direkt angesprochen werden. Dadurch entsteht auch Motivation und Lernende fühlen sich ernst genommen. Ein weiteres Beispiel ist der Instagram und TikTok-Kanal Zay, wo ein junger Schwarzer Mann, welcher lispelt verschiedene linguistische englische, spanische und kreolische Prinzipien erklärt. Außerdem errät er anhand des Dialektes verschiedener anderer Influencer deren Herkunft und oder Ethnie oder klärt darüber auf wenn Menschen ihren Akzent fälschen und zum Beispiel einen „Blaccent“ benutzen. Diese Repräsentierung unterstützt ein ausgeglichenes Selbstbild bei Lernenden mit ähnlichem Hintergrund und unterstützt allgemein diversitätssensible Medienbildung. Pädagogisch fördert diese Repräsentation Motivation.
Literatur:
Hattie, J. (2013). Visible Learning: A Synthesis of Over 800 Meta-Analyses Relating to Achievement. London: Routledge.
Holmes, W., Bialik, M., & Fadel, C. (2023). Artificial Intelligence in Education: Promises and Implications for Teaching and Learning. Boston: Center for Curriculum Redesign.
Kerres, M. (2018). Mediendidaktik: Konzeption und Entwicklung digitaler Lernangebote. Berlin: De Gruyter.
Mayer, R. E. (2020). Multimedia Learning. Cambridge University Press.
Wolf, S. & Kulgemeyer, C. (2021). Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Beltz.
Honkomp-Wilkens, M. & Wolf, S. (2024). Diversitätssensible Medienbildung. Springer.
Reinmann, G., & Mandl, H. (2006). Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. München: Oldenbourg.